21.04.2020

Dümmel beim Höhle der Löwen Staffelfinale: „Die Schnellen fressen die Langsamen“

Beim Staffelfinale von "Die Höhle der Löwen" ging es um "beißende" Schienbeinschoner, Keim-bekämpfende Tapeten und eine Seife, die sich als Shampoo und Duschgel "identifiziert". Zudem erregte ein Startup mit seiner Idee den Unmut eines Löwen, der das Produkt ein "großstädtisches Hirngespinst" nannte.
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Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Investor Carsten Maschmeyer nimmt die Anti-Keim Tapete von "keimEX" genau unter die Lupe.
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Der erste in der „Höhle der Löwen“ war Hannes Mirrow. Mit Panthergrip präsentiert der Wirtschaftsingenieur „den ersten unverrutschbaren Schienbeinschoner der Welt”. Auf der Oberfläche befinden sich tausende mikroskopisch kleine „Zähne“, die für einen rutschfesten Sitz im Stutzen sorgen sollen. Zusätzlich lässt Panthergrip im oberen Bereich Platz für die Muskulatur zum Arbeiten und im unteren Bereich bildet ein Kanal Schutz für die Sehnen. Für die Produktion und Marketing benötigt Hannes Mirow 120.000 Euro und bot den Löwen dafür für 25 Prozent seiner Firmenanteile.

+++ Frank Thelen verlässt Startup-TV-Show „Die Höhle der Löwen“ +++

Der sexy Löwe

Konzernchef Nils Glagau zog sich zu Präsentationszwecken direkt im Studio um und legte ein Fußball-Gewand an. Nachdem sich LEH-Experte Ralf Dümmel und Shopping-Queen Judith Williams scherzhaft darüber freuten gleich ihren Löwen-Kollegen in einem sexy Outfit zu sehen, meinte der Angesprochene nach dem Test, der Schoner sitze gut. Auch die mitgelieferte Anziehhilfe sei leicht zu verwenden.

Eine Drohung bei „Die Höhle der Löwen“

Nach kurzen Gesprächen über den Werdegang bot Glagau für das patentierte Produkt zuerst irrtümlich 125.000 Euro für 25 Prozent. Der Gründer klärte das Missverständnis auf und wollte dem Rest der Löwen lauschen. Als Dümmel einige offene Dinge klärte, griff Glagau plötzlich ein und drohte damit, er würde sein Angebot zurückziehen, wenn sich der Gründer nicht gleich für ihn entscheide.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer -Hannes Mirow spannte gleich die Investor Nils Glagau (M.) als Vorführmodel ein.

„Kein Sinn weiterzumachen“

Mirrow fragte nach dem Grund dieses Verhaltens und bekam als Antwort, dass Glagau an den Gründer und das Produkt glaube und er auch ohne weitere Infos gerne dabei wäre. Es würde für den Investor keinen Sinn machen, wenn das ganze Prozedere mit den anderen Löwen weiter läuft, obwohl das Angebot bereits am Tisch liegt. Schlussendlich kam es für Panthergrip zum Deal mit dem Wunsch-Investor.

Zwei Wochen Test in Uniklinik

Mit keimEX präsentierten Ullrich und Paul Eitel in der „Höhle der Löwen“ einen antibakteriellen Wandbelag, der aktiv Keime und Bakterien bekämpfen und reduzieren soll. Die Oberfläche der speziellen Tapete enthält unter anderem Silberionen und könne so in hygienisch sensiblen Räumen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen Krankheitserreger im Wandbereich verringern. An der Uniklinik Marburg wurde der Wandbelag über 14 Wochen getestet. In dem mit keimEX ausgestatteten Raum wurde eine um 64 Prozent niedrigere lokale Keimbelastung festgestellt, so der Gründer

Fünfte Generation Familienunternehmen

Die Tapete sei unter anderem leicht und sicher wischdesinfizierbar, scheuerbeständig, robust und langlebig. Ullrich Eitel ist Inhaber der „Marburger Tapetenfabrik“, die in der fünften Generation als Familienunternehmen geführt wird. Aus dem Mutterkonzern hat er gemeinsam mit seinem Sohn Paul das Tochterunternehmen keimEx GmbH gegründet. Für den Ausbau des Vertriebs ist das Vater-Sohn-Gespann auf der Suche nach einem Investor und strategischen Partner. Ihr Angebot an die Löwen: 500.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile.

keimEx, Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Paul (l.) und Ullrich Eitel wollten mit „keimEX“, einer Anti-Keim Tapete, die Löwen beeindrucken.

Verwunderung über Struktur bei „Die Höhle der Löwen“

Multi-Investor Carsten Maschmeyer lobte den Problemlöser. Danach ging es um die Firmenstruktur. Vater Ulrich Eitel hält 100 Prozent an der neuen GmbH keimEx, Sohnemann Paul ist Geschäftsführer. Dass das eigene Kind keine Anteile am Startup besitzt, verwunderte den Juroren etwas, sodass der Gründer spontan meinte: „Wenn sie, Herr Maschmeyer, 25 Prozent nehmen, bekommt mein Sohn auch 25“.

Knifflige Sache, wenn Vaterfirma Lieferant ist

Doch es tat sich ein weiteres Problem auf: Da die Marburger Tapetenfabrik im Besitz des Vaters Eitel das Produkt produziert, wollte Medien-Profi Georg Kofler wissen, wie den die Dienstleistung mit dem Startup verrechnet wird. Dies sei nämlich eine knifflige Sache. Zudem scheine hier eine gewisse Abhängigkeit durch, warf Dümmel ein und stieß damit die Frage an, was passiere, wenn Ulrich Eitel entscheide, den Preis für die Produktion zu erhöhen.

Langfristiger Vertrag als Lösung?

Es zeigte sich, dass die Antwort des Gründers durchdacht war. Er meinte, die Produktionskosten für die Herstellung eines Quadratmeters Tapete beträgt 1,95 Euro. Er wäre bereit einen langfristigen Vertrag aufzusetzen, in dem festgelegt wird, dass es das Produkt an keimEx um zwei Euro verkauft.

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Kein Herzblut?

Nils Glagau meinte danach, Sohn und Student Paul könne neben seinem Studium nicht wirklich mit vollem Herzblut hinter dem Startup stehen und Ulrich müsste sich um seine andere Firma kümmern. Dieser Umstand passte ihm nicht und der Löwe stieg aus. Danach musste Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl das Familienoberhaupt der Eitels bremsen, damit „der Junior auch mal zu Wort kommt“. Von ihm erfuhr man, dass bisher 25.000 Euro Umsatz erwirtschaftet wurden. Dies regte Kofler auf.

Lieben heißt, …

„Da ist ja gar nichts da“, sagt er. Mit der Bewertung fühle er sich „veräppelt“. Und war raus. Auch Wöhrl hatte trotz des tollen Produkts ein Problem: Das Vater-Sohn-Gespann. Ulrich Eitel sei noch nicht bereit seinen Sohn loszulassen, wie man beim Pitch gemerkt habe. Diese Konstellation wäre schwierig. Auch sie ging ohne Angebot.

Das Krankenhausproblem

Der Gründer gab nicht auf und meinte, er wäre bereits 71 Jahre alt und würde sich zurückziehen. Und wäre nur der Lieferant im Hintergrund. Es kam zu einer Demonstration, der der Vorschlag von Dümmel folgte, die Tapete auch im Einzelhandel zu platzieren. Dem widerspreche nichts, außer dass das Produkt erklärt werden müsse, so die Antwort von Ulrich Eitel. Der Löwe stieg daraufhin mit großem Komplimenten aus. Maschmeyer folgte ihm alsbald, da der Einstieg in Krankenhäusern zu schwer sei. Kein Deal für keimEx.

Weltmeisterlicher Besuch in der Höhle der Löwen

Der Handball-Weltmeister Johannes Bitter und Christian Monzel, ehemaliger Spieler und Co-Trainer der „1. Hockey-Bundesliga“ in Deutschland, haben mit drinkbetter ein Nahrungsergänzungsmittel entwickelt. Dank einer SoluSmart-Technologie können insbesondere die schwer wasserlöslichen sekundären Pflanzenstoffe besser aufgenommen werden und ins Blut gelangen, erklärt der Gründer.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Christian Monzel (l.) und Johannes Bitter präsentierten mit „drinkbetter“ ein Leistungs-Booster Elixier in der Höhle der Löwen.

Ohne chemische Hilfsstoffe

Die Herstellung erfolgt durch ein rein natürliches Verfahren ohne chemische Hilfsstoffe. So funktioniert die Anwendung: Stilles Wasser einfüllen, Cap aufschrauben, entriegeln, drücken, schütteln und trinken. Um jetzt den Markteintritt zu realisieren und den Vertrieb voranzubringen, benötigen Johannes Bitter und Christian Monzel 200.000 Euro und bieten dafür 20 Prozent ihrer Firmenanteile.

Unterschiedliche Meinungen zum Geschmack

Nach einem äußerst professionellen Pitch waren sich die Löwen bei der Kostprobe nicht einig. Während Wöhrl meinte, das Getränk schmecke neutral, meinte Kofler es wäre „weniger als neutral“. Und Maschmeyer verglich es mit anderen Drinks, die Ingwer besitzen und nannte es geschmacklich „fantastisch“.

Flüsternde Löwen

Georg Kofler fand die Marke gut, ihm schmecke drinkbetter aber nicht. Er stieg aus. Während Nils Glagau nach dem USP nachfragte, besuchte Dümmel seinen Kollegen Maschmeyer und flüsterte ihm ins Ohr, er fände das Thema super.

300.000 Euro plus eine Million

Das patentierte drinkbetter-Verfahren sei das einzig rein natürliche, um schlussendlich Vitamine in den Körper zu bekommen, so die Antwort der Gründer an den kritischen Glagau. In der Zwischenzeit kamen Maschmeyer und Dümmel überein. Ohne große Umschweife und mit Blick auf den internationalen Markt boten sie 300.000 Euro für 30 Prozent. Bitter fragte daraufhin die Experten nach ihrer Einschätzung, wieviel „working capital“ man benötige. Maschmeyer meinte eine Million Euro, die beide Investoren auch bereit wären zur Verfügung zu stellen.

Ein zweites Angebot in der Höhle der Löwen

Dagmar Wöhrl war ebenfalls begeistert und bot 200.000 Euro für 20 Prozent. Glagau stieg aus. Nach kurzer Beratungsphase entschieden sich die Gründer für das Kombi-Angebot mit Dümmel und Maschmeyer. Deal für drinkbetter.

Home Gardening

Hannes Popken und Dennis Lizarzaburu haben mit Rankwerk etwas schaffen, das Home Gardening für Jedermann möglich machen soll. Die Produktpalette, die sie in der Höhle der Löwen vorstellen, beinhaltet unter anderem biologisches Saatgut, Gartenwerkzeuge, Pflanzengefäße und viele weitere ökologische Gartenartikel. Beim Kauf einer Jahresbox werden die Kunden via Onlinekurs von der Aussaat bis zur Ernte begleitet und bekommen über das Gartenjahr sechsmal verteilt (alle zwei Monate) das entsprechende Saatgut zugestellt. Um noch mehr Menschen für das Gärtnern in der Stadt zu begeistern, benötigen die Gründer 150.000 Euro und bieten dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Dennis Lizarzaburu (l.) und Hannes Popken mussten sich mit ihrer Home Gardeing Idee Rankwerk Kritik von Georg Kofler und Carsten Maschmeyer  gefallen lassen.

Digitalen Content nachsenden

Nach dem Pitch durfte Maschmeyer Saatgut einsetzen und Thelen wollte den USP erklärt bekommen. Wissensvermittlung war die Antwort von Popken. Thelen und die restlichen Juroren störten sich am häufigen Versand der Produkte an Kunden, der finanziell schwer wiegen würde. Der Tech-Löwe meinte, man könne eine Jahres-Box verschicken und digitalen Content regelmäßig nachsenden.

„Großstädtisches Hirngespinst“

Das Argument „Kundenkontakt“ zählte bei den Löwen nicht. Nils Glagau war der erste, der sich verabschiedete. Kofler hingegen konnte sich nicht mit der Zielgruppe des Startups identifizieren und war kein großer Freund von Home Gardening. Er nannte es ein „großstädtisches Hirngespinst“ und war als nächster potentieller Investor weg.

„Wahlkampf“ nötig in der Höhle der Löwen

Thelen folgte unmittelbar. Die Gründer hatten es verabsäumt, ihm ihren USP ausreichend zu erklären. Dümmel nahm die jungen Entrepreneure etwas in Schutz, stieg aber ebenso aus. Die Gründer nutzen am Ende die Chance zu Wort zu kommen und berichteten von den Zusatz-Produkten, die Kunden ebenfalls erhalten würden. Dies nahm Multi-Investor Maschmeyer zum Anlass, dem Duo klarzumachen, sie als Startup-Gründer müssten mehr kämpfen und wie im Wahlkampf ihre Punkte durchbringen. Er glaubte nicht an sie als Geschäftsleute und stieg aus. Kein Deal für Rankwerk.

Kein Palmöl

Während einer Weltreise 2017 lernten sich die Gründer Johannes Lutz und Christoph Lung kennen und merkten, dass es beim Reisen ein Problem gibt: Shampoo und Duschgel in flüssiger Form ist unpraktisch und die Plastikverpackung ist schlecht für die Umwelt. Mit Duschbrocken haben sie eine Alternative entwickelt, die festes Shampoo und Duschgel vereint. Mit nur rund 90 Gramm Gewicht soll das Produkt für zwei Monate reichen. Außerdem verzichten die Gründer bei der Herstellung komplett auf Mikroplastik, Palmöl, Sulfate, Silikone oder sonstige Konservierungsstoffe. Noch wird der Duschbrocken nur über den eigenen Onlineshop vertrieben, doch in Zukunft soll dieser auch im stationären Handel erhältlich sein. Um ihr Ziel zu erreichen, suchen die Gründer in der Höhle der Löwen einen strategischen Partner. Für 250.000 Euro bieten sie zehn Prozent ihrer Firmenanteile.

Drei Varianten

Duschbrocken kommt in drei Varianten daher: Maxi Minz, Carlos Cocos und Frida Früchtchen. Besonders von der letzen Version zeigten sich die Löwen angetan, in der sich Pfirsich, Ananas, Mango und Kokosöl befinden.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Johannes Lutz (r.) und Christoph Lung von „Duschbrocken“ wurden von Dümmel aus dem Studio gebeten – und blieben trotzdem.

Pflegender als Kernseife?

Kofler meinte nach einem Test, seine Hände würde wie die eines Neugeborenen riechen. Glagau sagte indes, er habe bei seinen Rucksack-Reisen ein einfaches Duschgel verwendet, das habe auch funktioniert. Die Gründer argumentierten, dass ihr Brocken ein schaumiges Duscherlebnis liefere und einen Tick pflegender sei als Kernseife.

Zwei Millionen Euro Umsatz in Planung

Wöhrl und Glagau sahen jedoch kein Alleinstellungsmerkmal beim USP und stiegen aus. Kofler störte sich an der aktuellen Firmenbewertung bei einem Jahresumsatz von knapp 500.000 Euro. Die Gründer argumentierten mit steigender Nachfrage und besserer Produktion dagegen; und erwähnten dass Einzelhändler bereits Interesse signalisiert hätten. Man rechne mit einem Umsatz von zwei Millionen für das Jahr 2020.

Maschmeyer, das Anti-Sandmännchen

Daraufhin sagte Maschmeyer, dies wäre ein toller Traum der Gründer, aus dem er sie aufwecken möchte. Neun Euro Verkaufspreis wären zuviel, zudem könne er wenig mit der Bewertung anfangen. Er stieg aus.

Dümmel bittet Gründer hinaus

Kofler waren die Gründer sympathisch. Er sorgte sich aber vor der Konkurrenz der Duschindustrie und ging ebenfalls. Dümmel wiederum meinte, er kenne das Geschäft und die Branchen-Mitstreiter. Man müsse schnell sein, denn nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen, meinte er. Und sandte die beiden jungen Männer aus dem Studio, um ihm ein „richtiges“ Angebot zu machen.

Ein Nein, ein Ja zum Staffelfinale der Höhle der Löwen

Lutz und Lung ließen sich jedoch nicht „wegbitten“ und warfen 20 Prozent Beteiligung in den Raum für die oben genannte Summe. Dies jedoch reichte dem Investor nicht. Er würde mit seinem Team derart viel einbringen und über „working capital“ nachdenken müssen, sodass er zumindest 25 Prozent für 250.000 Euro bekommen sollte. So kam es. Deal für Duschbrocken.


⇒ Panthergrip

⇒ keimEx

⇒ drinkbetter

⇒ Rankwerk

⇒ Duschbrocken

⇒ DHDL zum nachsehen auf TVNOW

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Schulterschluss in Paris: Macron und Modi warben auf der VivaTech 2026 gemeinsam für eine „verantwortungsvolle KI" als Wertegemeinschaft. | (c) VivaTech

Am 12. Juni erreicht Anthropic ein Brief des US-Handelsministeriums. Drei Tage zuvor war Claude Fable 5 erschienen, das leistungsfähigste allgemein verfügbare Modell des Hauses. Nun ist es für jede Person ohne US-Staatsbürgerschaft zu sperren, im In- wie im Ausland. Weil sich Staatsangehörigkeit nicht in Echtzeit prüfen lässt, schaltet Anthropic beide Modelle weltweit ab, auch für die eigenen US-Kund:innen. Betroffen sind nicht nur einzelne Nutzer:innen: Anwendungen, die das Modell direkt einbinden, stehen über Nacht still, und der Fall führt vor Augen, wie viele Produkte und ganze Geschäftsmodelle auf einem einzigen, von außen abschaltbaren Modell ruhen. Der „kill switch“, über den Europa seit Jahren theoretisch debattiert, ist plötzlich real, und er trifft die fortgeschrittenste KI ihrer Generation. Anthropic kündigte an, den Zugang so rasch wie möglich wiederherzustellen, zum Redaktionsschluss war die Sperre weiter in Kraft.

Fünf Tage später öffnet in Paris die VivaTech, Europas größte Tech-Messe, zum zehnten Mal. 15.000 Startups, Jeff Bezos als Stargast, und doch reibt sich die KI-Euphorie an der Angst vor der eigenen technologischen Abhängigkeit. Schon auf der Eröffnungsbühne nimmt Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure direkt Bezug auf die Anthropic-Sperre: Es gehe nicht länger um eine Zugangsdebatte, Regeln könnten sich über Nacht ändern, und Souveränität heiße, dann noch handlungsfähig zu sein. Tags zuvor hatte Premier Lecornu verkündet, der französische Inlandsgeheimdienst trenne sich vom US-Konzern Palantir zugunsten des heimischen Anbieters ChapsVision. Die Kulisse ist gesetzt.

Souveränität, messbar gemacht

Ausnahmsweise lässt sich Souveränität hier auch messen. Nvidia hatte auf der VivaTech 2025 mehr als 20 KI-Fabriken für Europa versprochen und Mistral zum souveränen Compute-Champion erklärt. Und anders als im Vorjahr liefert die Messe Konkretes: Mistral Compute geht als europäische GPU-Cloud teilweise in Betrieb, Foxconn und Bull kündigen eine Serverfertigung im französischen Angers an. Aus Ankündigung wird Auslieferung. Nur ist selbst das Souveräne es nur halb: Mistral Compute läuft auf 18.000 Nvidia-Chips. Die ganze europäische KI ruht auf einem nicht-europäischen Silizium-Sockel. Doch genau hier liegt Europas einziger echter Trumpf: Ohne die EUV-Lithografie des niederländischen Konzerns ASML, dessen Chef Christophe Fouquet ebenfalls in Paris war und der inzwischen Europas wertvollstes Unternehmen ist, kann weltweit niemand Spitzenchips fertigen. Abhängig auf der einen Ebene, unverzichtbar auf der anderen. Souveränität als Baustelle, nicht als Zustand.

„Tech for humanity“: Narendra Modi positionierte Indien auf der VivaTech 2026 als KI-Länderpartner Frankreichs. (c) VivaTech

Und Österreich?

Und Österreich? Steht in dieser Debatte überraschend weit vorn. Die „Declaration on European Digital Sovereignty“, die inzwischen alle 27 EU-Staaten mittragen, geht auf eine österreichische Initiative rund um Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll zurück. Wien als Anstoßgeber dessen, worüber Paris nun diskutiert. Und das Bundesheer hat seine 2020 begonnene Migration von rund 16.000 Arbeitsplätzen auf LibreOffice 2025 abgeschlossen, bewusst ohne Cloud, also ohne fremden Schalter. Die unbequeme Frage für die heimische Szene lautet, ob aus solchen Verwaltungsentscheidungen auch ein Markt für österreichische Anbieter wird, oder ob Souveränität Behördensache bleibt.

Verhandeln aus der Schwäche

Den wahren Lackmustest liefert nicht die Bühne, sondern eine Frage am Rande. Auf die Fable-5-Sperre angesprochen, fordert Emmanuel Macron keine Unabhängigkeit. Er appelliert an die USA, ihre Spitzentechnologie zu teilen, und kündigt zugleich mehr Geld für die französische KI-Industrie an. Zuerst die Bitte um Zugang, dann, hilfsweise, die eigene Souveränität. Das kann man als Schwäche lesen. Man kann es auch als nüchterne Arbeitsteilung verstehen: das Beste nutzen, das es gibt, und parallel absichern, falls es wegbricht. Dass Macron sich die politische Bühne mit Indiens Premier Narendra Modi teilte, der für eine menschenzentrierte KI jenseits von Washington und Peking wirbt, unterstreicht denselben Reflex: Souveränität wird als Wertegemeinschaft inszeniert, die offene Frage nach Compute, Kapital und Chips bleibt.

Joe Tsai Chairman at Alibaba Group bei der VivaTech | (c) brutkasten / Martin Pacher

„Souveränität ist keine Isolation, sie ist Offenheit aus einer Position der Stärke“, sagt Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger. Schön gesagt, nur verhandelte Europa diese Woche aus Abhängigkeit, nicht aus Stärke. Alibabas Joe Tsai formulierte es zynisch ehrlicher: Europa solle seine Eier in zwei Körbe legen. Ein zweiter Lieferant ist keine Unabhängigkeit. Und doch, hier wird es unbequem, ist Diversifizierung für eine Region, die den ganzen Stack realistisch nie allein bauen wird, womöglich nicht die feige, sondern die rationale Antwort. Die ehrliche Variante von Souveränität wäre dann nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, den Lieferanten zu wechseln, wenn einer den Schalter umlegt, ohne dass das eigene Geschäft mit ihm stillsteht.

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Bleibt die Frage, die diese Ausgabe aufwirft. Dass Europa Souveränität will, bestreitet niemand. Die eigentliche Frage ist der Preis: höhere Kosten, langsamere Verfügbarkeit, weniger Zugriff auf das jeweils beste Modell. Und ob das Geld dafür da ist. Auf die USA entfallen rund 50 Prozent des globalen Risikokapitals, auf China 40, auf Europa fünf. Solange sich daran nichts ändert, bleibt Souveränität das würdevollere Wort für eine gut gemanagte Abhängigkeit. Die Fable-5-Woche hat Europa beides gegeben, den Schreck und die Ausrede. Welche Lehre hängen bleibt, entscheidet sich nicht in den Hallen von Porte de Versailles, sondern in den Beschaffungsabteilungen, die nächsten Monat wieder eine Lizenz verlängern müssen.

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Dümmel beim Höhle der Löwen Staffelfinale: „Die Schnellen fressen die Langsamen“

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