ClauseMatch erhält Seedfinanzierung von Speedinvest
Das Londoner Startup ClauseMatch konnte seine Seedfinanzierungsrunde, angeführt vom österreichischen VC, Speedinvest, erfolgreich abschließen. Das FinTech erhält mehr als 1,4 Millionen Euro für die Skalierung seines Dokumenten-Managements.
Die Seed-Investmentrunde wird von Speedinvest, von CB Insights 2016 als aktivster Frühphasen-Investor im FinTech Bereich Europas gelistet, geleitet. Zu den weiteren Investoren zählen SparkLabs Global Ventures, TechStars, sowie renommierte Business Angels wie Tom Glocer (ex-CEO von Thomson Reuters) und Cristobal Conde (ex-CEO von Sungard).
Die Bedürfnisse von Finanzinstituten
Das 2014 gegründete Startup ClauseMatch bietet ein Software-as-a-Service Plattform für intelligentes Dokumenten-Management. Ziel ist dabei, Zeit und Ressourcen zu sparen, Risiko zu minimieren und Zurechenbarkeit zu erhöhen. Das Startup hat seine Lösung spezifisch auf die Bedürfnisse von Finanzinstituten angepasst und funktioniert als browser-basierter, kollaborativer Editor, aufbauend auf internen Prozessen des Unternehmens. Alle Kommentare, Freigaben und Veränderungen sind Teil eines kompletten Protokolls, das Übersicht und Kontrolle über den Inhalt ermöglicht. Die daraus resultierende Transparenz ist essentiell für Compliance-Beauftragte, welche zahlreichen regulatorischen Herausforderungen gegenüberstehen. ClauseMatch absolvierte auch den Londonor Barclays Accelerator.
In einem Ranking von Financial News (Dow Jones) wurde ClauseMatch von 25 Industrie-Experten dafür als eines der Top 10 Unternehmen im RegTech Bereich ausgezeichnet. Der Begriff RegTech, oder regulatory technology, bezieht sich auf Startups, die mithilfe von Technologie regulatorische Herausforderungen in der Finanzindustrie zu lösen versuchen.
Den Sweet Spot berühren
„ClauseMatch ist eines der Startups im RegTech Bereich mit einem tollen Produkt und dem Potential, veraltete Arbeitsweisen zu überholen und Effizienz in ein überreguliertes Umfeld zu bringen“, begründet Oliver Holle, CEO von Speedinvest die Entscheidung. Speedinvest habe inzwischen ein sehr weitläufiges Netzwerk und screene auch regelmäßig Startups, die an Acceleratorprogrammen (in diesem Fall Barclays / Techstars) teilnehmen. So wäre man auch auf Clausematch aufmerksam geworden. Darüber hinaus falle das Startup genau in den „sweet spot“ Fintech, in dem Speedinvest ohnehin sehr aktiv Deals source.
Großbritannien als FinTech Nation?
„Wir sehen in Großbritannien vor allem spannende Deals im Fintech Bereich und haben dort auch schon einige Investments getätigt (Loot, Curve, etc)“, heißt es von Speedinvest. Aus heutiger Sicht (und solange sich durch die Brexit Verhandlungen keine Umstände ergeben, die ein Investment in eine in UK ansässige Firma unattraktiv machen) werde Speedinvest weiterhin in Startups in Großbritannien investieren, die ihren Kriterien entsprechen.
Zyglox: Grazer Startup holt Sensortechnik aus dem All auf die Schiene
Das Grazer Startup Zyglox misst Belastungen an Radsätzen von Zügen berührungslos mit Sensorik aus der Raumfahrt. Gefördert wird es von der Austria Wirtschaftsservice (aws). Wir haben mit Gründer Jakob Moder gesprochen.
Zyglox: Grazer Startup holt Sensortechnik aus dem All auf die Schiene
Das Grazer Startup Zyglox misst Belastungen an Radsätzen von Zügen berührungslos mit Sensorik aus der Raumfahrt. Gefördert wird es von der Austria Wirtschaftsservice (aws). Wir haben mit Gründer Jakob Moder gesprochen.
Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.
„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“
Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.
Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“
Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb
Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.
Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.
Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel
Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“
Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.
Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt
Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“
Standortvorteil Graz
Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“
Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.
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