16.02.2026
KONKURSANTRAG

3,9 Mio. Euro offene Forderungen: 123-Transporter-Pleite zieht Fuhrparkbetreiber mit

Das steirische Unternehmen Weba hatte 370 Lieferwägen an 123 Transporter vermietet. Im Konkursantrag wiederholt es einige der Vorwürfe gegen das Startup. Offene Forderungen in Millionenhöhe sieht es als "uneinbringlich".
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Die Sharing-Lieferwägen gehören Flottenpartnern des Startups | (c) 123-Transporter
(c) 123-Transporter

Vorwürfe von Kund:innen – auch öffentlich gestärkt durch Verbraucherschutzverbände und die Arbeiterkammer – hatte es bereits länger gegeben. Vergangenes Jahr kam es beim niederösterreichischen Startup 123 Transporter (123 Shared Mobility GmbH) dann zum dicken Ende: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) brachte mehrere Klagen ein, große Partner wie Obi und Hornbach zogen sich zurück (brutkasten berichtete). Im Oktober folgte schließlich der Insolvenzantrag – zunächst wollte man sanieren, wenig später wurde aber gerichtlich die Schließung beschlossen.

Schon damals meldete sich auch der Flottenbetreiber, die steirische Weba GmbH, zu Wort, bei dem 123 Transporter seine Lieferwägen gemietet hatte. Man widersprach der Darstellung des Startups, die Insolvenz durch einen angeblich „vertragswidrigen“ Abzug der Fahrzeuge hervorgerufen zu haben und sah sich selbst mit erheblichen Problemen konfrontiert. Diese führten nun zu einem eigenen Konkursantrag, wie die Kreditschutzverbände verlautbaren.

Weba wiederholt in Konkursantrag Vorwürfe

Im Insolvenzantrag werden von Weba einige der umfassenden Vorwürfe wiederholt, die gegenüber 123 Transporter bestehen. „Kautionen wurden nicht bzw. nur nach ausdrücklicher Anforderung und stark verspätet zurückbezahlt. (…) Die 123 Shared Mobility GmbH hat auch damit begonnen, vermeintlich vom Kunden verursachte Schäden doppelt zu verrechnen oder ihn mit einer Strafzahlung zu belegen, wenn sich aus den aufgezeichneten Fahrzeugdaten beispielsweise Geschwindigkeitsübertretungen ergeben haben. Dies unabhängig davon, ob es für diese Übertretung einen Strafzettel gegeben hat oder nicht“, wird in der Tagezeitung Kurier aus dem Weba-Antrag zitiert.

Gegenteilige Darstellung zum Ende der Zusammenarbeit

Weba hatte die 370 Fahrzeuge selbst geleast und an 123 Transporter vermietet. Laut Antrag soll die 123 Shared Mobility GmbH Ausgangsrechnungen des steirischen Unternehmens bereits eine Zeit lang ungerechtfertigt gekürzt und verspätet überwiesen haben. Im vergangenen August habe das Startup dann den Flottenpartnervertrag „fristwidrig und ungerechtfertigt gekündigt“. Diese Darstellung widerspricht also diametral jener von 123 Transporter, das diese angeblich auch bestreitet.

Sanierungskonzept gescheitert, 3,9 Mio. Euro offene Forderungen „uneinbringlich“

Zunächst habe man sich mit der Leasinggesellschaft auf ein erstes Sanierungskonzept geeinigt, heißt es von Weba weiter. Diese habe einen Teil der Fahrzeuge eingezogen und verwertet. Mit dem Rest habe man das Geschäftsfeld neu bearbeiten wollen. „Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die Umsatzentwicklungen hinter den Erwartungen zurückblieben. Dies ist einerseits auf die Nachwirkungen des Umgangs der 123 Shared Mobility GmbH mit deren Kunden zurückzuführen, andererseits auch auf saisonale Gründe“, heißt es im Antrag laut Kurier weiter.

Die offenen Forderungen gegenüber 123 Transporter in Höhe von 3,942 Millionen Euro seien „uneinbringlich“. Entsprechend brachte das steirische Unternehmen nun einen Konkursantrag ein. Eine Fortführung in Form einer Sanierung ist also aktuell nicht geplant. Die Entscheidungsfindung sei aber noch nicht abgeschlossen, heißt es im Kurier.

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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