22.10.2019

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

In der achten Folge von "Die Höhle der Löwen" ging es um eine AR-basierende Näh-App, eine Zumba-Alternative fürs Workout und einen Sichtschutz gegen Unfall-Gaffer. Zudem konnte eine Investorin mittels Umsatzbeteiligung einen guten Deal einfahren, während sich einem anderen Investor die Rückenhaare aufstellten.
/artikel/die-hoehle-der-loewen-fuer-null-euro-15-prozent
Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) Frank W. Hempel - Vincent Efferoth (l.) und Lukas Passia präsentierten mit Novelte einen kalt gebrühten Tee mit etwa 11 % Alkoholgehalt.
sponsored

Den Anfang bei der achten Folge von „Die Höhle der Löwen“ machten Louis Bahlmann, Burak Dönmezer und Marc Schmitz. Mit Wingbrush präsentierten die Gründer eine Zahnbürste zur Reinigung der Zahnzwischenräume (Interdentalbürste). Diese Bürste soll eine intelligente Alternative für die Produkte sein, die es für die Reinigung der Zahnzwischenräume bereits gibt.

+++ Amabrush-Konkurs: Fast 30.000 Gläubiger verlieren wohl rund 4,5 Mio. Euro +++

Aktivkohle-Zahnseide

Mit der Zahnbürste sollen Zahnzwischenräume einfach und schnell von Schmutz befreit werden. Darüber hinaus möchte das Startup auch eine spezielle Aktivkohle-Zahnseide, in verschiedenen Geschmacksrichtungen, auf den Markt bringen. Beim Kontakt mit dem Zahn quillt die Seide auf und vereinfacht so die Reinigung. Die Gründer forderten 400.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Viel Marketing nötig

Dagmar Wöhrl hatte Probleme, im hinteren Bereich des Mundes das Produkt zu nutzen und stieg aus. Nils Glagau meinte, man bräuchte viel Marketing, um die Menschen von Wingbrush zu überzeugen. Auch er zeigte kein Interesse an einem Investment.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Frank W. Hempel – V.l.: Burak Dönmezer, Louis Bahlmann und Marc Schmitz wollten mit einer Zahnbürste für die Zahnzwischenräume Investoren überzeugen.

Zahnarzt als ein „point of fear“

Die Gründer erzählten daraufhin von ihrer Idee, einen umweltfreundlichen Becher mit ihrem Logo bei Zahnärzten zu platzieren, um den Effekt des Zahnarzt-Marketings zu nutzen. Dies brachte Multi-Investor Maschmeyer dazu, das Trio zurechtzustutzen. Der Zahnarzt sei „kein point of sale“ sondern ein „point of fear“. Patienten seien froh, wenn der Zahnarzt krank, oder sie selbst aus der Praxis draußen seien. Er fand die Produkt-Idee grundsätzlich gut, sehe aber wenig Innovation. Auch er verabschiedete sich als potentieller Investor.

Deal mit Dümmel

Georg Kofler war schlicht die Bewertung zu hoch. Ralf Dümmel meinte indes, dass man gegen Giganten in dieser Branche antrete und man daher mehr ins Marketing investieren müsse. Er bot die gewünschten 400.000 Euro, allerdings für 25 Prozent. Der Investor rechnete mit einem Gegenangebot und behielt recht. 20 Prozent Anteile waren die Gründer bereit herzugeben. Deal.

Aufblasbarer Sichtschutz

Der nächste Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ gebührte Dieter Mohn. Der 62-Jährige hat mit Gafferwand einen Sichtschutz entwickelt, der an Unfallorten platziert werden kann, damit Schaulustige keinen Einblick mehr in das Unfallgeschehen erhalten und so weder sich noch andere gefährden und unschöne Szenen ohne Einwilligung medial teilen. Einsatzkräfte sollen diesen aufblasbaren Sichtschutz in kürzester Zeit an der Unfallstelle aufbauen können. Für seine Erfindung wollte der Gründer 100.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

„Etwas zu gaffen“ bei die Höhle der Löwen

Mohn bat die Jury, ihm zu folgen. Es gebe etwas zu „gaffen“. Vor dem Studio war eine Unfallszene nachgestellt, und der Gründer konnte demonstrieren, wie seine Gafferwand innerhalb kürzester Zeit den gesamten Unfallort abschirmte. Das Produkt sei inklusive stromgetriebenem Gebläse auch individuell in Länge, Höhe und Farbe gestaltbar.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Dieter Mohn bat die Investoren heraus aus dem Studio um ihnen seine „Wand“ vorzustellen.

Öffentliche Hand als Problem

Maschmeyer fand die Idee gut, während Glagau meinte, der Vertrieb würde schwierig werden. Der Konzernchef ging ohne Angebot. Wie der Gründer zugab, wäre es tatsächlich schwer, bei seinen bisherigen Kunden, der öffentlichen Hand, Verkäufe abzuwickeln. Zwischen dem Angebot und der Entscheidungsfindung würden mehrere Monate vergehen. Daraufhin sah Dümmel ein, dass er nicht helfen könne und stieg auch aus.

„Mir sträuben sich die Rückenhaare“

Für Kofler war der Kundenkreis zu schwierig. Er sagte: „Wenn ich öffentliche Ausschreibung höre, sträuben sich bei mir schon die Rückenhaare“. Er habe zu wenig Geduld für bürokratische Prozesse. Wöhrl dachte ähnlich und folgte Kofler. Am Ende verabschiedete sich auch Maschmeyer. Kein Deal.

Nähen mit Hilfe von AR

Markus Uhlig und Nora Baum versuchten als nächstes, die Höhle der Löwen-Jury von ihrer Idee zu überzeugen. Mit Pattarina präsentieren die beiden Gründer eine App, mit der Schnittmuster mithilfe von Augmented Reality vom Handy auf den Stoff übertragen und nachgezeichnet werden können.

In Zukunft möchten die Gründer mit ihrer Technologie auch in weitere Bereiche, wie zum Beispiel der Holzverarbeitung, vordringen und ihre App weiterentwickeln. Das Gründer-Duo wollte für die Abgabe von 12,5 Prozent Firmenanteilen ein Investment von 100.000 Euro haben.

Sieben Minuten statt drei Stunden

Die Vorbereitung für Schnittmuster dauert laut den Gründern normalerweise zwischen 40 Minuten und drei Stunden. Mit der App würde dieser ganze Prozess bis maximal auf sieben Minuten reduziert werden. Tech-Profi Frank Thelen meinte, man müsse das Produkt über Influencer verbreiten. Er hatte eigene Ideen zu einem Business-Modell (B2C) und war drauf und dran, ein Angebot zu machen. Allerdings blieb er nicht allein.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Nora Baum (r.) und Markus Uhlig haben mit „Pattarina“ eine App für digitale Schnittmuster entwickelt.

„App ist skalierbar“

Maschmeyer forderte plötzlich für 100.000 Euro 20 Prozent Anteile. Thelen meinte, er könne solche Geschäftsmodelle schnell erfassen. Pattarina sei skalierbar. Jedoch müsse er die Arbeit übernehmen, die App weltweit bekannt zu machen. Er wollte daher 100.000 Euro investieren, allerdings für 25 Prozent. Nach einer längeren Beratungsphase kamen die Gründer zurück und boten dem Tech-Guru 20 Prozent. Der wiederum beharrte auf 22 Prozent Anteile und bekam schlussendlich den Deal.

Österreicher bei „Die Höhle der Löwen“

Die nächsten bei „Die Höhle der Löwen“ waren die beiden Österreicher Rene Taumberger und David Pirker. Ihr in Villach angesiedeltes Startup Rock the Billy bietet ein Tanzkonzept, welches den Trend in Richtung Swing-Tänze legt. Es soll Tanz und Workout vereinen.

Lizenzen und Merchandise

Das Geschäftskonzept: Für insgesamt 250 Euro wird ein Trainer ausgebildet, der folglich selbstständig Kurse abhält. Weitere Workout-Tipps und Musikzusammenstellungen gebe es für eine monatliche Gebühr von 19,90 Euro. Das ganze Programm würde durch Zubehör, das man in einem Onlineshop erwerben kann, ergänzt. Das Duo forderte für 20 Prozent Firmenanteile 120.000 Euro.

„Sieht nicht nach Workout aus“

Nach einer Tanzvorführung im Studio, bei der die Gründer Unterstützung von professionellen Trainern erhielten, wurde die Jury dazu eingeladen mitzumachen. Es meldeten sich Dümmel und Glagau. Nachdem sich beide Investoren, mehr oder weniger gut beim Erlernen der Grundschritte anstellten, meinte Glagau jedoch: „Das sieht jetzt nicht nach Workout aus“.

Fitnesseffekt fußt auf Kardiokonzepten

Taumberger entgegnete, dass der Fitnesseffekt bei Tänzen wie Zumba und bei ihnen auf Kardiokonzepten fuße. Je mehr man in der Stunde tanze, umso eher komme man ins Schwitzen. Um das Fitnesselement einzubringen, gebe es im Tanzprogramm einen fünfminütigen Teil, bei dem Teilnehmer mehr ins Laufen kämen. Und Kräftigungsübungen inkludiert seien .

Schnelles Wachstum als Ziel

Frank Thelen lobte die Darbietung, meinte jedoch, das Geschäftsmodell wäre schwierig. Taumberger erzählte daraufhin, dass das Unternehmen in den acht Monaten, seitdem es – bis zur Sendeaufzeichnung – bestehe, 300 Instruktoren in sechs Ländern aufgebaut habe. Man wolle schnell wachsen und „keine kleinen Brötchen backen“. Dies habe er alleine geschafft. Mittlerweile wären jedoch mehr Personen an seiner Seite, die bei der Ausbildung der „Workout-Lehrer“ helfen würden.

Freemium-Konzepte als riskantes Modell

Dennoch meinte Thelen, der Betrag fürs Abo-Modell von knapp 20 Euro sei zu niedrig. Pirker entgegnete, es gebe Pläne, diese Summe in den nächsten Jahren anzupassen, was Maschmeyer auf den Plan rief. Der Multi-Investor war der Überzeugung, dass dieses Vorhaben schwer werden würde.

Er selbst kenne genug Modelle, die als „Freemium“-Konzept gestartet seien, und sobald es darum ging, dass Kunden zahlen sollten, lief es nicht mehr. Die Gründer argumentierten damit, dass diese Kostenerhöhung allein durch die Bekanntheit der Marke Rock the Billy zu rechtfertigen sei. Ähnlich wie es bei Zumba der Fall war, die ebenfalls mit niedrigeren Abo-Preisen gestartet seien.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Rene Taumberger (2.v.l.) und David Pirker (auf dem Moped) aus Österreich wollen mit „Rock the Billy“ ein Tanz-Groupfitness-Konzept unter die Leute bringen.

„Zumba kopieren ist Schwachsinn“

Thelen meinte daraufhin, er wäre sich zu 99 Prozent sicher, dass das Kopieren von Zumba „kompletter Schwachsinn“ sei. Er nannte das erfolgreiche Tanz-Workout-Konzept aus Amerika ein „one hit wonder“ und stieg als potentieller Financier aus. Auch Maschmeyer warf ein, dass es bereits von Vielen versucht worden sei, mit Tanz Geld zu machen. Und sie alle seien gescheitert. Es wisse nicht, warum es bei Rock the Billy klappen sollte. Ihm fehle vor allem eine Art Social Media Star, mit vielen Followern, der das ganze verbreiten könne. Auch dieser Löwe ging ohne Angebot.

Wankelmütiger Kofler

Dümmel und Glagau verabschiedeten sich danach mit Lob, sodass noch Kofler über blieb. Der Medien-Investor zeigte sich interessiert, war aber noch wankelmütig. Taumberger gab nicht auf und erzählte von Kontakten nach China, Thailand, England und den USA, die allesamt interessiert seien, das Konzept in ihre Länder zu bringen. Trotz großer Sympathie kam auch vom letzten Löwen kein Angebot.

Vision vom Alk-Tee

Den Abschluss der achten Folge von „Die Höhle der Löwen“ bildeten Lukas Passia und Vincent Efferoth. Ihr Startup Noveltea produziert einen Tee mit Alkohol, den man sowohl kalt als Cocktail als auch warm als Glühweinersatz trinken kann. Die Gründerstory nahm im Fußballstadion von Newcastle United ihren Anfang. Die zwei Deutschen, die beide an der Newcastle University studierten, wurden enge Freunde und merkten, dass sie beide unabhängig voneinander die Vision von alkoholischem Tee hatten.

Auf Investment in der Drachenhöhle verzichtet

Im englischen Pendant zu „Die Höhle der Löwen“ namens „Dragons Den“, bei dem die Gründer bereits teilnahmen, erhielten sie 2018 drei Angebote, gingen dennoch ohne Deal heim. Die Anteilsforderungen waren ihnen mit 30 Prozent damals zu hoch.

Für den Firmen-Start versetzten die Gründer den in England so beliebten Tee mit Gin. Sechs Monate und über 1000 Versuche später war es dann so weit: The Tale of Earl Grey von Noveltea war geboren und sorgte laut eigenen Angaben für positive Rückmeldungen. Heute gibt es zusätzlich Varianten mit weißem Rum und schottischem Whiskey. Die jungen Männer wollten für zehn Prozent Anteile 450.000 Euro haben.

+++ Barry: Grazer Startup bringt “aphrodisierenden” Klitorie-Eistee +++

Umsatz vervierfacht

Nach der Verkostung fragte Thelen nach den Gründen der hohen Firmenbewertung. Die Antwort der Gründer: Noveltea habe bereits einige Auszeichnungen gewonnen. Zudem habe sich der Umsatz seit dem ersten Jahr vervierfacht und betrage nun 360.000 Euro. Außerdem habe es vor der Aufzeichnung eine Kapitalrunde zur ausgerufenen Bewertung gegeben, so die Founder.

Forderung „völlig abgehoben“

Thelen erklärte, dass üblicherweise der dreifache Umsatz eines Unternehmens eine realistische Bewertung einer Firma ergebe. Bei Noveltea wäre dieser 13-Mal so hoch. Er könne zu diesen Bedingungen nicht investieren. Dümmel tat es ihm nach. Auch Maschmeyer fand die Forderung „völlig abgehoben“ und verabschiedete sich als dritter Löwe aus der Runde.

Bei Wöhrl-Angebot kritische Zwischenfrage von Williams

Nachdem sich auch Shopping-Queen Judith Williams als mögliche Investorin herausnahm, meinte Wöhrl, sie fände das Startup spannend. Sie könne sich vorstellen, die Marke systematisch aufzubauen und bot die geforderte Summe für 20 Prozent. Just als dieses Angebot aus dem Mund war, schritt Williams ein und fragte kritisch nach, ob ihre Kollegin bei der Verkostung überhaupt „alle Gläser ausgetrunken habe“.

1 Euro pro Flasche zurück

Wöhrl ließ sich von dieser Zwischenmeldung nicht irritieren und meinte bloß, sie fände das Getränk gut. Die Gründer fragten nach, ob die Investorin ihr Investment proportional erhöhen würde. Dies lehnte sie ab, da sie sich nicht unter Wert verkaufen würde. Sie brächte ja viel Know-how und Hilfe mit.

Nach kurzer Beratung kamen Passia und Efferoth mit einem Gegenangebot zurück: 450.000 Euro für 15 Prozent. Wöhrl konterte mit folgendem Vorschlag: Sie würde die 15 Prozent nehmen, bekäme aber pro verkaufter Flasche einen Euro zurück, bis die investierten 450.000 Euro erreicht wären. Mit dieser Umsatzbeteiligung kam es zum Deal, woraufhin Thelen ihr dazu gratulierte, „quasi für Null Euro 15 Prozent“ vom Startup zu erhalten.


⇒ Wingbrush

⇒ Pattarina

⇒ Gafferwand

⇒ Novoltea

⇒ Rock the Billy

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
vor 11 Stunden

USB-Stick-Erfinder Dov Moran: „Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann“

„Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen“, warnt USB-Stick-Erfinder Dov Moran im brutkasten-Interview. Der israelische Tech-Pionier und heutige Deep-Tech-Investor erklärt, warum beim KI-Boom vor allem Hardware und Energieeffizienz zählen und warum Österreich sich nicht im Defense-Tech versuchen sollte. Brutkasten hat ihn auf der Restart Innovation & Investment Vienna getroffen.
/artikel/erfinder-des-usb-sticks-dov-moran-man-muss-nischen-finden-in-denen-man-wirkliche-wettbewerbsvorteile-aufbauen-kann
vor 11 Stunden

USB-Stick-Erfinder Dov Moran: „Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann“

„Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen“, warnt USB-Stick-Erfinder Dov Moran im brutkasten-Interview. Der israelische Tech-Pionier und heutige Deep-Tech-Investor erklärt, warum beim KI-Boom vor allem Hardware und Energieeffizienz zählen und warum Österreich sich nicht im Defense-Tech versuchen sollte. Brutkasten hat ihn auf der Restart Innovation & Investment Vienna getroffen.
/artikel/erfinder-des-usb-sticks-dov-moran-man-muss-nischen-finden-in-denen-man-wirkliche-wettbewerbsvorteile-aufbauen-kann
USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung