08.09.2025
INVESTMENT

cogvis: Wiener HealthTech-Scaleup holt erneut Millioneninvestment

Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich beteiligt sich am Wiener Unternehmen für smarte Pflegetechnologien.
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© cogvis/Canva - cogvis-CEO Rainer Planinc.

Cogvis, das Spin-off der TU Wien, hat eine smarte Pflegelösung entwickelt. Dafür holte es sich im Jahr 2018 eine Kapitalspritze in Höhe von 700.000 Euro – brutkasten berichtete. Drei Jahre später folgte eine Series A in siebenstelliger Höhe. Im März des heurigen Jahres verkündete man den Abschluss eines weiteren Investments – ebenfalls in Millionenhöhe. Nun bleibt man dem Motto der 20er Jahre treu und vermeldet erneut eine siebenstellige Finanzierungsrunde.

Neu an Bord ist die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) als Kapitalgeber und strategischer Partner.

cogvis-CEO ausgezeichnet

Gegründet wurde cogvis bereits im Jahr 2007. Spezialisiert hat man sich seither auf „altersgerechte Assistenzsysteme“ (AAL). Konkret auf modulbasierte Systeme, bei denen 3D-Sensoren Bewegungen im Raum registrieren und bei Bedarf einen Alarm auslösen. So sollen Stürze vermieden und das Pflegepersonal entlastet werden. CEO Rainer Planinc wurde im August 2024 vom englischsprachigen Medium „EU Business News“ zum CEO des Jahres gekürt.

Für das cogvis-Team steht das europäische Pflegesystem an einem Wendepunkt. Es brauche tiefgreifende, sofort wirksame technologische Lösungen, die den dringend benötigten Impuls zur Entlastung liefern können. Das heimische Scaleup ist mit seiner smarten Pflegelösung in über 260 Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern vertreten. Der Einstieg der RLB OÖ sei ein klares Signal an die gesamte Branche: Innovation allein reiche nicht, so der Claim. Entscheidend ist, welche Technologie in der Praxis funktioniert, eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeiter:innen erzielt und für Gesundheitseinrichtungen ohne versteckte Kosten skalierbar ist.

Internationale Skalierung als Ziel

Die RLB OÖ investiert nicht nur diesen siebenstelligen Betrag, sondern sichert sich zusätzliche Optionen für die Zukunft. Ziel ist es, die nationale und internationale Skalierung der Lösung voranzutreiben.

„Wir prüfen laufend innovative Wachstumsunternehmen im Bereich Pflege. Cogvis ist eines der wenigen skalierbaren Unternehmen, das bereits heute das Pflegepersonal nachweislich entlastet, die Lebensqualität der betreuten Personen erhöht und dabei Kostendruck aus dem Gesundheitssystem nimmt. Cogvis bietet eine Lösung, die sich flächendeckend ausrollen lässt und sofort wirkt. Wir freuen uns die Gesellschaft bei ihrem weiteren Wachstum in Österreich, Deutschland und darüber hinaus partnerschaftlich und unternehmerisch zu unterstützen“, sagt Sebastian Wiener von der Raiffeisen Beteiligungsholding der RLB OÖ.

cogvis: Partnerschaft als Katalysator

Eigentlich war die Series-A-Runde bereits abgeschlossen, als die RLB OÖ auf cogvis zukam. „In unseren intensiven Gesprächen wurde jedoch schnell klar: Gemeinsam können wir unsere Ziele schneller und wirkungsvoller erreichen. Die langjährigen KMU-Erfahrungen der RLB OÖ geben uns entscheidenden Rückenwind. Durch diese Partnerschaft beschleunigen wir die Neuausrichtung der Pflege“, erklärt Planinc.

Allein in Österreich trage – nach eigenen Angaben – die Technologie von cogvis das Potenzial, jährliche Einsparungen im neunstelligen Millionenbereich zu ermöglichen; durch effektive Sturzprävention und reduzierte Krankenhauseinweisungen. „Für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser bedeutet das ein effektiveres sowie auf den Bewohner bzw. Patienten maßgeschneidertes Risiko- und Pflegemanagement“, heißt es per Aussendung. „Die Partnerschaft mit RLB OÖ ist ein Katalysator, um die komplexen Entscheidungsstrukturen im Gesundheitswesen schneller zu überwinden. Der Anspruch: digitale Lösungen dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.“

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ViehFinder
© ViehFinder - Mit der App von ViehFinder sollen die Tiere rasch auffindbar gemacht werden.

Die Almwirtschaft ist nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Obwohl sich die Almfutterfläche in den vergangenen 25 Jahren nahezu halbiert hat, umfasste sie 2025 noch immer 322.446 Hektar. Damit war sie größer als das gesamte Bundesland Vorarlberg und entsprach etwa der siebenfachen Fläche Wiens. Der Anteil der Grünlandbetriebe, die ihre Tiere während der Sommermonate auf Almen auftreiben, blieb in diesem Zeitraum mit rund einem Viertel weitgehend konstant. Seit dem Jahr 2000 ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche österreichweit um 14 Prozent zurückgegangen. Umso wichtiger werden Lösungen, die den Arbeitsaufwand auf den Almen reduzieren und die Bewirtschaftung langfristig sichern – hier kommt das Startup ViehFinder ins Spiel.

ViehFinder nutzt Galileo

Das Grazer Unternehmen entwickelt ein digitales System, mit dem Landwirte jederzeit nachvollziehen können, wo sich ihre Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde befinden. Die Grundlage dafür bilden intelligente Halsbandsensoren, die ihre Position über das europäische Satellitennavigationssystem Galileo bestimmen und an eine App übertragen.

Martin Mössler, Geschäftsführer des Science Park Graz und des ESA Business Incubation Centre Austria, betont: „Weltraumtechnologien entfalten ihren größten Nutzen dort, wo sie konkrete Herausforderungen auf der Erde lösen. Genau das ist unser Anspruch: Wir begleiten Startups, die aus Spitzentechnologie wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen entwickeln und gleichzeitig einen nachhaltigen Beitrag leisten. ViehFinder ist dafür ein hervorragendes Beispiel.“

Stundenlange Suche als Problem

Die Idee für ViehFinder hat ihren Ursprung im Kärntner Mölltal: Dort wuchs Gründer und Geschäftsführer Peter Lederer auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf und erlebte schon als Kind, wie viel Zeit die tägliche Kontrolle von Tieren auf weitläufigen Almen in Anspruch nimmt. Stundenlang nach Tieren zu suchen – das gehört bis heute vielerorts zum Alltag, weiß der 58-jährige Gründer.

© ViehFinder – Gründer Peter Lederer mit seinen Söhnen Raphael Krebs und Jakob Krebs.

„Die Almwirtschaft ist für Österreich enorm wichtig – für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Biodiversität. Unser Ziel ist es, die Almbewirtschaftung mit moderner Technik einfacher zu machen. Wenn noch mehr Bauern damit aufhören, wäre das ein Problem für ganz Österreich“, unterstreicht Lederer. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Raphael und Jakob gründete er daher 2020 ViehFinder: Während der Vater die Elektronik verantwortet, bringen die beiden Söhne ihre Expertise aus Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Physik ein.

Im ESA-Inkubationsprogramm

Mittlerweile ist die unternehmenseigene Entwicklung fortgeschritten: „Landwirte wissen mit unserer Applikation jederzeit, wo sich ihre Tiere befinden. Gerade auf großen Almen spart das viele Stunden Arbeit. Hirten und Almgemeinschaften können auf einen Blick kontrollieren, ob die Herde vollständig ist und wo sich einzelne Tiere aufhalten“, erklärt Lederer. Im Rahmen des ESA-Inkubationsprogramms entwickelt ViehFinder die Technologie aktuell weiter: Die neue Generation an Halsbandsensoren erfasst zusätzlich auch Bewegungsmuster und Umgebungsdaten.

„Dadurch kann das System künftig auch ungewöhnliche Situationen erkennen“, erklärt der Founder weiter. Zeigt eine Herde plötzlich auffälliges Bewegungsverhalten, kann das auf die Anwesenheit eines Wolfs oder Bären hindeuten. Ebenso möglich ist jedoch, dass Wanderer mit Hunden die Tiere aufgescheucht haben. Bleibt ein einzelnes Tier über einen längeren Zeitraum bewegungslos, könnte dies wiederum ein Hinweis auf eine Verletzung sein. „Derzeit testen wir diese Funktionen gemeinsam mit Landwirten in der Steiermark und Kärnten.“

Mehr Features geplant

Auch der Klimawandel spielt bei der Weiterentwicklung des Startups eine Rolle: Künftig sollen Satellitendaten zur Schneelage und Vegetationsentwicklung eingebunden werden. „Damit könnten Landwirte besser beurteilen, wann Almen bestoßen werden können oder der richtige Zeitpunkt für den Almabtrieb gekommen ist“, erklärt der ViehFinder-Geschäftsführer.

Derzeit bereitet das Grazer Startup die Markteinführung vor. Anfang 2027 soll das System rechtzeitig zur nächsten Almsaison verfügbar sein. Über den weiteren Wachstumskurs sagt Lederer: „Wenn wir die Produktion aufbauen, werden wir zusätzliche Partner brauchen. Für Investoren sind wir daher grundsätzlich offen.“

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