13.06.2019

BCG-Studie: Startups ziehen in der Arbeit mit Corporates den Kürzeren

Eine umfassende Studie der Boston Consulting Group (BCG) zu Corporate-Startup-Collaboration im DACH-Raum zeigt: Für Startups ist das Ergebnis einer Kooperation seltener befriedigend, als für Großunternehmen. Und österreichische Corporates hinken im DACH-Vergleich hinterher.
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BCG-Studie: Corporate-Startup-Collaboration
(c) fotolia.com - gearstd

Für die Studie „After the Honeymoon Ends: Making Corporate-Startup Relationships Work“ befragte die Boston Consulting Group (BCG) insgesamt 190 große Unternehmen und 90 Startups im gesamten DACH-Raum. Insgesamt 570 Unternehmen wurden zudem auf den Einsatz von Corporate-Startup-Collaboration-Vehikeln gescreent. Das wohl herausstechendste Ergebnis der Befragung für den Gesamtraum: Weniger als die Hälfte der befragten Startups (45 Prozent) ist mit den durchgeführten Projekten zufrieden. Bei den befragten Corporates sind es immerhin 55 Prozent.

+++ Fokus: Corporate Innovation +++

Zu lange Entscheidungsprozesse als größter Painpoint für Startups

BCG fragte auch nach den Gründen für das Scheitern von Collaboration-Projekten (siehe Grafik). Auf Startup-Seite nehmen zu lange Entscheidungsprozesse (wenig überraschend) den Negativ-Spitzenplatz ein. Sie wurden von 25 Prozent der Befragten genannt (im Gegensatz zu 20 Prozent bei den befragten Corporate-Vertretern). Auf Seiten der Großunternehmen wiederum wird das Fehlen gegenseitiger Anerkennung bzw. das „nicht auf Augenhöhe“ Zusammenarbeiten mit 25 Prozent Zustimmung als größter Painpoint identifiziert – das sehen hingegen nur 11 Prozent der befragten Startup-Gründer als eines der größten Probleme.

Gaps in der Problem-Wahrnehmung

Noch größere Gaps in der Problem-Wahrnehmung gibt es beim Punkt „keine klare Steuerung und Governance“, der von 22 Prozent der Corporates, aber nur von 3 Prozent der Startups als Grund fürs Scheitern gesehen wird, und umgekehrt bei „mangelnde Fähigkeit, mit unterschiedlichen Mindsets umzugehen“, die 11 Prozent der Startups, aber nur 2 Prozent der Großunternehmen als massives Problem sehen. Relativ einig sind sich Corporates und Jungunternehmen bei der Problemquelle „unangemessene oder intransparente Erwartungen“ (Corporates: 21 Prozent; Startups: 19 Prozent).

BCG: Die größten Painpoints in der Kooperation
(c) BCG: Die größten Painpoints in der Kooperation

Corporates: Große Erwartungen in Pilotierung und neue Umsatzquellen

Nach eben diesen Erwartungen und deren Erfüllung fragte BCG in einem weiteren Fragenblock. Demnach wünschen sich Großunternehmen in der Corporate-Startup-Collaboration vor allem Pilotprojekte (von 43 Prozent der Befragten genannt) und neue Umsatzquellen (39 Prozent). Auch eine Änderung der Unternehmenskultur (28 Prozent) und der Zugang zu Talenten (27 Prozent) stehen hoch im Kurs. Diesen letzten Punkt sehen aber nur 35 Prozent der befragten Corporates erfüllt. Besonders zufrieden (58 Prozent) sind sie dagegen mit der Erfüllung der Erwartung, neue Technologien und Märkte zu scouten. Generell bewegen sich die Quoten bei der Erfüllung von Erwartungen um die 50 Prozent (siehe Grafik).

BCG: Erwartungen und deren Erfüllung bei Corporates
(c) BCG: Erwartungen und deren Erfüllung bei Corporates

Startups: Viele Erwartungen kaum erfüllt

Anders sieht es bei den befragten Startups aus. Zwar sind die drei wichtigsten Erwartungen, Umsatzsteigerung durch neue Absatzmöglichkeiten (von 73 Prozent der Befragten genannt), Umsatzsteigerung durch Marktzugang (60 Prozent) und neue Referenzen und gesteigerte Reputation (50 Prozent) recht gut erfüllt (siehe Grafik). Andere Punkte sehen die befragten Startups dagegen kaum umgesetzt, etwa den Erwerb technischen Know-hows (13 Prozent), den Zugang zu IP und Daten (16 Prozent) oder den Zugang zu Kapital (17 Prozent).

BCG: Erwartungen und deren Erfüllung bei Startups
(c) BCG: Erwartungen und deren Erfüllung bei Startups

ATX-Konzerne hinken bei Corporate-Startup-Collaboration hinterher

Im Rahmen der BCG-Studie wurden auch die Startup-Aktivitäten der Großunternehmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich verglichen. Fünf Kategorien wurden dafür definiert: Digital- bzw. Innovationslabs, Corporate Venture Capital, Inkubatoren, Accelerators und Kooperations-Units. Dabei zeigt sich, dass österreichische börsennotierte Unternehmen im Vergleich deutlich hinterherhinken. Gerade neun von 20 ATX-Unternehmen nutzen überhaupt eine der genannten Kooperationsformen. Bei den DAX-Konzernen sind es dagegen 29 von 30, im Schweizer Leitindex SMI 18 von 20.

Heimische Familienunternehmen im Vergleich offener

Auch wenn es um die Anwendung mehrerer der genannten Vehikel geht, zeigt sich ein massiver Unterschied zwischen ATX- und DAX- bzw. SMI-Unternehmen. Während sechs DAX-Konzerne und immerhin ein SMI-Konzern alle fünf Kooperationsformen nutzt, kommt der in diesem Bereich stärkste ATX-Konzern, UNIQA, auf vier Vehikel-Arten (siehe Grafik). Im Vergleich zum DACH-Durchschnitt offener für Startup-Kooperationen zeigen sich dafür allerdings heimische Familienunternehmen. Immerhin 60 Prozent nutzen hierzulande zumindest eine der Kooperationsformen.

BCG: DACH-Unternehmen im Vergleich
(c) BCG: DACH-Unternehmen im Vergleich

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DiLT Analytics
© DiLT Analytics

DiLT Analytics hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Sie setzt sich aus einem Equity-Investment von Noctua Science Ventures und einer Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Programms Seedfinancing – Deep Tech zusammen. Mit dem Geld möchte das 2021 gegründete Spinoff der TU Graz sein Team ausbauen und FaciliMind, seine Software zur automatisierten Fehlerdiagnose in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, zu weiteren Betreibern großer Gebäudeportfolios bringen

DiLT Analytics: „Substanziell wachsen“

Noctua Science Ventures ist ein Wiener Deep-Tech-Fonds und ein Joint Venture von Speedinvest und den Technischen Universitäten Österreichs. Der Fonds investiert gezielt in Ausgründungen, deren Produkt auf langjähriger Forschung beruht.

„Die aws-Förderung ergänzt das Investment und ist auf genau diese Phase zugeschnitten: den Schritt von einer erprobten Technologie zu einem Produkt, das sich über viele Standorte hinweg ausrollen lässt“, heißt es per Aussendung. Um im Sinne des Programms aws Seedfinancing – Deep Tech als Deep Tech zu gelten, muss das Vorhaben auf einer „anspruchsvollen technologischen und wissenschaftlichen Herausforderung“ basieren und einen klaren Technologiesprung gegenüber bestehenden Lösungen oder rein inkrementellen Weiterentwicklungen ermöglichen.

„Mit Noctua Science Ventures haben wir einen Partner gefunden, der beides kennt: die technischen Herausforderungen eines Deep-Tech-Produkts und den Weg in die Kommerzialisierung. Für ein junges Spinoff ist das der Best Case. Dass parallel auch die aws-Förderung zugesagt wurde, bestätigt uns, dass FaciliMind und unser Team auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es darum, substanziell zu wachsen“, sagt Theresa Kohl, CEO von DiLT Analytics.

Philipp Stangl, Managing Director von Noctua Science Ventures, ergänzt: „Von unseren vielen Gesprächspartnern erhielten wir ein sehr einheitliches Bild zu DiLT: ein glaubwürdiger, technisch differenzierter Ansatz, umgesetzt von einem Team, mit dem Immobilienprofis gerne zusammenarbeiten. Genau diese Kombination aus Forschungsvorsprung und starker Kundenorientierung ist es, wonach wir in der Pre-Seed-Phase suchen.“

2021 gegründet

DiLT Analytics wurde Ende 2021 von Franz Wotawa und Gerald Schweiger als Spinoff des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz gegründet und ging aus der Forschungsgruppe „Intelligent Systems“ hervor. Erstes größeres Projekt war „Inframonitor“, eine herstellerunabhängige IoT-Datenplattform für den Campus Inffeldgasse der TU Graz.

Seither ist DiLT an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt, einige davon FFG-gefördert und gemeinsam mit österreichischen und europäischen Universitäten. Die Ergebnisse fließen über den Forschungszweig DiLT Research direkt in die Produktentwicklung. Geführt wird das Unternehmen heute von Theresa Kohl (CEO), Christopher Gray (Business Development & Strategy), Thomas Hirsch (CTO), Reinhard Pertschy (CPO) und Thomas Schwengler (Head of Software).

Die entwickelte Software FaciliMind analysiert Betriebsdaten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, erkennt dabei versteckte Fehler und Optimierungspotenziale und liefert Technikteams eine nach Dringlichkeit sortierte Maßnahmenliste, so der Claim. Die Software von DiLT Analytics arbeitet herstellerunabhängig und lässt sich über ein einzelnes Gerät an die bestehende Gebäudeleittechnik anbinden. Dank eines knowledgegraphbasierten Softwarestacks soll sie das digitale Abbild komplexer Anlagen weitgehend automatisiert innerhalb weniger Tage statt monatelanger Handarbeit erstellen können. Zielgruppe sind Betreiber großer Gebäudeportfolios, etwa in der öffentlichen Hand, an Flughäfen sowie in Industrie und Gesundheitswesen.

DiLT Analytics erhielt Preise

Zu den Kunden zählen u.a. die Technischen Universitäten Graz und Wien, Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), IG Immobilien Management GmbH und Industriekunden. 2025 wurde DiLT Analytics mit dem DREA Award und dem ÖGUT Umweltpreis ausgezeichnet. Und ist seit September 2026 nach ISO 27001 zertifiziert.

„Wissen über Anlagenbetrieb soll im Unternehmen bleiben“

Neben der Verstärkung des Teams und dem geplanten Rollout möchte DiLT Analytics künftig ein Übersetzungswerkzeug für den BACtwin-Standard als Open Source veröffentlichen und die Diagnose künftig auf weitere Technologien wie Wärmepumpen, Photovoltaik und Batteriespeicher ausweiten

„Ein Gebäudeportfolio überdauert seine Dienstleister und oft auch seine erfahrensten Mitarbeitenden“, sagt Kohl. „Unser Ziel ist, dass das Wissen über den Anlagenbetrieb im Unternehmen bleibt und dass Entscheidungen auf verifizierter Datengrundlage statt auf Bauchgefühl und Erinnerung beruhen.“

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