15.01.2020

Das waren die größten Mobility Highlights der CES 2020

Die Consumer Electronic Show CES in Las Vegas ist eine Messe der Superlative, und inzwischen eine der größten Automotive-Messen weltweit. Georg Fürlinger, Technologiebeaufragter der Außenwirtschaft Austria, berichtet in diesem Gastbeitrag von den spannendsten Entwicklungen der Mobilitätsbranche.
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CES
Eines der Highlights auf der CES 2020 war Sonys Elektroauto VISION-S, das u.a. in Kooperation mit Magna Steyr entwickelt wird | (c) Fürlinger

Die CES entwickelt sich Jahr für Jahr mehr auch zu einer der größten Automotive-Shows der Welt. Auf 27.000 Quadratmetern, was etwa fünf Football-Feldern entspricht, stellen Unternehmen aus der ganzen Welt ihre neuen Automotive-Technologien vor. Ein paar der neuesten Innovationen werden im Folgenden vorgestellt.

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DeepRoute

DeepRoute ist der Gewinner des CES 2020 Innovations Awards. Das Startup hat eine spannende Technologie für selbstfahrende Fahrzeuge vorgestellt. Die als DeepRoute-Tite bezeichnete Computerplattform ist für autonomes Fahren der Stufe 4 mit dem Xavier-Treiberprozessor von Nvidia ausgestattet. Dieser Chip kann die Kosten, die Größe und den Stromverbrauch reduzieren.

Auf der CES wurde ein Demonstrationsfahrzeug, vorgeführt, das mit sämtlicher DeepRoute-Technologien für Level 4 ausgestattet ist. Mithilfe der DeepRoute-Vision bezeichneten HDR Kamera ist es möglich, auch bei sehr hellem Sonnenlicht oder in einem sehr dunklen Tunnel, optimale Leistungen zu gewährleisten und so die Sicherheit zu erhöhen.

(c) Fürlinger

Sony E-Auto

In Kooperation mit Magna Steyr, einem österreichischen Unternehmen mit Sitz in Graz, hat der japanische Elektronik-Konzern Sony auf der Technik-Messe für eine handfeste Überraschung gesorgt und sein eigenes E-Auto vorgestellt.

Auch wenn es sich beim Vision-S nur um einen Prototyp handelt, zeigt sich deutlich, dass E-Autos nun im Mittelpunkt der Sony-Strategie stehen. Neben Magna-Steyr waren auch die drei großen deutschen Zulieferer Bosch, ZF und Continenta an der Entwicklung beteiligt.

Ausgestattet mit 33 Sensoren wird ein 360-Grad-Blick um das Auto herum geboten. Das „Software-orientierte Design“ von Sony soll drahtlose Updates, sowie eine personalisierte Benutzeroberfläche für jeden Fahrer bieten. Die flexible Automobilplattform soll in Zukunft auch für SUVs und Lieferwagen verwendet werden können.

(c) Fürlinger

Damon

Damon hat auf der CES mit der sogenannten „Hypersport“ ihr neues Meisterwerk präsentiert. Das mit dem CES “Best in Innovation” ausgezeichnete Produkt ist ein elektrisches Superbike, das mit einem KI-Antrieb und einem Co-Pilot System (BlackBerry QNX Technologie) ausgestattet ist. Der 360-Grad-Co-Pilot ist ein komplexes System aus Kameras, Radar und anderen Sensoren, das verwendet wird, um den Fahrer auf Bedrohungen aufmerksam zu machen.

(Fürlinger)

Nissan Ariya

Das schon von Nissan auf der Tokyo Motor Show enthüllte Ariya Concept wurde auf der CES 2020 neuerlich präsentiert. Basierend auf einer neuen Plattform für Elektroautos kommen zahlreiche innovative Technologien zum Einsatz.

Als Highlight wurde die Allrad-Steuerungstechnologie e-4ORCE für zweimotorige Elektroautos vorgestellt. Damit möchte Nissan die Fahrt mit allradgetriebenen E-Fahrzeugen durch die exakte Abstimmung von Leistung und Bremsleistung stabiler und gleichmäßiger gestalten.

(c) Fürlinger

Chrysler Airflow

Mit einer neuen Designstudie namens “Chrysler Airflow” zeigt der FCA-Konzern (Fiat Chrysler Automobiles) wie zukünftige Premiumfahrzeuge aussehen könnten und gibt damit ein deutliches Lebenszeichen von sich.

Schwerpunkt bildet natürlich auch hier die Interaktion der Passagiere mit den innovativen Technologien innerhalb des Fahrzeugs während der Reise. So sind eine Vielzahl von Displays verbaut, die von den Passagieren individuell bedient werden können. Hierbei handelt es sich vorrangig um eine Vision der Amerikaner, die so voraussichtlich nie auf den Markt kommen wird.

(c) Fürlinger

Ford Mustang Mach E, 1 & 2

Nachdem Ford bei der CES 2019 ein wenig enttäuscht hatte, trumpft der amerikanische Autohersteller 2020 nun so richtig auf. Mit dem Mustang Mach E, der schon im November 2019 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, ist nun auch Ford in der Zukunft der Mobilität angekommen und bietet ein Elektrofahrzeug an.

Das Unternehmen bringt das Fahrzeug in drei verschiedenen Versionen auf den Markt. Neben dem Grundmodell wird es eine weitere Variante mit Allradantrieb und eine spezielle First Edition geben.

Auch technologisch ist der Mach-E mit den neuesten Systemen ausgestattet. So wird es u.a. over-the-air Updates der zugrund liegenden Software und einen digitalen Assistenten geben. Es ist klar, dass Ford hier direkt mit Tesla in Sachen Reichweite und Preis konkurrieren möchte. Ob ihnen das gelingt, wird sich jedoch noch zeigen müssen.

(c) Fürlinger

Fun Fact: Der legendäre Ford Mustang GT aus dem Film „Bullitt“ mit US-Schauspieler Steve McQueen ist für 3,7 Millionen Dollar (3,3 Mio. Euro) vor Kurzem versteigert worden. Der Originalwagen ist insbesondere wegen einer atemberaubenden zehnminütigen Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco bekannt geworden.

(c) Fürlinger

Honda Augmented Driving Concept

Mit dem Augmented Driving Concept, das man auf der CES live testen konnte, möchte Honda den Übergang vom halb-autonomen zum voll-autonomen Fahrbetrieb simulieren.

Das System ist während der gesamten Fahrt aktiv, um bei Bedarf eingreifen und das Fahrzeug steuern zu können. Während der Fahrt checken unzählige Sensoren die Absichten des Fahrers, um so zwischen den acht unterschiedlichen Modi zu wechseln. Das Konzeptfahrzeug wird lediglich mithilfe des Lenkrads, das über die ganze Fahrzeugbreite verschoben werden kann, gesteuert. Klopft man zweimal auf das Lenkrad startet der Honda, zieht man daran, wird gebremst und drückt man es von sich weg, wird beschleunigt.

(c) Fürlinger

Byton M-Byte 

Ebenfalls auf der CES vertreten war Byton mit seinem Elektro-SUV. Im Mittelpunkt des Messeauftritts stand das Infotainment System, das in Bytons erstem Modell M-Byte integriert ist. Dass dies einen besonderen Stellenwert hat, zeigt auch die Tatsache, dass ein riesiges Infotainmentdisplay den Inneraum des Fahrzeugs prägt. Derzeit gibt es schon mehr als 60.000 Reservierungen für das erste Elektrofahrzeug. Byton will das Fahrzeug ab Mitte 2020 in China bauen und auch zuerst auf dem chinesischen Markt verkaufen. 2021 soll dann der Marktstart in Europa und den USA erfolgen.

(c) Fürlinger
(c) Fürlinger

Mercedes

Mit der Konzeptstudie Vision AVTR blickt Mercedes sehr weit in die Zukunft der Interaktion zwischen Mensch und Auto. In Kooperation mit dem Starregisseur David Cameron entstand nach dem Vorbild des Avatar-Films die auf der CES ausgestellte Konzeptstudie.

Interessant waren die 33 hexagonalen Flaps am Heck des Fahrzeugs, die in alle Richtungen bewegbar sind. Sie können den Abtrieb des Fahrzeugs vergrößern oder eben auch für die Kommunikation mit der Umgebung genutzt werden. Man könnte meinen, dass es Mercedes vor allem darum ging, den digitalen Luxus zu definieren. Denn was wird einen Mercedes künftig von all den anderen Autos, die in den nächsten Jahren teil/autonom unterwegs sein werden, unterscheiden?

(c) Mercedes

Bird Cruise

Auch auf der CES war Bird mit ihrem einen neuen E-Scooter “Bird Cruiser” vertreten, der optisch sehr einem Moped ähnelt. Der Scooter enthält eine Vollfederung, einen gepolsterten Sitz, der Platz für bis zu zwei Personen bietet, sowie ein digitales Display. Der Roller wird voraussichtlich im Sommer 2020 in ausgewählten Märkten eingeführt werden, bevor die Entscheidung getroffen wird, ob er weltweit verfügbar sein wird. Bird bietet seinen Kunden mit dem Cruise eine weitere umweltfreundliche Transportmöglichkeit an.  

(c) Fürlinger

Hyundai und Uber

Die Firmen Hyundai und Uber arbeiten zusammen, um ein innovatives Flugtaxi zu entwickeln. Das Fluggerät, hört auf den Namen S-A1 und soll 2023 den Dienst beim Fahr- und Flugdienstleister Uber aufnehmen.

Da der S-A1 noch nicht fertig ist, wurde auf der CES ein kleinerer Prototyp ausgestellt und ein Virtual-Reality Erlebnis angeboten. Das fertig gebaute Lufttaxi soll dann bis zu vier Personen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 290 km/h transportieren können. Ziel ist es, dass das System autonom operieren kann und somit keinen eigenen Piloten mehr benötigt. Der Elektromotor und die Bauweise des Fluggeräts ermöglichen einen vertikalen Start und Landung. Eingesetzt werden soll das Flugtaxi auf der von Uber entwickelten Plattform Uber Elevate.

(c) Fürlinger

Bell Helicopters

Bell Helicopters, ein US-Hubschrauberhersteller, hat auf der CES eine Weiterentwicklung ihres senkrecht startenden Fluggeräts vorgestellt. Das autonom-fliegende Fluggerät hat nun den Namen Nexus 4EX. Die 4EX im Namen des Flugzeugs stellen die wichtigsten Konstruktionsänderungen dar: “4” für vier Mantelpropeller, “E” für Elektrik und “X” für Experimentell.

Das ursprüngliche Konzept Nexus, das jetzt als 6HX bezeichnet wird, verwendete sechs Mantelpropeller und war als ein Fluggerät mit Hybridantrieb gedacht. Aufgrund von Marktveränderungen hat man sich dazu entschieden, die oben angeführten Änderungen am Flugobjekt vorzunehmen, vor allem was die volle Elektrisierung betrifft.

Der 4EX kann bis zu fünf Personen mit einer Geschwindigkeit von ca. 240 km/h bis zu 96 Kilometer weit befördern. Der Fokus des Unternehmens ist es, ein sicheres Fluggerät zu entwickeln, welches leise (signifikant leiser als ein Helikopter) und umweltfreundlich ist und mit einem erschwinglichen Preis für viele zugänglich ist. Interessant war auch zu sehen, wie Flugdienstleister durch eine eigene Software dazu in der Lage sein werden, ihre Nexus-Flotte effizient zu steuern.

(c) Fürlinger

Branchenreport „Future of Mobility“

Wer mehr über das Thema “Future of Mobility” erfahren möchte kann sich hier den Branchenreport “Zukunft der Personenmobilität | Silicon Valley” herunterladen. Dieser wurde von der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA zusammen mit dem future.lab und dem aspern.mobil LAB der TU Wien verfasst.

Das Ziel war es, einen fundierten Einblick in das global einzigartige Innovations-Ökosystem Silicon Valley zu geben, wo die (Mobilitäts-)Welt von morgen miterfunden wird.

In diese Studie flossen zahlreiche Interviews und persönlichen Gespräche, Erkenntnisse der aktuellen Fachliteratur, sowie auch der Austausch über Praxiserfahrungen zu Innovationen im Mobilitätsbereich ein. Sie zeigt an konkreten Beispielen und Analysen die Wirkungen des Wandels deutlich, welche schon heute den Alltag und das Stadtbild in der San Francisco Bay Area prägen. Es wurde außerdem ersichtlich, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Politik lokal und (inter)national kooperativ agieren müssen, um diese komplexen und großen Herausforderungen zu bewältigen.


Über Georg Fürlinger

Georg Fürlinger.

Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei der Außenwirtschaft Austria, die Internationalisierungs- und Innovationsagentur der österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director des Open Austria Büros in San Francisco. Er unterstützt österreichische Startups und etablierte Unternehmen bei ihrer US-Markteintrittsstrategie sowie beim Technologie-, Partner- und Investoren-Scouting. Zuvor forschte er am Austrian Institute of Technology im Bereich innovativer Ökosysteme und arbeitet mit dem Startup Accelerator StartX der Stanford Universität zusammen. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

 


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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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