Steirer Unternehmen zahlt allen 520 Leuten je 3.000 Euro Teuerungsprämie
Die Regierung beschloss bereits im Juni die Möglichkeit einer abgabenfreie Teuerungsprämie für Unternehmen. Der steirische Papier-Fabrikant Brigl & Bergmeister nahm dafür jetzt rund 1,5 Millionen Euro in die Hand.
Die Inflationskrise trifft aktuell viele Menschen hart. Und die Regierung versucht seit Monaten, mit mehr oder weniger wirksamen Maßnahmen gegenzusteuern. Eine dieser Maßnahmen wurde im Juni beschlossen: Eine abgabenfreie Teuerungsprämie (Details dazu hier im Experten-Beitrag). Konkret können Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen durch die Regelung bis zu 3.000 Euro „brutto für netto“ auszahlen, also ohne Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge.
Teuerungsprämie offenbar nicht von vielen Unternehmen genutzt
Bloß: Bislang scheint das noch kaum ein Unternehmen getan zu haben – zumindest waren öffentlich keine Fälle bekannt (obwohl sich das Thema zweifelsfrei für ein wenig positive PR eignet). Das änderte sich nun. Wie die Kleine Zeitung berichtet, nimmt das steirische Unternehmen Brigl & Bergmeister etwas mehr als 1,5 Millionen Euro für die Teuerungsprämie in die Hand. Demnach bekommen alle 520 Mitarbeiter:innen des Papier-Fabrikanten aus Niklasdorf ab September den Maximalbetrag von je 3.000 Euro ausbezahlt.
Man wolle mit der Auszahlung der Teuerungsprämie der Belegschaft „Danke sagen“ und das positive Betriebsklima weiter stärken, erklärt Co-CEO Markus Bammer der kleinen Zeitung. „Trotz aller Widrigkeiten durch Corona, Rohstoffverfügbarkeiten und den Krieg in der Ukraine mussten wir die Maschinen dank des massiven Einsatzes und der sehr hohen Loyalität unserer Mitarbeiter nie abstellen“, so der Brigl & Bergmeister-Chef.
200 Millionen Euro Jahresumsatz 2019, danach „extrem erfolgreiches Corona-Jahr“
Ein positives Ergebnis im ersten Halbjahr 2022 ermögliche es, diese Summe an Teuerungsprämie auszuzahlen. Im Jahr 2019 erzielte das Unternehmen rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz. Laut Medienberichten hatte man danach ein „extrem erfolgreiches Corona-Jahr“. Im März 2021 verkündete man die Investition von sechs Millionen Euro in die Anlagen im Werk in Niklasdorf.
Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht
Kommentar: Karin Hofelich war beim Biotech Summit Austria in Innsbruck und fragt: Kommt das Geld aus dem neuen Dachfonds auch bei Biotech-Unternehmen an?
Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht
Kommentar: Karin Hofelich war beim Biotech Summit Austria in Innsbruck und fragt: Kommt das Geld aus dem neuen Dachfonds auch bei Biotech-Unternehmen an?
Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?
Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.
Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China
Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.
Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.
(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.
Ein Champion, der nicht auswandern muss
Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“
(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).
Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt.
Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen
Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds.
Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.
Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.
Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.
Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht
Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.
Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.
Was es jetzt braucht
Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.
Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden.
Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.
Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.
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