23.04.2024
KOOPERATION

AustrianStartups Summit 2024: „Das, was das Pioneers Festival früher war“

Der AustrianStartups Summit 2024 am 8. Mai hat eine klare Zielsetzung: Er soll die ganze Szene zum Netzwerken zusammenbringen.
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AustrianStartups Summit 2024 - Impression vom vorjährigen AustrianStartups Summit | (c) AustrianStartups
Impression vom vorjährigen AustrianStartups Summit | (c) AustrianStartups

Oliver Holle, Andreas Treichl, Ali Mahlodji und die Gründer:innen von Waterdrop, hokify, LIVIN farms, Fermify und Eversports – die Liste der bekannten Speaker:innen beim AustrianStartups Summit 2024, der am 8. Mai im Wiener Semper Depot über die Bühne geht, ließe sich noch fortsetzen. Hinzu kommen unter dem Motto „The Dawn of a New Entrepreneurial Era“ unter anderem auch Masterclasses von Canva bis Microsoft, Fireside-Chats, ein „Startup-Marktplatz“, Meetups, 1:1 Matchmakings mit Investor:innen, das große Wiener Startup World Cup Pitchevent und eine Afterparty.

Der Ort und Zeitpunkt, wo alle zusammenkommen

Für jede Menge spannenden Input ist also gesorgt. Die Zielsetzung des AustrianStartups Summit 2024 ist aber vor allem eine, wie AustrianStartups Co-Managing-Director Adrian Zettl ausführt: „Der AustrianStartups Summit ist das, was das Pioneers Festival früher war, der eine Ort und Zeitpunkt, wo alle Gründer:innen, Investor:innen, Ökosystem-Player und Startup Enthusiast:innen zusammenkommen.“ Und er fügt im Sinne des Vergleichs mit dem Pioneers Festival an: „In die Hofburg haben wir es noch nicht geschafft, aber wir lieben das authentische Ambiente des Semper Depots.“

„Kein Bullshit, keine Pessimisten und echte Gespräche“ am AustrianStartups Summit 2024

Am 8. Mai soll also eifrig genetzwerkt werden. Das Motto „The Dawn of a New Entrepreneurial Era“ sei „bewusst sehr hands on gewählt“, meint Zettl: „Nach unserem 10-Jahres-Jubiläum von AustrianStartups am Summit vergangenes Jahr wollen wir gemeinsam mit der Startupszene den nächsten Schritt machen, noch einmal einen Gang zulegen und noch bessere Rahmenbedingen schaffen“, so der Co-Managing-Director. „Im Kern heißt das für das Event – kein Bullshit, keine Pessimisten, echte Gespräche. Lernen von den Besten und starke Kontakte, die sowohl im Kleinen für jeden einzelnen als auch allen gemeinsam eine neue unternehmerische Ära beschließen sollen.“

Klima für jene schaffen, die Positives bewegen wollen

Zettl sieht den AustrianStartups Summit 2024 als Startschuss. Man wolle über das Jahr hinaus ein Klima und einen Ort für all jene schaffen, die glauben, dass sie eine Rolle in einer besseren Zukunft spielen können. Jene, die an echten Problemlösungen arbeiten wollen und die an die Kraft großer Träume glauben und diese gleichzeitig auch umsetzen wollen. Jene, die gemeinsam die Chancen in Multi-Krisenzeiten sehen und das KI-Zeitalter selbstbewusst beschreiten.

Adrian Zettl | (c) AustrianStartups - AustrianStartups Summit 2024
Adrian Zettl | (c) AustrianStartups

„Wie die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor zeigen, flacht die Gründungsdynamik ab, wir brauchen aber mehr kluge Köpfe, die Innovationen umsetzen und mit Mut die Zukunft gestalten. Kurzum: Ein Neustart trotz oder gerade wegen zuletzt fordernder wirtschaftlicher Umstände nach der Covid-Krise oder dem Ukraine-Krieg, der alle hinter dieser Vision versammelt und anspornt“, so Zettl.

AustrianStartups Summit 2024 als Startschuss für die Event-Saison

Als Startschuss soll der AustrianStartups Summit 2024 übrigens auch für die Startup-Event-Saison fungieren. Danach geht es fast im Wochentakt mit dem 4Gamechangers-Festival 2024 (14.-16. Mai), dem 15 Seconds Festival (6.-7. Juni), der ViennaUp (3.-9. Juni) und der Entrepreneurship Avenue Conference (4. Juni) weiter.

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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