21.09.2018

Tiroler FinTech Bluecode kooperiert mit 700 Mio. Kunden-Plattform Alipay

Gemeinsam mit der Six Payment Services GmbH und Alipay will Bluecode-Gründer Christian Pirkner ein Gegengewicht zu amerikanischen Mobile Payment-Systemen etablieren.
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Bluecode kooperiert mit Alipay
(c) Bluecode/Tanzer: CEO Christian Pirkner präsentierte die Kooperation von Bluecode mit den neuen Partnern Xiaqiong Hu von Alipay und Christian Renk von Six.

Wenn US-Präsident Donald Trump so richtig Druck auf Europa ausüben wollte, dann würde er sich nicht mit dem Anzetteln eines „Handelskriegs“ und Strafzöllen auf europäische Produkte aufhalten. Dessen ist sich Christian Pirkner, Gründer und CEO des FinTechs Bluecode International AG, sicher. Stattdessen würde er einfach eine Steuer oder Gebühr einführen, die europäische Banken zu zahlen hätten, sobald Transaktionen unter Beteiligung amerikanischer Zahlungsdienstleister stattfinden. Ob davon Kreditkarten wie VISA oder Mastercard, Zahlungen via Paypal oder auch – künftig verstärkt – Transaktionen über Google Pay, Apple Pay oder Amazon Pay betroffen wären: Der nordamerikanische Staatenverbund würde selbst bei einer scheinbar kleinen Gebühr von vielleicht 0,01 Prozent enorm profitieren – und die europäische Wirtschaft würde ordentlich draufzahlen.

+++ FinTech-Startup will “europäische Regeln” für Mobile Payment +++

„Leak von Kundendaten unmöglich“

Soweit dürfe man es nicht kommen lassen, stellte Pirkner schon vor längerer Zeit für sich fest, und gebar die Idee für ein mobiles Zahlungsnetzwerk aus Europa: „Bluecode“. Endprodukt ist eine App, die beim Bezahlvorgang im Geschäft je nach Bedarf einen eindeutigen Strichcode oder QR-Code am Smartphone anzeigt oder eine Transaktionsbestätigung via Bluetooth- bzw. NFC-Verbindung ermöglicht. Wer mit Bluecode bezahlt, erfährt das Unternehmen selbst gar nicht. Denn der Code, der wie ein beliebiger Handelsartikel mittels Handscanner eingelesen wird, diene rein zur Legitimierung des Kunden gegenüber dem Händler: Als Bestätigung, dass eine Kontodeckung gegeben ist und die Überweisung der gebuchten Summe in Gang gesetzt wird. Im System kann der Code nur einer Bankverbindung zugeordnet werden, und diese wiederum erst bei der jeweiligen Bank auch einem Endkunden. Damit sei z.B. ein künftiger Leak von Kundendaten bei Bluecode unmöglich.

Bluecode am Oktoberfest

Die eigene App sei dabei aber nur eine Zwischenlösung. Pirkner strebt gemeinsam mit seinen Bank- und Handelspartnern an, dass diese den Strich- oder QR-Code in ihre eigenen Apps implementieren. Akzeptiert wird Bluecode als Mobile Payment-Lösung in Österreich bereits seit längerer Zeit, unter anderem bei Spar, den Rewe-Geschäften, Hartlauer, Hervis sowie diversen Tankstellen, Trafiken, Bäckereien und Kinos. In Deutschland sind es deutlich mehr Partner, wobei hier auch das bald startende Oktoberfest in München mit an Bord ist: Bluecode sei dieses Jahr exklusiver Mobile Payment-Partner auf der „Wies’n“, wie Pirkner stolz erzählt. Hunderttausende Menschen pro Tag würden so zu Testkunden – und in der Folge, so die Hoffnung, zu dauerhaften NutzerInnen und WerbeträgerInnen des Unternehmens. Weiters sei ab sofort auch der Münchner Viktualienmarkt eine „Bluecode-Zone“.

Six Payment Services als Partner

Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Deutsche Sparkasse die Entwicklung unterstützt hat und zahlreiche weitere Banken als Kooperationspartner brachte, gibt es hierzulande erst zwei Partnerbanken für das neue grenzübergreifende Zahlungsnetzwerk: die Hypo Tirol Bank und die Raiffeisenbank Oberösterreich. Wobei die Bluecode-App jedoch wie bisher schon mit jedem österreichischen und deutschen Girokonto funktioniert. Deshalb präsentierte Pirkner am Donnerstagvormittag zwei neue Kooperationen, mit denen er die Masse der KonsumentInnen nicht nur in Österreich sondern europaweit erobern will. Zum einen ist dies der Zahlungsdienstleister Six Payment Services, der bei Händlern in Österreich hinter den meisten Bezahlterminals für Kartenzahlungen mit Maestro, VISA und Mastercard steht. Das Unternehmen soll gegenüber den Handelspartnern dafür sorgen, dass sie das Bluecode-System rasch in ihre Registrierkassen integrieren, um ihren Kunden die Zahlung per Smartphone bieten zu können. Nach dem Scan des Barcodes wird die gebuchte Summe vom Konto des Kunden bei einer beliebigen Bank in Österreich und Deutschland abgebucht.

Alipay: 700 Millionen potenzielle Handels-Kunden für Europa

Als „weiteren Meilenstein für die Akzeptanz des Bluecode-Systems“ bezeichnet Pirker die „Integration der Technologie von Alipay“. Dabei handelt es sich um den Bezahldienst des chinesischen Ebay- und Amazon-Konkurrenten Alibaba. Dessen gut 700 Millionen User in Asien können ab sofort so, wie sie es gewohnt sind, bei allen Handelspartnern in Europa bezahlen. Die Transaktion läuft aus Sicht des Händlers über Bluecode, aus Sicht des Kunden wie gewohnt über Alibaba. Erstere kommen so mit nur einem Mobile Payment-System aus und erhalten die Garantie, dass alle Zahlungsflüsse samt Transaktionsdaten DSGVO-konform in Europa bleiben. Zudem erhalten sie Zugang zum wachsenden Netzwerk von bald einer Milliarde KundInnen bei Alipay. Dabei seien, so Pirkner, die Nutzungsgebühren für Bluecode niedriger als bei anderen bargeldlosen Transaktionen. Und für den Endkunden verspricht der CEO, dass weder jetzt noch in Zukunft Kosten für die Bluecode-Nutzung anfallen würden.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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