19.06.2020

EndeavourRX: Computerspiel gegen ADHS bekommt medizinische Zulassung

Das Unternehmen Akili erhielt von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) die Marktzulassung für das spielbasierte digitale Therapiegerät EndeavourRx zur Verbesserung der Aufmerksamkeitsfunktion bei Kindern mit ADHS. Damit kann es legal als Medizin vermarktet und verschrieben werden.
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EndeavourRX, ADHS, Akili Interactive, FDA
(c) Akili Interactive - Neues Computerspiel soll Kindern mit ADHS helfen.

Videospiele als Medizin ist eine Idee, die es vor EndeavourRX gab und bereits länger in den Köpfen so mancher Entwickler und Pharmazeuten herumspukt. Bayer etwa hat 2010 ein von der FDA zugelassenes Glukose-Messgerät mit dem Namen Didget eingeführt, das an der Spielekonsole Nintendo DS angeschlossen werden konnte. Für das Messen des Glukosewerts bekamen Kinder Bonuspunkte, die sie in einem anderen Spiel namens „Knock Em Downs“ verwenden konnten.

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Nintendo musste Medizin-Versuch aufgeben

Der japanische Spielehersteller hat 2013 ebenfalls versucht einen Wii-Vitalitätssensor zu entwickeln, musste das Projekt jedoch im selben Jahr einstellen. Wo das asiatische Unternehmen gescheitert ist, hat sich nun Akili Interactive profiliert. EndeavourRX ist seit Bayers Messgerät das erste Videospiel, das in den USA legal als Medizin vermarktet und für Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) verschrieben werden kann.

Sieben Jahre lang Studien mit 600 Kindern

Die Entscheidung der „US-Food and Drug Administration“ ermächtigt Ärzte nun, das iPhone- und iPad-Spiel für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren mit ADHS zu verschreiben. Insgesamt wurden sieben Jahre lang klinische Studien mit über 600 Kindern durchgeführt.

EndeavourRX: Verbesserung nach einem Monat lang 25 Minuten pro Tag

Das Ergebnis: Ein Drittel der behandelten Kinder hatte „kein messbares Aufmerksamkeitsdefizit mehr“, nachdem sie das Spiel  – Ausweichen von Hindernissen und Sammeln von Dingen – 25 Minuten pro Tag und das über einen Monat lang fünf Mal die Woche gespielt haben.

Nebenwirkungen vergleichsweise mild

„Die Verbesserung der ADHS-Beeinträchtigungen nach einem Monat Behandlung mit EndeavourRx wurde bis zu einem Monat beibehalten“, heißt es laut Aussendung. Allerdings sind, laut der FDA, die häufigsten beobachteten unerwünschten Nebenwirkungen Frustration, Kopfschmerzen, Schwindel, emotionale Reaktion und Aggression, was aber als mild im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten eingestuft wird.

Trailer für EndeavorRX

Warteliste auf der EndeavourRX-Website

Man muss jedoch beachten, dass es sich hiebei um eine von jenen Ärzten erstellte Studie handelt, die für den Spiele-Entwickler arbeiten. Selbst diese Forscher raten davon ab, das Spiel als Ersatz für empfohlene ADHS-Behandlung zu sehen. Es stelle lediglich einen Zusatz als potentielle Behandlungs-Möglichkeit dar. Für Interessierte findet sich auf der Website des Unternehmens eine Warteliste.


⇒Akili Interactive

⇒ FDA-Aussendung

⇒ Zur Studie

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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AI Summaries

EndeavourRX: Computerspiel gegen ADHS bekommt medizinische Zulassung

  • Videospiele als Medizin ist eine Idee, die es bereits vor EndeavourRX gab und bereits länger in den Köpfen so mancher Entwickler herumspukt.
  • EndeavourRX ist seit Bayers Messgerät das erste Videospiel, das in den USA legal als Medizin vermarktet und für Kinder mit ADHS verschrieben werden kann.
  • Die Entscheidung der US-Food and Drug Administration (FDA), ermächtigt Ärzte nun das iPhone- und iPad-Spiel für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren mit ADHS zu verschreiben.
  • Insgesamt wurden sieben Jahre lang klinische Studien mit über 600 Kindern durchgeführt.
  • Forscher raten davon ab, das Spiel als Ersatz für empfohlene ADHD-Behandlung zu sehen.

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