09.04.2026
WIENER WACHSTUM

7 Mio. Euro für KMU: Stadt Wien und Raiffeisen NÖ-Wien starten Wachstumsfinanzierung

Wer in Wien ein Unternehmen aufgebaut hat und wachsen will, stößt vor allem in der aktuellen geopolitischen Lage häufig auf ein Problem: Kapital für den nächsten großen Schritt fehlt. Ein neues Instrument von der Stadt Wien und der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien soll hier Abhilfe schaffen.
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© Wirtschaftsagentur Wien

Ab Herbst 2026 soll „Wiener Wachstum“ als neues Finanzierungsvehikel für wachstumsorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zur Verfügung stehen. Zum Start stehen sieben Millionen Euro bereit, die je zur Hälfte von der Wirtschaftsagentur Wien und der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien bereitgestellt werden. Erste Finanzierungen sind ab 2027 vorgesehen. Details zur Antragsstellung sollen zeitnah folgen.

Mezzanin-Modell

Pro Finanzierungsrunde können Unternehmen zwischen 100.000 und 500.000 Euro erhalten. Damit will man das Eigenkapital stärken, zusätzliche Bankfinanzierungen ermöglichen und Wachstumsprojekte zügig umsetzen. Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Förderung: Die vertraglich festgesetzte Finanzierungssumme wird zur Gänze ausgezahlt, der Gewinn anteilsmäßig wieder an „Wiener Wachstum“ zurückgezahlt. Durch diesen Kreislauf sollen künftig weitere Finanzierungen ermöglicht werden.

Es handelt sich damit um ein Mezzanin-Modell: kein (für den Kapitalgeber) verlorener Zuschuss, aber auch kein klassischer Kredit. Unternehmen, die erfolgreich skalieren, zahlen zurück und schaffen damit Kapital für die nächste Generation wachstumsstarker Betriebe.

Bürgermeister Michael Ludwig betont die Bedeutung des Programms für den Wiener Mittelstand: „Gerade die Klein- und Mittelunternehmen sind wichtige Beschäftigungsmotoren in unserer Stadt, deshalb setzen wir alles daran, dass sie die nächsten Schritte in ihrer Heimatstadt setzen können.“

Notwendigkeit von Finanzierungslösungen

Im Fokus stehen Wiens Zukunftsbranchen: Life Sciences, Medizintechnik, Pharma, Diagnostik, Software, KI, Quantentechnologien, Cyber-Security und IT-Dienstleistungen. Mit dem Kapital will die Initiative die Expansion in neue Märkte, Investitionen in Technologien, den Aufbau von Produktionskapazitäten sowie Betriebsübernahmen und Management-Buy-outs unterstützen.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. 2025 gab es in Wien mit fast 11.000 Neugründungen einen neuen Rekord (brutkasten berichtete). Doch viele dieser Unternehmen stoßen in der Expansionsphase auf strukturelle Hindernisse: Gerade vor dem Sprung zum etablierten Unternehmen steigt der Kapitalbedarf deutlich. Fehlt die nötige Eigenkapitalbasis, bleiben Wachstumsschritte aus.

Hinzu kommt ein externes Moment, das Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak explizit anspricht: „In dieser Phase ist es für Unternehmen oft schwierig, eine Finanzierung zu erhalten und die derzeitige geopolitische Lage vereinfacht diese Situation nicht.“ Novak formuliert das Ziel des Programms klar: „Mehr Wachstum in Wien, mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung am Wirtschaftsstandort und mehr Unternehmen, die hierbleiben und hier erfolgreich skalieren.“

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Howie
© Suchart Wannaset - Ewa Lenart von Howie.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde nachträglich (11.9.2026) nach Erhalt eines Statements von Gründerin Ewa Lenart ergänzt.

„Ein Unternehmen mit 300 Ingenieurinnen und Ingenieuren gibt im Durchschnitt zwischen 1,8 und 36 Millionen Euro pro Jahr für die manuelle Informationsbeschaffung aus“, erklärt Ewa Lenart, Gründerin des Wiener Startups Howie, vergangenes Jahr. Ihr Unternehmen könne helfen, die Kosten dafür zu halbieren.

„AI Copilot for the Built Environment“

Dazu positionierte Howie sich als „AI Copilot for the Built Environment“. Die KI-gestützte Plattform für die Bau- und Immobilienbranche bereitet unter anderem Texte, Bilder und Konstruktionszeichnungen mit großen Datenvolumina auf. Dabei nutzt sie LLMs, um Muster in den Daten, etwa auch aus Berichten, E-Mails, Bildern und Zeichnungen, zu erkennen.

Zwei Investmentrunden 2025

Mit dem Konzept konnte Howie vergangenes Jahr mehrere Investoren überzeugen. Im März und im November 2025 verkündete das Unternehmen jeweils eine sechsstellige Finanzierungsrunde. Dabei dürfte es sich um Wandeldarlehen gehandelt haben: In den öffentlich einsehbaren Firmenbuch-Daten sind die Finanzierungsrunden nämlich in den Beteiligungsverhältnissen nicht ablesbar. Zudem holte Gründerin Lenart vergangenes Jahr den zweiten Platz in der Kategorie Startups beim brutkasten „Innovator of the Year“.

Konkursantrag – keine Details von Kreditschutzverbänden

Doch nun brachte das Startup einen Konkursantrag ein, wie die heimischen Kreditschutzverbände übereinstimmend berichten. Konkrete Informationen dazu liegen aktuell bei keinem der Verbände vor. Sollten die Investments tatsächlich in Form von Wandeldarlehen erfolgt sein, würde ihre Summe in die Passiva fallen.

Gründerin Lenart: Zwei Investments nicht rechtzeitig abgeschlossen

Auf brutkasten-Anfrage meldete sich Gründerin Ewa Lenart mit einem Statement zur Insolvenz. Man sei in einem „technisch sehr anspruchsvollen und noch relativ jungen Markt“ tätig, und habe in den vergangenen zwei Jahren ein starkes, wachsendes Interesse von weltweit führenden Architektur-, Ingenieur- und Beratungsunternehmen verzeichnen können. „Gleichzeitig erwiesen sich die Entwicklungs- und Implementierungszyklen in der Bau- und Immobilienbranche als länger und kapitalintensiver, als wir ursprünglich geplant hatten. Wir waren daher auf eine zusätzliche Finanzierung angewiesen, um die nächsten kommerziellen Meilensteine zu erreichen“, so die Gründerin.

Während der jüngsten Finanzierungsrunde habe man zwei Term Sheets mit etablierten Investoren unterzeichnet. „Letztendlich wurde jedoch keine der beiden Transaktionen innerhalb des Zeitrahmens abgeschlossen, den das Unternehmen benötigte“, schreibt Lenart. „Wir haben zudem ein deutlich schlankeres und stärker kundenfinanziertes Betriebsmodell geprüft, konnten die daraus resultierende Liquiditätslücke aber nicht rechtzeitig schließen.“

Weiterführung steht noch im Raum

Doch Lenart fügt an: „Die zugrunde liegende Marktthese ist aus meiner Sicht nach wie vor sehr stark. Als wir Howie gründeten, befanden sich KI-native Workflows für die Baubranche noch in einer sehr frühen Phase. In den letzten zwei Jahren haben sich die Investitionen und die Adaption in diesem Bereich deutlich beschleunigt.“ Man sehe weiterhin Interesse von Kunden und Branchenakteuren an Howie und seiner Technologie. „Ob und in welcher Form Teile des Unternehmens oder des Produkts fortbestehen werden, hängt nun vom Insolvenzverfahren ab“, so die Gründerin.

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