20.01.2022

PlanRadar erhält über 60 Millionen Euro Investment – drittgrößte Series-B-Runde der heimischen Startup-Geschichte

Das Wiener PropTech PlanRadar hat den Abschluss einer Series-B-Finanzierungsrunde in der Höhe von mehr als 60 Millionen Euro (69 Millionen US-Dollar) bekannt gegeben. Mit dem frischen Kapital sollen unter anderem zwei regionale Headquarter in Dubai und den USA errichtet werden.
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PlanRadar
v.l.n.r. Sander van de Rijdt, Co-CEO & Co-Founder; Ibrahim Imam; Co-CEO & Co-Founder; Domagoj Dolinsek, Founder; Clemens Hammerl, Chief Product Officer & Co-Founder; Constantin Köck, CTO & Co-Founder (c) Planradar

Die letzte größere Finanzierungsrunde für das Wiener PropTech PlanRadar ging im Frühjahr 2020 kurz vor dem Inkrafttreten des ersten Lockdowns über die Bühne. Damals holte sich das Scaleup unter dem Lead des US-VC Insight Partners im Zuge einer Series-A-Runde rund 30 Millionen Euro, um international neue Märkte für seine cloudbasierte SaaS-Lösung für Bau- und Immobilienprojekten zu erschließen. Nicht ganz zwei Jahre danach folgt nun die Series-B-Runde in der Höhe von mehr als 60 Millionen Euro (69 Millionen US-Dollar).

In der heimischen Startup-Geschichte handelte es sich somit um die drittgrößte Series-B-Finanzierungsrunde eines österreichischen Scaleups. Zudem zählt die Wachstumsfinanzierung von PlanRadar als bisher größte Kapitalrunde eines Business-to- Business (B2B) PropTech-Unternehmens in der DACH-Region und stellt zugleich die höchste jemals erhaltene Series-B-Finanzierung eines B2B-Unternehmens in Österreich dar. Der Unicorn-Status – die Bewertung des Unternehmens von über einer Milliarde US-Dollar – wurde allerdings mit der jüngsten Finanzierungsrunde noch nicht erreicht.

Die Investoren-Konstellation

Ähnlich wie in der Series-A-Runde beteiligt sich in der jüngsten Finanzierungsrunde eine internationale Konstellation an Investoren. Den Lead übernehmen die in New York ansässige Venture Capital Gesellschaft Insight Partners, die bereits in der Series-A-Runde eingestiegen ist, und der französische Risikokapitalgeber Quadrille Capital.

Zudem wurde die Runde von dem Bestandsinvestor Cavalry Ventures in erheblichem Umfang mitgetragen. Auch die anderen Bestandsinvestoren Headline, Berliner Volksbank Ventures, aws Gründerfonds beteiligen sich erneut und vervollständigen die internationale  Finanzierungsrunde gemeinsam mit den zusätzlichen Kapitalgebern Proptech1 aus Berlin, die österreichische Russmedia sowie GR Capital mit Sitz in London.

„Alle Bestandsinvestoren sind mitgezogen und zusätzlich haben wir auch noch ein Konsortium an kleineren Investoren, wo jeder einen bestimmten Hebel für eine bestimmte Region mitbringt. Diese haben wir nicht primär wegen dem Cash hinzugenommen, sondern wegen ihrem strategischen Netzwerk“, so Sander van de Rijdt, Mitgründer und Co-CEO von PlanRadar, im Brutkasten-Talk.

PlanRadar möchte 200 neue Arbeitsplätze schaffen

PlanRadar wird die neuen Finanzmittel für die internationale Expansion einsetzen und in den  USA, Australien, in der Region GCC (Golf-Kooperationsrat), Südostasien sowie in Lateinamerika zusätzliche Niederlassungen eröffnen. Insgesamt sollen im Zuge der Expansion allein in den kommenden zwölf Monaten mehr als 200 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wodurch sich die weltweite Mitarbeiterzahl nahezu verdoppeln wird.

„Im Rahmen des Go-Global werden wir zwei regionale Headquarter ins Leben rufen. Das eine wird in Dubai sein, wo wir den asiatischen und australischen Markt bearbeiten werden. Auf der andere Seite werden wir in den USA ein regionales Headquarter errichten“, so Ibrahim Imam, Mitgründer und Co-CEO von PlanRadar. Zudem wird es zusätzliche Niederlassungen geben, die den jeweiligen Headquarters reporten, wie beispielsweise Singapur und Sydney oder Sao Paulo und Mexico City. Als Zeithorizont für die Fertigstellung der neuen Standorte nennt Ibrahim Imam das erste Halbjahr 2022.

Seit dem Start der Expansionsstrategie im Jahr 2020 wurden bereits zehn neue Standorte in Europa und Russland aufgebaut. Mehr als 200 Mitarbeiter betreuen Kunden in über 20 Sprachen u.a. an den Standorten in Wien, London, Amsterdam, Moskau, Paris, Madrid, Mailand, Zagreb, Warschau und Bukarest.

Investitionen in die Produktentwicklung

Zudem sollen die Investitionen in Forschung und Entwicklung maßgeblich gesteigert werden, um die technologische Weiterentwicklung der Produkte und Services weiter voranzutreiben. „Wir haben immer unsere Produktfokus Gruppen, wo auch unsere Kunden mitsprechen. Aus diesen Gruppen entstehen sehr viele neue Ideen und Use-Cases“, so Sander van de Rijdt.

Mittlerweile kommt die SaaS-Lösung nicht nur auf Baustellen zum Einsatz, sondern auch im Bereich des Facility-Management. So nutzt beispielsweise auch die Rewe Gruppe die Lösung des Wiener Scaleups, um Prozesse im Retail-Bereich zu optimieren.

„Aufgrund der unterschiedlichen Bauvorschriften waren wir schon sehr früh gezwungen, das Produkt möglichst flexibel zu gestalten. Nutzer können im Self-Service ohne eine zusätzliche Programmierzeile ihre individuellen Konfigurationen vornehmen“, so Ibrahim Imam. Die Anwendungsfelder für die Plattform sind laut den Gründern äußerst vielfältig und werden teilweise von den Kunden selbst erweitert – angefangen vom Schiffsbau bis hin zum Fuhrpark-Management.

In der Produktentwicklung soll künftig die Konnektivität der Plattform über einen No-Code-Ansatz noch weiter ausgebaut werden, um verschiedenste Systeme anbinden zu können. „Gerade im Enterprise-Bereich ist dies sehr wichtig, da wir in der Anwendung immer breiter werden“, so Sander van de Rijdt. Der zweite Fokus liegt zudem auf der Informationserfassung vor Ort – als Beispiele nennt der Gründer unter anderem den Einsatz von Drohnen oder Robotik.

Das Umsatzwachstum von PlanRadar

Seit der letzten Series-A Finanzierung hat PlanRadar ein Umsatzwachstum von über 250 Prozent verzeichnet. „Unser Ziel ist es, das Wachstum mindestens zu verdoppeln. Das erreichen wir über die Expansion in neue Märkte, aber auch dem Nachlegen auf bestehenden Märkten“, so Ibrahim Imam. Als größte Herausforderung für das Wachstum nennen die Gründer den weltweiten War for Talents. Hier wolle man insbesondere durch eine moderne Arbeitskultur eines Startups und der Stabilität der Branche punkten.

Zudem konnte der Kundenstamm auf über 14.500 Kunden mehr als verdoppelt werden. Aktuell nutzen rund 100.000 Anwender in über 60 Ländern die Applikation, die für alle Geräte basierend auf iOS, Android und Windows verfügbar ist. Wachstumspotential sieht Sander van de Rijdt jedenfalls genug: „Wenn wir nur nach Westeuropa schauen, dann haben wir alleine dort ein Potential von 2,5 Millionen Unternehmen, die potentielle Kunden sein könnten.“

Als einen großer Treiber für das Wachstum sehen die beiden Gründer unter anderem ESG-Themen, die künftig von großer Bedeutung sein werden. Hier könne die SaaS-Lösung aktiv dazu beitragen, Misskommunikation in der Planung zu minimieren und so Ressourcen zu sparen.


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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
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„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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