20.04.2021

Die Boys & Marie: Pop-up-Jung-Gründer haben Blut geleckt

Marie Söllhammer und Moritz Pennetzdorfer sind Jung-Unternehmer und haben gemeinsam mit Gerald Wahl "Die Boys & Marie" gegründet. Konkret: Pop-up-Restaurants. Auch wenn der Deal mit "2min2mio"-Investor Martin Rohla noch nicht unterschrieben ist und sie Pläne geändert haben - die zwei Jungspunde und der Marketing-Profi wissen genau, wohin es gehen soll.
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Die Boys und Marie, Boys und Marie, Pop-up, Pop-up Restaurants,
(c) Timothy Straight - Jung-Unternehmerin Marie mit ihren Boys.

Sie sprachen gleich von einer „Lost Generation“, als sie ins „2 Minuten 2 Millionen“-Studio traten. Jugendlich ohne Perspektive, die sich zudem nicht von der Couch aufraffen können und die Tage verschwenden. Moritz Pennetzdorfer und Marie Söllhammer zeichneten während sie ihre Idee von „Die Boys & Marie“ vorstellten jedoch genau das Gegenteil von ihrer Behauptung. Sie waren junge Menschen mit kreativen Ideen und Plänen. Und konnten so TV-Investor Martin Rohla für sich gewinnen, der mit 80.000 Euro für 20 Prozent einsteigen wollte. Allerdings blieb die Tinte bisher trocken.

Treffen mit Rohla steht bevor

„Wir können dazu leider noch nicht viel sagen, da wir Martin erst nächste Woche wieder treffen werden, um dort alles Weitere abzuklären. Wir freuen uns jedenfalls, dass er mit Goodshares an Bord ist“, erklärt Pennetzdorfer. „Da geht es nicht nur um Geld, sondern um einen guten strategischen Partner, der nachhaltige und zukunftsorientierte Projekte mitträgt und vorantreiben kann.“

Franchise-Pläne & Anfänge

Bei „Die Boys & Marie“ geht es um ein Pop-Up-Restaurant, das die beiden Jung-Unternehmer gemeinsam mit Gerald Wahl, dem Vater von Moritz, eröffnet haben und auch darum ihre Vision in Form von Franchise und Jugend-Unterstützung auszuweiten.

Eigentlich hat alles ganz anders begonnen, wie Pennetzdorfer erzählt. Im Sommer 2020 wurden vielen Schülern wegen Covid-19 ihre Praktika gestrichen, die an Tourismusfachschulen verpflichtend absolviert werden müssen. Der heute 18-Jährige wäre etwa drei Monate in Kopenhagen gewesen, musste seine Pläne aber wegen der Pandemie begraben.

Praktikum verloren – „Die Boys & Marie“ gefunden

„Ihm ging es da wie vielen Jugendlichen – plötzlich kein Praktikum, stattdessen nur ohne Perspektive den ganzen Sommer lang rumhängen. Zum Glück hatte sein Vater Wahl die verrückte Idee, Moritz könne doch trotz Corona und seiner jungen Jahre selber ein Business starten“ erinnert sich Marie Söllhammer. „Mit der Unterstützung des Unternehmensberaters und Markenexperten ging es dann Schlag auf Schlag. Moritz hatte in Windeseile ein paar Schulfreunde und mich zusammengetrommelt“, erzählt die 22-Jährige.

Die Boys & Marie
(c) „Die Boys & Marie“ – Das „Die Boys & Marie“-Team rund um die Dame des Hauses hat noch viel vor.

„Wir geben uns die Arbeit einfach selbst!“, lautete das damalige Motto des Teams. Das mit viel Elan dennoch auf Hindernisse und Hürden getroffen ist, aber nicht aufgeben wollte: „Es war eigentlich in der kurzen Zeit unmöglich und fühlte sich an, wie mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Doch an einem bestimmten Punkt hat die Wand nachgegeben und es hat sich das Eine ins Andere gefügt“, sagt Söllhammer. „Die Caritas hat uns das ehemalige Priesterwohnheim in der Ungargasse zur Zwischennutzung überlassen. Jetzt herrscht dort Baustelle und es entsteht ein neues magdas-Hotel. Wir haben mit einem Familiy-Crowd-Funding den ersten Wareneinsatz bezahlt und die ersten Sponsoren haben uns ermutigt und unter die Arme gegriffen. Und so konnten wir schließlich am 1. August 2020 unser Pop-up Restaurant eröffnen.“

„Zeigen, was in jungen Leuten steckt“

Es waren zwei Sommermonate voller harter und lehrreicher Arbeit gewesen, bevor es wieder in die Schule ging. „Aber wir haben Blut geleckt – und jetzt wollen wir noch mehr Leute anstecken und der Welt zeigen, was in den jungen Leuten steckt“, ergänzt Pennetzdorfer.

Bis vor kurzem lautete der Plan von „Die Boys & Marie“ in Wien ein fixes Pop-up-Restaurant zu eröffnen. Dieses Vorhaben wurde vorerst verschoben, um einen anderen Weg zu gehen. „Wir haben aus organisatorischen Gründen beschlossen, das fixe Restaurant kann noch ein bisschen warten. Uns geht es im Sommer 2021 jetzt erst einmal darum, unseren Spirit zu verteilen“, sagt Söllhammer. „Die Idee ist, dass wir in dieser Zeit in jedem Bundesland ein Pop-up von ‚Die Boys & Marie‘ eröffnen.“

Geschäftsideen bis 15. Mai gesucht

Für ihre andere Vision, der Unterstützung von jungen Menschen, haben die Gründer ihre Inspirations-Initiative namens „Mach Dein Ding“ gegründet und suchen nun bis 15. Mai für die neun Startplätze ab sofort in ganz Österreich Teams mit einer guten Geschäftsidee. Wobei es nicht zwangsweise Gastronomie sein muss. Diese Aktion ist das zweite Geschäftsfeld der Gründer und soll in Form von Beratungs- und Coachingleistung vonstattengehen.

Die Boys & Marie
(c) Die Boys & Marie – Gerald Wahl, Marie Söllhammer und Moritz Pennetzdorfer planen Wiener Headquarter.

„Wir möchten unser Know-How und unsere Erfahrungen vom letzten Sommer weitergeben und junge Leute vom Teambuilding bis zur Eröffnung dabei begleiten, ihr eigenes Pop-up zu starten“, erklärt Pennetzdorfer. „Wir haben das alles schon einmal durchgemacht und wissen im Nachhinein ganz gut, wie man mit der ein oder anderen Herausforderung umgeht und wie man Problemen vorbeugt. Zudem, Beratung von Jugendlichen für Jugendliche – das gab’s auch noch nicht so oft.“

Pop-up-Restaurant in Wien als Headquarter

Zusätzlich bereiten „Die Boys & Marie“ ihr eigenes, temporäres, Pop-up-Restaurant in Wien vor. Start ist am 1. Juli 2021 im Steigenberger Hotel Herrenhof in Wien. „Das Team steht bereits. Das wird unser Headquarter und Innovationslabor und soll für alle der Mutmacher sein“, so Söllhammer.

Damit enden aber nicht die Aufgaben der Gründer: „Um unsere Strategie wasserdicht zu machen und professionell die ersten Umsetzungsschritte zu gehen, brauchen wir Kapital. Wir müssen Schulungsmaterial und Kommunikationspakete entwickeln, den Dialog mit den Jugendlichen aufbauen, ein eigenes Lokal konzipieren und die Marke weiter ausbauen“, ergänzt Wahl.

Franchise mit Umsatzanteils-Abgabe an „Die Boys & Marie“

Die Hoffnung auf einen Investor wie Martin Rohla bleibt natürlich bestehen, doch darauf verlassen möchten sich das Trio nicht. Und sagt: „Wir rechnen, dass ein Pop-up in der Startphase eine Basisausstattung von ungefähr 15.000 Euro braucht. Diese Startplätze wollen wir für die Teams in der Hauptsache durch Firmen-Sponsorings abfedern. Wir selbst haben letzten Sommer in zwei Monaten 50.000 Euro Umsatz gemacht. Und dass in einem Restaurant mit 60 Sitzplätzen. Kommenden Sommer glauben wir daran, dass die neuen Teams mit unserer Hilfe das auch schaffen werden. Um unsere laufenden Kosten zu bezahlen, werden die jeweiligen Pop-ups u.a. einen Umsatzanteil an uns abgeben und ein verpflichtendes Starterpaket erkaufen müssen, welches Beratungsleistungen, Verwaltungsaufwand und Werbekosten mitfinanzieren soll.“

Keine kleinen Kinder

Mit dieser ausgeklügelten Strategie ist es schwer zu glauben, dass die jungen Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben, von potentiellen Partnern wie „kleine Kinder“ betrachtet werden. „Hier hilft es enorm, dass wir mit Gerald Wahl einen erfahrenen Manager im Team haben. Er weiß aus 25 Jahren Selbständigkeit, wie man solche Projekte angeht, Gespräche und Verhandlungen anlegt und nicht über den Tisch gezogen wird“, erklärt Söllhammer. „Da ist die Augenhöhe blitzschnell wieder hergestellt. Andererseits eröffnet gerade unsere Jugendlichkeit andere Türen, weil wir umgekehrt auf gleicher Ebene unsere Generationen erreichen. Das ist eine geniale Symbiose und wir sind glücklich, dass im Großen und Ganzen alle unsere Partner respektvoll auf Augenhöhe mit uns arbeiten.“

Das geile Netzwerk

Das allgemein ganz große Ziel von Marie und ihren Jungs ist es einen Ruck auszulösen, eine lebendige Bewegung zu starten und ein Sprachrohr bzw. Startrampe für die Jugend zu werden, wie Gründerin Söllhammer sagt: „Wir wollen ‚Die Boys & Marie‘ zu einem richtig geilen, laufenden Netzwerk von jungen Leuten machen. Und stetig erweitern.“

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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