14.06.2023

AI Act: Abstimmung im EU-Parlament steht bevor

Abgeordnete des Europäischen Parlaments stimmen am Mittwoch über ihr Position zu einem lang diskutierten Gesetzespaket ab, welches die Nutzung von Künstlicher Intelligenz reglementieren soll. Es gibt jedoch Kritik an dem neuen Rechtsrahmen.
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Foto: Unsplash/Guillaume Périgois

Allerspätestens seit ChatGPT in unseren Schulklassen eingesetzt wird oder in praktisch jedem Medium thematisiert wurde, ist Künstliche Intelligenz (KI) im Mainstream gelandet. Nun kommt es in der Europäischen Union (EU) zu weiteren Schritten, um auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Am Mittwoch entscheidet das Europäische Parlament über seine Verhandlugnsposition zum AI Act. Das Gesetzespaket soll ein Regelwerk für KI-Anwendungen festlegen. Somit sollen die Pflichten von Anbieter:innen und Nutzer:innen juristisch verankert werden.

KI-Risikos erkennen und minimieren

So groß das Potenzial von Künstlicher Intelligenz ist, so groß sind auch die Befürchtungen vor dem Missbrauch der Technologie. Im AI Act werden vier unterschiedliche Risikoklassen kategorisiert. So gibt es etwa inakzeptable Risiken, die verboten werden. Darunter fallen Systeme, die Menschen ausnutzen, die Menschen aufgrund ihrer Aussagen oder Taten bewerten (Social Scoring), die biometrische Daten in Echtzeit erfassen oder auch KI-gestützte Spielwaren, die Kinder negativ beeinflussen könnten.

Zwar nicht verboten, aber unter strengen Bestimmungen reguliert werden Programme mit einem hohen Risiko, die im Bildungsbereich, Arbeitsmarkt, Grenzkontrollen oder bei kritischer Infrastruktur zum Einsatz kommen. Hier muss beispielsweise auf die Qualität der Datenfütterung geachtet werden und Transparenz gegeben sein. Anwendungen mit einem begrenztem Risiko müssen gekennzeichnet werden – dazu zählt etwa Chatbots wie ChatGPT. Jene, die laut dem Entwurf ein geringes Risiko beherbergen, also z. B. KI in Videospielen, sind frei nutzbar.

Kritik und Zeit zur Nachjustierung

Skeptiker:Innen bezweifeln, dass eine Technologie, die sich so rasant entwickelt, in dieser Form und auf diesem Wege reglementiert werden kann. Zudem wird kritisiert, dass das neue Regelwerk, die Europäische Union und seine Mitgliedsstaaten im internationalen Wettbewerb limitiert, während in den Vereinigten Staaten noch keine ernstzunehmenden juristischen Schritte in Gang gekommen sind. Andere fordern hingegen mehr Regeln und fordern weitreichendere Schritte gegen KI-generierte Desinformation und Hassrede.

Bis der AI Act in Kraft tritt, dürfte es wohl noch zwei bis drei Jahre dauern. Nach der Abstimmung am Mittwoch starten die Verhandlungen zwischen EU-Rat, -Parlament und Kommission. Im Trilog werden Details ausgehandelt und eventuell auch etwaige Verbesserungen vorgenommen. Was der AI Act für Startups bedeuten könnte, lest ihr hier.

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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AI Summaries

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Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der Inhalt des Artikels betrifft die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Anwendung von künstlicher Intelligenz in der Europäischen Union. Durch die Kategorisierung von KI-Risiken und die Festlegung von Pflichten für Anbieter und Nutzer soll ein Regelwerk geschaffen werden, um den Missbrauch der Technologie zu vermeiden. Die Einführung des AI Act könnte somit zu mehr Transparenz und Sicherheit im Umgang mit KI beitragen und mögliche negative gesellschaftliche Auswirkungen minimieren. Allerdings gibt es auch Kritik an dem Regelwerk und Fragen bezüglich seiner Umsetzbarkeit und Folgen im internationalen Wettbewerb.

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Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der AI Act der Europäischen Union könnte bedeutende wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen haben, die KI-Anwendungen entwickeln und nutzen. Das Regelwerk soll Pflichten für Anbieter und Nutzer von KI-Anwendungen juristisch verankern und KI-Risiken erkennen und minimieren. Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln und verwenden, müssen sich auf strengere Regulierungen einstellen und möglicherweise ihre Geschäftsmodelle anpassen. Startups könnten von dem AI Act ebenfalls betroffen sein.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Dieser Artikel hat als Innovationsmanager:in eine wichtige Relevanz, da er sich mit der gesetzlichen Regelung von Künstlicher Intelligenz-Anwendungen in der Europäischen Union beschäftigt. Dies könnte mögliche Innovationen und Anwendungen beeinflussen, einschränken oder auch fördern und somit Auswirkungen auf die Entwicklungen im eigenen Unternehmen haben. Es ist daher wichtig, über die geplanten Regelungen informiert zu sein und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Als Investor:in sollten Sie sich über die möglichen Auswirkungen des AI Act auf Unternehmen, die auf KI-Technologie setzen oder davon betroffen sein könnten, informieren. Insbesondere sollten Sie die Kategorisierung von KI-Anwendungen mit hohem Risiko prüfen und die regulatorischen Anforderungen im Auge behalten, um mögliche Risiken für Ihre Investitionen frühzeitig zu erkennen.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Als Politiker:in ist es wichtig das Thema Künstliche Intelligenz im Auge zu behalten, da es eine immer größer werdende Rolle in unserer Gesellschaft und Wirtschaft spielt. Der AI Act der Europäischen Union soll dabei helfen, gesetzliche Rahmenbedingungen für KI-Anwendungen zu schaffen und die Pflichten von Anbieter:innen und Nutzer:innen juristisch zu verankern. Somit wird es auch für Politiker:innen von Bedeutung sein, sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen von Künstlicher Intelligenz vertraut zu machen und diese gegebenenfalls mitzugestalten.

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Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Der AI Act ist ein Gesetzespaket, das ein Regelwerk für KI-Anwendungen festlegen soll, um die Pflichten von Anbieter:innen und Nutzer:innen juristisch zu verankern. Dabei werden verschiedene Risikoklassen kategorisiert, um die Wahl der Anwendungen mit Videoüberwachung, biometrischen Daten und Social Scoring zu regulieren. Während einige Skeptiker:innen die Regulierung kritisieren, fordern andere weitreichendere Schritte gegen KI-generierte Desinformation und Hassrede. Die Abstimmung am Mittwoch ist ein wichtiger Schritt, und es wird einige Jahre dauern, bis der AI Act in Kraft tritt.

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Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

  • EU-Parlament
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  • Europäisches Parlament
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