07.04.2020

„2 Minuten 2 Millionen“ Folge 10: Wettbieten um alkoholfreien Gin

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um Buchbastel-Sets, Bienenzucht und alkoholfreien Gin. Zudem musste sich Katharina Schneider zurückhalten, um nicht vor Begeisterung das Tanzbein zu schwingen.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank - Pia Jautz und Patrick Marchl sorgten dafür, dass sich die Investoren einen kleinen Bieter-Kampf lieferten.
kooperation

In der zehnten Folge der aktuellen Staffel von „2 Minuten 2 Millionen“ hatten Andreas Maidler und Tochter Alina den ersten Pitch. Maidlers Produkt Freshmo ist eine biologisch abbaubare, Schimmel-vorbeugende Gesamtlösung für die Reinigung und das Auffrischen von Holz-, Stein- und Kunststoffoberflächen. So funktioniert’s: aufsprühen, zehn Minuten einwirken lassen und mit der Freshmo-Bürste und Wasser abwaschen. Der Gründer forderte für 15 Prozent Firmenanteile 100.000 Euro.

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Freshmo: Patentiert und chemiefrei

Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner zeigte seine Anerkennung, als er erfuhr, dass die Wirkstofflösung für das Produkt patentiert ist. Auch Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla war vom chemiefreien Produkt angetan. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner dagegen machte es kurz und ging. Es sei nicht sein Metier, sagte er.

Schnaufender Haselsteiner und fast tanzende Schneider bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als dann ebenso rasch und etwas überraschend auch Rohla ausstieg, ergriff Haselsteiner das Wort und machte ohne große Umschweife ein Angebot: 26 Prozent für 100.000 Euro. Winzer Leo Hillinger nannte das Produkt eine große Sensation, wollte aber Haselsteiner „nicht überbieten“. Mediashop-Chefin Katharina Schneider meinte jedoch, sie müsse sich zurückhalten um nicht vor Begeisterung zu tanzen. Sie wies auf ihre ideale Plattform Mediashop hin, um Freshmo an den Kunden zu bringen. Und sie bot 100.000 Euro für 15 Prozent. Haselsteiner schnaufte daraufhin. Zurecht. Der Gründer holte die Investorin mit ins Boot. Deal für Freshmo.

(c) Puls 4 / Gerry Frank – Andreas Maidler und Tochter Alina durften mit Freshmo zwischen zwei Investoren wählen.

Flexwalk: Band fürs Walken

Der zweite bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Daniel Polster von Gemba Sports. Nach einem Arbeitsunfall mit Wirbelbruch entwickelte der oberösterreichische Sportphysiotherapeut ein mulitfunktionales Sportgerät. Mit dem Flexwalk sollen Sportarten wie „Nordic Walking“ mit Übungen mit einem Trainingsband kombiniert werden. Der Founder wollte für eine Beteiligung von 25 Prozent 200.000 Euro Investment haben.

Drei schnelle Absagen bei 2 Minuten 2 Millionen

Nachdem Gschwandtner eine Runde mit Flexwalk im Studio gedreht hatte, meldete sich Martin Rohla als erster zu Wort. Für ihn galt die Maxime „no sports“ und er ging als möglicher Investor. Haselsteiner, selber passionierter „Walker“, traute sich nicht zu investieren, da er den Markt als übersättigt ansah. Auch Hillinger sagte ab. Er könne dem Startup nicht helfen.

„Nordic Walking“ nur im DACH-Raum beliebt

Katharina Schneider meinte, Marketing und Awareness-Bildung wäre in diesem Fall sehr kostenintensiv, deshalb würde sie nicht investieren. Sie riet dazu, sich auf den B2B-Bereich zu konzentrieren. Gschwandtner erzählte, dass er mit der App „Walktastic“ bereits im Walking-Markt drin war, jedoch die App wieder aufgeben musste, da „Nordic Walking“ außer im DACH-Raum international keine große Rolle spiele. Flexwalk sei ein Risiko-Investment. Kein Deal.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Ex-Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner hat durch eine alte App namens „Walktastic“ Erfahrung im „Walking-Markt“.

Seitenbunt: Buchbastel-Set bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die dritte in dieser Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ war Gloria Hiltmair mit Seitenbunt. Dabei handelt es sich um ein ganzheitliche 18-teiliges Buchbastelset mit über 160 Stickern zum selber ausmalen aus über 30 verschiedenen Themengebieten. Die Gründerin, die bisher 36.000 Euro Umsatz gemacht hatte, forderte 50.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Klimaneutral in Bayern

Seitenbunt ist geeignet für Kinder von fünf bis zehn Jahren. Als Hiltmair den Investoren ihre Produkte in die Hand drückte, sorgte sie damit für einige Verwirrung und musste das erklären, was Kinder ihren Angaben nach, intuitiv können. Das Buch nutzen. Seitenbunt wird klimaneutral in Bayern produziert, was von Gschwandtner als „smart“ bezeichnet wurde.

Ein neuer Kunde

Die Gründerin zeigte von Anfang bis Ende einen souveränen Auftritt und wusste auf alle Fragen der Jury eine kompetente Antwort. Haselsteiner war schlussendlich der erste der das Wort ergriff. Seitenbunt bräuchte einen Vertriebspartner, da könne er leider nicht helfen. Er würde aber als Großvater Kunde werden.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Seitenbunt-Gründerin Gloria Hiltmair stellte ihr 18-teiliges Buchbastelset für Kinder vor.

Kein Interessenskonflikt für Hillinger

Leo Hillinger erzählte von seinem Involvement im „Kinderkistl“ und dass er deswegen nicht einsteigen könne. Auch Gschwandtner stieg, so wie Schneider aus. Im B2C-Bereich wären Kinderbücher ein hart umkämpfter Markt. Die Investorin empfahl der Gründerin den Fokus auf Schulen und dergleichen zu legen.

„Weg vom digitalen Wahnsinn“

Martin Rohla meinte, der Pitch hätte sein „Herz geöffnet“. Seitenbunt könne Kinder vom „digitalen Wahnsinn“ wegbringen. Er bot 50.000 Euro für 25,1 Prozent. Hiltmair fragte beinahe schüchtern, ob der Investor auch bereit wäre – wenn sie einen gemeinsamen Weg finden – auch 20 Prozent zu akzeptieren. Rohla war es. Deal für Seitenbunt.

Rick Gin Free: 400.000 Euro für alkoholfreien Gin?

Patrick Marchl und Pia Jautz waren die dritten Pitcher bei „2 Minuten 2 Millionen“. Sie wollen mit Rick Gin Free eine Neuheit in Sachen Drinks etablieren und damit den ersten alkoholfreien Gin international ausrollen. Die Gründer forderten für 25,1 Prozent ihrer Firma Rick Spirits 400.000 Euro.

Halbe Million Euro Umsatz

Das Getränk wird biologisch in Österreich produziert und auch bei den Produkten wird darauf geachtet, dass diese aus Österreich stammen. So verwenden die Founder beispielsweise Wacholder aus Tirol oder Zitronen aus Kärnten. Neben dem Rick Gin Free produzieren sie alkoholische Pendants in drei Sorten und haben einen Umsatz von 500.000 Euro bei 70.000 Euro Deckungsbeitrag vorzuweisen.

Getränk für den arabischen Markt?

Nach einem Geschmacksvergleich zwischen alkoholischem und alkoholfreien Gin meinte Hillinger, es schmecke gleich, während Gschwandtner dies anders sah. Man merke schon einen Unterschied, sagt er. Wobei der Winzer später entgegnete Rick Gin Free wäre für den arabischen Markt eine spannende Sache.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Der alkoholfreie Gin von Pia Jautz und Patrick Marchl lösten einen Bieterwettstreit unter den Juroren aus.

Das Bieten begann

Der erste der einem Deal eine Absage erteilte, war Haselsteiner. Es folgte Schneider, die jedoch den gesamten Auftritt des Startups lobte. Gschwandtner bot danach 250.000 Euro für 25,1 Prozent. Und er blieb nicht allein. 300.000 Euro für 25,1 Prozent – so reihte sich Rohla in die Bieterriege ein. Und er ließ als letzten Juror Hillinger zurück.

Auch Hillinger will dabei sein

Der wunderte sich über die zwei hohen Angebote seiner Vorgänger und meinte: „Normalerweise schmeckt mir nix ohne Alkohol. Außer das Wasser“. In diesem Fall wäre der alkoholfreie Gin aus Österreich mit seinem biologischen Aspekt jedoch einfach zu verlockend. Er wollte einsteigen, bekam aber von Rohla die Warnung, dass Gschwandtner am Sinnieren wäre, sein Erstangebot nachzubessern. Der Winzer legte dennoch eine Offerte von 350.000 Euro für 25,1 Prozent vor.

Ein pitchender Martin und ein ein gähnender Leo

Gschwandtner stieg daraufhin aus. Rohla jedoch hatte anderes im Sinn. Er legte als Angebot noch drauf, dass das Startup etwa bei Habibi & Hawara, Swing Kitchen, Stadtvogt Bergmühle und am Cobenzl mit seiner Hilfe unterkommen könnte. Hillinger symbolisierte während dieser Aufzählung „die Langeweile“ und gähnte demonstrativ.

Doppelt hält besser?

Nach der Beratung kamen die Gründer mit einem Vorschlag zurück. Sie wünschten sich eine gemeinsame Lösung mit beiden Investoren. Rohla warf daraufhin ein, dass dies nur zu seiner Bewertung möglich sei – die Gründer allerdings hatten die 350.000 Euro von Hillinger im Kopf. Ohne Genaueres auszumachen, meinte der Winzer, dass man das schon „hinbekomme“. Deal.

Hektar Nektar: Kununu-Gründer bei „2 Minuten 2 Millionen“

Am Ende von „2 Minuten 2 Millionen“ stellte sich Hektar Nektar vor. Das Unternehmen der kununu-Gründer Mark und Martin Poreda verfolgt dabei das ambitionierte Ziel, die Bienenpopulation im DACH-Raum bis 2028 um zehn Prozent zu steigern. Funktionieren soll das einerseits über ein Sponsoring-Modell, bei dem Unternehmen Imker finanziell bei der Anschaffung neuer Bienenvölker unterstützen können. Diese Initiative trägt den namen „Projekt 2028“. Andererseits können Privatpersonen auf der Plattform „Bienen-Patenschaften“ schließen und regionalen Honig erwerben. Die Founder forderten 500.000 Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Verwirrung bei Haselsteiner

Nachdem die Gründer ihren Lösungsansatz für das Bienenproblem erklärt und versucht hatten, Gschwandtners offene Fragen mit dem Vergleich Hektar Nektar als das „Willhaben für Bienen“ zu klären, mussten die Gründer Haselsteiner den Unterschied des Bienen-Marktplatzes zu  ihrer Initiative „Projekt 28“ erläutern.

Wirksamkeit nachweisen

Danach wollte der Bau-Tycoon wissen, ob denn das Startup im Nachgang seine Kunden überprüfe und feststelle, wie es den Bienen gehe. Als jene verneinten, erklärte Rohla die typische Problematik von nachhaltigen Unternehmen und Geschäftsideen: die Wirksamkeit nachzuweisen.

Faire Bezahlung der Honigbauern

Danach ging es um den Honigpreis. Die Gründer gaben zu, im Vergleich zu handelsüblichem Bienenhonig teurer zu sein (60 Euro für die kleinste Hektar-Nektar Abo-Variante mit einem halben Kilogramm Honig; bis zu zehn Euro im Supermarkt für die gleiche Menge), betonten aber zugleich, dass die Zielgruppe mit einem derartigen Kauf nicht den Honigbedarf decke, sondern sich für den Schutz von Bienen bedanken möchte. Ein Drittel vom Preis würde zudem direkt zum Imker fließen, „weil es ihm zusteht“, so die Aussage. Dies gewährleiste eine faire Bezahlung der Honigbauern.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Die ehemaligen kununu-Gründer Mark und Martin Poreda wollen mit Hektar Nektar faire Bezahlung für Honigbauern fördern.

Mehrere Einkommensquellen

Hillinger wollte wissen, wie es sich als potentieller Investor lohnen könnte einzusteigen. Die Gründer erklärten, dass es neben „Projekt 2028“ und dem Marktplatz ein drittes Erlös-Modell gebe: Imker würden für ihre Imkereien nach digitalen Lösungen suchen, die sie bieten würden. „Es gibt mehrere Einkommensquellen und Zielgruppen bei Hektar Nektar“, so die Gründer.

Kunden nicht 60 Euro zumuten

Haselsteiner stieg als erster aus, da er es als falsches Signal sehe, wenn er als Kapitalist Profit machen würde, bei einem Unternehmen, dass hohe Preise für den guten Zweck verlangt. Hillinger als Bio-Bauer empfand die Bewertung als zu hoch und ging ebenfalls. Katharina Schneider meinte, das Abo-Modell wäre spannend, jedoch könnte sie ihren Kunden nicht zumuten 60 Euro für einen halben Kilo Honig zu bezahlen.

Gründer und Rohla: Treffen nach der Show?

Gschwandtner erklärte indes, dass er bei fehlenden Zahlen zu Kündigungsraten und Abos nicht eine halbe Million investieren könne. Martin Rohla kam auf die Wichtigkeit nachhaltigen Wirtschaftens zu sprechen, hatte aber das Problem, einen potentiellen Gewinn als Investor zu erkennen. Er schlug dennoch vor, sich zusammenzusetzen, um mögliche Wege und Investoren auszuloten. Kein Deal für Hektar Nektar.

Doch noch ein Angebot bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als die Gründer bereits am Weg aus dem Studio waren, meldete sich Daniel Zech per Zuschaltung zu Wort, der auch heuer wieder an Startups Medien-Budget verteilt. Nur dass er diesmal keine TV-Werbezeit für die jungen Gründer im Sinn hatte, sondern im Namen der Pro7-Sat1-Puls4-Gruppe anbot, auf dem „4 Game Changers-Festival“ – das mittlerweile aufgrund der Corona-Krise auf Herbst verschoben wurde – dem Startup einen Stand auf der Messe zur Verfügung zu stellen.


⇒ Freshmo

⇒ Flexwalk

⇒ Seitenbunt

⇒ Rick Gin Free

⇒ Hektar Nektar

⇒ PULS 4/2min2mio

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USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

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AI Summaries

„2 Minuten 2 Millionen“ Folge 10: Wettbieten um alkoholfreien Gin

  • Freshmo brachte Katharina Schneider beinahe zum Tanzen
  • Hillinger gab zu, dass ihm alles ohne Alkohol – außer Wasser – nicht schmecke. Rick Gin jedoch schon.
  • Ein Kinderbastel-Buch von Seitenbunt verwirrte Haselsteiner und restliche Juroren
  • Flexwalk soll unterstützend beim Nordic Walking wirken
  • Hektar Nektar als Bienenmarktplatz hat Bienen-Populations-Wachstum zum Ziel

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