02.06.2023

Diese 10 Projekte werden im Spin-off Fellowship Programm gefördert

Beim Spin-off Fellowship Demo Day holten das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG Mitte Mai insgesamt zehn Projekte vor den Vorhang, die im Rahmen des Spin-off Fellowship Programms gefördert werden. brutkasten stellt euch die zehn Projekte vor.
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FFG Demo Day
(c) FFG/Stowasser
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Mit dem Programm Spin-off Fellowship, das über die FFG abgewickelt wird, werden Forscher:innen in Österreich bei der Ausgründung unterstützt. Aufstrebenden Forscher:innen wird dabei die Möglichkeit geboten, eine Idee in relativ kurzer Zeit so weiterzuentwickeln, dass nach dem Ende des Fellowships Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt gebracht werden können. Das Programm kann dabei auf eine wahre Erfolgsgeschichte zurückblicken: Seit 2017 sind aus 24 geförderten Fellowships insgesamt 16 Unternehmensgründungen erfolgt. Dies entspricht einer Gründungsquote von 67 Prozent. Angesichts der bisherigen Erfolgsbilanz gab Bundesminister Martin Polaschek im Rahmen des Spin-off Fellowship Demo Day Mitte Mai bekannt, dass für das Programm bis 2026 insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung stehen – der brutkasten berichtete.

Das sind die zehn aktuellen Projekte

Im Zuge des Spin-off Fellowship Demo Day wurden zudem zehn neue Projekte vorgestellt, die über das Programm gefördert werden. Die thematische Bandbreite ist groß. Neben den Bereichen MedTech & Life Science decken einzelne Projekte beispielsweise auch die Themen PropTech, Anti-Counterfeiting, Lasertechnologie oder klimafreundliche Antriebsarten, wie Brennstoffzellen, ab.

Insgesamt stellt das zuständige Ministerium (BMBWF) rund 4,5 Millionen Euro bereit, um die Projekte in den nächsten Monaten zu fördern. Wie bereits im ersten Call beträgt die Laufzeit eines Spin-off Fellowships zwischen zwölf und 18 Monate. Die Förderung beträgt dabei zwischen 100.000 Euro und maximal 500.000 Euro pro Projekt und erfolgt in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Hier bieten wir euch einen Überblick über die aktuellen Projekte:

AMERICA | Medizinische Universität Wien

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AMERICA ist eine ehrgeizige Initiative, die darauf abzielt, die Anwendung künstlicher Intelligenz im Bereich der Radiologie und Nuklearmedizin zu revolutionieren. Das von Lalith Sundar von der Medizinischen Universität Wien geleitete Projekt konzentriert sich auf ein fortschrittliches KI Copilot-System namens AIstronaut. Dieser einzigartige Orchestrator nutzt eine ausgefeilte linguistische KI, um eine Reihe von KI-Tools für die Bildanalyse nahtlos zu koordinieren und sie effektiv wie Plugins zu behandeln.

Fellow: Dr. Lalith Kumar Shiyam Sundar | Host: Dr. Thomas Beyer, MBA

Avtonomy | Universität Klagenfurt

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Trotz großer Fortschritte in der Drohnentechnologie, werden zumindest Teilschritte der Drohnenflüge nach wie vor manuell ausgeführt oder es sind hochspezialisierte Plattformen und Technologien notwendig – zu hohen Kosten und limitiert auf ganz spezifische Anwendungen. Genau diese Punkte sieht das Team – neben den heute noch strengen Regularien – als eine der größten Hemmschwellen für den Einsatz von vollautonomen Drohnen in KMU und Industrien mit niedrigeren Margen. Basierend auf jahrelanger Forschung und Entwicklung stellt das Team rund um Alexander Hardt-Stremayr von der Universität Klagenfurt ein neuartiges Technologiepaket für die Industrie zur Verfügung, das durch die Nutzung von Standardsensoren und seine hohe Modularität auch in bestehenden Drohnen und Standarddrohnenbausätzen verbaut werden kann.

Fellow: DI Alexander Hardt-Stremayr | Host: Univ.-Prof. Dr. DI Stephan Weiss

CALC Dx | Medizinische Universität Graz

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Das Hauptziel des Projektes ist, die von Samantha Hasenleithner und Benjamin Spiegl an der Med Uni Graz entwickelten Liquid Biopsy Verfahren aus dem Stadium der Frühphasentechnologie in robuste und in der medizinischen Diagnostik einsatzfähige Methoden weiterzuentwickeln. Das beinhaltet die Komplettierung des Softwareprototyps, die Erweiterung der etablierten Algorithmen und deren Feinjustierung und Bestimmung ihrer Auflösungsgrenzen im jeweiligen Anwendungsfall, um die erforderliche Robustheit in den spezifischen Anwendungsfällen gewährleisten zu können.

Fellows: Dr. Samantha Hasenleithner & DI Benjamin Spiegl | Host: Univ.-Prof. Dr. Michael Speicher

CRC-OC-OV | Medizinische Universität Wien

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Julijan Kabiljo und Jakob Homola von der Medizinischen Universität Wien beschäftigen sich mit der Entwicklung von adaptierten onkolytischen Influenza A Viren mit Spezifität zu Kolorektalkarzinomen mit dem Ziel als Spin-off eine Zulassung und schlussendliche Anwendung bei Patientinnen und Patienten zu ermöglichen. Dadurch soll eine Verlängerung des Lebens und eine Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom erreicht werden. Durch die damit einhergehenden besseren Behandlungserfolge und den Ersatz von Chemotherapie durch das neu entwickelte Medikament sollen darüber hinaus auch deutlich weniger Nebenwirkungen für Patientinnen und Patienten entstehen.

Fellows: Dr. Julijan Kabiljo & Jakob Homola, BSc. | Host: Prof. Dr. Michael Bergmann

DIGICOPRO | Technische Universität Graz

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Zu schnelles und ungleichförmiges Betonieren führt zu schlechten Beton(oberflächen)eigenschaften. Diese zeigen sich als Unregelmäßigkeiten in der Struktur und Farbgleichheit sowie in Form unebener Flächen und einer reduzierten Festigkeit des Betons. Kostenintensive und zeitaufwändige Sanierungen sind die Folge. Im schlimmsten Fall ist ein Abbruch von Bauteilen erforderlich. Um die Qualität in der Herstellung zu verbessern bzw. zu sichern, entwickeln Ralph Stöckl und Christoph Stöckl am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz ein polysensorales Überwachungs-, Steuerungs- sowie Dokumentationssystem für Betonierprozesse.

Fellows: DI Dr. Ralph Stöckl & DI Dr. Christoph Stöckl | Host: Assoc. Prof. DI Dr. Christian Hofstadler

Future Lasers (Tulon Photonics) | IST Austria

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Tulon Photonics ist auf vielseitige, kosteneffiziente Laser mit gleichzeitiger Frequenzrauschleistung und Abstimmbarkeit spezialisiert. Diese Eigenschaften erhöhen die Bandbreite und Empfindlichkeit in modernen Photonik-Anwendungen wie optische Kommunikation, Fernerkundung und neue Quantentechnologien erheblich. Im Rahmen des Projekts wird Tulon Photonics die ersten großen Schritte in Richtung der Photonikindustrie unternehmen und Prototyp-Demonstratoren entwickeln. Tulon Photonics bietet Laser der nächsten Generation an, um die Photonik des 21. Jahrhunderts zu revolutionieren.

Fellow: Dr.Fritz Diorico, MSc. | Host: Ass. Prof. Dr. Onur Hosten

Hefe-Biosensoren | FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH

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Alexander Zwirzitz und Kevin Trenzinger entwickeln am Campus Wels der Fachhochschule OÖ ein neuartiges diagnostisches Verfahren. Diese Plattform-Technologie soll vor allem in der Medizin zur schnellen und günstigen Diagnose von Infektionskrankheiten zum Einsatz kommen. Dabei setzt das Team der FH Oberösterreich einfache Bäckerhefe als lebendige biologische Sensoren ein. Im Rahmen des FFG Spin-off Fellowships werden nun Marktstudien durchgeführt und Prototypen hergestellt, die anschließend in medizinischen Laboren auf ihre Praxistauglichkeit getestet und mit bestehenden Methoden verglichen werden.

Fellows: Dr. Alexander Zwirzitz & Kevin Trenzinger, MSc | Host: Dr. Manuel Selg

IrrevoChrom | Universität Wien

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Im Zeitalter des E-Commerce muss ein ideales fälschungssicheres Kontrolletikett nicht nur kosteneffizient, massenproduzierbar, robust und unanfechtbar sein, sondern auch interaktiv und bequem für die Authentifizierung durch den Endkunden. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt Laura Maggini vom Institut für Organische Chemie der Universität Wien eine Technologie, die Produktetiketten interaktiv macht. In der Vision von IrrevoChrom werden Produktetiketten in der Lage sein, Daten über Produkte entlang ihrer Lieferkette zu speichern und zu erfassen und diese dann den Kunden als fälschungssichere visuelle Botschaft an Ort und Stelle bzw. bei Bedarf anzuzeigen, ohne dass ein externes Lesegerät erforderlich ist.

Fellow: Dr. Laura Maggini | Host: Prof. Davide Bonifazi

Labelled amino acids | Universität Wien

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Predrag Kalaba vom Institut der Biologischen Chemie an der Universität Wien arbeitet zusammen mit seinem Team an einem innovativen und effizienten Verfahren zur Herstellung eines kompletten Satzes von isotopenmarkierten Aminosäuren. Diese Technologie ist skalierbar, zeiteffizient, liegt unter den derzeitigen Produktionskosten der Industrie und ermöglicht den Zugang zu einer kompletten Familie dieser markierten Aminosäuren. Das Ziel ist, den Zugang zu diesen Aminosäuren in einem für die industrielle Produktion geeigneten Maßstab zu erhalten.

Fellow: Dr. Predrag Kalaba | Host: Assoz. Prof. Dr. DI Markus Muttenthaler

polyDURAMEA | Technische Universität Graz

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Maximilian Grandi, Nikhat Pasha und Rene Maiberg vom Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik forschen am Herzstück der Brennstoffzelle, der MEA (Membrane Electrode Assembly). Die MEA ist maßgeblich für die Eigenschaften der Brennstoffzelle verantwortlich. Eine Herausforderung liegt in der begrenzten Haltbarkeit der Brennstoffzellen und deren hohen Kosten. Durch ein am Institut entwickeltes patentiertes Verfahren konnte die Lebensdauer im Vergleich zu bisherigen Technologien bereits verdoppelt werden. Ziel des Projekts polyDURAMEA ist es, einen marktreifen Prototypen zur zukünftigen Dekarbonisierung von LKW, Bussen, Zügen, Schiffen, Flugzeugen und stationären Anwendungen zu entwickeln, um massiv CO2 einzusparen.

Fellows: DI Maximilian Grandi, BSc., Nikhat Pasha, BEng. & DI Dr. Rene Maiberg | Host: Univ.-Prof. DI Dr. Viktor Hacker


Tipp der Redaktion

Mitte Mai startete zudem die nächste Einreichfrist für das Spin-off Fellowship Programm. Anträge können bis zum 19.09. eingereicht werden. Mehr über die Förderkonditionen könnt ihr hier erfahren.

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v.l.n.r.) Sergio Rodríguez, Alejandro Huenich und Günter Winkler beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026" am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Millionenbudgets, erfahrene Business Developer und am Ende trotzdem kein einziger Abschluss: An diesem Muster scheiterten japanische Medizintechnik-Unternehmen immer wieder bei ihren Expansionsversuchen in die USA. „Zu Decoto kamen Unternehmen, die zuvor Millionen in ihr Business Development in den USA investiert und ihre besten japanischen Mitarbeiter dorthin geschickt hatten und nach zwei oder drei Jahren trotzdem keinen Umsatz erzielen konnten“, erzählt Alejandro Huenich im Gespräch mit brutkasten.

Aus genau dieser Beobachtung heraus gründete Sean Yoshikawa vor rund vier Jahren Decoto International in Tokio: als Antwort auf Handelshemmnisse, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, an denen die Internationalisierung von MedTech-Unternehmen häufig scheitert.

Huenich, der zuvor in der österreichischen Blockchain-Szene aktiv war, stieg später als Co-Founder ein. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits Jahre zuvor bei einer Startup-Live-Veranstaltung in Österreich, an der Yoshikawa auf Einladung der WKO teilgenommen hatte. In die Medizintechnik kam Huenich zunächst ohne Branchenerfahrung: Innerhalb von 48 Stunden erhielt er zwei voneinander unabhängige Anfragen aus dem MedTech-Bereich, neben Yoshikawas Anruf auch eine Vermittlung zum Wiener Medizintechnik-Unternehmen Aurimod. „Das Universum hat mir innerhalb von 48 Stunden gleich zweimal MedTech auf den Tisch geknallt“, sagt Huenich.

Seit Jänner 2026 führt Huenich Decoto als Geschäftsführer und hat die Marke übernommen. Gründer Yoshikawa ist aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, begleitet das Netzwerk jedoch weiterhin punktuell beratend. Eine spätere Rückkehr bleibt offen.

Mit dem Wechsel an der Spitze kam auch eine strategische Neuausrichtung: „Ich habe Decoto stärker europäisch ausgerichtet“, sagt Huenich. Graz soll künftig als „Gateway to Europe“ dienen und internationalen MedTech-Unternehmen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern. Gleichzeitig bleibt das globale Modell bestehen: Partner in Mexiko öffnen den Zugang zu Lateinamerika, das Netzwerk in Japan zu Südostasien, weitere Partner decken Europa und die USA ab.

Ein Netzwerk ohne Angestellte

Decoto ist in mehr als elf Ländern aktiv, mit Schwerpunkten in Südostasien, Japan, Korea, den USA, Lateinamerika und Europa. China und die Schweiz sollen als nächste Märkte hinzukommen. Das Konstrukt dahinter ist ungewöhnlich: „Decoto ist ein System ohne Angestellte“, erklärt Huenich. Im Ökosystem arbeiten eigenständige Unternehmen, Expert:innen und Einzelunternehmer:innen projektbezogen zusammen, vergleichbar mit einer international aufgestellten Anwaltskanzlei. Vergütet wird, wer tatsächlich an einem Projekt beteiligt ist. Das hält die Struktur schlank und schafft für die Partner einen Anreiz, ihre Expertise einzubringen und das Netzwerk aktiv weiterzuentwickeln. Klassisches Marketing betreibe Decoto kaum, die Projektpipeline sei dennoch gut gefüllt.

Das Netzwerk unterscheidet sich nach Huenichs Verständnis jedoch nicht nur durch seine Struktur, sondern auch durch die Art, wie Partnerschaften aufgebaut und Geschäfte gemacht werden. „We are not a business company with some spiritual qualities. We are a spiritual company doing business“, beschreibt er den Ansatz. Im Gespräch wechselt er zwischen Deutsch und Englisch. Gemeint ist eine Unternehmenskultur, in der Achtsamkeit, Wertschätzung, Transparenz, Reflexion und kaufmännische Integrität die Grundlage der Zusammenarbeit bilden.

(v.l.n.r.) Günter Winkler, Alejandro Huenich, Sergio Rodríguez und Amel Havkic beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026″ am Red Bull Ring. | (c) Decoto International

„Gute Beziehungen, Freude an der Zusammenarbeit und geschäftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch, sie gehören zusammen“, sagt Huenich. Gerade die Monetarisierung von Netzwerken sei schwierig: Viele verfügten über starke Kontakte, schafften es jedoch nicht, daraus nachhaltige Projekte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Decoto sieht seinen bisherigen Erfolg deshalb in der Verbindung gemeinsamer Werte mit einer klaren Methodologie, definierten Rollen und konkreten wirtschaftlichen Zielen.

Gleichzeitig ist Huenich überzeugt, dass die zwischenmenschliche Ebene künftig noch wichtiger wird. Künstliche Intelligenz werde zunehmend Prozesse übernehmen, Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Qualität der Zusammenarbeit ließen sich jedoch nicht auf dieselbe Weise automatisieren. Eine ähnliche Haltung verfolgt er als Founding Member von Conxious (brutkasten berichtete), einer Initiative für bewusstere und werteorientierte Formen des Unternehmertums.

Decoto versteht sich ausdrücklich nicht als reine Unternehmensberatung. Beratung ist zwar ein Bestandteil der Arbeit, der Ansatz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern beteiligt sich Decoto aktiv an der Umsetzung und begleitet MedTech-Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte. Unter dem Modell „Co-Founder as a Service“ übernimmt beispielsweise ein lokaler Partner den Aufbau der Aktivitäten vor Ort, bis das Unternehmen eigene Strukturen geschaffen hat und selbst übernehmen kann.

Die Partner kennen die jeweiligen Gesundheitssysteme, Marktmechanismen, kulturellen Besonderheiten und relevanten Entscheidungsträger. Dadurch erhalten die Unternehmen nicht nur strategische Empfehlungen, sondern auch operative Unterstützung und Zugang zu den notwendigen lokalen Netzwerken.

Wie finanziert sich Decoto?

Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: klassischer Beratung, Venture Building im Sinne des „Co-Founder as a Service“-Modells sowie erfolgsabhängigen Vergütungen im Vertrieb, die jeweils mit einem Retainer kombiniert werden. Beteiligungen an Unternehmen nimmt Decoto nur in Ausnahmefällen. „Equity ist nicht nur gut, es ist auch eine Verantwortung“, sagt Huenich. Inhaltlich konzentriert sich das Netzwerk auf MedTech und Life Sciences, von Digital Health bis Longevity. Pharma ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Projekte von Decoto

Zu den aktuellen Projekten zählen laut Huenich die Ansiedlung eines iranischen Startups in Graz, die laufende Ansiedlung eines indischen Unternehmens, die Zusammenarbeit mit einem koreanischen Unternehmen im Demenzbereich sowie die Unterstützung österreichischer Startups.

Als Referenzprojekt nennt Huenich das koreanische Unternehmen Seven Point One, das mit „AlzWIN“ ein KI-gestütztes, sprachbasiertes Screening zur Früherkennung von Demenzrisiken entwickelt hat. Das Unternehmen war bereits in Korea etabliert und laut Huenich auch in Japan erfolgreich, kam beim Eintritt in den US-Markt jedoch zwei Jahre lang kaum voran.

Gemeinsam mit den Decoto-Partnern wurden anschließend unter anderem der FDA-Prozess, das Branding, die Kapitalaufnahme und die ersten Verkäufe an Krankenhäuser bearbeitet. Nach acht Monaten sei das Unternehmen bereit gewesen, seine Aktivitäten in den USA zu skalieren.

Das zentrale Learning daraus beschreibt Huenich so: „Wenn du als ausländisches Unternehmen in einen neuen Markt gehst, wirst du zunächst immer als ausländisches Unternehmen wahrgenommen. Es gilt fast überall: America first, Japan first oder India first.“ Deshalb brauche es lokale Partner, die nicht nur den Markt kennen, sondern auch über das notwendige Vertrauen und die richtigen Beziehungen verfügen.

Eine zentrale Rolle in diesem internationalen Modell übernimmt Sergio Rodríguez. Neben Alejandro Huenich und Günter Winkler ist er der dritte Co-Founder des neu ausgerichteten, stärker europäisch verankerten Decoto-Unternehmens. Rodríguez ist seit mehr als 17 Monaten Teil des Netzwerks, leitet die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika und verantwortet die Bereiche Projektmanagement und Finanzen.

Der Strukturbauer: Günter Winkler

Ab Herbst wird Günter Winkler das Team von Decoto verstärken. Der Wirtschaftsingenieur war lange in der Automotive-Branche tätig, zunächst bei einem OEM in Stuttgart, danach zehn Jahre beim Grazer Technologieunternehmen AVL, wo er zuletzt ein internationales Entwicklungsteam in Indien, Ungarn und Österreich leitete. Seit 2022 ist er Geschäftsführer von Ottronic, einem obersteirischen Entwicklungs- und Fertigungspartner für Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf. Bis Ende Oktober ist er noch Geschäftsführer von Ottronic, wie er gegenüber brutkasten erläutert.

Sein Weg zu Decoto begann zunächst als Kunde. Ausgangspunkt war die Wachstumsfrage von Ottronic: Der DACH-Markt allein passte nicht mehr zu den internationalen Zielen des Unternehmens. Die Zusammenarbeit begann mit einem geförderten Internationalisierungsprojekt, in dessen Rahmen Winkler gemeinsam mit Huenich zur World Health Expo und zur MedTech World nach Dubai reiste. Darauf folgte ein gemeinsames Südamerika-Projekt in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) mit einem Volumen von knapp 50.000 Euro.

In Zukunft wird es seine zentrale Aufgabe sein, aus dem bislang bewusst lose organisierten Zusammenschluss internationaler Expert:innen und Partner ein professionell strukturiertes Unternehmen zu entwickeln, das dem aktuellen Wachstum nachhaltig standhalten kann. Die organisatorische Weiterentwicklung ist notwendig, um die wachsende Nachfrage und die bestehende Projektpipeline künftig zuverlässig bedienen zu können.

Dabei soll Decoto vor allem in organisatorischer und struktureller Hinsicht professionalisiert werden, ohne jene bewährten Aspekte aufzugeben, die das Netzwerk bisher erfolgreich gemacht haben: seine Flexibilität, die persönliche Zusammenarbeit und die enge Verbindung zwischen den internationalen Partnern.

Die Arbeitsteilung bringt Huenich auf den Punkt: „Günter baut das Unternehmen, ich kümmere mich um die Menschen.“

Die klinische Perspektive: Amel Havkic und EvoMed

Mit Amel Havkic erweitert Decoto sein Netzwerk um klinisch-medizinische Expertise. Der Frankfurter Pneumologe ist Ärztlicher Leiter für Weaning und Heimbeatmung am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und Gründer von EvoMed Consulting. Als Partner im Decoto-Netzwerk bringt er insbesondere seine Erfahrung in der klinischen Bewertung und Clinical Adoption ein – also bei der Frage, wie medizinische Innovationen sinnvoll in den klinischen Alltag integriert und von den späteren Anwender:innen angenommen werden können.

Huenich und Havkic lernten sich zunächst über LinkedIn kennen. Persönlich trafen sie sich kurz darauf bei der von Dylan Attard gegründeten MedTech World Dubai. Decoto ist Partner der internationalen Veranstaltungsreihe und regelmäßig bei deren Events vertreten. Im November soll ein großer Teil des Decoto-Netzwerks bei der MedTech World Europe auf Malta zusammenkommen.

„Statt uns als Konkurrenz zu betrachten, haben wir schnell erkannt, dass sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen“, sagt Havkic. Den strategischen Wert der Partnerschaft sieht Huenich vor allem in Havkics Nähe zur klinischen Praxis: „Er kennt den medizinischen Bereich und den Alltag der Menschen, die eine Innovation später im Krankenhaus anwenden müssen. Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig und wird häufig massiv unterschätzt.“

Für Havkic ist Clinical Adoption eine der entscheidenden Erfolgsmetriken im Gesundheitswesen: Wenn Ärzt:innen und Pflegepersonal ein Produkt im Alltag nicht sinnvoll einsetzen können oder darin keinen konkreten Mehrwert erkennen, kann selbst die beste Technologie scheitern.


Wie die Netzwerkarbeit funktioniert

Wie Decoto Netzwerkarbeit versteht, zeigte sich zuletzt am Red Bull Ring. Beim ADAC Racing Weekend lud das Unternehmen gemeinsam mit CESA und Reiter Racing zum Event „Beyond the Pitlane 2026“ – einer kuratierten Runde aus Spitzensport, MedTech und Venture Capital. Das Programm reichte vom Lunch im Fahrerlager über den Renntag in der Box von Reiter Racing, dessen Team an diesem Wochenende den zweiten Platz belegte, bis hin zu einer Paneldiskussion.

Netzwerkveranstaltung am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Auf dem Podium diskutierten unter anderem Amel Havkic von EvoMed Consulting, Lejla Pock von Human.technology Styria, Matthew Foran von Meadow Valley Capital, Guillermo Fernando Pezzetto von AVL Racetech, Aleksandra Krajnc vom Know Center und Shavini Fernando von OxiWear. Moderiert wurde die Diskussion von Alejandro Huenich.

Das Event war zugleich Teil eines aktuellen Decoto-Projekts: Peak Performance MedTech. Die Initiative soll eine Brücke zwischen medizinischer Innovation und Spitzensport schlagen. Der Motorsport bietet dafür ein besonders geeignetes Umfeld, da der menschliche Körper hier seit Jahrzehnten an seine Grenzen gebracht wird – häufig lange bevor daraus gewonnene Erkenntnisse Eingang in die reguläre Gesundheitsversorgung finden.

MedTech-Innovationen sollen im Hochleistungssport erprobt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden und von dort ihren Weg in breitere Märkte finden. Gleichzeitig zeigt das Format, wie das Decoto-Modell im Kern funktioniert: Unterschiedliche Akteure werden gezielt zusammengebracht, persönliche Beziehungen aufgebaut und daraus konkrete Projekte und Partnerschaften entwickelt.

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