Ex-Wiener Städtische-Vorstand Fried wird Geschäftsführer bei bsurance
Mit dem ehemaligen Wiener Städtische-Vorstand Hermann Fried holt sich das Wiener InsureTech-Startup bsurance einen der profiliertesten Experten der österreichischen Versicherungsbranche als neuen Geschäftsführer und "Chief Insurance Officer".
Hermann Fried verbrachte den Großteil seiner bisherigen Berufslaufbahn bei der Wiener Städtischen Versicherung. Ab 1998 übernahm er dort verschiedene Managementfunktionen, etwa die Leitung der Kranken- und Personenversicherung, die Leitung der Landesdirektion Wien sowie zuletzt den Vorstandsposten für die Bereiche Marketing, Vertrieb, Werbung und die Sachversicherung. Daneben war er in mehreren Aufsichtsräten sowie als Lehrbeauftragter an der WU Wien tätig. Nach einem kurzen Intermezzo als Generladirektor der slowakischen VIG-Konzerngesellschaft Komunálna arbeitete Fried zuletzt als selbstständiger Berater. Nun wird er, wie heute bekanntgegeben wurde, Geschäftsführer und „Chief Insurance Officer“ des Wiener InsureTech-Startups bsurance.
Hermann Fried: Alter Hase für neue Partnerschaften
Dort wird er für den weiteren Ausbau der Versicherungspartnerschaften und für die Entwicklung von eigenen Versicherungsprodukten für Partner, etwa Einzelhändler, Telekomanbieter, Banken, Energieversorger und Mobilitätsanbieter verantwortlich sein. „Digitale Anwendungen haben bereits in vielen Branchen die Ansprüche der Kundinnen und Kunden in Bezug auf Geschwindigkeit und Servicequalität massiv gesteigert. Diese Erwartungen stellen sie auch an ihre Versicherungen“, kommentiert Fried seine neue Tätigkeit in einer Aussendung.
Neue Märkte für bsurance
bsurance CEO und Gründer Lorenz Gräff erklärt die Hintergründe: „Unser Geschäftsmodell beruht auch darauf, in Partnerschaft mit Versicherungen neue Märkte zu erschließen, um mit unserem Vertriebsmodell der eingebetteten Versicherung noch stärker wachsen zu können“. Mit Hermann Fried sei es gelungen, einen Top-Manager der österreichischen Versicherungswirtschaft für eine Zusammenarbeit zu begeistern.
Kapital von Uniqa und René Benko
Mit dem Start bei bsurance wechselt Fried in den Einflussbereich des Wiener Städtische-Hauptkonkurrenten Uniqa. Die Versicherungsgruppe ist über den Corporate VC Uniqa Ventures am Startup beteiligt und ist gemeinsam mit AXA und Munich Re wichtigster Versicherungs-Partner. Neben dem derzeit mit 50 Millionen Euro ausgestatteten CVC hat bsurance noch einen weiteren (sehr) finanzkräftigen Investor an Bord: Im Jänner diesen Jahres stieg René Benkos Signa Innovations Investments beim Startup ein.
SecurITe holt zweistellige Millionen-Seed-Finanzierung für Healthcare-Cybersecurity
Das auf Healthcare spezialisierte Cybersecurity-Startup SecurITe – gegründet von einem Silicon-Valley-Heimkehrer und dem österreichischen Health-IT-Pionier x-tention – hat eine Seed-Runde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Für eine Frühphasenfinanzierung in Österreich eine außergewöhnliche Größenordnung.
SecurITe holt zweistellige Millionen-Seed-Finanzierung für Healthcare-Cybersecurity
Das auf Healthcare spezialisierte Cybersecurity-Startup SecurITe – gegründet von einem Silicon-Valley-Heimkehrer und dem österreichischen Health-IT-Pionier x-tention – hat eine Seed-Runde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Für eine Frühphasenfinanzierung in Österreich eine außergewöhnliche Größenordnung.
Manchmal beginnt eine Gründungsgeschichte mit einem Satz, der wie eine Drohung klingt. „Alles, was wir in der Cybersecurity haben, kannst du wegschmeißen. Es wird in ganz kurzer Zeit nicht mehr funktionieren.“ Das soll Manuel Nedbal im Herbst 2024 zu Herbert Stöger gesagt haben – als das Schlagwort „agentic AI“ noch kaum jemand kannte. Rund anderthalb Jahre später, sagen beide, sei genau das eingetreten. Und aus der Ansage ist ein Unternehmen geworden, das nun eine bemerkenswerte Finanzierungsrunde vermeldet.
SecurITe hat eine Seed-Runde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich (Euro) abgeschlossen – für eine Frühphasenfinanzierung im österreichischen Kontext eine außergewöhnliche Größenordnung. Sie reicht laut Unternehmen, um die Produktentwicklung über rund 24 Monate durchzufinanzieren. Strukturiert wurde die Runde bewusst über einen europäischen Finanzpartner aus dem Family-Office-Umfeld, der vorerst nicht genannt werden möchte. Auch die bestehenden Gesellschafter zogen mit.
Herbert Stöger, Managing Director x-tention | (c) Thomsen Photography
Hinter SecurITe stehen zwei Akteure, die sich ergänzen: Nedbal, der zwölf Jahre im Silicon Valley Cybersecurity gebaut hat, und Stöger, Gründer und Eigentümer der österreichischen Health-IT-Gruppe x-tention. Das Startup ist aus dieser Partnerschaft entstanden – x-tention brachte den Zugang zum Gesundheitsmarkt und das Problemverständnis ein, Nedbal die Technologie. Eine klassische Ausgründung sei es nicht; x-tention zählt heute zu den bestehenden Gesellschaftern.
Eine Begegnung im Bezirk Amstetten
Die Geschichte dahinter ist die zweier Welten, die im Mostviertel zusammenfanden. Nedbals Stationen im Valley: McAfee (später von Intel übernommen), dann das eigene Startup ShieldX, das nach fünf Jahren an Fortinet verkauft wurde, wo er als VP of Engineering arbeitete. Zuletzt verantwortete er bei Google die Architektur der Cloud-Firewall. Im Zuge der Pandemie kehrte er nach Österreich zurück – ein Muster, das man damals bei einigen heimischen Tech-Talenten beobachten konnte. Dort wurde er über einen gemeinsamen Freund Stöger vorgestellt.
Manuel Nedbal – CEO SecurITe (links) und Bernhard Aigenbauer – COO SecurITe | (c) SecurITe
Dieser hatte x-tention 2001 mit sechs Mitarbeitern gegründet; heute zählt die Gruppe rund 850 Beschäftigte in Österreich, der Schweiz, Deutschland und England sowie ein Office im Silicon Valley. Tief im Bereich Gesundheits-IT verankert, deckt x-tention Datenmanagement, ELGA, Konnektivität und Managed Services ab und betreut nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Kunden im Gesundheitswesen. Marktbedingungen, großes Problem, Marktzugang und Technologie seien „auf einmal zusammengekommen“ – Nedbal nennt es eine „Textbuchvorlage für ein Startup“. Heute verteilt sich das rund 50-köpfige Team auf Österreich, Silicon Valley und Bangalore.
Krankenhäuser als verwundbarster Punkt
Warum ausgerechnet Healthcare? Der Sektor sei von der Cybersecurity-Industrie „vergessen“ worden, argumentiert Nedbal – weil dort andere Regeln gelten. Klassische Schutzmechanismen ließen sich auf medizinischen Geräten und in klinischen Netzen nicht so einsetzen wie in der Enterprise-IT. Hinzu komme, dass während der Pandemie eine Hemmschwelle gefallen sei: Krankenhäuser würden heute ohne Schonung attackiert – rund um die Uhr.
Hier setzt das Resilienz-Argument der Gründer an: Krankenhäuser seien ein Paradebeispiel für kritische Infrastruktur, deren Absicherung längst keine rein technische Frage mehr sei, sondern eine der europäischen Souveränität. Die Sorge: Erkenntnisse über neue, KI-getriebene Angriffsmuster zirkulierten oft nur in einem begrenzten Kreis großer US-Anbieter – Krankenhaussoftware-Hersteller und europäische Institutionen seien dabei selten am Tisch. Eine eigenständige europäische Antwort, die nicht aus den USA, Israel oder China komme, sieht das Team daher als Chance. Konsequenterweise habe man auch die Finanzierung „aus Europa und für für das globale Wachstum“ gestemmt – die IP bleibe aber in Europa.
Die nächste Bedrohungsstufe sieht SecurITe in autonomen Agenten: Setzen Kliniken selbst KI-Agenten ein, könnten diese sich fehlverhalten; ein Angriff durch autonome Agenten sei zudem um ein Vielfaches gefährlicher als von einem menschlichen Akteur. Genau hier setzt das Produkt agentis360 an: Statt auf eine zentrale Instanz setzt es auf eigene Sensoren und kleine KI-Modelle, die direkt in der Infrastruktur sitzen und das Verhalten von Systemen und Agenten laufend auf Auffälligkeiten profilieren. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Produktentwicklung vorantreiben und parallel internationalen Vertrieb sowie Partnerschaften aufbauen – mit Europa als Ausgangspunkt und dem globalen Rollout für kritische Infrastruktur als nächstes Ziel.
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