02.03.2020

5G, Drohnen und AI: Wie der Coronavirus Chinas Digitalisierung antreibt

Mit Drohnen, AI und 5G-Technologie geht China gegen den Coronavirus vor. Somit ist die Krise für das Land auch eine Chance, schreibt brutkasten-Kolumnistin Ting Wasner-Lian.
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China: Tech-Konjunkturpaket, um die USA zu überholen
China kämpft mit Technologie gegen den Coronavirus. (c) blackday/Adobe Stock

Technologie verändert das Leben, und mit dem Ausbruch des Coronavirus haben verschiedene neue Technologien eine unglaublich schnelle Verbreitung erfahren. Von einem System zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Situation bis hin zur 5G-Integration, von KI-gesteuerten Robotern bis hin zum Management von Gesundheitscodes haben verschiedene Technologieunternehmen neue Produkte und Technologien auf den Markt gebracht. Sie helfen, den Coronavirus zu bekämpfen und die Menschen zu beruhigen. Von der kontaktlosen Verteilung bis hin zur Identifizierung von Menschenmengen wird eine große Anzahl intelligenter und informationsbasierter Lösungen in Unternehmen eingesetzt, die zur Prävention und Kontrolle von Epidemien und zur Wiederaufnahme der Arbeit beitragen.

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Chinesische Technologieunternehmen beteiligen sich an verschiedenen Formen der Prävention, unter anderem durch den Einsatz von automatisierten Robotern, die das medizinische Personal mit Mahlzeiten versorgen, durch die Installation von Wärmebildkameras an Drohnen und durch die Bereitstellung von Rechenleistung für die Entwicklung von Impfstoffen.

Nachfolgend sehen wir uns die durch den Coronavirus getrieben Technologien in Form von zehn Einzelpunkten genauer an.

1. 5G und Medizin gegen den Coronavirus

5G kann viele Rollen im öffentlichen Gesundheitsmanagement spielen, wie z.B. Fernkonsultationen, die Verwaltung großer Datenmengen, Roboter zur Seuchenprävention und Infrarot-Thermometer.

Die 5G-fähige Technologie kann die Ressourcen multidisziplinärer Experten an verschiedenen Orten für die Durchführung von Fernkonsultationen vollständig mobilisieren. Gleichzeitig können schnell Diagnose- und Behandlungspläne erstellt und die Effizienz der Patientenbehandlung verbessert werden. Sie verringert auch das Infektionsrisiko für das medizinische Personal und senkt die Kosten für medizinische Versorgungsgüter wie zum Beispiel Schutzuniformen.

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Im Krankenhaus Wuhan Xiehe pendelte eine Gruppe von per 5G mit der Cloud verbundenen Robotern zwischen den Patienten hin und her und übernahm Aufgaben wie Fernkrankenpflege, Temperaturmessung, Desinfektion, Reinigung und Medikamentenabgabe, was das Management der Isolation effektiv verbesserte.

Die Gesellschaftz profitiete durch die schnelle und berührungslose Messung der Körpertemperatur innerhalb von Sekunden und das Screening der Temperatur von sich bewegenden Personen. Darüber hinaus wird China Unicoms durch 5G getriebene Wärmebildlösung in U-Bahnen, Bahnhöfen, Krankenhäusern, Schulen und Gewerbegebieten im ganzen Land eingesetzt.

2. Digitale Karte des Coronavirus

Nach dem Ausbruch der Epidemie hat der WeChat-Account „Dr. Lilac“ zunächst eine Epidemiekarte veröffentlicht, um bestätigte Fälle, Verdachtsfälle und geheilte Fälle bekannt zu geben. Gleichzeitig wurde eine Echtzeit-Broadcast-Schnittstelle eingerichtet, und die neuesten Meldungen und spezifischen Maßnahmen für die Epidemie-Situation wurden der Öffentlichkeit so schnell wie möglich bekannt gegeben. Unternehmen wie Baidu führten auch Epidemiekarten ein, um Informationen rechtzeitig zu verfolgen.

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Ein weiteres Tool hilft bei der Ermittlung, ob man ähnliche Reiserouten wie bereits infizierte Personen in Anspruch genommen hat. Das Abfragetool ist über den öffentlichen WeChat-Account der „People’s Daily“ zugänglich und wird gemeinsam von der 360 Group und Chengdu Wutang Information Technology Co., Ltd. entwickelt und eingeführt. In das Abfragesystem können die Benutzer ihre eigenen Reisedaten, Reisen und Regionen eingeben und überprüfen, ob sie mit den diagnostizierten Patienten reisen, wobei Flugzeuge, Züge, U-Bahnen, Busse, Busse, Taxis, Schiffe und viele andere Transportmittel erfasst werden.

Darüber hinaus werden auf der WeChat „Look at“-Schnittstelle verschiedene Informationen zum Thema in Echtzeit aktualisiert. Gleichzeitig dienst die WeChat-Schnittstelle „Fieberklinikkarte“ dazu, Patienten mit Fieber bei der Suche nach einer medizinischen Klinik zu helfen. Apps wie Baidu Maps und Gaode Maps wurden mit der „Fieberklinik“-Funktion gestartet, und die Informationen werden kontinuierlich aktualisiert und decken mehr als 100 Städte im ganzen Land ab.

3. Einzelhandel – Einkaufen in der Gemeinde

Früher waren Offline-Shops, E-Commerce-Plattformen und Gemeinschaftskäufe in Wohnanlagen drei getrennte Geschäftszweige. Im Zuge der aktuellen Epidemie wurden jedoch viele Verbindungen geschlossen oder der Zugang zu ihnen eingeschränkt. Unter solchen extremen Umständen haben sich die Vorteile des Gruppenkaufs in der Gemeinde bemerkbar gemacht: Bequeme Bestellmöglichkeiten, ermäßigte Preise und kontaktlose Lieferung, die schnell die Käufer in einer Gemeinde bedienen kann – was Hand in Hand mit traditionellen Supermärkten geht oder sogar die traditionellen Supermärkte übertrifft.

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Das gemeinschaftliche Einkaufen in Gruppen hat großes Potential für die Zukunft, so wie Supermärkte die Lebensmittelgeschäfte ersetzen und E-Commerce die Supermärkte. WeChatgruppen in Kombination mit Miniprogrammen (im Grunde genommen leistungsstarke WeChat-Add-ons) werden heute weitgehend akzeptiert.

4. Kontaktlose Zustellung

Das „kontaktlose“ Einkaufen ist für viele Einzelhandelsunternehmen zu einer wichtigen Option geworden, um die Epidemie zu bekämpfen und die Versorgung zu sichern. WeChat-Miniprogramme für die Hauszustellung werden zu einer wichtigen Einkaufsmethode, um das normale Leben der Bewohner zu sichern.

5. Live-Streaming für alle

Wenn 2019 das Jahr des Live-Streamings der Key Opinion Leader Stars (KOL) war, so ist 2020 das Jahr, in dem jeder mit Live-Streaming, also kurzen Videos zum Verkauf von Produkten auf Apps und Plattformen, beginnt.

6. Arbeiten von zu Hause aus

Heute ist die Arbeit von zu Hause zu chinesischen Normalität geworden. Die Medien berichteten, dass „200 Millionen Menschen zu Hause arbeiten“. Online-Zusammenarbeit ist die Mainstream-Arbeitsweise der Zukunft. Die Dingding-App von Alibaba ist ein soziales Unternehmensnetzwerk. Sie ist seit sechs Jahren online und hat mehr als 200 Millionen Einzelbenutzer und 10 Millionen Firmenorganisationen.

Derzeit ist die Dingding-App von der Zeiterfassung bis zur Videokonferenz kostenlos. Besitzer von kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) sind im Allgemeinen voller Wohlwollen, insbesondere für die Tätigkeiten der Verkaufsabteilungen. Der Vorgesetzte kann den Fußabdruck der Vertriebsmitarbeiter so mitverfolgen.

7. Online-Bildung, einschließlich Live-Streaming-Kurse

Nach der Epidemie kündigte das Bildungsministerium die Verlängerung des Frühlingssemesters 2020 an und sprach sich für eine „Aussetzung des Unterrichts ohne Unterbrechung der Schule“ aus, wobei Schulen und Ausbildungseinrichtungen ermutigt wurden, den Unterricht und die Lehre auf Online-Szenarien zu übertragen.

Die Nutzung der Online-Bildung wurde somit durch die Epidemiesituation stark angetrieben. Internet-Giganten wie Tencent, Alibaba, ByteDance und iFlytek sind hier aktiv. So hat Tencent beispielsweise eine Reihe von Unternehmen für Online-Bildungsplattformen gegründet, darunter xiaoe tech, talk cloud, vhall, baijiayun, wxbig, etw360 und polyv usw., um die Tencent Education „nonstop education“ Alliance zu starten. Alipay und Alibaba Cloud Education haben mit bekannten Ausbildungseinrichtungen wie New Oriental, TAL education, zybang, kaike.la zusammengearbeitet, um mehr als 600 kostenlose Kurse anzubieten.

8. Künstliche Intelligenz gegen den Coronavirus

Mit der Veröffentlichung der sechsten Ausgabe des neuen Diagnose- und Behandlungsplans für den Coronavirus ist die CT-Bildgebung zu einer wichtigen Entscheidungsgrundlage geworden. Als der am schnellsten wachsende Teilbereich der AI-Medizin ist die AI-Bildgebung zu einer Schlüsselkraft bei der Prävention und Kontrolle von Epidemien geworden. AI-Unternehmen in Shanghai haben CT- und AI-Produkte auf den Markt gebracht, um das medizinische Personal an vorderster Front bei der Bekämpfung von Epidemien zu unterstützen.

9. Im Inneren des Smart Cabine Hospitals

Ein fahrerloses Lieferfahrzeug pendelt zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Kabinenkrankenhauses, um medizinische Hilfsgüter und Dinge des täglichen Bedarfs über kurze Entfernungen zu transportieren. Viele Patienten nutzen das hier ausgestattete 5G-Netz, um sich ruhig auf dem Bett hinzulegen oder einen Videochat zu führen. Die intelligente Uhr, die der Patient trägt, kann automatisch die Sauerstoffsättigung des Blutes und die Herzfrequenz kontinuierlich überwachen. Und sie alarmiert automatisch, wenn ein abnormaler Index gefunden wird. Das Herzstück des Smart Cabin Hospitals ist eine integrierte medizinische Cloud-Plattform.

10. Vollständige Abschaffung der Papierfahrkarten.

Es gibt keine Papierfahrkarten mehr, es wird digitalisiert. Wenn alte Menschen nicht mehr mit dem Telefon scannen können, können sie stattdessen ihren Ausweis einscannen.

Abschließend sei gesagt: Im Chinesischen bedeutet das Wort für „Krise“ zugleich auch „Chance“. Optimistisch betrachtet hat der Coronavirus China die Möglichkeit gegeben, die digitale Integration Chinas zu beschleunigen.


Über die Kolumnistin: Ting Wasner-Lian, MBA

Ting gründete ihre erste Firma, ein Immobilienportal, in China direkt nach ihrem Studienabschluss. Anschließend arbeitete sie im Immobilien- und Architekturgeschäft in vielen Funktionen wie Strategie und Business Development. Im Jahr 2007 wechselte sie zu einer österreichischen Unternehmensberatung und war dort für den Aufbau des asiatischen Geschäftsbetriebs verantwortlich. Sie hat einen MBA-Abschluss in Entrepreneurship & Innovation von der WU Wien und lebt und arbeitet seit 12 Jahren in China, Japan und Österreich. Im Jahr 2018 gründete sie SE Incubator und wurde unabhängige Beraterin mit einem starken Fokus auf chinesische Innovationen und Markttrends. Außerdem ist sie Mitorganisatorin des Asian Innovation Meetup Vienna.

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v.l.n.r.) Sergio Rodríguez, Alejandro Huenich und Günter Winkler beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026" am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Millionenbudgets, erfahrene Business Developer und am Ende trotzdem kein einziger Abschluss: An diesem Muster scheiterten japanische Medizintechnik-Unternehmen immer wieder bei ihren Expansionsversuchen in die USA. „Zu Decoto kamen Unternehmen, die zuvor Millionen in ihr Business Development in den USA investiert und ihre besten japanischen Mitarbeiter dorthin geschickt hatten und nach zwei oder drei Jahren trotzdem keinen Umsatz erzielen konnten“, erzählt Alejandro Huenich im Gespräch mit brutkasten.

Aus genau dieser Beobachtung heraus gründete Sean Yoshikawa vor rund vier Jahren Decoto International in Tokio: als Antwort auf Handelshemmnisse, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, an denen die Internationalisierung von MedTech-Unternehmen häufig scheitert.

Huenich, der zuvor in der österreichischen Blockchain-Szene aktiv war, stieg später als Co-Founder ein. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits Jahre zuvor bei einer Startup-Live-Veranstaltung in Österreich, an der Yoshikawa auf Einladung der WKO teilgenommen hatte. In die Medizintechnik kam Huenich zunächst ohne Branchenerfahrung: Innerhalb von 48 Stunden erhielt er zwei voneinander unabhängige Anfragen aus dem MedTech-Bereich, neben Yoshikawas Anruf auch eine Vermittlung zum Wiener Medizintechnik-Unternehmen Aurimod. „Das Universum hat mir innerhalb von 48 Stunden gleich zweimal MedTech auf den Tisch geknallt“, sagt Huenich.

Seit Jänner 2026 führt Huenich Decoto als Geschäftsführer und hat die Marke übernommen. Gründer Yoshikawa ist aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, begleitet das Netzwerk jedoch weiterhin punktuell beratend. Eine spätere Rückkehr bleibt offen.

Mit dem Wechsel an der Spitze kam auch eine strategische Neuausrichtung: „Ich habe Decoto stärker europäisch ausgerichtet“, sagt Huenich. Graz soll künftig als „Gateway to Europe“ dienen und internationalen MedTech-Unternehmen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern. Gleichzeitig bleibt das globale Modell bestehen: Partner in Mexiko öffnen den Zugang zu Lateinamerika, das Netzwerk in Japan zu Südostasien, weitere Partner decken Europa und die USA ab.

Ein Netzwerk ohne Angestellte

Decoto ist in mehr als elf Ländern aktiv, mit Schwerpunkten in Südostasien, Japan, Korea, den USA, Lateinamerika und Europa. China und die Schweiz sollen als nächste Märkte hinzukommen. Das Konstrukt dahinter ist ungewöhnlich: „Decoto ist ein System ohne Angestellte“, erklärt Huenich. Im Ökosystem arbeiten eigenständige Unternehmen, Expert:innen und Einzelunternehmer:innen projektbezogen zusammen, vergleichbar mit einer international aufgestellten Anwaltskanzlei. Vergütet wird, wer tatsächlich an einem Projekt beteiligt ist. Das hält die Struktur schlank und schafft für die Partner einen Anreiz, ihre Expertise einzubringen und das Netzwerk aktiv weiterzuentwickeln. Klassisches Marketing betreibe Decoto kaum, die Projektpipeline sei dennoch gut gefüllt.

Das Netzwerk unterscheidet sich nach Huenichs Verständnis jedoch nicht nur durch seine Struktur, sondern auch durch die Art, wie Partnerschaften aufgebaut und Geschäfte gemacht werden. „We are not a business company with some spiritual qualities. We are a spiritual company doing business“, beschreibt er den Ansatz. Im Gespräch wechselt er zwischen Deutsch und Englisch. Gemeint ist eine Unternehmenskultur, in der Achtsamkeit, Wertschätzung, Transparenz, Reflexion und kaufmännische Integrität die Grundlage der Zusammenarbeit bilden.

(v.l.n.r.) Günter Winkler, Alejandro Huenich, Sergio Rodríguez und Amel Havkic beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026″ am Red Bull Ring. | (c) Decoto International

„Gute Beziehungen, Freude an der Zusammenarbeit und geschäftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch, sie gehören zusammen“, sagt Huenich. Gerade die Monetarisierung von Netzwerken sei schwierig: Viele verfügten über starke Kontakte, schafften es jedoch nicht, daraus nachhaltige Projekte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Decoto sieht seinen bisherigen Erfolg deshalb in der Verbindung gemeinsamer Werte mit einer klaren Methodologie, definierten Rollen und konkreten wirtschaftlichen Zielen.

Gleichzeitig ist Huenich überzeugt, dass die zwischenmenschliche Ebene künftig noch wichtiger wird. Künstliche Intelligenz werde zunehmend Prozesse übernehmen, Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Qualität der Zusammenarbeit ließen sich jedoch nicht auf dieselbe Weise automatisieren. Eine ähnliche Haltung verfolgt er als Founding Member von Conxious (brutkasten berichtete), einer Initiative für bewusstere und werteorientierte Formen des Unternehmertums.

Decoto versteht sich ausdrücklich nicht als reine Unternehmensberatung. Beratung ist zwar ein Bestandteil der Arbeit, der Ansatz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern beteiligt sich Decoto aktiv an der Umsetzung und begleitet MedTech-Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte. Unter dem Modell „Co-Founder as a Service“ übernimmt beispielsweise ein lokaler Partner den Aufbau der Aktivitäten vor Ort, bis das Unternehmen eigene Strukturen geschaffen hat und selbst übernehmen kann.

Die Partner kennen die jeweiligen Gesundheitssysteme, Marktmechanismen, kulturellen Besonderheiten und relevanten Entscheidungsträger. Dadurch erhalten die Unternehmen nicht nur strategische Empfehlungen, sondern auch operative Unterstützung und Zugang zu den notwendigen lokalen Netzwerken.

Wie finanziert sich Decoto?

Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: klassischer Beratung, Venture Building im Sinne des „Co-Founder as a Service“-Modells sowie erfolgsabhängigen Vergütungen im Vertrieb, die jeweils mit einem Retainer kombiniert werden. Beteiligungen an Unternehmen nimmt Decoto nur in Ausnahmefällen. „Equity ist nicht nur gut, es ist auch eine Verantwortung“, sagt Huenich. Inhaltlich konzentriert sich das Netzwerk auf MedTech und Life Sciences, von Digital Health bis Longevity. Pharma ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Projekte von Decoto

Zu den aktuellen Projekten zählen laut Huenich die Ansiedlung eines iranischen Startups in Graz, die laufende Ansiedlung eines indischen Unternehmens, die Zusammenarbeit mit einem koreanischen Unternehmen im Demenzbereich sowie die Unterstützung österreichischer Startups.

Als Referenzprojekt nennt Huenich das koreanische Unternehmen Seven Point One, das mit „AlzWIN“ ein KI-gestütztes, sprachbasiertes Screening zur Früherkennung von Demenzrisiken entwickelt hat. Das Unternehmen war bereits in Korea etabliert und laut Huenich auch in Japan erfolgreich, kam beim Eintritt in den US-Markt jedoch zwei Jahre lang kaum voran.

Gemeinsam mit den Decoto-Partnern wurden anschließend unter anderem der FDA-Prozess, das Branding, die Kapitalaufnahme und die ersten Verkäufe an Krankenhäuser bearbeitet. Nach acht Monaten sei das Unternehmen bereit gewesen, seine Aktivitäten in den USA zu skalieren.

Das zentrale Learning daraus beschreibt Huenich so: „Wenn du als ausländisches Unternehmen in einen neuen Markt gehst, wirst du zunächst immer als ausländisches Unternehmen wahrgenommen. Es gilt fast überall: America first, Japan first oder India first.“ Deshalb brauche es lokale Partner, die nicht nur den Markt kennen, sondern auch über das notwendige Vertrauen und die richtigen Beziehungen verfügen.

Eine zentrale Rolle in diesem internationalen Modell übernimmt Sergio Rodríguez. Neben Alejandro Huenich und Günter Winkler ist er der dritte Co-Founder des neu ausgerichteten, stärker europäisch verankerten Decoto-Unternehmens. Rodríguez ist seit mehr als 17 Monaten Teil des Netzwerks, leitet die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika und verantwortet die Bereiche Projektmanagement und Finanzen.

Der Strukturbauer: Günter Winkler

Seit Juni verstärkt Günter Winkler Decoto als neuer Geschäftsführer. Der Wirtschaftsingenieur war lange in der Automotive-Branche tätig, zunächst bei einem OEM in Stuttgart, danach zehn Jahre beim Grazer Technologieunternehmen AVL, wo er zuletzt ein internationales Entwicklungsteam in Indien, Ungarn und Österreich leitete. Seit 2022 ist er zudem Geschäftsführer von Ottronic, einem obersteirischen Entwicklungs- und Fertigungspartner für Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf.

Sein Weg zu Decoto begann zunächst als Kunde. Ausgangspunkt war die Wachstumsfrage von Ottronic: Der DACH-Markt allein passte nicht mehr zu den internationalen Zielen des Unternehmens. Die Zusammenarbeit begann mit einem geförderten Internationalisierungsprojekt, in dessen Rahmen Winkler gemeinsam mit Huenich zur World Health Expo und zur MedTech World nach Dubai reiste. Darauf folgte ein gemeinsames Südamerika-Projekt in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) mit einem Volumen von knapp 50.000 Euro.

Nach der Zusammenarbeit in diesen beiden Projekten entschied sich Winkler im Juni, nicht nur Kunde und Partner des Netzwerks zu bleiben, sondern als neuer Geschäftsführer Verantwortung für die weitere Entwicklung von Decoto zu übernehmen.

Seine zentrale Aufgabe ist es, aus dem bislang bewusst lose organisierten Zusammenschluss internationaler Expert:innen und Partner ein professionell strukturiertes Unternehmen zu entwickeln, das dem aktuellen Wachstum nachhaltig standhalten kann. Die organisatorische Weiterentwicklung ist notwendig, um die wachsende Nachfrage und die bestehende Projektpipeline künftig zuverlässig bedienen zu können.

Dabei soll Decoto vor allem in organisatorischer und struktureller Hinsicht professionalisiert werden, ohne jene bewährten Aspekte aufzugeben, die das Netzwerk bisher erfolgreich gemacht haben: seine Flexibilität, die persönliche Zusammenarbeit und die enge Verbindung zwischen den internationalen Partnern.

Die Arbeitsteilung bringt Huenich auf den Punkt: „Günter baut das Unternehmen, ich kümmere mich um die Menschen.“

Diese Fassung bleibt sehr nah am Original, stellt Günters neue Position aber deutlich klarer heraus und erklärt nachvollziehbar, warum er jetzt Geschäftsführer wird und welche konkrete Aufgabe er übernimmt.

Die klinische Perspektive: Amel Havkic und EvoMed

Mit Amel Havkic erweitert Decoto sein Netzwerk um klinisch-medizinische Expertise. Der Frankfurter Pneumologe ist Ärztlicher Leiter für Weaning und Heimbeatmung am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und Gründer von EvoMed Consulting. Als Partner im Decoto-Netzwerk bringt er insbesondere seine Erfahrung in der klinischen Bewertung und Clinical Adoption ein – also bei der Frage, wie medizinische Innovationen sinnvoll in den klinischen Alltag integriert und von den späteren Anwender:innen angenommen werden können.

Huenich und Havkic lernten sich zunächst über LinkedIn kennen. Persönlich trafen sie sich kurz darauf bei der von Dylan Attard gegründeten MedTech World Dubai. Decoto ist Partner der internationalen Veranstaltungsreihe und regelmäßig bei deren Events vertreten. Im November soll ein großer Teil des Decoto-Netzwerks bei der MedTech World Europe auf Malta zusammenkommen.

„Statt uns als Konkurrenz zu betrachten, haben wir schnell erkannt, dass sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen“, sagt Havkic. Den strategischen Wert der Partnerschaft sieht Huenich vor allem in Havkics Nähe zur klinischen Praxis: „Er kennt den medizinischen Bereich und den Alltag der Menschen, die eine Innovation später im Krankenhaus anwenden müssen. Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig und wird häufig massiv unterschätzt.“

Für Havkic ist Clinical Adoption eine der entscheidenden Erfolgsmetriken im Gesundheitswesen: Wenn Ärzt:innen und Pflegepersonal ein Produkt im Alltag nicht sinnvoll einsetzen können oder darin keinen konkreten Mehrwert erkennen, kann selbst die beste Technologie scheitern.


Wie die Netzwerkarbeit funktioniert

Wie Decoto Netzwerkarbeit versteht, zeigte sich zuletzt am Red Bull Ring. Beim ADAC Racing Weekend lud das Unternehmen gemeinsam mit CESA und Reiter Racing zum Event „Beyond the Pitlane 2026“ – einer kuratierten Runde aus Spitzensport, MedTech und Venture Capital. Das Programm reichte vom Lunch im Fahrerlager über den Renntag in der Box von Reiter Racing, dessen Team an diesem Wochenende den zweiten Platz belegte, bis hin zu einer Paneldiskussion.

Netzwerkveranstaltung am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Auf dem Podium diskutierten unter anderem Amel Havkic von EvoMed Consulting, Lejla Pock von Human.technology Styria, Matthew Foran von Meadow Valley Capital, Guillermo Fernando Pezzetto von AVL Racetech, Aleksandra Krajnc vom Know Center und Shavini Fernando von OxiWear. Moderiert wurde die Diskussion von Alejandro Huenich.

Das Event war zugleich Teil eines aktuellen Decoto-Projekts: Peak Performance MedTech. Die Initiative soll eine Brücke zwischen medizinischer Innovation und Spitzensport schlagen. Der Motorsport bietet dafür ein besonders geeignetes Umfeld, da der menschliche Körper hier seit Jahrzehnten an seine Grenzen gebracht wird – häufig lange bevor daraus gewonnene Erkenntnisse Eingang in die reguläre Gesundheitsversorgung finden.

MedTech-Innovationen sollen im Hochleistungssport erprobt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden und von dort ihren Weg in breitere Märkte finden. Gleichzeitig zeigt das Format, wie das Decoto-Modell im Kern funktioniert: Unterschiedliche Akteure werden gezielt zusammengebracht, persönliche Beziehungen aufgebaut und daraus konkrete Projekte und Partnerschaften entwickelt.

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5G, Drohnen und AI: Wie der Coronavirus Chinas Digitalisierung antreibt

  • Technologie verändert das Leben, und mit dem Ausbruch des Coronavirus haben verschiedene neue Technologien eine unglaublich schnelle Verbreitung erfahren.
  • Von einem System zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Situation bis hin zur 5G-Integration, von KI-gesteuerten Robotern bis hin zum Management von Gesundheitscodes haben verschiedene Technologieunternehmen neue Produkte und Technologien auf den Markt gebracht.
  • Somit kann diese Krise auch als Chance gesehen werden.

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