21.04.2020

„2 Minuten 2 Millionen“ Folge 12: Startup lehnt eine Million Euro ab

In der 12. Folge der aktuellen Staffel von "2 Minuten2 Millionen" ging es um e-Kellner, Klodeckel und Bienenprodukte. Zudem lehnte ein Startup ein gewaltiges Angebot ab.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank - Klemens Zleptnig und Philipp Etzlinger von uugot.it trafen eine überraschende Entscheidung.
kooperation

Den Anfang der 12. Folge der aktuellen Staffel von „2 Minuten 2 Millionen“ machte Petar Iliev, CEO und Gründer von getsby (Iliev ist derzeit nicht mehr operativ bei getsby tätig – der brutkasten berichtete). Während seiner früheren Arbeit in einem Großkonzern stellte der Wiener ein Problem in der Kantine fest, dass sich auch auf andere Lokalitäten umlegen lässt: Restaurants mit ausgezeichnetem Essen bringen den unangenehmen Nebeneffekt mit sich, dass auch treue und begeisterte Kunden wegen des starken Andrangs meist länger warten müssen, bis sie ihre Bestellung aufgeben können. Dieses Problem soll die App getsby lösen, mit der User per Smartphone vorab bestellen und bezahlen können. Die Forderung für den persönlichen Kellner: 250.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

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getsby: Verbindung mit dem Kassensystem des Restaurants

Auf technischer Ebene verbindet sich getsby mit dem Kassensystem des Restaurants – zugleich hat das Startup hier eine Vertriebskooperation, bei welcher der Anbieter des Kassensystems dem Gastronomen auch gleich die Lösung von getsby anbietet. Ergänzend dazu bekommt das Startup von den Usern Vorschläge zu Lokalen, die ihrer Meinung nach die Bestell-Lösung ebenfalls einsetzen sollten.

Fehler bei „2 Minuten 2 Millionen“: Umsatz verheimlicht

Die Präsentation von Iliev war souverän. Der Founder konnte sämtliche Fragen der Juroren beantworten und vor allem das Interesse von Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner erwecken und ihn weitgehend zufriedenstellen. Allerdings wollte Iliev nicht genau präzisieren, wie hoch der Umsatz von getsby ist. Seine Antwort: sechsstellig. Dies regte vor allem Katharina Schneider auf, die bereits zu Beginn ihre Abneigung gegen „effizientes Essen gehen“ dargelegt hatte.

getsby, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Petar Iliev, Gründer getsby, erregte den Unmut von Katharina Schneider.

Nicht interessiert an zukünftigem Umsatz

„Wenn ich heute investiere, dann muss ich doch den Umsatz wissen“, sagte sie ziemlich forsch und erhielt als Antwort: 40.000 Euro. Die Mediashop-Chefin erkannte sofort, dass es sich hierbei nicht um den erwähnten sechsstelligen Betrag handelt. Der Gründer erklärte, dass dies der angestrebte Umsatzbetrag des Startups sei.

Bewertung und Umsatz bei „2 Minuten 2 Millionen“

Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner nannte die Idee des Unternehmers „total unsympathisch“. Iliev entgegnete, dass diese Einstellung „fair“ sei, Haselsteiner wäre jedoch nicht die Zielgruppe. Ein Investor weniger. Winzer Leo Hillinger hingegen war von getsby angetan, hatte aber ein Problem mit der Bewertung. Er und Schneider verabschiedeten sich auch als mögliche Investoren. Da half es auch nicht, dass der Gründer seinen Finanzplan für die Zukunft ins Spiel brachte. Vor allem die Investorin führte sich „hinters Licht gebracht“, wie sie später mit unflätigen Worten preisgab.

Tech-Startups und der „anders“ zu betrachtende Umsatz

Gschwandtner hatte, wie bereits in der Vergangenheit, mit einer höheren Bewertung für ein Startup aus dem technologischen Bereich, kein Problem. Man müsse schon „schauen“ wo man zukünftig wachsen könne. Auch die Technologie des Unternehmens sei „richtig“ und stelle die Zukunft in der Gastronomiebranche dar. Jedoch könne er nicht der nötige strategische Investor sein, den das Startup brauche.

Rohla wird mit Gamechanger-Aussage zum Gamechanger

Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla – kein Fan von digitalen Dingen – meinte, er kenne das Problem mit Wartezeiten im Gastro-Bereich. Zudem sei getsby ein Gamechanger. Er bot 200.000 Euro für 25,1 Prozent. Deal für getsby.

Die Imkerei: Bio-Bienenerzeugnisse bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der nächste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Florian Petersdorfer. Der Oberösterreicher betreut mit „Die Imkerei“ 150 Bienenvölker und stellt traditionellen Honig her. Zusätzlich produziert er auch trockenen Honigwein und Nahrungsergänzungsmittel aus Bienenbrot. Die Kapseln des Startups sind reich an Inhaltsstoffen, die gut für das Immunsystem und den Stoffwechsel sein sollen. Seine Forderung: 100.000 Euro für 20 Prozent.

„Wein machen kann ja jeder“

Nachdem geklärt war, dass der Gründer den Bienen nichts raube, sondern den überschüssigen Blütenpollen entnimmt und über 80 eigene Bienenvölker verfügt, kam heraus, dass sich der Pitcher und Hillinger bereits seit mehr als 25 Jahren kennen. Der Winzer verlangte den Honigwein und lobte das Produkt nach der Kostprobe. Musste sich jedoch von Haselsteiner anhören: „Wein machen kann ja jeder“.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Florian Petersdorfer von „Die Imkerei“ konnte gleich mehrere Investoren mit seinem Startup beeindrucken.

Ziegenstall und intensive Landwirtschaft

Nach einer Warnung in Richtung des Juror-Kollegen, dass dieser Mut nicht mit Wahnsinn verwechseln sollte, ging es um das Nahrungsergänzungsmittel. Der Gründer zählte die Vorteile auf, wie etwa, dass es entzündungshemmend sei, als plötzlich Haselsteiner meinte, es schmecke ein wenig nach Ziegenstall oder zumindest nach intensiver Landwirtschaft.

Investoren überbieten sich

Der Jahresumsatz des Startups betrug ohne die neuen Produkte bisher bereits 60.000 Euro und der Gründer plane, ihn für 2020 mehr als zu verdoppeln, sagte er. Schneider zeigte sich an der Nahrungsergänzung interessiert, wollte aber nichts mit dem Wein zu tun haben – sie stieg aus. Haselsteiner meinte, ein derartiges Projekt „gehört unterstützt“ und bot 100.000 Euro für 26 Prozent. Hillinger warf ein, dass er das gleiche Angebot abgeben wollte. Ging aber auf 110.000 Euro rauf.

„risk sharing“?

Haselsteiner nahm den Kampf an und erhöhte auf 120.000 Euro. Rohla bot daraufhin an, dass er bei jenem Investor, der den Deal bekäme, gerne mitmachen wolle. Er nannte es „risk sharing“. Gschwandtner hingegen „matchte“ das Angebot Haselsteiners und verwies auf sein Interesse an den Kapseln und daran, sie online zu vertreiben.

Doch alle fünf „2 Minuten 2 Millionen“-Investoren

Zusammengefasst: alle vier Herrschaften wollten bei „Die Imkerei“ auf irgendeine Art und Weise mitmachen und boten viermal 30.000 Euro für 26 Prozent. Das Ergebnis: Der Gründer schlug eine Verhandlungsrunde vor, in der alle fünf Investoren – inklusive der bereits ausgetretenen Katharina Schneider – beteiligt wären. Es gab allgemeine Zustimmung für fünfmal 24.000 Euro. Deal für „Die Imkerei“.

hyto: Sterilisierbares WC-System

Die nächsten im „2 Minuten 2 Millionen“-Studio waren Peter Mayr und Karl Watschinger mit „hyto WC“. Dabei handelt es sich um ein sterilisierbares WC-System, das einfach zu reinigen und ganz ohne Werkzeug von der WC-Schüssel abnehmbar ist – der brutkasten berichtete. So soll es keine Ecke und keinen Spalt geben, die nicht erreichbar ist und gereinigt werden kann. Die WC-Brillen-Lösung gibt es zudem auch in einer Variante mit Sitzerhöhung. Die Gründer forderten 200.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

Die alte „Leier“: Umsatz

Bisher wurden 1500 Stück von dem europaweit patentierten Produkt verkauft. Das Patent für die USA stehe kurz vor der Erteilung, so die Gründer. Danach ging es um die Bewertung. Wie so oft bezogen sich die Gründer auf die Möglichkeiten, die der Markt liefere, nicht aber auf den aktuellen Umsatz – und die Investoren, allen voran Leo Hillinger, kamen damit nicht klar.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Das Startup hyto WC zeigten eine hygienische Klo-Brillen-Lösung bei „2  Minuten 2 Millionen“.

Spitäler und Hotellerie als Zielgruppe

Katharina Schneider stimmte allerdings zu, dass ein Markt für die Lösung von hyto da wäre. Allein die Klobrillen-Auswahl in Baumärkten würde dafür sprechen. Das Gründer-Duo argumentierte gut und lenkte den Blick auf Spitäler und Hotellerie, die leicht und regelmäßig den Klodeckel fürs maschinelle Säubern abnehmen könnten.

Anderes Geschäftsmodell besser?

Haselsteiner hielt das Produkt für eine Verbesserung der Technologie. Er wollte aber das Risiko nicht eingehen, zu investieren. Ähnlich dachte Gschwandtner und war der nächste der sich als möglicher Financier verabschiedete. Rohla meinte, in den Vertrieb zu gehen, wäre der falsche Weg. Das Unternehmen solle versuchen, das Patent an Klo-Hersteller zu verkaufen. Katharina Schneider indes war von den Verkaufszahlen zwar beeindruckt, hatte aber keine Expertise in der Branche und stieg ebenfalls aus. Kein Deal für hyto.

MoSo: Regionaler Selbstbedienungsladen bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als nächster versuchte Markus Wegerth sein Glück bei „2 Minuten 2 Millionen“. Mit seinem MoSo (Montag bis Sonntag) Markt peilt er durch ein flexibles Selbstbedienungskonzept in seinen Pop-Up Stores an, auch abgelegenen Dörfern eine Nahversorgung zu ermöglichen. Dafür bietet er in den eigens aufgestellten Containern regionale Waren an. Regionale Landwirte und Produzenten haben dadurch weitere Möglichkeiten, ihre Produkte zu verkaufen. Er forderte für 20 Prozent 250.000 Euro, um ein Franchise-Konzept zu entwickeln.

Mit 20.000 Euro Franchise Partner werden

Haselsteiner zeigte sich vom Gründer und dem Konzept angetan. Wegerth erklärte, dass ein Unternehmer fünf Container brauche, um davon Leben zu können. In einem Container befinden sich rund 350 verschiedene Artikel. Der Gründer hatte an Franchise-Partner diverse Anforderungen, darunter ein Netzwerk zur Gemeinde. Interessierte könnten für 20.000 Euro einsteigen.

Einer höher als der andere…

Schneider und Gschwandtner fanden die Idee des Gründers gut, stiegen aber aus. Leo Hillinger bot danach 150.000 Euro für 20 Prozent. Und er bekam Konkurrenz. 250.000 Euro für 26 Prozent legte Haselsteiner nach. Der wiederum bekam mit Rohla einen Gegner: 300.000 Euro für 25,1 Prozent – so dessen Offerte. Es kam zur Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsexperten. Deal für MoSo.

Moso, MoSo, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Markus Wegerth möchte die Nahversorgung in ländlichen Bereich wiederbeleben.

uugot.it: Sprachen lernen mit „Netflix-Schauen“

Das Wiener Startups uugot.it rund um Co-Founder und CEO Philipp Etzlinger war das nächste Unternehmen bei „2 Minuten 2 Millionen“. Über ihre Sprachlern-App können sich Sprach-Schüler tagesaktuell Fernsehsendungen untertitelt ansehen und sich je nach Bedarf Worte und Passagen in die eigene Sprache übersetzen lassen. Dabei können die Videos etwa auch langsamer abgespielt werden, um ihnen besser folgen zu können.

Von Linz nach Lateinamerika

Im April 2016 erfolgte nach einigen Monaten Vorarbeit die offizielle Gründung (der brutkasten berichtete im Februar 2016 erstmals über das Startup, das sich bereits 2015 einen Award holte). Im Frühjahr 2017 ging man nach der ersten Entwicklungsphase erstmals mit der Lösung im Rahmen eines Pilot-Projekts mit der Stadt Linz an die Öffentlichkeit. Seitdem folgten weitere Kooperationen mit der oberösterreichischen Hauptstadt, aber etwa auch mit Bildungseinrichtungen im lateinamerikanischen Raum, mit umfangreichen (Beta-)Tests. Der Co-Gründer und CTO Klemens Zleptnig forderten für die Sprachlern-App, die sich der Integration von Einwanderern verschrieben hat, 300.000 Euro für 16 Prozent.

Neun Sprachen im Repertoire

Die App ist an Mediatheken von Fernsehsendern angebunden und gibt Usern die Möglichkeit, während des Streamens etwa ein Wort, das sie nicht verstehen, nachzusehen. Dies passiert durch einen einfachen Klick auf den Begriff aus den Untertiteln. Jener wird sofort übersetzt und fürs spätere Lernen abgespeichert. Bisher sind neun Sprachen im Angebot.

uugot.it, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Philipp Etzlinger und Klemens Zleptnig versprechen mit ihrer App Sprachlehre beim „Fernschauen“

SaaS-Modell

Nach dem Pitch, der im zweiten Versuch fehlerfrei war, wollte Gast-Juror Heinrich Prokop wissen, wie das Startup Geld verdiene. Antwort: Das Unternehmen erhält mit seinem SaaS-Modell und für Lizenzen für Bildungseinrichtungen und öffentliche Institutionen eine Nutzungsgebühr.

Drei Investoren weniger

Hillinger war der erste der ausstieg. Neben der hohen Bewertung fehle ihm die mögliche Skalierung. Der zweite Gast-Juror, N26 Co-Founder, Maximilian Tayenthal hatte das Konzept und die Monetarisierung des Unternehmens nicht gänzlich verstanden und verabschiedete sich, so wie Rohla, auch als möglicher Investor.

Einnahmen besser erklären

Florian Gschwandtner meinte, Bildung sei das wichtigste Thema in Österreich, allerdings habe ihm der Pitch nicht gut gefallen. Zudem wäre die Bewertung zu hoch. Prokop blieb am Ende noch immer ohne Ahnung, wie uugot.it Geld verdiene und meinte, dies müsse man als Gründer Investoren besser erklären. Kein Deal für uugot.it.

Millionen-Angebot bei „2 Minuten 2 Millionen“

Allerdings konnte Daniel Zech das nicht so stehen lassen. Im namen von SevenVentures verteilt er auch heuer wieder Medienbudget. Er bot eine halbe Million Euro für TV-Werbung für 13 Prozent Beteiligung in einem ersten Schritt plus eine Option für nochmal 13 Prozent für die gleiche Summe.

Überraschende Antwort

Die Gründer kamen zurück und lehnten die Million ab. Die Begründung: das Startup war für die Weiterentwicklung der Applikation auf der Suche nach einem Cash-Investment ins Studio gekommen. Sie würden zudem eine andere Vertriebsschiene anstreben und hätten den B2B-Bereich im Auge. Ein Medien-Budget helfe momentan nichts. uugot.it ging ohne Geld.


⇒ Die Imkerei

⇒ Getsby

⇒ hyto WC

⇒ MoSo Markt

⇒ uugot.it

⇒ Puls 4/ 2Min2Mio

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Satellives: Das Tullner SpaceTech-Startup, das Satelliten wie ein Leporello faltet

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Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.

In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.

Der Leporello-Satellit

Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“

Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“

Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives

Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“

Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.

Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.

Gegen den Hype

Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.

Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.

Kapitalbedarf

Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.

Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.

Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“

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AI Summaries

„2 Minuten 2 Millionen“ Folge 12: Startup lehnt eine Million Euro ab

  • Bestell-App getsby erhält trotz Verwirrung Deal-Angebot
  • Bienen-Startup „Die Imkerei“ begeistert gleich mit zwei Produkten
  • hyto WC macht den Klodeckel zum Fokus ihres Unternehmens
  • Der MoSo-Markt möchte das Nahversorgertum wiederbeleben
  • Die Sprachlern-App uugot.it hat Probleme Geschäftsmodell zu erklären, erhält dennoch Mega-Angebot

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