19.12.2025
KRYPTOBÖRSE

Bybit-EU-CEO über Standort Wien: „Erhalten hier sehr viel Unterstützung“

Interview. Die in Singapur gegründete Kryptobörse Bybit hat vergangenem Sommer ihren EU-Hauptsitz in Wien eröffnet. Im brutkasten-Interview zieht Bybit-EU-CEO Mazurka Zeng eine erste Bilanz.
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Makurza Zeng, CEO Bybit EU
Makurza Zeng, CEO Bybit EU | Foto: Bybit EU

Als Bybit vergangenen Herbst ankündigte, seine EU-Zentrale in Wien aufzubauen, sorgte dies über die österreichischen Kryptoszene hinaus für Aufmerksamkeit. Ende Mai folgte dann der nächste Schritt: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) erteilte Bybit eine Lizenz gemäß der EU-Krypto-Regulierung Markets in Crypto Assets (MiCAR) (brutkasten berichtete). Damit darf die Börse ihre Dienste im Europäischen Wirtschaftsraum anbieten und auch bewerben.

Gemessen am Handelsvolumen gehört ByBit zu den größten Kryptobörsen der Welt und wird je nach Datenanbieter manchmal sogar als zweitgrößter Handelsplatz hinter Binance geführt. ByBit wurde in Singapur gegründet, der internationale Hauptsitz liegt mittlerweile aber in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Im Juli stellte Bybit sein Wiener Büro offiziell vor und präsentierte das EU-Leadership-Team rund um EU-CEO Mazurka Zeng (brutkasten berichtete). Aktuell arbeiten rund 20 Personen für Bybit in Wien, langfristig soll die Zahl bis auf 100 anwachsen.


brutkasten: Bybit hat im Juli das Büro in Wien offiziell eröffnet. Was ist dein erstes Fazit nach diesen ersten Monaten in Wien?

Mazurka Zeng: Wir haben das Gefühl, dass wir hier sehr viel Unterstützung erhalten. Wir haben unseren Dienst sehr erfolgreich gestartet, nachdem wir Ende Mai die MiCAR-Lizenz erhalten hatten. Im Juli erfolgte dann der offizielle Start. Im September haben wir zudem mit der Bybit Card ein sehr erfolgreiches Produkt eingeführt.

Nach diesem Prozess haben wir nun eine erste Version unseres Produktangebots, um Neueinsteiger abzuholen und ihnen bei ihren ersten Krypto-Investments zu helfen. Das ist ein sehr wichtiger Rahmen, den wir bisher aufgebaut haben. 

Wir haben aber auch einen mittel- und langfristigen Plan. Wir wollen das Geschäft in Österreich aufbauen, um die hier vorhandene „Sandbox“ zu nutzen und unsere global erfolgreichen Finanzinstrumente auch hierher zu bringen.

Du hast jetzt die MiCAR-Lizenz erwähnt, die Bybit in Österreich erhalten hat. Wie schwierig war es, diese Lizenz in Österreich zu bekommen?

Es war nicht einfach. Das ist auch das erste Mal, das wir so etwas gemacht haben. Es gibt da kein Lehrbuch, dem man folgen kann. Wir haben also unsere globale Erfahrung angewendet – insbesondere unsere sehr guten AML-Verfahren (Anti-Geldwäsche) und unsere Risikokontrollrichtlinien – und diese mit den lokalen gesetzlichen Bestimmungen kombiniert. Mit der Hilfe unserer Rechtsberater haben wir sehr große Anstrengungen unternommen, um die Lizenz zu erhalten.

Wie ist euer Eindruck von der Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde in Österreich, der Finanzmarktaufsicht (FMA)?

Zu meiner Überraschung waren sie sehr unterstützend. Unsere frühere Annahme war, dass der Umgang mit einer Regulierungsbehörde nicht so einfach ist, weil man oft denkt, sie verstehen das “große Ganze” nicht. Aber sie gaben uns sehr wichtige Leitlinien vor. 

Wie lange hat der Prozess gedauert, bis Wien als EU-Hauptsitz feststand?

Die Wahl für den europäischen Hauptsitz ist ein langfristiger Prozess. Unser Gründer Ben Zhou hat ebenfalls mit vielen Regulierungsbehörden und Beratern gesprochen, um Meinungen einzuholen. 

Auch wenn es am Ende wie eine schnelle Entscheidung wirkte, ging dem eine lange Überlegungszeit voraus – mehr als ein Jahr. Wir haben aber schon vor langer Zeit beschlossen, dass Europa definitiv ein sehr wichtiger Markt für uns ist und haben einen langfristigen Plan erstellt.

Wie blickt Bybit generell auf die MiCAR?

Ich weiß, dass es Meinungen gibt, dass Regulierung Sorgen bezüglich Steuern oder anderer Einschränkungen mit sich bringt. Aber für uns als Börse ist langfristig definitiv ein Compliance-Rahmenwerk nötig, um das Geschäft zu regeln. Nach meinem persönlichen Verständnis hat MiCAR sehr strikte Richtlinien für den Verbraucherschutz und die Risikokontrolle. Kombiniert mit europäischen Regelungen wie DORA oder ICT-Richtlinien entsteht ein Rahmenwerk, das Investor:innen und Nutzer:innen langfristig ein sichereres Gefühl gibt.

Kurzfristig betrachtet gibt es natürlich Herausforderungen oder Hindernisse, die zu überwinden sind. Aber langfristig sehe ich es positiv. Das EU-Compliance-Rahmenwerk spielt weltweit eine sehr wichtige Rolle, da viele Regulierungsbehörden in anderen Ländern nun ansehen, was die EU getan hat, und welche Erfahrungen sie daraus ziehen können.

Du hast bereits die Bybit-Card erwähnt, die seit September auch Österreich am Markt ist wurde. Wie groß ist der Use Case Payment mit Kryptowährungen generell?

Es ist ein riesiger Markt. Nicht nur beschränkt auf Karten, sondern Krypto-Zahlungen allgemein. Ein Beispiel dazu: In Brasilien oder einigen lateinamerikanischen Ländern machen Zahlungen mit Stablecoins bereits 80 bis 90 Prozent aus. Das ist enorm. Warum brauchen die Leute das? Weil traditionelle Zahlungen oft hohe Kosten und geringe Effizienz bedeuten. Auch grenzüberschreitende Überweisungen dauern oft länger.

Wenn wir diesen Fall auf die EU übertragen: Wenn man zwischen verschiedenen lokalen Währungen transferieren muss, ist das manchmal immer noch ein Schmerzpunkt – man muss Swift oder ähnliches nutzen. Beim Euro ist es besser, weil es das SEPA-Netzwerk gibt. Aber wenn man darüber nachdenkt, kann man das mit Stablecoins kombinieren und diese auch für grenzüberschreitende Transfers nutzen. Das Volumen ist riesig.

Wie genau funktioniert die Karte? Wenn ich zum Beispiel im Supermarkt bezahle, was passiert technisch?

Man kann an jedem POS-Terminal bezahlen, der ein Mastercard-Label hat. Zuvor hat man seine Assets auf die Karte geladen, entweder Krypto oder Fiat, und bei der Zahlung in Krypto wird in Fiat getauscht. Wir führen einen Echtzeit-Swap durch und ziehen den Betrag in Fiat-Währung ab. Man könnte es als eine fortschrittliche Debitkarte betrachten. Derzeit unterstützen wir hauptsächlich acht Kryptowährungen.

Aber ist die Zahlung ein steuerpflichtiges Ereignis, d.h. verkaufe ich technisch gesehen eine Kryptowährung und muss damit unter bestimmten Bedingungen Kapitalertragssteuer abführen?

Ja, es ist ein Steuerereignis. Aber wir berichten diese Transaktionen für Kunden in Österreich automatisch. Der Kunden muss nur bezahlen, wir machen den Rest. 

Und ganz konkret auf Bybit bezogen: Welche Rolle spielt der Krypto-Use-Case Payment, verglichen mit dem Use Case Trading? Wie wichtig ist er?

Ich denke, es ist 50/50. Wir haben festgestellt, dass Nutzer:innen unterschiedliche Portfolios haben. Manche Nutzer sind Basis-Investor:innen. Sie wissen, wie man richtig auf der Plattform investiert, wollen aber nur Assets halten. Andere Nutzer:innen sind professionelle Trader:innen. Sie bevorzugen fortschrittliche Trading-Tools.

Aber was Zahlungen angeht: Ich denke, die meisten Nutzer:innen, die Krypto-Assets halten, wollen diese auch ausgeben. Viele Trader:innen auf unserer Plattform lieben diese Karte, weil sie sich leicht mit ihrem täglichen Leben verbinden lässt. Sie können das, was sie verdient haben, einfach tauschen und ausgeben. Früher mussten sie auf einer Plattform die Gewinne liquidieren, sie auf die Bank verschieben und dann mit einer Debitkarte ausgeben. Wir haben das mit nur einer Karte zusammengeführt.

In welchen Märkten in Europa siehst du Wachstumspotenzial für Bybit?

Mazurka Zeng in der Bybit-Europazentrale in Wien im Interview mit brutkasten-Chefredakteur Dominik Meisinger
Mazurka Zeng (rechts) in der Bybit-Europazentrale in Wien im Interview mit brutkasten-Chefredakteur Dominik Meisinger | Foto: Bybit EU

Westeuropäische Länder sind sehr reife Märkte, viele Menschen kennen Krypto. Daher ist es eine gute Chance für uns, ihnen professionelle Produkte anzubieten. Viele haben früher Mining betrieben, wollen aber nun wissen, wie sie mit den Assets umgehen können. Also bringen wir ihnen verschiedene Produkte näher, wie die Tokenisierung von Assets. In der Zukunft wollen sie vielleicht strukturierte Produkte handeln oder Krypto mit traditionellen Investments kombinieren.

In osteuropäischen Ländern sind sie offener und flexibler. Einige bevorzugen neue Token-Listings, wollen High-Yield- oder Hebelprodukte.

Würdest du sagen, dass der typische Bybit-Kunde im Moment jemand ist, der schon recht stark im Krypto-Bereich verankert ist?

Es sind eher Neueinsteiger. Da wir unser Compliance-Rahmenwerk gerade erst aufgebaut haben, können wir jetzt das Marketing aggressiver betreiben. Unser neues Produktmodell ist attraktiver für Neueinsteiger. Da wir früher keine Werbung gemacht haben, wussten viele gar nicht, was Bybit ist.

Einige neue Kunden, wie Family Offices oder privates Kapital, sind nun aber interessiert, weil wir eine MiCAR-Lizenz haben. Sie sehen uns als sichereren Service. Es gibt aber auch bestehende, erfahrene Trader, die eher noch abwartend sind, weil sie sehen möchten, welche Produkte für fortschrittlichere Trader wir in Zukunft anbieten können. Deshalb treiben wir unsere Produktentwicklung sehr aggressiv voran.

Du hast jetzt Family Offices erwähnt. Wie wichtig ist die Zielgruppe der institutionellen Investoren perspektivisch für Bybit? Aktuell hat Bybit noch kein spezifisches Angebot für institutionelle Investoren in Europa, richtig? 

Genau, aber es ist in unserem Plan. Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung im europäischen Geschäft muss ich sagen, dass das ein großer Markt ist. Sie halten Vermögenswerte, und immer mehr von ihnen wollen diese tokenisieren und einen Teil als Krypto-Assets in ihrem Portfolio halten. Sie betrachten das bereits als Teil ihrer Asset-Management-Lösung. Auch für Broker oder Treasury-Manager ist das interessant. Ich denke also, es ist ein gutes Geschäft und macht ein großes Volumen aus.

Du hast das Thema Tokenisierung von bestehenden Assets angesprochen. Welche Entwicklungen erwartest du in dieser Hinsicht, was bringt bringt die Zukunft?

In Europa wollen viele traditionelle Finanzinstitute Assets konvertieren und mit Krypto kombinieren. Sie sind sehr daran interessiert. Das ist nicht auf Europa beschränkt, sondern passiert weltweit. Für uns als lizenzierte Börse ist das auch eine gute Gelegenheit, weil wir unter demselben Compliance-Rahmenwerk stehen. 

Wenn wir uns mit anderen Playern im Ökosystem zusammentun, ist das eine sehr gute Lösung für uns alle. Einerseits verbessert es die Effizienz der veranlagten Gelder, andererseits ermöglichen wir mehr Nutzern den Handel. Es ist ein Win-Win-Modell.

Die vergangenen Wochen waren am Kryptomarkt ziemlich schwierig. Wie bewertest du die Entwicklungen am Markt?

Wir halten das für recht normal, wir sind ja auch schon lange im Krypto-Geschäft. Aber aus unserer Perspektive bedeutet eine Marktbewegung oft auch eine Chance. Nach der Abwärtsbewegung sehen wir oft, dass die Werte wieder nach oben gehen, weil Investoren auf ein gutes Timing warten. Ich hoffe, dass der Markttrend am Ende dieses Quartals wieder nach oben geht. Aber basierend auf den politischen Entwicklungen in den USA sind wir langfristig positiv gestimmt.

Welche Entwicklungen erwartest du im Krypto-Bereich generell in den kommenden Jahren?

Ich möchte das in drei Dimensionen beantworten. Die erste Dimension betrifft die Infrastruktur und unser Compliance-Rahmenwerk. Das nächste Jahr ist dabei wichtig. Ende dieses Jahres werden viele Börsen, wenn sie keine MiCA-Lizenz haben, vor Herausforderungen stehen. Das gibt den Regulierungsbehörden mehr Druck, das Rahmenwerk aufzubauen. Wir freuen uns darauf, denn das bedeutet auch, dass wir einen „First-Mover“-Vorteil in Österreich haben.

Die zweite Perspektive ist die Kooperation mit traditionellen Finanzinstituten, zum Beispiel Banken. Ich denke, dass immer mehr Krypto-Börsen hierherkommen und Rahmenwerke aufbauen, ist wichtig, denn derzeit haben Banken noch sehr konservative Haltungen gegenüber Krypto-Börsen. Wenn wir ein sehr reifes Rahmenwerk aufbauen, bedeutet das mehr Zusammenarbeit mit Banken und Finanzinstituten. Das kann attraktivere Modelle schaffen, besonders wenn diese ihren Kunden Krypto-Dienste anbieten wollen. Die Grenzen zwischen Krypto- und Bankprodukten werden noch mehr verschwimmen.

Der dritte Punkt betrifft die gesamte Branche. Man muss Themen wie Zahlungen und RWA (Real World Assets) kombinieren und über EU-Länder hinweg zusammenarbeiten. Das kann mehr Einfluss für die gesamte Branche schaffen. Aber für diese Infrastruktur brauchen wir Stablecoins – besonders für Emittenten muss das reifer werden und Liquiditätsprobleme lösen. Auch bei Zahlungen müssen Hindernisse gelöst werden, und bei RWA müssen Lizenz- und Tokenisierungsfragen geklärt werden. Diese Probleme lassen sich nicht einfach in einem Jahr lösen. Vielleicht sehen wir in den nächsten zwei Jahren, wenn wir die Infrastruktur aufgebaut haben, einen Krypto-Boom, der von Europa ausgeht.

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Biogena, Börse, Aktien
Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena | (c) Biogena.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer setzte sich jüngst gegen das Ende der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstwagen ein – brutkasten berichtete. Nun beschleunigt der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller seinen Weg in Richtung Kapitalmarkt. Über die Biogena Good Vibes AG läuft derzeit eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit einem geplanten Volumen von bis zu 25 Millionen Euro.

Biogena und die Unternehmensbewertung

Der Ausgabepreis für neue Aktien liegt bei 4,803 Euro. Insgesamt sollen rund vier bis fünf Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Die Gesellschaft positioniert die Maßnahme als zentralen Baustein ihrer langfristigen Kapitalmarktstrategie und bereitet parallel die Handelbarkeit im Direct Market Plus der Wiener Börse vor. Im Zuge der Kapitalmaßnahme rückt auch die Unternehmensbewertung stärker in den Fokus und soll bei rund 475 Millionen Euro liegen.

„Die im Prospekt genannte Bewertung basiert nicht auf einer losgelösten Marketingannahme, sondern auf einer internen Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des Fachgutachtens KFS/BW“ (Anm.: zentrales Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – KSW – zur Unternehmensbewertung in Österreich), erklärt Schmidbauer. „Zusätzlich wurde diese Bewertung mit branchenspezifischen Transaktionsdaten für Nahrungsergänzungsmittel in Österreich und Deutschland plausibilisiert. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Angebotspreis beträgt 4,803 Euro je Aktie. Auf dieser Basis wird die Emittentin aktuell mit rund 450 Mio. Euro bewertet. Die oft genannten rund 470 bis 475 Mio. Euro lassen sich wirtschaftlich als Größenordnung nach vollständiger Kapitalerhöhung erklären: 450 Mio. Euro bestehende Bewertung plus bis zu 25 Mio. Euro Bruttoemission ergibt rund 475 Mio. Euro.“

Bewertungsfaktoren

Die Bewertung stützt sich aus Sicht von Schmidbauer auf mehrere Faktoren: Biogena erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von rund 124,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei rund 19,1 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von etwa 15,3 Prozent entspricht. In der bereinigten Pro-Forma-Betrachtung steigt das EBITDA auf rund 19,8 Mio. Euro, die Marge liegt dann bei rund 15,9 Prozent.

„Dazu kommt eine sehr starke Substanz. Das im Konzernabschluss ausgewiesene Eigenkapital beträgt (laut Prospekt) rund 298,9 Mio. Euro. Das ist für die Kapitalmarkteinordnung wesentlich, weil Biogena nicht nur über Wachstumsfantasie, sondern auch über eine bereits erhebliche Eigenkapitalbasis verfügt“, so Schmidbauer weiter. „Ein weiterer entscheidender Bewertungsfaktor ist die bereits vorhandene Skalierungsfähigkeit. Die bestehenden Fertigungskapazitäten in Koppl und am neuen Spezialproduktionsstandort Liefering reichen bereits für rund 500 Mio. Euro Umsatz. Die Anlage ist aktuell zu weniger als 25 % ausgelastet. Das heißt: Ein wesentlicher Teil der industriellen Basis für das geplante Wachstum ist bereits vorhanden und muss nicht erst vollständig neu aufgebaut werden.“

Somit erklärte sich die Bewertung – zusammenfassend gesagt – aus dem Zusammenspiel von „heutiger Ertragskraft, hoher Eigenkapitalbasis, bestehender Produktionskapazität für rund 500 Mio. Euro Umsatz und einer klaren Wachstumsplanung“.

In anderen Worten: Der Konzernumsatz von Biogena soll von 156,65 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 502,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2029/2030 steigen. Diese Zahlen sind ausdrücklich Planwerte des Managements, keine Garantie und keine bindende Prognose, wie Schmidbauer betont.

E-Commerce und D2C

Die Planung verteilt sich im Kern auf folgende steuerbare Wachstumskanäle: E-Commerce und D2C: E-Commerce soll laut Prospekt von 96,4 Mio. Euro Umsatz 2025/2026 auf 233,2 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Getragen werden soll das durch Performance-Marketing, CRM, Subscription-Modelle, höhere Wiederkaufraten und eine stärkere Fokussierung auf Deutschland.

„Das ist ein zentraler Punkt: Biogena will nicht nur über Handel wachsen, sondern über die direkte Kundenbeziehung. Über 70 % der Umsätze werden bereits heute über das Web abgewickelt, und Biogena zählt laut Prospekt rund 1 Mio. Kundinnen und Kunden aus 70 Ländern sowie mehr als 500.000 registrierte Nutzer im Biogena Club“, präzisiert Schmidbauer.

Biogena mit Apothekenkanal

Zudem soll der neu aufzubauende Apothekenkanal in der DACH-Region laut Planung bis 2029/2030 einen Umsatzbeitrag von 163,3 Mio. Euro leisten, davon 129,0 Mio. Euro in Deutschland. „Das ist strategisch wichtig, weil Biogena damit neben dem starken D2C-Geschäft einen zweiten großen Skalierungskanal aufbaut: Apotheken schaffen Reichweite, Vertrauen und Zugang zu gesundheitsbewussten Kunden“, so der Founder weiter.

Außerdem sollen Stores, Labs und Plaza-Konzepte laut Prospekt von 37,2 Mio. Euro 2025/2026 auf 86,5 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Sie werden von Biogena als Beratungs-, Erlebnis- und Vertrauenszentren verstanden und mit Diagnostik-, Biohacking- und Longevity-Angeboten verbunden. „Hier liegt der Unterschied zu reinen Online-Supplement-Marken: Biogena baut physische Orte, an denen Gesundheit messbar, beratbar und erlebbar wird.“

Deutschland als wichtigster Markt

Deutschland bleibt dabei der wichtigste Wachstumsmarkt. Der Umsatz dort soll von 58 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 335,5 Mio. Euro bis 2029/2030 steigen. Nach der Planung des Managements soll der Marktanteil in Deutschland von derzeit rund 0,7 Prozent auf etwa drei Prozent ebenfalls wachsen.

Dieses Wachstumspotenzial ergibt sich auch aus der noch vergleichsweise geringen Markenbekanntheit, wie Schmidbauer beschreibt. Während der gestützte Bekanntheitsgrad in Österreich bei 42 Prozent liege, betrage er in Deutschland erst acht Prozent. Der deutsche Markt sei damit nicht nur größer, sondern biete auch beim Markenaufbau noch deutliches Potenzial.

Wie Schmidbauer erklärt, ist Biogenas Internationalisierung somit vor allem über diesen Markt konkretisiert. Dazu kommen bestehende internationale Grundlagen: Die bereits erwähnten Kunden aus 70 Ländern, D2C als zweiter großer Hebel und die starke Web-Abwicklung, was den Umsatz betrifft.

Biogena als Health-Ökosystem mit starker Vertikalisierung

„Das zeigt, dass Biogena schon heute eine direkte Kundenbeziehung hat und nicht ausschließlich vom stationären Handel abhängig ist. Digitale Gesundheitsservices sind der strategische Differenzierungshebel. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem in Webshop 3.0 bzw. World of Biogena, Wellbeing Checks & Longevity-Systemlösungen, Biogena ONE, E-Commerce-Marketing Deutschland sowie den weiteren Ausbau der Plaza-Konzepte fließen“, sagt Schmidbauer. „Damit wird deutlich: Biogena verkauft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel. Das Modell entwickelt sich in Richtung eines integrierten Health-Ökosystems aus Produkt, Diagnostik, Beratung, Biohacking, digitalen Services, Club-Modell und stationärer Erlebniswelt.“

Zwischen Consumer Health, Supplement Brand und Longevity-Plattform

Zur Frage der Positionierung zur Konkurrenz meint Schmidbauer, dass Biogena im Vergleich zu vielen Consumer-Health-Unternehmen stärker vertikal integriert sei. „Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt selbst“, erklärt er. „Gleichzeitig verfügt sie über ein eigenes Wissenschafts- und Entwicklungsteam mit rund 20 akademischen Expertinnen und Experten sowie über mehr als 729 geschützte Marken, vor allem in der Europäischen Union.“

Im Vergleich zu jungen Longevity- oder Supplement-Startups habe Biogena bereits eine „substanzielle Umsatzbasis“, ein positives hohes EBITDA, eine starke Eigenkapitalbasis, eigene Produktionskapazitäten, rund 30.000 Partnerärzte und Therapeuten im B2B-Bereich sowie eine große B2C-Kundenbasis, zieht Schmidbauer sein Fazit: „Biogena steht zwischen klassischem Consumer Health, Premium Supplement Brand und moderner Longevity-Plattform. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Wissenschaft, eigener Produktion, direkter Kundenbeziehung, ärztlichem Partnernetzwerk, digitalen Gesundheitsservices. Und physischen Gesundheitsorten.“

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