12.09.2025
SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN

Siemens baut Forschungsnetz in Österreich aus – auch Startups sollen profitieren

Siemens erweitert sein Research & Innovation Ecosystem (RIE) in Österreich: Zur TU Graz stoßen TU Wien und Montanuni Leoben – für schnelleren Transfer von Schlüsseltechnologien in marktfähige Lösungen.
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v.l. Horst Bischof (Rektor der TU Graz), Mirjam Storim (Head of Strategy & Technology at Siemens Foundational) und Patricia Neumann (CEO Siemens Österreich) | (c) martinpacher

Siemens baut sein Research & Innovation Ecosystem (RIE) in Österreich aus. Das RIE ist ein Kooperationsnetzwerk, in dem Siemens gemeinsam mit Universitäten, Unternehmen und Startups an Schlüsseltechnologien arbeitet – mit dem Ziel, Forschung schneller in marktfähige Anwendungen zu überführen. In Österreich bestand das RIE bislang in Partnerschaft mit der TU Graz; nun wird es um die TU Wien und die Montanuniversität Leoben erweitert.

Vorgestellt wurde die Erweiterung am Donnerstag im Rahmen der Technology Talks des AIT im Wiener MuseumsQuartier. Mit dem Schritt soll aus dem bisherigen TU-Graz-Setup ein österreichweiter Innovationsverbund werden, der Talente an drei technischen Universitäten früh in Industrieprojekte einbindet und die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung und Anwendung vertieft.

Fokus auf Schlüsseltechnologien

„Forschung bedeutet Innovation. Innovation heißt Stärke für den Standort in Österreich“, so Patricia Neumann, CEO von Siemens Österreich. Das RIE schaffe dafür die passende Plattform: „Unternehmen werden profitieren, Startups werden profitieren – eine Quelle der Innovation und des Andersdenkens.“ Der Fokus liege „ganz klar auf Schlüsseltechnologien“ wie energieeffizienter Produktion, nachhaltiger Mobilität, digitalen Zwillingen und Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, aus exzellenter Forschung schneller verwertbare Lösungen zu entwickeln – gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Auch die TU Graz, bisheriger Kernpartner des RIE, sieht in der Ausweitung Rückenwind. Rektor Horst Bischof hob die gewachsene Forschungsinfrastruktur in der Kooperation hervor – von der Smart Factory bis zum Bremsprüfstand. Mit der TU Wien und Montanuniversität Leoben erweitert sich die Breite an Kompetenzen – von der Zirkularität von Werkstoffen über Produktionsprozesse bis zu Energiesystemen.

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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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