16.09.2021

Lasst uns die Pandemie im Dosko-Stil beenden!

Kommentar. Die vierte Corona-Welle ist angekommen. Die nächsten Maßnahmen stehen bevor. Es ist Zeit für eine besondere Form des Pragmatismus in der Impf-Misere.
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Wir brauchen Maßnahmen wie die Impflotterie von Hans Peter Doskozil
brutkasten-Redakteur Dominik Perlaki | Hintergrund: Hans Peter Doskozil (c) CRM Medientrend GmbH/Tanja Hofer via Wikimedia Commons
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Die Behauptung „man muss nicht in allen Punkten mit Hans Peter Doskozil übereinstimmen“ bringt wohl viele Menschen zum Lachen, fällt selbiges doch auch seiner eigenen Parteichefin Pamela Rendi-Wagner immer wieder schwer. Doch es sei an dieser Stelle tatsächlich geschrieben: Man muss nicht in allen Punkten mit Hans Peter Doskozil übereinstimmen, aber mit der Impflotterie hat er Recht.

Warum?

Zunächst zur (den meisten bekannten) Ausgangslage: Dänemark hat die Pandemie vor einigen Tagen für beendet erklärt. Basis dafür ist eine Impfquote von mehr als 70 Prozent (bzw. mehr als 80 Prozent der Bevölkerung über zwölf Jahren). Laut Berechnungen sollte das Infektionsgeschehen dadurch soweit eingeschränkt sein, dass weitere Corona-Wellen überschaubar werden und das Gesundheitssystem nicht mehr überlasten können. In Österreich liegt die Durchimpfungsrate aktuell bei etwa 60 Prozent. Eine Million Geimpfte mehr und wir wären ungefähr am Level Dänemarks und könnten die leidigen Maßnahmen ebenfalls beenden. Doch stattdessen ist hierzulande die vierte Welle in vollem Gange und die Maßnahmen werden wieder verschärft. Der Impffortschritt ist nämlich zuletzt massiv ins Stocken geraten. Klar: Wer Wert darauf legt, geimpft zu werden, konnte das längst tun.

Wer sind die Nicht-Geimpften?

Doch wer sind jene, die sich bislang nicht impfen lassen haben? Das wurde durch das Austrian Corona Panel Project an der Uni Wien zuletzt ziemlich detailliert erfasst (die Haupt-Befragung dazu fand bereits Ende Juni / Anfang Juli statt, die Publikation folgte erst vor wenigen Tagen). Einige Schlüsselergebnisse (jeweils repräsentativ für die über 14-Jährigen zum Zeitpunkt der Befragung): Die Gruppe jener, die sich definitiv nicht impfen lassen wollen ist mit 15 Prozent etwa gleich groß wie jene der „Zögerlichen“ mit 14 Prozent. Dazu kommen die „Impfbereiten“ mit sechs Prozent (Tendenz logischerweise sinkend) und natürlich die Geimpften mit 65 Prozent. Der Bildungsgrad ist bei der Verteilung erstaunlich wenig relevant, das Einkommens-Level hingegen eindeutig.

Besonders hervorstechend sind aber die Unterschiede nach Parteipräferenz. Während sich unter den NEOS-Wählern mit Abstand die wenigsten Impfskeptiker finden, sind die Verteilungen bei ÖVP, SPÖ und Grünen sehr ähnlich (und mit je mehr als 70 Prozent Geimpften auch tendenziell klar pro Impfung). Auffällig ist dagegen die FPÖ mit nur 52 Prozent Geimpften und vor allem 29 Prozent Nicht-Impfbereiten. Besonders spannend ist die Gruppe der Nichtwähler:innen mit nur 50 Prozent Geimpften, 23 Prozent Nicht-Impfbereiten und 18 Prozent Zögerlichen.

Wofür Impflotterie und Impf-Hunderter? Z.B. für nicht interessierte, nicht geimpfte Nichtwähler!

Und was hat das mit Hans Peter Doskozils Impflotterie zu tun? Die 18 Prozent zögerlichen Nichtwähler:innen sind mehr als 230.000 Personen. Es ist eine Gruppe, von denen viele wohl aus reinem Desinteresse am Tagesgeschehen völlig uninformiert in Sachen Impfung sind. Sie interessieren sich auch nicht für Verschwörungstheorien, weil ihnen die ebenfalls zu politisch sind. Was sie aber durchaus interessieren dürfte, ist die Aussicht auf den Gewinn eines Neuwagens. Natürlich wären auch Maßnahmen wie der „Impf-Hunderter“, also 100 Euro bar auf die Hand für die Impfung, in diesem Sinne anzudenken. Auch für viele der „Zögerlichen“ unter den Wähler:innen könnte so ein Zuckerl schwerer wiegen, als die oft vagen Bedenken auf Basis dessen, was Bekannte nach einer Youtube-Session erzählt haben. Und schließlich dürfte auch der eine oder andere Nicht-Impfbereite mit dem richtigen monetären Anreiz umzustimmen sein. Bundespräsident Alexander van der Bellen würde dazu vielleicht sagen: „So sind wir nicht!“. Sind wir aber.

Ist das irgendwie blöd? Oder zumindest unfair gegenüber Menschen, die sich ohnehin impfen lassen haben (an der Dosko-Impflotterie können die übrigens auch teilnehmen)? Mag alles sein. Aber es funktioniert mit großer Wahrscheinlichkeit. In diesem Fall kann Pragmatismus die Gestalt von (unter normalen Umständen) haarsträubendem Aktionismus annehmen. Denn wenn es klappt sparen wir als Gesellschaft uns mit einem verhältnismäßig lächerlichen Kapital-Einsatz einen weiteren Durchgang massive Folgekosten für Corona-Maßnahmen. Und vielleicht noch wichtiger: Jenen Impfgegnern, die derzeit das Ende der Demokratie und noch Schlimmeres in den Raum stellen und damit die Gesellschaft spalten, wird mit dem Ende der Maßnahmen endlich der Wind aus den Segeln genommen.

Lasst uns die Pandemie im Dosko-Stil beenden! Alles andere funktioniert scheinbar nicht.

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„Die große Stärke des Programms ist Neugier. Es geht darum, das Beste aus der ganzen Welt zusammenzutragen und dann zu nutzen“, sagt Aditi Subbarao, Enterprise Account Director beim US-AI-Data-Cloud-Anbieter Snowflake, im Gespräch mit brutkasten. Sie spricht über das Global FinTech-Scouts Program der Raiffeisen Bank International (RBI), für das sie seit dem Start vergangenes Jahr als Expertin fungiert. Ziel ist es, die wichtigsten Erkenntnisse im FinTech-Bereich von globalen Top-Expert:innen zusammenzutragen und für die gesamte RBI-Gruppe – und damit im ganzen CEE-Raum – nutzbar zu machen.

Im Mai holte die RBI ihre „Scouts“ wieder nach Wien. Brutkasten war vor Ort und bat fünf der Expert:innen, darunter auch Subbarao um ihre Einschätzung zu den aktuell wichtigsten FinTech-Trends.

1. KI-Agenten und die notwendige Datenstrategie

KI-Agenten seien aktuell wenig überraschend das dominierende Thema in den Führungsetagen der Finanzwelt, erklärt Aditi Subbarao. Dabei gehe es um die effiziente und sichere Umsetzung. Und diese sei an strenge technologische Voraussetzungen geknüpft: „Ohne eine solide Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie. Unternehmen werden von KI-Agenten nicht profitieren, solange ihre zugrunde liegenden Daten nicht robust und KI-fähig sind“.

Zusätzlich zur Datenqualität sei die Sicherheit der Systeme entscheidend. Subbarao warnt vor unregulierten Modellen: „Selbst bei einer optimalen Datenbasis können ohne sichere, regulierte KI-Agenten mit angemessenen Leitplanken nicht die zuverlässigen und richtlinienkonformen Ergebnisse erzielt werden, die man für seine Kunden will“.

2. Web3 und Payments wachsen zusammen

Ein grundlegender Wandel vollzieht sich auch in der Infrastruktur digitaler Transaktionen, erklärt Vel Vasic, CEO des in Singapur ansässigen FinTech-Venture-Studios OTLRS. Er beobachtet eine zunehmende Verschmelzung etablierter Systeme: „Wir erleben derzeit, wie der traditionelle Zahlungsverkehr und Web3, die früher völlig getrennte Welten waren, konvergieren“.

Die Integration gehe dabei in beide Richtungen. „Zahlreiche Anbieter digitaler Vermögenswerte betrachten den Zahlungsverkehr mittlerweile als zentralen Bestandteil der Customer Journey“, führt Vasic aus. Er prognostiziert für die Branche eine weitreichende Veränderung: „In den kommenden zehn Jahren wird sich dies in Kombination mit künstlicher Intelligenz zu einem nahtlosen Omnichannel-Erlebnis für digitale Zahlungen entwickeln“.

3. Identitätsprüfung im Zeitalter von KI-Betrug

Die schnelle Verbreitung von künstlicher Intelligenz bringt auch neue Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit mit sich. Für Scarlett Sieber, Chief Strategy and Growth Officer beim New Yorker FinTech-Konferenzveranstalter Money20/20, rücken defensive Strategien in den Fokus. „Mein Hauptinteresse gilt der Rolle von Betrug und Identitätsprüfung im Kontext von künstlicher Intelligenz“, erklärt Sieber.

Sie sieht dabei einen direkten Zusammenhang zwischen technologischer Entwicklung und Cyber-Kriminalität: „Mit dem Aufstieg der KI verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg von Betrugsfällen. Infolgedessen spielt die eindeutige Identitätsfeststellung eine wichtigere Rolle als jemals zuvor“.

4. Hyperpersonalisierung durch „Context Pulling“

Im Bereich der Kundenbindung verändert sich die Art und Weise, wie Finanzprodukte angeboten werden, erklärt Ken Thomas, Principal beim Londoner VC BackFuture. Er identifiziert einen Wandel in der Kundenansprache: „Der übergreifende Trend, den ich derzeit beobachte, ist die Hyperpersonalisierung und deren Wechselwirkung mit Banking“.

Die Strategie wandelt sich von traditionellen Marketingmethoden hin zu einer situativen Ansprache: „Wir nennen das ‚Context Pulling‘ anstelle von ‚Product Push‘. Anstatt eine statische Menge an Rewards anzubieten, geht es nun vielmehr darum, den Kunden die richtigen Rewards zur exakt richtigen Zeit zukommen zu lassen, um so die Interaktion und das Engagement zu steigern“.

5. Besserer Zugang zum US-Dollar

Nnanna Ijezie, Product Manager bei Booking.com in Amsterdam, sieht eine starke Nachfrage im Fremdwährungsbereich: „Wir beobachten weltweit einen wachsenden Zugang zum US-Dollar“.
Dieser Trend wird maßgeblich von neuen Marktteilnehmern getrieben. „Startups, FinTechs und Banken arbeiten daran, immer mehr Menschen einen einfacheren, schnelleren und kostengünstigeren Zugang zu dieser Währung zu ermöglichen“, so Ijezie.

Dabei kommen auch neue Technologien zum Einsatz: „Eine der populärsten Methoden, über die derzeit alle sprechen, sind Stablecoins, doch das zugrunde liegende Bedürfnis bleibt, der breiten Masse einen effizienteren Zugang zum US-Dollar zu verschaffen“.

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