Viewpointsystem: Datenbrillen-Serienproduktion in der Wiener Seestadt
Das Wiener Startup Viewpointsystem startete kürzlich die Serienproduktion seiner Datenbrillen in der Seestadt Aspern. Mit rund 100 B2B-Kunden ist das Unternehmen Marktführer in Teilbereichen des Eye Tracking.
In den heimischen Medien schlägt das Wiener Startup Viewpointsystem nicht besonders oft auf. Dabei hat es das Unternehmen in sich. 2016 brachte es das weltweit erste kommerzielle Eye Tracking-System auf den Markt. Vier Jahre später ist es mit seinen Datenbrillen, die wissen, was ihr Träger gerade ansieht, seine Emotionen erkennen und darüber hinaus zahlreiche Mixed Reality-Funktionen bieten, in einigen Teilbereichen Marktführer.
(c) Viewpointsystem: So sieht die Datenbrille mit ihrer „Smart Unit“ aus
Rund 100 B2B-Kunden aus Branchen wie Industrie, Verkehr, Sport und Gesundheit, aber auch Security und Militär zählt das Unternehmen mit seinem „Eye Hyper Tracking“-System. Nutzen können es etwa auch Fahrschulen und Mystery Shopper. Personen in riskanten Berufen sagen die rund 50 Gramm schweren, optisch nicht allzu auffälligen Datenbrillen, wenn sie zu müde oder unachtsam sind. 2018 holte sich das Startup eine EU-Förderung über 2,3 Millionen Euro im Horizon2020-Programm. Sowohl mit dem ersten Datenbrillen-Modell als auch mit dem aktuellen gelang bei der CES Las Vegas mit dem Innovation Honoree Award in der Kategorie „Wearable Technologies“ jeweils ein internationaler Achtungserfolg.
Viewpointsystem: Neuer Produktionsleiter am relativ neuen Standort
Vor Kurzem war Viewpointsystem nun soweit, seine reguläre Serienproduktion anzustarten. Das passiert an einem bereits im Herbst 2019 eingerichteten Standort für Produktion und Engineering im Technologiezentrum in der Seestadt Aspern in Wien. „Alle Produktionsschritte werden hier unter einem Dach realisiert – von der Forschung & Entwicklung über das Hard- und Software-Engineering, Design, Rapid Prototyping bis hin zum finalen Assembling der Smartglasses“, heißt es vom Startup. Zurzeit sind rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 26 Nationen für das Unternehmen tätig.
Nun übernahm Lukas Porak, der seit 2017 für Viewpointsystem arbeitet, die Produktionsleitung. „Mit Lukas an der Spitze werden wir unsere Produktion auf die steigende Nachfrage von Unternehmen nach Remote Support-Lösungen ausrichten. Neue Wege für die Zusammenarbeit auf Distanz sind gefragt“, erklärt Nils Berger, CEO von Viewpointsystem. Porak ist Experte für „Additive Fertigung“. Nach einer intensiven Phase von der Prototypenfertigung bis zur Serienreife werde man nun die nächsten Schritte gehen und die Herstellung nach oben skalieren, so der neue Produktionsleiter.
MPC²: Warum Stahlkonzerne und Chemie-Riesen auf ein steirisches Startup setzen
Das Leobener Startup MPC² will mit seiner portablen Korrosionsprüfung den Weltmarkt erobern und wird dabei auch von der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt. Wir sprachen mit Gründer Manuel Prohaska.
MPC²: Warum Stahlkonzerne und Chemie-Riesen auf ein steirisches Startup setzen
Das Leobener Startup MPC² will mit seiner portablen Korrosionsprüfung den Weltmarkt erobern und wird dabei auch von der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt. Wir sprachen mit Gründer Manuel Prohaska.
Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²
Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.
Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².
Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen
Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.
Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.
„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“
Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.
(c) LA-Cinematics / MPC²
Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.
Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt
Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.
Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.
aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“
Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“
Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.
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