27.08.2025
ABWANDERUNG

170.000 qualifizierte Fachkräfte verließen Österreich von 2011 bis 2023 wieder

IV-Präsident Georg Knill und Integrationsministerin Claudia Plakolm kommentierten am European Forum Alpbach die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung zur Abwanderung aus Österreich.
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IV-Präsident Georg Knill und Integrationsministerin Claudia Plakolm beim European Forum Alpbach | Foto: Dominik Meisinger
IV-Präsident Georg Knill und Integrationsministerin Claudia Plakolm beim European Forum Alpbach | Foto: Dominik Meisinger

Zuwanderung ist hierzulande bekanntlich ein politisches Dauerthema. Doch auch Abwanderung aus Österreich kann zum Problem werden. Das meinen Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) und Claudia Plakolm, ÖVP-Ministerin für Europa, Integration und Familie, bei einem Pressegespräch im Rahmen des European Forum Alpbach (EFA). Sie stützen sich dabei auf eine aktuelle Analyse zur Abwanderung aus Österreich zwischen 2011 und 2023.

Hochqualifizierte EU-Zuwanderer verlassen das Land überproportional häufig wieder

Demnach sind in dem Zeitraum zwar etwa 2,2 Millionen Menschen nach Österreich zugewandert, aber auch rund 1,4 Millionen Menschen ausgewandert, davon mehr als 170.000 dauerhaft beschäftigte Fachkräfte, die zuvor bereits im Arbeitsmarkt integriert waren. Von den Zugewanderten der Jahre 2017–2019 waren nach nur vier Jahren bereits mehr als die Hälfte wieder abgewandert.

Besonders auffällig sei: Viele der Abwandernden würden aus wohlhabenden EU- und OECD-Staaten stammen. Hochqualifizierte EU-Zuwanderer würden das Land überproportional häufig wieder verlassen, weniger gut integrierte Menschen würden dagegen tendenziell länger in Österreich bleiben.

Knill: „Wir verlieren hier in Österreich wertvolles Humankapital“

Der Trend habe in den vergangenen Jahren laut Analyse „rasant zugenommen“, sagt IV-Präsident Knill: „Wir verlieren hier in Österreich wertvolles Humankapital. Diese Menschen kommen mehrheitlich aus EU- oder aus wohlhabenden OECD-Staaten. Das heißt, sie haben die Wahl, wo sie arbeiten und wo sie leben möchten und haben sich bewusst gegen Österreich und für andere Länder entschieden.“

Lohnkosten und Rot-Weiß-Rot-Karte als Probleme

Und das liege nicht an mangelnder Integrationsbereitschaft, führt Knill aus: „Es sind strukturelle Standortnachteile, es sind hohe Abgaben, es sind Bürokratiethemen, es sind Perspektiven-Themen.“ Konkret nennt er etwa die progressive Lohn- und Einkommenssteuer, die auch zur vieldiskutierten hohen Teilzeitquote beitrage. Generell sieht der IV-Präsident die vergleichsweise hohen Lohnkosten als Problem.

Auch bei der Rot-Weiß-Rot-Karte brauche es weitere Verbesserungen. „Hier verlieren wir viele Bewerberinnen und Bewerber, weil es einfach in anderen Ländern wesentlich schneller geht“, so Knill. Und auch andere Ansprüche qualifizierter Zuwanderer:innen wie etwa flächendeckende Kinderbetreuung oder Englischsprachigkeit würde nicht ausreichend erfüllt werden.

„Es braucht klar eine Strategie“

Aufgrund des Fachkräftemangels und der Überalterung der Bevölkerung brauche Österreich jedoch allein bis 2035 eine halbe Million qualifizierte Fachkräfte zusätzlich. „Es braucht also klar eine Strategie, um in allen Facetten nochmals nachzuschärfen“, meint Knill. Und es brauche eine Kulturwandel in Österreich: Zugewanderte Fachkräfte „dürfen hier nicht als Lückenfüller angesehen werden, weder im Alltag noch in der Gesellschaft.“

Konkrete Maßnahmen der Regierung geplant

Claudia Plakolm führt dazu konkrete Vorhaben der Bundesregierung ins Treffen, um die Situation zu verbessern. So wolle man etwa künftig Asylwerber:innen mit einer hohen Anerkennungswahrscheinlichkeit (über 75 Prozent) von Beginn an auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. „Wir gehen hier weg vom Abwarten hin zum Vorbereiten, weil wir davon überzeugt sind: Wer von Anfang an die Chance hat, sich beruflich einzugliedern, ist definitiv motivierter“, so die Ministerin.

Zudem wolle man das Angebot des Fachkräfteservice des Integrationsfonds weiter ausbauen und Erleichterungen bei der Anerkennung von Berufs- und Bildungsqualifikationen umsetzen. „Es darf nicht sein, dass jemand mit einer abgeschlossenen Ausbildung, mit Berufserfahrung aus einem Drittland hier länger als ein Jahr warten muss, dass er eine Anerkennung bekommt“, meint Plakolm. Zudem baue man ein Expertenforum auf, dem neben Vertreter:innen von IV und Integrationsfonds auch Stakeholder wie Arbeitsmarktservice, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Austrian Business Agency und Universitäten angehören werden.

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MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

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