Amabrush: Endgültiges Aus für die „10-Sekunden-Zahnbürste“
Der einstige Kickstarter-Erfolg Amabrush musste Anfang Juni Insolvenz anmelden. Nun ist keine Rettung des Startups mehr möglich, das Unternehmen wird geschlossen und der Verkauf der Zahnbürste eingestellt.
„Ausverkauft“ heißt es auf der Website von Amabrush – hinter diesem Euphemismus steckt jedoch eine deutlich unbequemere Wahrheit: Das Startup, das Anfang Juni Insolvenz anmelden musste (der brutkasten berichtete), wird nun endgültig geschlossen.
Dies bestätigte der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Stephan Riel, gegenüber der futurezone: Das Unternehmen wird aufgelassen, der Verkauf wird eingestellt. Der Terminus „Ausverkauft“ ist laut Riel „eine technische Möglichkeit Bestellungen auszuschließen.“ Weitere Details dazu erläutert das Startup auch in einem Blogpost.
Bis vor wenigen Tagen hieß es noch, dass eine kleine Chance für das Startup bestehe, noch einen Investor zu finden. Vom Ende des Unternehmens sind 22 Mitarbeiter betroffen. Gegenüber den Gläubigern geht der Anwalt davon aus, dass die ihnen angebotene 20-Prozent-Quote ausbezahlt werden kann. Er rät davon ab, weitere Ansprüche zu stellen.
Insolvenz nach Ermittlung der Staatsanwaltschaft
Dem Insolvenzantrag waren Zweifel an der Qualität des Produkts vorausgegangen. Im Mai wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Amabrush ermittelt, nachdem Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereins (VSV), rechtliche Schritte angekündigt hatte. Dies hatte beim Startup unter anderem zu verstärkten Anwalts- und PR-Kosten geführt.
„Wie ein 40er Schleifpapier“: Grazer Startup will herkömmlichen Unterhosen Konkurrenz machen
Das Gründungsteam von AYB bringt Boxershorts aus Tencel-Fasern mit verbesserter Passform auf den Markt. Das gebootstrappte Startup produziert in China und ist laut eigenen Angaben bereits cashflow-positiv.
„Wie ein 40er Schleifpapier“: Grazer Startup will herkömmlichen Unterhosen Konkurrenz machen
Das Gründungsteam von AYB bringt Boxershorts aus Tencel-Fasern mit verbesserter Passform auf den Markt. Das gebootstrappte Startup produziert in China und ist laut eigenen Angaben bereits cashflow-positiv.
„Ausgewaschene Baumwollunterhosen fühlen sich mit der Zeit an wie so ein 40er Schleifpapier“, zumindest, wenn es nach Fabio Steiner, Dominik Jöbstl und Robert Haidl geht. Die drei Grazer wollten sich mit diesem Problem nicht länger abfinden und begannen so an der „perfekten Boxershorts“ zu tüfteln. Daraus geworden ist im November 2025 die AYB Underwear GmbH. AYB steht hier für „About Your Balls“. Seit Mitte Juli 2026 kann man sich vom Website-Claim „kein Zwicken. kein Kratzen.“ nun selbst überzeugen.
Zwei Jahre Materialsuche
Rund zwei Jahre arbeiteten die Gründer mit der Grazer Schneiderin Sarah Kohlendorfer zusammen, testeten laut eigenen Angaben mehr als 30 Stoffe und zwölf Prototypen, ehe die Wahl auf Tencel Modal Micro der oberösterreichischen Lenzing AG fiel.
Auch der Schnitt wurde mehrfach überarbeitet: An der Hüfte, „dort ist der Punkt, wo die Unterhose am meisten spannt“, wie Steiner im Interview erklärt, verzichtet AYB auf eine Naht. Stattdessen verlaufen die Nähte vorne und hinten. Daraus ergeben sich zwei zusätzliche Nähte, dafür aber ohne Druckstellen an der empfindlichsten Zone, wie die Gründer ausführen.
Made in China
Produziert wird in einer Partnerfirma im chinesischen Guangdong. Dort würden laut Steiner „90 Prozent aller Unterhosen der Welt produziert“, die Lieferketten seien entsprechend eingespielt. Eine Produktion in Europa hätte man laut Steiner deutlich teurer kalkulieren müssen: „Wir hätten das Dreifache verlangen müssen.“
Preislich positioniert sich AYB zwischen Billiganbietern und Premiummarken, ein Dreierset kostet 44,90 Euro. Über die genaue Marge wollten die Gründer keine Angaben machen, sie sei aber „für das Textilgeschäft üblich“, erwähnt man im Interview.
Verkaufszahlen übertreffen die eigenen Erwartungen
Mitte Juli 2026 ging AYB mit einer ersten Bestellung von 1.000 3er-Sets in den regulären Verkauf. Ursprünglich hatten die Gründer mit 50 verkauften Sets pro Monat kalkuliert „und jetzt haben wir halt einfach mehr als das Zehnfache verkauft“, sagt Steiner.
Rund 600 Dreiersets wurden bislang abgesetzt, eine zweite Bestellung über 2.000 weitere Sets ist bereits unterwegs. Finanziert wird sie aus dem laufenden Cashflow: „Es läuft aktuell in einem positiven Cashflow, was uns sehr happy stimmt“, bestätigt Steiner gegenüber brutkasten. Auf Investor:innen verzichten die drei laut eigenen Angaben bewusst. Man wolle es soweit wie möglich bootstrappen.
Vom Marketingbüro zum Boxershort-Business
Steiner und Jöbstl betreiben parallel eine eigene Marketingagentur, aus deren Einnahmen unter anderem die GmbH-Gründung über 12.000 Euro von AYB mitfinanziert wurde. Aktuell laufen beide Geschäfte parallel. „Um auch zu schauen, was funktioniert am Ende des Tages einfach besser“, meint Steiner. Bis man sich bei AYB etwas auszahlen könne „dauert sicher noch zwei, drei Jahre“, fügt er hinzu.
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