17.02.2022

Business Angels of the Year 2021: aws zeichnet Karin Kreutzer und Martin Rohla aus

Der wichtigste Award der Angel-Investor:innen-Szene in Österreich ist vergeben.
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Martin Rohla und Karin Kreutzer sind
Martin Rohla und Karin Kreutzer sind "Business Angels of the Year" 2021 © Nikolaus Futter

Mit dem „Business Angel of the Year“ haben aws und den AplusB-Gründerzentren mittlerweile eine Tradition in der österreichischen Startup-Szene etabliert. Der Award wird jedes Jahr an den engagiertesten Business Angel des Landes verliehen. 2020 ging der Titel an Niki Futter, der das Szepter nun pandemiebedingt offiziell erst 2022 weiterreicht. Die Verleihung musste aufgrund der Coronasituation von 2021 in das Frühjahr 2022 verschoben werden. Dafür gibt es eine neue Kategorie, die lange überfällig war: Karin Kreutzer ist damit die erste Trägerin des Titels „Business Angel Investorin of the Year“. Den „Business Angel of the Year“ holte sich für das Jahr 2021 Martin Rohla.

Kreutzer: Startup-Investorin und Buchautorin

Karin Kreutzer ist CEO und Teilhaberin der Aubmes Invest, mit der sie sich an Startups wie Blockpit, InnoMake, Bitpanda und kompany beteiligt hatte und auch über Fonds von Speedinvest in Startups investiert. Sie ist seit 2015 aktiv in der Startup-Szene, im Advisory Board von Calm/Storm Ventures und im Vorstand der Austrian Angel Investors Association aaia, sowie am Entstehen des Legal Tech Hub Vienna/Europe beteiligt gewesen. Kreuzer ist außerdem Co-Autorin des Buches „Startup Investing“.

Rohla: Biolandwirt und Investor

Aus dem Fernsehen bekannt ist Martin Rohla, der in der TV-Show 2 Minuten 2 Millionen gerne in „analoge Projekte“ investiert, wie er immer wieder betont. Rohla ist Gründer der Goodshares Beteiligungs GmbH, mit der er unter anderem in KastlGreissler, Habibi & Hawara, fair finance oder Swing Kitchen investiert hat. Rohla ist aber auch außerhalb der Startup-Szene bekannt, etwa als Gründer der Stadtflucht Landmühle, als Biolandwirt und Jäger.

„Ich habe vor zirka 20 Jahren damit begonnen, gemeinsam mit einem Freund Apotheken zu kaufen. Dabei haben wir einen klaren Fokus auf Dienstleistung gelegt und waren damit recht erfolgreich. Eines der Projekte war die Saint-Charles-Apotheke in der Gumpendorfer Straße, aus der schlussendlich die ganze Saint Charles Apothecary & Apothekenwelt mit Fokussierung auf LOHAS, Lifestyle of Health and Sustainability, hervorgegangen ist. Das war im Jahr 2005 und auch der Startpunkt, ab dem wir nur mehr in nachhaltige Projekte investierten“, erzählte er in einem brutkasten-Interview 2020.

Erstmals nominierten Startups

Der Business Angel Award wird bereits seit 13 Jahren verliehen. Heuer konnten erstmals Startups Business Angels nominieren, wodurch 54 Nominierungen zustandekamen. Die Jury bestand schließlich aus Niki Futter und jeweils einem Vertreter von aws und AplusB. Die aws ist selbst Risikokapitalgeber (Gründerfonds), Förderbank des Landes und vernetzt über die i2Business Angels Angel-Investor:innen mit Jungunternehmen. Der jüngste Business Angel Report (2020) hat ergeben, dass 70 Prozent der heimischen Business Angels frühphasig investieren und damit eine wichtige Stütze sind, um junge Projekte durch die ersten finanziellen Risiken und auch inhaltlichen Herausforderungen zu tragen. Der typische österreichische Business Angel ist laut dieser Erhebung zwischen 45 – 54 Jahre alt, männlich, hält 1 – 5 Investments in seinem Portfolio und investiert €50.000 – €100.000 in Startups. Im europäischen Vergleich liegt die Investitionssumme von Business Angels im Schnitt bei € 25.500 (EBAN 2019).

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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