28.09.2021

„2 Minuten 2 Millionen“: Gründerin bringt „Speibsackerl“ mit

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um Kosmetik aus Kaffeesatz, Selbstliebe und um Pastillen, die den Zuckergeschmack zerstören. Zudem versuchte ein Gründer Investoren für seine Kunst zu finden - während eine Founderin mit einem Mitbringsel für Irritationen sorgte.
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2 Minuten 2 Millionen, Offsugar
(c) Puls4/Gerry Frank - Offsugar-Gründerin Deborah Kahler-Auer geht gegen die Zucker-Lust vor.
kooperation

Die erste Teilnehmerin bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Deborah Kahler-Auer. Sie hat mit Offsugar eine Lutschpastille entwickelt, die den Geschmack von Süßem ungenießbar machen soll. Die Tablette besteht aus natürlichen Zutaten und entfaltet beim Zergehen im Mund ihre Wirkung, indem der Zuckergeschmack auf den Geschmacksknospen gemindert und gehemmt wird. Die Wirkung soll bei jedem zuckerhaltigen Lebensmittel funktionieren und somit die Gewohnheit Ungesundes zu essen umprogrammieren. Die Forderung: 100.000 Euro für 20 Prozent.

Maderthaner in Sorge

Nach dem Pitch schlug die Gründerin den Investoren vor, ihre Pastille gleich auszuprobieren. Kommunikationsexperte Philipp Maderthaner zeigte sich jedoch besorgt, da neben ihm am kleinen Beistelltisch ein, auch so tituliertes, „Speibsackerl“ bereitlag. Für den Fall eines empfindlichen Gaumens, wie Kahler-Auer erklärte und man die süße Kostprobe wieder ausspucken müsse.

Offsugar, 2 Minuten 2 Millionen
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Philipp Maderthaner beim Kosten von Offsugar.

Für Irritation sorgte danach, dass Offsugar hierzulande noch keine Zulassung als Nahrungsmittelergänzung habe, die Founderin arbeite aber daran. Der Wirkstoff wäre bereits in den USA zugelassen.

Aufgedrehte Investoren

Die Gründerin hatte es nach dem Pitch schwer, da die Investoren etwas aufgedreht waren und größtenteils herumscherzten. Sie griffen dennoch nach dem Lutschen der Pastille zu etwas Süßem, um die Wirkung zu testen. Maderthaner meinte, man merke, dass der Geschmack der Gummibärchen verfälscht wäre, übel würde aber niemanden werden.

Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner war die Idee unheimlich. Sich übergeben zu müssen, behage ihm nicht. Kahler-Auer erklärte, dass es darum gehe, dass einem Süßes nicht mehr schmecken sollte, übergeben würde man sich nicht. Das „Sackerl“ wäre eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Fehlende Stimmigkeit

Doch der Schaden war bereits angerichtet. Maderthaner erzählte von seinem Unbehagen. Die Gründerin hätte verpasst, bei ihrer Pastille Vertrauen zu erzeugen. Katharina Schneider meinte indes, die fehlende Zulassung für Offsugar würde ein Investment verhindern. Alexander Schütz erklärte, dass er das Branding toll fände, aber auch er ging ohne Angebot. Am Ende blieb auch Winzer Leo Hillinger ohne Deal-Vorschlag, der die Einstellung teilte: „Wer fressen und saufen will, muss Sport machen“. Zucker-Sucht, so der Winzer weiter, wäre ein großes Thema, ihre Idee auch ein Problemlöser, allerdings müsse alles stimmig sein. Kein Deal für Offsugar.

Rad-Schutzschild bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Nicola Novelli und Diego Divenuto von Bikertop. Die Südtiroler haben ein in Italien patentiertes „Schutzschild“ fürs Fahrrad erfunden, das bei Regen schützen soll. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gab es ein paar Prototypen. Die Gründer benötigen Kapital für die Serienproduktion und Markteinführung. Konkret wird eine Tasche auf dem Lenker montiert und der Schutz aus ihr herausgezogen. Die Forderung: 300.000 Euro für 18 Prozent.

Ähnliche Produkte gäbe es zwar schon am Markt, ihr USP wäre aber, dass man keine Vormontierung brauche und den Regenschutz in die Tasche einpacken kann. Medienunternehmer und Aufsichtsrat des SOS-Kinderdorfs Stefan Piëch meinte, dass die Idee noch nicht ganz ausgereift sei. Ihm schloss sich Alexander Schütz ohne große Worte an. Danach sagte Mediashop-Chefin Katharina Schneider, sie sehe in dem Produkt keinen Problemlöser.

Bikertop
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Diego Divenuto und Nicola Novelli mit Bikertop.

Haselsteiner erklärte, dass Startup wäre zu früh dran. Am Ende war Leo Hillinger die letzte Hoffnung. Er fand die Idee sehr gut. Aber er könne nicht einsteigen, bevor ein europäisches Patent da sei. Kein Deal für Bikertop.

Ein Künstler bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der dritte in der „2 Minuten 2 Millionen“-Runde war John Petschinger. Der Künstler möchte die Malerei zu seinem Hauptberuf machen und bietet seine Kunstwerke online an. Das Geschäftsmodell des Tourismusmanagers: er selbst. Er forderte 50.000 Euro für zehn Prozent seiner zukünftigen Verkäufe von John.Art.

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner fragte gleich nach den Preisen und dem Umsatz. Der Künstler hatte seine Unikate nach Italien nach Frankreich verkauft, dabei zwischen 2.000 bis 15.000 Euro für seine Kunst verlangt. Er hatte im Vorjahr 50.000 Euro Umsatz gemacht, zum Zeitpunkt der Aufzeichnung 20.000 Euro. Die Investoren würde er mit einer Umsatzbeteiligung am Ende des Jahres beteiligen.

John.Art, 2 Minuten 2 Millionen
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Florian Gschwandtner zeigte reges Interesse an John.Art.

Hotelier Bernd Hinteregger stieg aus, bot dem Gründer aber einen Job an, sobald er einen brauche. Schneider meinte, sie wäre die falsche Partnerin und ging ebenso ohne Angebot. Haselsteiner dagegen wusste, dass sich der Kunsthandel langsam ins Netz verlagere. Es sei legitim und er erwarte eine Parallelwelt, die sich entwickeln würde. Investieren wollte er aber nicht. Alexander Schütz bot danach 25.000 Euro für zehn Prozent. Womit nur noch Gschwandtner überblieb.

Jener meinte, er sehe Kunst digital und bot 50.000 Euro für 12,5 Prozent plus ein Exponat pro Jahr. Der Tech-Experte bekam den Zuschlag. Deal für John.Art.

Ein Tagebuch für Selbstliebe, das begleitet

Die vierte Kandidatin bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Simone Stocker. Sie ist Selbstliebe-Coach und möchte mit ihrem Produkt Blossome Journal zur mentalen Gesundheit der Menschen beitragen. Dafür hat sie ein Achtsamkeits-Coaching-Programm in Buchform entwickelt, das dabei helfen soll, sich selbst besser kennenzulernen und Klarheit über die persönliche Herzensvision zu erlangen. Die Kund:innen werden dabei Schritt für Schritt durch das Buch begleitet und können zudem unterschiedliche Begleit-Kurse online buchen. Ihre Forderung für ihre 65.000 Euro umsatzstarke Idee: 100.000 Euro für 15 Prozent.

Frauen in Rollen gedrängt

Stocker hatte vor ihrem Startup im Marketingmanagement gearbeitet und sich dann die Frage gestellt, ob dass das Leben ist, das sie führen wollte. Die Gründerin fand in Katharina Schneider eine Investorin, die die Problematik hinter der Grundidee für Blossome Journal verstand. Besonders als Frau würde man mit Familie, Job, Unternehmen und Haushalt in einer Rolle gedrängt, wo man keine Zeit habe, über sich selber nachzudenken. Ein Thema, zu dem Männer weniger Zugang hätten, wie sie meinte. Das führe öfter zu etwas Dramatischem, wie einem völligen Zusammenbruch.

Blossome Journal, 2 Minuten 2 Millionen
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Simone Stocker von Blossome Journal ist Selbstliebe-Coach.

Haselsteiner fand das Produkt gut, stieg aber aus, da er sich als alter grauer Mann nicht angesprochen fühle. Piëch war sich nicht schlüssig, da sich die Gründerin nicht multiplizieren könne und daher die Skalierbarkeit nicht gegeben sei. Schütz meinte, das Thema wäre nicht nur für Frauen, sondern für Jugendliche generell wichtig. Allerdings wollte er nicht investieren, schlug aber Gesprächsbereitschaft vor, sollte es mal eine Gendervariante geben.

Schneider als Autorin

Hotelier Hinteregger schlug eine Erlebnisse-Event-Reise für Frauen vor, mit Stargast Simone Stocker. Schneider lobte den Mut der Gründerin, mit so einem Thema ins Fernsehen zu gehen und offenbarte, dass sie selbst ein Buch über Selbstliebe, speziell für Frauen, schreibe. Sie wollte unterstützen und bot 40.000 Euro für 15 Prozent. Deal für Blossome Journal.

Kaffeesatz-Kosmetik bei „2 Minuten 2 Millionen“

Den Abschluss von „2 Minuten 2 Millionen“ bildeten Oliver Kremer und Maximilian Munz, Gründer von C!ircly. Das Startup verbindet Upcycling (Kaffeesatz) mit Naturkosmetik und hat ein Serum (als Bade-Öl geeignet) und Lippenpflege im Portfolio. Seit der Gründung 2020 konnten über 2.000 Onlinekunden und über 70 Einzelhändler von den Produkten überzeugt werden. Dabei sind 40.000 Euro Umsatz generiert worden. Die Forderung: 175.000 Euro für 20 Prozent.

Gleich ein Erfolg

Bevor die Gründer erklären konnten, welche Wirkung ihre Produkte hätte, meldete sich Markus Kuntke zu Wort und bot eine Kooperation mit Bipa an. Danach erfuhr man, dass das Kaffee-Öl belebend, feuchtigkeitsspendend und antibakteriell wirke. Für 2021 wäre ein Umsatz von 250.000 Euro geplant, der 2023 auf 1,6 Millionen Euro ansteigen sollte.

C!ircly
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Oliver Kremer und Maximilian Munz, Gründer von C!ircly, entwickeln Naturkosmetik.

Dann schaltete sich auch Daniel Zech von 7 Ventures zu und bot Verkaufsflächen im Donauzentrum und in der Shopping City in Vösendorf an. Haselsteiner lobte den Pitch und auch das Produkt, erklärte aber, dass alle seine Kosmetik-Investments „flügelarm“ wären. Er stieg aus. Maderthaner meinte, dass ihm das „Storytelling“ über die Wirksamkeit der Kaffeebohne in diesem Segment fehle. Es müsse mehr sein, als eine Nachhaltigkeitsfantasie. Er schlug ein Treffen mit seiner ´Beratungsfirma „Business Gladiators“ vor, um dabei etwas zu helfen. Angebot gab es aber keines.

Deals, Deals, Deals

Hinteregger sah es ähnlich. Schütz der ihm zustimmte, dass man den USP deutlich klarer kommunizieren müsse, bot dennoch 25.000 Euro für fünf Prozent. Dies aktivierte wieder Maderthaner, der das Gleiche offerierte. Martin Rohla, als letzter TV-Investor, erklärte, er investiere aus Prinzip nicht in Kosmetik. Allerdings sei er mit Brigantes verbandelt, einem Startup, das Kaffee aus Südamerika per altem Segelfrachter, importiert. Er bot dann 100.000 Euro für 25,1 Prozent.

Während der Beratung der Gründer diskutierten die Investoren darüber, wer besser helfen könnte, als Haselsteiner seine Meinung änderte und plötzlich beim Investoren-Duo mitmachen wollte. Die Gründer allerdings kehrten mit einem Gegenangebot zurück und boten Rohla, Schütz und Maderthaner zehn Prozent Beteiligung für 75.000 Euro.

Dies kam nicht zustande, denn Maderthaner erklärte die Überlegungen, die sie mit Haselsteiner angedacht hätten und offerierte – auch im Namen von Schütz – die gewünschte Summe für 15 Prozent. Tripple-Deal für C!ircly.

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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