22.10.2019

„Die Höhle der Löwen Folge 8“: „Für Null Euro 15 Prozent“-Beteiligung

In der achten Folge von "Die Höhle der Löwen" ging es um eine AR-basierende Näh-App, eine Zumba-Alternative fürs Workout und einen Sichtschutz gegen Unfall-Gaffer. Zudem konnte eine Investorin mittels Umsatzbeteiligung einen guten Deal einfahren, während sich einem anderen Investor die Rückenhaare aufstellten.
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Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) Frank W. Hempel - Vincent Efferoth (l.) und Lukas Passia präsentierten mit Novelte einen kalt gebrühten Tee mit etwa 11 % Alkoholgehalt.
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Den Anfang bei der achten Folge von „Die Höhle der Löwen“ machten Louis Bahlmann, Burak Dönmezer und Marc Schmitz. Mit Wingbrush präsentierten die Gründer eine Zahnbürste zur Reinigung der Zahnzwischenräume (Interdentalbürste). Diese Bürste soll eine intelligente Alternative für die Produkte sein, die es für die Reinigung der Zahnzwischenräume bereits gibt.

+++ Amabrush-Konkurs: Fast 30.000 Gläubiger verlieren wohl rund 4,5 Mio. Euro +++

Aktivkohle-Zahnseide

Mit der Zahnbürste sollen Zahnzwischenräume einfach und schnell von Schmutz befreit werden. Darüber hinaus möchte das Startup auch eine spezielle Aktivkohle-Zahnseide, in verschiedenen Geschmacksrichtungen, auf den Markt bringen. Beim Kontakt mit dem Zahn quillt die Seide auf und vereinfacht so die Reinigung. Die Gründer forderten 400.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Viel Marketing nötig

Dagmar Wöhrl hatte Probleme, im hinteren Bereich des Mundes das Produkt zu nutzen und stieg aus. Nils Glagau meinte, man bräuchte viel Marketing, um die Menschen von Wingbrush zu überzeugen. Auch er zeigte kein Interesse an einem Investment.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Frank W. Hempel – V.l.: Burak Dönmezer, Louis Bahlmann und Marc Schmitz wollten mit einer Zahnbürste für die Zahnzwischenräume Investoren überzeugen.

Zahnarzt als ein „point of fear“

Die Gründer erzählten daraufhin von ihrer Idee, einen umweltfreundlichen Becher mit ihrem Logo bei Zahnärzten zu platzieren, um den Effekt des Zahnarzt-Marketings zu nutzen. Dies brachte Multi-Investor Maschmeyer dazu, das Trio zurechtzustutzen. Der Zahnarzt sei „kein point of sale“ sondern ein „point of fear“. Patienten seien froh, wenn der Zahnarzt krank, oder sie selbst aus der Praxis draußen seien. Er fand die Produkt-Idee grundsätzlich gut, sehe aber wenig Innovation. Auch er verabschiedete sich als potentieller Investor.

Deal mit Dümmel

Georg Kofler war schlicht die Bewertung zu hoch. Ralf Dümmel meinte indes, dass man gegen Giganten in dieser Branche antrete und man daher mehr ins Marketing investieren müsse. Er bot die gewünschten 400.000 Euro, allerdings für 25 Prozent. Der Investor rechnete mit einem Gegenangebot und behielt recht. 20 Prozent Anteile waren die Gründer bereit herzugeben. Deal.

Aufblasbarer Sichtschutz

Der nächste Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ gebührte Dieter Mohn. Der 62-Jährige hat mit Gafferwand einen Sichtschutz entwickelt, der an Unfallorten platziert werden kann, damit Schaulustige keinen Einblick mehr in das Unfallgeschehen erhalten und so weder sich noch andere gefährden und unschöne Szenen ohne Einwilligung medial teilen. Einsatzkräfte sollen diesen aufblasbaren Sichtschutz in kürzester Zeit an der Unfallstelle aufbauen können. Für seine Erfindung wollte der Gründer 100.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

„Etwas zu gaffen“ bei die Höhle der Löwen

Mohn bat die Jury, ihm zu folgen. Es gebe etwas zu „gaffen“. Vor dem Studio war eine Unfallszene nachgestellt, und der Gründer konnte demonstrieren, wie seine Gafferwand innerhalb kürzester Zeit den gesamten Unfallort abschirmte. Das Produkt sei inklusive stromgetriebenem Gebläse auch individuell in Länge, Höhe und Farbe gestaltbar.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Dieter Mohn bat die Investoren heraus aus dem Studio um ihnen seine „Wand“ vorzustellen.

Öffentliche Hand als Problem

Maschmeyer fand die Idee gut, während Glagau meinte, der Vertrieb würde schwierig werden. Der Konzernchef ging ohne Angebot. Wie der Gründer zugab, wäre es tatsächlich schwer, bei seinen bisherigen Kunden, der öffentlichen Hand, Verkäufe abzuwickeln. Zwischen dem Angebot und der Entscheidungsfindung würden mehrere Monate vergehen. Daraufhin sah Dümmel ein, dass er nicht helfen könne und stieg auch aus.

„Mir sträuben sich die Rückenhaare“

Für Kofler war der Kundenkreis zu schwierig. Er sagte: „Wenn ich öffentliche Ausschreibung höre, sträuben sich bei mir schon die Rückenhaare“. Er habe zu wenig Geduld für bürokratische Prozesse. Wöhrl dachte ähnlich und folgte Kofler. Am Ende verabschiedete sich auch Maschmeyer. Kein Deal.

Nähen mit Hilfe von AR

Markus Uhlig und Nora Baum versuchten als nächstes, die Höhle der Löwen-Jury von ihrer Idee zu überzeugen. Mit Pattarina präsentieren die beiden Gründer eine App, mit der Schnittmuster mithilfe von Augmented Reality vom Handy auf den Stoff übertragen und nachgezeichnet werden können.

In Zukunft möchten die Gründer mit ihrer Technologie auch in weitere Bereiche, wie zum Beispiel der Holzverarbeitung, vordringen und ihre App weiterentwickeln. Das Gründer-Duo wollte für die Abgabe von 12,5 Prozent Firmenanteilen ein Investment von 100.000 Euro haben.

Sieben Minuten statt drei Stunden

Die Vorbereitung für Schnittmuster dauert laut den Gründern normalerweise zwischen 40 Minuten und drei Stunden. Mit der App würde dieser ganze Prozess bis maximal auf sieben Minuten reduziert werden. Tech-Profi Frank Thelen meinte, man müsse das Produkt über Influencer verbreiten. Er hatte eigene Ideen zu einem Business-Modell (B2C) und war drauf und dran, ein Angebot zu machen. Allerdings blieb er nicht allein.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Nora Baum (r.) und Markus Uhlig haben mit „Pattarina“ eine App für digitale Schnittmuster entwickelt.

„App ist skalierbar“

Maschmeyer forderte plötzlich für 100.000 Euro 20 Prozent Anteile. Thelen meinte, er könne solche Geschäftsmodelle schnell erfassen. Pattarina sei skalierbar. Jedoch müsse er die Arbeit übernehmen, die App weltweit bekannt zu machen. Er wollte daher 100.000 Euro investieren, allerdings für 25 Prozent. Nach einer längeren Beratungsphase kamen die Gründer zurück und boten dem Tech-Guru 20 Prozent. Der wiederum beharrte auf 22 Prozent Anteile und bekam schlussendlich den Deal.

Österreicher bei „Die Höhle der Löwen“

Die nächsten bei „Die Höhle der Löwen“ waren die beiden Österreicher Rene Taumberger und David Pirker. Ihr in Villach angesiedeltes Startup Rock the Billy bietet ein Tanzkonzept, welches den Trend in Richtung Swing-Tänze legt. Es soll Tanz und Workout vereinen.

Lizenzen und Merchandise

Das Geschäftskonzept: Für insgesamt 250 Euro wird ein Trainer ausgebildet, der folglich selbstständig Kurse abhält. Weitere Workout-Tipps und Musikzusammenstellungen gebe es für eine monatliche Gebühr von 19,90 Euro. Das ganze Programm würde durch Zubehör, das man in einem Onlineshop erwerben kann, ergänzt. Das Duo forderte für 20 Prozent Firmenanteile 120.000 Euro.

„Sieht nicht nach Workout aus“

Nach einer Tanzvorführung im Studio, bei der die Gründer Unterstützung von professionellen Trainern erhielten, wurde die Jury dazu eingeladen mitzumachen. Es meldeten sich Dümmel und Glagau. Nachdem sich beide Investoren, mehr oder weniger gut beim Erlernen der Grundschritte anstellten, meinte Glagau jedoch: „Das sieht jetzt nicht nach Workout aus“.

Fitnesseffekt fußt auf Kardiokonzepten

Taumberger entgegnete, dass der Fitnesseffekt bei Tänzen wie Zumba und bei ihnen auf Kardiokonzepten fuße. Je mehr man in der Stunde tanze, umso eher komme man ins Schwitzen. Um das Fitnesselement einzubringen, gebe es im Tanzprogramm einen fünfminütigen Teil, bei dem Teilnehmer mehr ins Laufen kämen. Und Kräftigungsübungen inkludiert seien .

Schnelles Wachstum als Ziel

Frank Thelen lobte die Darbietung, meinte jedoch, das Geschäftsmodell wäre schwierig. Taumberger erzählte daraufhin, dass das Unternehmen in den acht Monaten, seitdem es – bis zur Sendeaufzeichnung – bestehe, 300 Instruktoren in sechs Ländern aufgebaut habe. Man wolle schnell wachsen und „keine kleinen Brötchen backen“. Dies habe er alleine geschafft. Mittlerweile wären jedoch mehr Personen an seiner Seite, die bei der Ausbildung der „Workout-Lehrer“ helfen würden.

Freemium-Konzepte als riskantes Modell

Dennoch meinte Thelen, der Betrag fürs Abo-Modell von knapp 20 Euro sei zu niedrig. Pirker entgegnete, es gebe Pläne, diese Summe in den nächsten Jahren anzupassen, was Maschmeyer auf den Plan rief. Der Multi-Investor war der Überzeugung, dass dieses Vorhaben schwer werden würde.

Er selbst kenne genug Modelle, die als „Freemium“-Konzept gestartet seien, und sobald es darum ging, dass Kunden zahlen sollten, lief es nicht mehr. Die Gründer argumentierten damit, dass diese Kostenerhöhung allein durch die Bekanntheit der Marke Rock the Billy zu rechtfertigen sei. Ähnlich wie es bei Zumba der Fall war, die ebenfalls mit niedrigeren Abo-Preisen gestartet seien.

Höhle der Löwen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Georg Kofler, Nils Glagau
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Rene Taumberger (2.v.l.) und David Pirker (auf dem Moped) aus Österreich wollen mit „Rock the Billy“ ein Tanz-Groupfitness-Konzept unter die Leute bringen.

„Zumba kopieren ist Schwachsinn“

Thelen meinte daraufhin, er wäre sich zu 99 Prozent sicher, dass das Kopieren von Zumba „kompletter Schwachsinn“ sei. Er nannte das erfolgreiche Tanz-Workout-Konzept aus Amerika ein „one hit wonder“ und stieg als potentieller Financier aus. Auch Maschmeyer warf ein, dass es bereits von Vielen versucht worden sei, mit Tanz Geld zu machen. Und sie alle seien gescheitert. Es wisse nicht, warum es bei Rock the Billy klappen sollte. Ihm fehle vor allem eine Art Social Media Star, mit vielen Followern, der das ganze verbreiten könne. Auch dieser Löwe ging ohne Angebot.

Wankelmütiger Kofler

Dümmel und Glagau verabschiedeten sich danach mit Lob, sodass noch Kofler über blieb. Der Medien-Investor zeigte sich interessiert, war aber noch wankelmütig. Taumberger gab nicht auf und erzählte von Kontakten nach China, Thailand, England und den USA, die allesamt interessiert seien, das Konzept in ihre Länder zu bringen. Trotz großer Sympathie kam auch vom letzten Löwen kein Angebot.

Vision vom Alk-Tee

Den Abschluss der achten Folge von „Die Höhle der Löwen“ bildeten Lukas Passia und Vincent Efferoth. Ihr Startup Noveltea produziert einen Tee mit Alkohol, den man sowohl kalt als Cocktail als auch warm als Glühweinersatz trinken kann. Die Gründerstory nahm im Fußballstadion von Newcastle United ihren Anfang. Die zwei Deutschen, die beide an der Newcastle University studierten, wurden enge Freunde und merkten, dass sie beide unabhängig voneinander die Vision von alkoholischem Tee hatten.

Auf Investment in der Drachenhöhle verzichtet

Im englischen Pendant zu „Die Höhle der Löwen“ namens „Dragons Den“, bei dem die Gründer bereits teilnahmen, erhielten sie 2018 drei Angebote, gingen dennoch ohne Deal heim. Die Anteilsforderungen waren ihnen mit 30 Prozent damals zu hoch.

Für den Firmen-Start versetzten die Gründer den in England so beliebten Tee mit Gin. Sechs Monate und über 1000 Versuche später war es dann so weit: The Tale of Earl Grey von Noveltea war geboren und sorgte laut eigenen Angaben für positive Rückmeldungen. Heute gibt es zusätzlich Varianten mit weißem Rum und schottischem Whiskey. Die jungen Männer wollten für zehn Prozent Anteile 450.000 Euro haben.

+++ Barry: Grazer Startup bringt “aphrodisierenden” Klitorie-Eistee +++

Umsatz vervierfacht

Nach der Verkostung fragte Thelen nach den Gründen der hohen Firmenbewertung. Die Antwort der Gründer: Noveltea habe bereits einige Auszeichnungen gewonnen. Zudem habe sich der Umsatz seit dem ersten Jahr vervierfacht und betrage nun 360.000 Euro. Außerdem habe es vor der Aufzeichnung eine Kapitalrunde zur ausgerufenen Bewertung gegeben, so die Founder.

Forderung „völlig abgehoben“

Thelen erklärte, dass üblicherweise der dreifache Umsatz eines Unternehmens eine realistische Bewertung einer Firma ergebe. Bei Noveltea wäre dieser 13-Mal so hoch. Er könne zu diesen Bedingungen nicht investieren. Dümmel tat es ihm nach. Auch Maschmeyer fand die Forderung „völlig abgehoben“ und verabschiedete sich als dritter Löwe aus der Runde.

Bei Wöhrl-Angebot kritische Zwischenfrage von Williams

Nachdem sich auch Shopping-Queen Judith Williams als mögliche Investorin herausnahm, meinte Wöhrl, sie fände das Startup spannend. Sie könne sich vorstellen, die Marke systematisch aufzubauen und bot die geforderte Summe für 20 Prozent. Just als dieses Angebot aus dem Mund war, schritt Williams ein und fragte kritisch nach, ob ihre Kollegin bei der Verkostung überhaupt „alle Gläser ausgetrunken habe“.

1 Euro pro Flasche zurück

Wöhrl ließ sich von dieser Zwischenmeldung nicht irritieren und meinte bloß, sie fände das Getränk gut. Die Gründer fragten nach, ob die Investorin ihr Investment proportional erhöhen würde. Dies lehnte sie ab, da sie sich nicht unter Wert verkaufen würde. Sie brächte ja viel Know-how und Hilfe mit.

Nach kurzer Beratung kamen Passia und Efferoth mit einem Gegenangebot zurück: 450.000 Euro für 15 Prozent. Wöhrl konterte mit folgendem Vorschlag: Sie würde die 15 Prozent nehmen, bekäme aber pro verkaufter Flasche einen Euro zurück, bis die investierten 450.000 Euro erreicht wären. Mit dieser Umsatzbeteiligung kam es zum Deal, woraufhin Thelen ihr dazu gratulierte, „quasi für Null Euro 15 Prozent“ vom Startup zu erhalten.


⇒ Wingbrush

⇒ Pattarina

⇒ Gafferwand

⇒ Novoltea

⇒ Rock the Billy

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

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Europa-Chef von Philip Morris Marco Hannappel bei der Präsentation zum EU Economic Footprint 2026. © Philip Morris / Footprint study 2026

Die Solvay Library in Brüssel hat etwas festlich Anmutendes. Der Raum wird von indirektem Tageslicht durchflutet, dezentes künstliches Licht sorgt für eine heimelige Stimmung. Vorne stehen drei Talkshow-Sessel, der mittlere ist stark ausgeleuchtet. Auf ihm wird später der Europa-Chef von Philip Morris International, Marco Hannappel, Platz nehmen. Der weltweit führende private Tabakproduzent veranstaltet ein Event, bei dem er neben seiner EU-Wertschöpfung auch seine Transformation weg von herkömmlichen Zigaretten hin zu einer selbsternannten „rauchfreien Zukunft“ bewirbt. Wobei „rauchfrei“ hier E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel inkludiert.

Gleich vorweg: Philip Morris präsentiert in knapp 60 Minuten und auf 52 Seiten seinen EU Economic Footprint 2026, wobei die Daten von EY-Parthenon verarbeitet wurden. Die Marke, die zum Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk EY gehört, schreibt im Disclaimer: „Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Daten von uns nicht unabhängig geprüft oder verifiziert wurden. Daher übernimmt EYP keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Zuverlässigkeit oder Vollständigkeit der von PMI bereitgestellten Daten.“ Wenig überraschend fällt der Bericht sehr gut für den Tabakriesen aus. Philip Morris International liefere über 300 Milliarden Euro Gesamtbeitrag zur EU und sei für rund 0,4 Prozent des EU-BIP verantwortlich.

Alternative Produkte wie E-Zigaretten als „die bessere Wahl“

„Die Nachfrage nach den Nikotinprodukten ist da. Natürlich ist es immer am besten, gänzlich auf Tabak- und Nikotinprodukte zu verzichten. Für erwachsene Raucherinnen und Raucher, die andernfalls weiter rauchen würden, sind rauchfreie Alternativen die bessere Wahl als das Fortsetzen des Zigarettenkonsums“, erklärt Philip Morris Austria. Seine Antworten erhält brutkasten von der Presseabteilung.

Philip Morris versucht daher, eine Branche neu zu denken, und das nicht seit gestern, wie brutkasten berichtete. IQOS, Philip Morris’ eigene Marke für Tabakerhitzer, wurde vor über zehn Jahren in den Markt eingeführt. „Wenn es um innovative Produkte geht, dann ist IQOS unsere wichtigste Plattform. Wir entwickeln sie ständig weiter in Richtung höherer Leistung und geringerer Emissionen“, sagt Hannappel gegenüber brutkasten. Neu sind jedoch die Dimensionen, die Philip Morris erreicht. Im vierten Quartal dieses Jahres werden laut eigenen Angaben bereits 50 Prozent der Nettoumsätze in Europa mit alternativen Produkten erwirtschaftet.

Technologieunternehmen Philip Morris

Philip Morris möchte sich weg vom klassischen Tabakunternehmen und Zigarettenhersteller hin zu einem Technologieunternehmen entwickeln (brutkasten berichtete). So betreibt Philip Morris in Portugal ein Zentrum für generative KI, um globale Geschäftsabläufe zu unterstützen, wobei KI-Technologien eingesetzt würden, um die Entscheidungsfindung zu verbessern, Prozesse zu automatisieren und die Unternehmensleistung zu steigern. Für Philip Morris ein wichtiger Schritt, um die Transformation umsetzen zu können.

Im April dieses Jahres gab Philip Morris die Umgestaltung eines Werkes in Berlin-Neukölln bekannt. Anstatt Zigaretten zu produzieren, wird hier an Zukunftstechnologien wie KI oder Robotik gearbeitet.

Europa beschreibt Philip Morris International in seinem Bericht als globalen Hub für „Innovation, Produktion und Export“. Sein Zentrum für Innovationen betreibt Philip Morris International im schweizerischen Neuchâtel, wo Wissenschaftler und Ingenieure an den alternativen Produkten arbeiten. 2,2 Milliarden sollen hier zwischen 2021 und 2025 in die Forschung und Entwicklung investiert worden sein.

Philip Morris und Startups

Der Tabakriese setzt auch auf innovative Ideen von Startups. In dem Projekt „Be Leaf – Be The Future“ entwickeln sie Lösungen in den Bereichen der Agrartechnologie, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Ein Beispiel ist das bayerische Startup Bioplasmar, das eine biologisch abbaubare Alternative zu herkömmlichem Kunststoff herstellt.

Auch in der österreichischen Startup-Szene ist Philip Morris aktiv. Im Mai diesen Jahres erwarb das Unternehmen mit seiner Tochter Aspeya 5,7 Prozent von Waterdrop im Zuge einer Finanzierungsrunde von insgesamt über 100 Millionen Euro.

Zielgruppe: Keine neuen Raucher:innen

„Wenn du bei uns in Wien in die Boutique gehst und sagst ‚Ich hätte gern das Produkt‘, dann ist die erste Frage, die dir gestellt wird: ‚Bist du volljährig'“, erklärt Philip Morris Austria. Auch online will man entsprechende Altersüberprüfungen durchführen. In Österreich arbeitete Philip Morris daher an einem Pilotprojekt zur Altersschätzung per Gesichtserkennung. Auch hier soll KI unterstützen.

„Wenn du volljährig bist, wirst du beraten. Aber nur, wenn du die zweite Frage auch mit ‚Ja‘ beantwortest, und zwar: ‚Sind Sie Konsument von Nikotin- oder Tabakprodukten?'“, heißt es von Philip Morris Austria. Man wolle nicht die Firma sein, über die Menschen mit dem Rauchen beginnen.

Kurzum: Philip Morris präsentiert sich als Unternehmen, das verantwortungsvoll mit sensiblen Themen wie Nikotin umgeht.

Der offene Brief von Frankreich und Co.

Ein Grund dafür kann der wachsende politische Druck sein. Am 6. Oktober schrieben sieben EU-Staaten rund um Frankreich und Spanien einen offenen Brief an den EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, Olivér Várhelyi. Sie sehen Regulierungslücken in der Produkt- und Werberichtlinie der Tabakindustrie. Daher fordern sie einen Stopp, neue Produkte „mit Hilfe von aggressivem Marketing und unbegründeten Behauptungen über ein geringeres Risiko auf den europäischen Markt zu bringen, mit dem Ziel, (junge) EU-Bürger zum finanziellen Vorteil der Industrie abhängig zu machen.“ Außerdem fordern die EU-Staaten für alle Produkte ein Aromenverbot sowie ein vollständiges Verbot von Nikotinbeuteln.

Hannappel hat mittlerweile auf dem Podium Platz genommen, seine Präsentation ist vorbei und er beantwortet Fragen von Journalist:innen aus ganz Europa. Angesprochen auf ein Nikotinbeutel-Verbot in Ländern wie z. B. Frankreich antwortet er: „Meiner Ansicht nach sind Verbote nie eine gute Option, weil dann in einigen Fällen illegale Märkte entstehen und man die Möglichkeit verliert, die Konsumenten zu erreichen.“

Das Event stand zwar im Zeichen des Economic Footprint, zeigt aber auch eine Firma, die versucht, sich an eine veränderte Welt anzupassen. Die Marschrichtung hin zu alternativen Produkten will man weiter verfolgen. Hannappel meint, ein solches Event jedes Jahr machen zu wollen, um ein besseres Verständnis in Europa zu erzeugen. Jedenfalls wird Philip Morris gespannt nach Brüssel blicken. Denn die nächste richtungsweisende Entscheidung der EU-Kommission bezüglich der geplanten Überarbeitung des Rechtsrahmens soll noch bis Ende 2026 fallen.


Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten wurden von Philip Morris Austria übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.

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