17.10.2017

weXelerate: Das erste Interview nach dem Exit von Hassen Kirmaci

Vor knapp drei Wochen hat der Wiener Startup-Hub weXelerate den Betrieb aufgenommen, Startups und Eventformate nutzen nun die Räumlichkeiten und auch ein zweiter Batch wird eben vorbereitet. Zwischenzeitlich sorgte der Rücktritt von Geschäftsführer Hassen Kirmaci für Schlagzeilen. Darüber und über viele andere Themen sprach Der Brutkasten mit dem neuen Geschäftsführer, Dominik Greiner und dem Pressechef, Thomas Reiter.
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weXelerate-Accelerator Batch 2 steht fest
(c) weXelerate: Das Team von WeXelerate.

WeXelerate hat offiziell am 25. September den Betrieb aufgenommen. Die ersten Mieter sind am 2. Oktober eingezogen und es kommen sukzessive weitere dazu. Wie ist der aktuelle Status?

Der erste Batch des Wiener Startup-Hub weXelerate ist jetzt in der dritten Woche. 55 Startups sind im Haus. Teilweise arbeiten sie direkt dort, teilweise kommen sie zu Blockveranstaltungen des Accelerator-Programms. Es ziehen momentan laufend weitere Mieter ein. Derzeit zieht mit Speedinvest der größte Mieter ein. Auch dort wurde bereits mit der Arbeit begonnen. Bis Ende Oktober werden alle Flächen besiedelt sein.

Gibt es irgendwelche Probleme oder Verzögerungen beim Bau oder bei der Ansiedelung?

Bei der Ansiedelung gibt es keine Probleme. Wir haben am 29. September die Immobilie vom Hauseigentümer übernommen. Am zweiten Oktober haben wir bereits an einen Großteil der Mieter weiter übergeben. Was bei einem Projekt dieser Größe einfach so ist, ist, dass jetzt noch da und dort Mängel behoben werden müssen, dass etwa der Maler noch wo drüber muss. Auch passieren noch Aufbauten wie Meeting-Boxen und Mobiliar. Das wird sich aber bis Ende Oktober komplett eingespielt haben.

Gab es überraschende Mieter-Kündigungen, nachdem die ersten eingezogen sind, oder sind alle zufrieden mit den Räumen und Flächen, die sie da vorgefunden haben?

Nein, es gab keine Kündigungen. Es sind, soweit ich das beurteilen kann, alle sehr happy. Diese Phase, wenn man wo einzieht, bis das letzte Bild hängt und die letzte Wand die richtige Farbe hat, dauert halt ein paar Wochen. Und so haben wir das auch immer gesehen: Anfang Oktober ist Start. Am 17. November, wenn dann unser Grand Opening ist, ist das Ende der Soft Opening-Phase. Dann muss jedes Bild hängen und jede Wand die richtige Farbe haben.

Wie ist die erste Rückmeldung der Startups im Accelerator? Es gab ja schon Kontakte zu den Corporates. Sind da bereits konkrete Projekte im Entstehen?

Von der Corporate-Seite haben wir bereits viele positive Rückmeldungen. Es gibt sehr viele zusätzliche Matches zwischen Startups und Corporates. Die Unternehmen hatten sich zuerst bestimmte Kernthemen ausgesucht und haben bei unserer Inhouse-Fair dann gleich viele weitere für sie spannende Startups gefunden. Da ist das Feedback durchwegs positiv. Auch die Startups sind sehr angetan von den Möglichkeiten, die wir ihnen bieten. Sie besuchen auch unsere Veranstaltungen und profitieren dort sehr von den Touchpoints mit den Corporates.

Das Leistungsspektrum von weXelerate für die Corporates ist ja sehr groß – von Scouting über Sourcing und Scoring bis zum Matching. Auch dafür zahlen die Unternehmen entsprechende Beiträge. Sehen das die Corporates bislang als sinnvolle Investition?

Das Programm ist erst vor drei Wochen gestartet. Die erste wirkliche Analyse kann man wohl erst nach dem ersten Batch machen. Die Unternehmen sind aber jedenfalls happy über die Anzahl und die Qualität der Startups. Ihre nächsten Schritte sind sicher sehr unterschiedlich. Manche Corporates haben einen klaren Action-Plan, wie es weitergeht. Manche werden sich dagegen erst im Laufe des ersten oder zweiten Batch wirklich eine Roadmap festlegen, was sie dann mit den Startups machen. Das kann von Kooperation über ein Kundenverhältnis bis hin zu Investitionen, Beteiligungen oder überhaupt Kauf der Startups gehen.

Wenn man durch das Haus geht, sieht man an einem Tag mehr und am anderen weniger Startups. Wie funktioniert das Programm? Sind die Startups verpflichtet, da zu sein?

Das steht ihnen größtenteils frei. Wir wollten es ganz bewusst nicht zu strikt und schulisch machen. Wir haben zwei große Flächen, die gesamt etwas über 500 Quadratmeter haben, die ihnen wie eine Bibliothek zur Verfügung stehen – möbliert, mit Arbeitsplätzen, schnellem W-LAN und Beleuchtung. Es bleibt ihnen überlassen, ob sie dort Fulltime arbeiten oder ob sie nur Meetings, etwa mit Corporates, dort machen. Daher kommt auch diese Fluktuation, dass manchmal mehr Startups im Haus sind, weil sie vielleicht viele Termine haben oder weil an dem Tag Corporate-Touchpoints sind.

Es wird immer wieder gesagt, weXelerate entwickelt sich zum Zentrum des Wiener Startup-Ecosystems. Heißt das im Umkehrschluss, dass man zweitklassig ist, wenn man nicht dabei ist?

Nein, auf keinen Fall! Das Startup-Zentrum soll eigentlich dazu führen, dass sich an diesem Ort die Themen Gründen und Unternehmertum entfalten können. Wir wollen auch die Umgebung rund um das Gebäude als das zukünftige Startup-Grätzl positionieren. Aber eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt es auf keinen Fall. Die Startups, die im Programm sind, haben ohnehin die Vorteile, all diese Benefits kostenlos nutzen zu können. Und die Mieter hier im Haus haben, im Vergleich zu den Nebengebäuden, bessere Miet-Konditionen. Ich weiß schon, dass immer wieder vom „Luxus-Hub“ die Rede ist. Das liegt einfach daran, dass wir in ein Gebäude gegangen sind, das an sich ein Kunstwerk ist, das wir jetzt mit sehr innovativen Themen bespielen. Das ist für manche vielleicht noch neu und ein wenig anders greifbar.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Projekten, die entstehen, wie etwa die Linzer Tabakfabrik und Talent Garden, das noch immer auf Gebäude-Suche ist?

Wir sind auf jeden Fall froh, wenn diese Projekte realisiert werden. Es gibt mittlerweile viele Startups, denen wir wegen Platzmangels absagen müssen. Man muss natürlich auch differenzieren. Mit dem Accelerator haben wir eine sehr internationale Zielgruppe. Die Mieter sind dagegen natürlich eher aus dem österreichischen bzw. Wiener Bereich. Nachdem wir so vielen Startups absagen müssen, wäre es mir am liebsten, Talent Garden geht ins Nebenhaus und Startup300 macht auch noch einen Standort hier in der Gegend. Denn dann könnten wir dieses gemeinsame Verorten in Wien noch stärker forcieren. Meine einzige Sorge ist, dass wir wieder beginnen, drei, vier verschiedene Grätzln in Wien aufzubauen und die Wege wieder lang werden.

Wie ist die Durchmischung bei den Mietern? Wir haben unlängst darüber berichtet, dass es am Standort mehr als eine halbe Milliarde Euro an potenziellem Investitionskapital gibt. Gibt es darüber hinaus Startups und sonstige Player, die als Mieter im Gebäude eingezogen sind?

Natürlich. Das Venture Capital-Thema ist für uns sehr wichtig (Der Brutkasten berichtete). Aber es gibt auch Mieter aus vielen anderen Bereichen, die in dieses Ökosystem, Corporate Innovation und Corporate Acceleration passen. Wir haben etwa auch Sclable im Haus, das den Bereich Rapid Prototyping abdeckt. Mit Hackabu haben wir eine sehr gute Growth Marketing Agentur. Wir werden auch ein kleines Engineering-Büro haben, auch für Hardware-Startups. Mit Chiwa Media haben wir ein Filmstudio im Haus. Es geht also wirklich quer durch. Das Gebäude war ein Einkaufszentrum und es soll den Innovation Mall-Charakter beibehalten. Das heißt, ein One-Stop-Shop für Startups und Gründer.

Gibt es auch zwischen den Corporates im Haus hier Synergien? Spielt der Gedanke auch da eine Rolle?

Absolut. Ich war gerade heute mit dem achtköpfigen Vorstand eines unserer Partner im Haus unterwegs. Und gerade der Corporate Corner, wo sich die Großunternehmen treffen und austauschen können, hat ihnen sehr gut gefallen. Sie sagen: „Endlich haben wir eine Plattform, wo wir uns mit euren anderen zwölf Partnern austauschen können und von Innovation Manager zu Innovation Manager über die wirklich spannenden Themen sprechen können.“

Ich habe von Startups immer wieder den Vorwurf gehört, das Gebäude sei zu „schicki-micki“ für Startups. Wie siehst du das?

Das Gebäude besteht aus viel Glas und glatten Oberflächen, was schon an sich einen Luxuscharakter hat. Ich habe schon vorhin gesagt, es ist ein architektonisches Juwel, das nicht von Beginn an als Startup Hub geplant war. Wir müssen es nun in einen Raum, in dem Ideen entstehen können, verwandeln. Das ist uns in den Räumen schon sehr gut gelungen und es wird uns im Finetuning der einzelnen Bereiche noch besser gelingen, eine Mischung aus hochklassigem Design und der Crazyness der Startup-Branche zu erzeugen.

Redaktionstipps

Spielt das Thema Events eine wichtige Rolle?

Das ist eine wichtige Säule für uns. Wir haben uns bewusst entschieden, sehr hochwertige Meeting- und Eventinfrastrukturen aufzubauen. Wir sehen das in erster Linie als Angebot an die Startups und Mieter im Haus aber es wird auch immer wieder externe Buchungen geben für Vorträge, Abendevents, etc. Hier besteht großes Interesse.

WeXelerate war in den Wochen vor der Wahl einige Male in den Medien. Dabei ging es auch um die Höhe der Förderungen. Wie sieht das tatsächlich aus? Wie wurde diese Förderung beantragt und ist dabei etwas schief gelaufen?

Aus meiner Sicht ist dabei nichts schiefgelaufen. Der genaue Förderbetrag liegt bei 277.000 Euro, wobei dieser Förderbetrag ja noch nicht voll ausbezahlt ist, sondern nur ein Drittel davon. Wer sich mit Förderungen auskennt, weiß, dass man Kosten vorweisen muss, bevor man eine Förderung überhaupt abrechnen kann. Das heißt, wir müssen sowieso erst die Kosten in Höhe von 550.000 Euro vorweisen, um die Förderung abrechnen zu können.
In den sieben Monaten, in denen wir operativ laufen, haben wir übrigens den Förderbetrag durch Steuern wieder zurück an den Staat überwiesen. Das Projekt steht und wir beschäftigen mittlerweile 18 Mitarbeiter. Das ist wohl ein Paradebeispiel einer gelungenen Förderung.

Wie genau wurde die Förderung zuerkannt?

Die Stadt Wien hat einen Fördercall in der Gesamthöhe von einer Million Euro ausgerufen. 16 Projekte haben sich beworben und vier haben eine Förderzusage erhalten, zu unterschiedlichen Größenordungen. Wir haben die zweitgrößte erhalten. Und zur Abrechnung jedes einzelnen Födereuros müssen wir nun Kosten vorweisen.

Letzte Woche ist auch für Insider ziemlich überraschend Hassen Kirmaci als Geschäftsführer zurückgetreten. Bestärkt das diverse Verschwörungstheorien? Was waren die wirklichen Gründe für den Rücktritt?

Es war ein gemeinsamer Gesellschafterbeschluss (Der Brutkasten berichtete). Die Gerüchte dazu mag ich nicht kommentieren.

War es ein klassischer Founder-Clash?

Nein, es war eine gemeinsame Entscheidung, zu sagen, dass Stephan Jung, der bisher für das Programm-Management zuständig war und Dominik Greiner, der das Facility-Management die letzten Monate betreut hat, die Geschäftsführung übernehmen.

Ist Hassen Kirmaci noch beteiligt am weXelerate?

Nein, er hat seine Anteile abgetreten und ist aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Wer hat seine Anteile übernommen?

Avi Lifshitz, der schon zuvor Geschäftsführer war. Er übernimmt 49 Prozent. Der Rest wird treuhändisch für die Beteiligung von Mitarbeitern gehalten. Davon halten mittlerweile Thomas Reiter und Stephan Jung jeweils ein Prozent.

Hält Avi Lifshitz die Anteile nur für sich oder auch für andere treuhändig?

Awi Lifshitz hält 49 Prozent der Gesellschaftsanteile. Zur konkreten Frage wurde Stillschweigen vereinbart.

Was ist sein Background? Wie konnte er sich den Kaufpreis leisten?

Avi Lifshitz ist Salesprofi in der IT-Branche. Angaben zum Kaufpreis und den finanziellen Möglichkeiten unserer Gesellschafter stehen mir nicht zu.

Wird er operativ tätig sein bzw. was wird seine Rolle als Hauptgesellschafter bei weXelerate sein?

Avi Lifshitz steht der Geschäftsführung von weXelerate – wie schon bisher – beratend und unterstützend zur Seite.

Hassen Kirmaci hat nahezu 59 Prozent der Anteile an einem Millionen-Projekt gehabt und diese ad hoc abgetreten. Das ist äußerst unüblich. War Hassen lediglich ein Strohmann?

Hassen Kirmaci hatte die Gründungsidee zu weXelerate und er hat die letzen 18 Monate unermüdlich und rund um die Uhr an diesem Projekt gearbeitet, alle handelnden Personen an den Tisch geholt und eine beispiellose Aufbauarbeit geleistet. Nun ist es zu akzeptieren, dass persönliche Gründe vorliegen, wieso er diese Arbeit nicht weiter fortführt.

Ist es für dich dennoch nachvollziehbar, dass dieser Vorgang viel Raum für diverse Mutmaßungen öffnet?

Es wurde viele Jahre in Österreich und Wien ein Leuchtturm-Projekt gefordert. Jetzt wurde dieses realisiert. Das erste Feedback des Vollbetriebs ist überwältigend. Wer es gesehen hat, wer die ersten zwei Wochen hier rein und rausgegangen ist, dem muss klar sein, dass hier ein Coup gelungen ist, der uns alle sehr stolz macht. Man hätte das vor wenigen Jahren in Wien nicht für möglich gehalten, angesichts der Größe und der Kürze der Umsetzungszeit. Das war das Herzensprojet von Hassen, er war der Motor dahinter und vorne an der Front. Ich kann nur nochmals wiederholen, dass nunmehr persönliche Gründe vorliegen, wieso er diese Arbeit nicht weiter fortführt. Es war ein gemeinsamer Gesellschafterbeschluss, der zu dieser finalen Entscheidung geführt hat und ich bitte das zu respektiren. Ebenso, dass wir dazu keine weiteren Angaben machen werden.

Ich muss trotzdem nochmals nachhacken: Macht ihr damit nicht umso mehr Raum für Mutmaßungen, Verschwörungstheorien und Angriffe?

Es ist nicht okay, auf diesem Thema weiter herumzureiten. Wir möchten uns wirklich nur darauf fokussieren, dieses Leuchtturm-Projekt weiter auszubauen. weXelerate ist vieles gelungen, an manchem arbeiten wir noch. Jedenfalls geht es jetzt darum, wieder mit vollem Fokus an die Tagesarbeit zu gehen, sich darauf zu konzentrieren, wofür dieses Projekt steht, nämlich den Standort Österreich aufzuwerten, international Österreich ein Gesicht zu geben, die Wertschöpfung in Österreich zu steigern und vor allem Innovationen zwischen Corporates und Startups auf ein neues Niveau zu bringen. Es gibt jeden Tag zahlreiche Meetings, die es unter Beweis stellen, dass das Konzept von weXelerate funktioniert. Nun möge man uns an den Ergebnissen und an den Taten messen und keine Spekulationen anstellen.

Es hat jetzt die Scouting-Phase für den zweiten Batch begonnen. Es wird angestrebt, 20.000 Startups zu erreichen. Was ist da die Erwartungshaltung und was wird sich gegenüber dem ersten Batch ändern?

Beim ersten Batch haben wir knapp 6.000 Startups angeschrieben. Wir planen jetzt gerade 20.000, also mehr als eine Verdreifachung. Wir erwarten, dass mit der Anzahl an Startups, die wir screenen, die Qualität und die Internationalität der Startups weiter steigen wird.
Wir haben auf den erste Batch sehr gute Reaktionen der Corporates bekommen, was uns zuversichtlich macht, auch den zweiten Batch sehr erfolgreich zu füllen. Der erste Batch war sicher der schwierigste, weil wir als komplett neuer Name vor allem international angetreten sind.

Im ersten Batch kam die Hälfte der Startups aus Österreich. Soll der zweite Batch internationaler werden?

Ich glaube wir waren beim ersten Batch schon verhältnismäßig gut aufgestellt. Es waren weniger als die Hälfte der Startups aus Österreich dabei. Es ist auf jeden Fall unser Ziel, noch internationaler zu werden.

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
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„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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