25.09.2025
ÖKOSYSTEM

Zehetner zum Dachfonds: „Die Kritiker sollen sich positiv überraschen lassen“

"Das ist die einmalige Chance für unser Startup-Ökosystem." Ambitioniert präsentierte Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner die wissenschaftliche Studie zum geplanten Dachfonds. Brutkasten fragte nach, ob das Volumen groß genug ist und wann sich das Ganze materialisieren lässt.
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Philipp Kinsky (Partner bei Herbst Kinsky), Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Startups) und Monika Köppl-Turyna (Direktorin EcoAustria) | Foto: BMWET

Heute war es so weit: Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner präsentierte an der Seite von EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna und Rechtsanwalt Philipp Kinsky die wissenschaftliche Grundlage des geplanten Dachfonds – brutkasten berichtete bereits. Der nachhaltige Nutzen des Dachfonds wurde in einer Studie vom EcoAutria Institut für Wirtschaftsforschung auf die Probe gestellt. Staatssekretärin Zehetner sieht darin „eine einmalige Chance für unser Startup-Ökosystem“.

Dachfonds soll Privatkapital mobilisieren

Die Grundstruktur des Fonds: Der Staat soll als Ankerinvestor auftreten und gemeinsam mit privaten Limited Partnern wie Pensionskassen und Versicherungen eine unabhängige Struktur bilden, die in VC- und Private-Equity-Fonds investiert. Damit investiert der Staat nicht direkt in Unternehmen, sondern bündelt das Kapital mehrerer Anleger und legt es in einer Vielzahl an VC- und Private-Equity-Fonds an. Das Ziel: Privates Kapital in Österreich zu mobilisieren, das in österreichische und europäische Startups und Scaleups investiert wird.

300 oder 500 Millionen Euro Gesamtvolumen

Das Gesamtvolumen des Fonds wurde in zwei Szenarien präsentiert. Szenario eins skizziert einen staatlichen Anteil von 100 Millionen Euro und ein Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro (inklusive privater Anteile), Szenario zwei zeigt sich mit 60 Millionen Euro Staatsanteil und 300 Millionen Euro Gesamtvolumen etwas konservativer.

Trotz der relativ klar skizzierten Rahmenbedingungen – brutkasten berichtete über die Eckdaten bereits – bleiben Fragen zur Wirksamkeit und vor allem Tragfähigkeit des Fund-of-Funds-Modells offen.

Köppl-Turyna: „Es besteht ohnehin ein Home Bias“

Der Dachfonds soll ein eigenes Management beauftragen, um Investitionsentscheidungen zu treffen und damit staatliche Unabhängigkeit zu garantieren. Investiert werden darf über die beteiligten VC- und Private-Equity-Fonds europaweit, nicht nur in österreichische Startups und Scaleups.

Man habe sich bewusst nicht für eine reine „Österreich-Richtlinie“ entschieden, meint Köppl-Turyna. Den es bestünde ohnehin ein „Home Bias“:

„Etwa 60 Prozent des Kapitals werden in heimische Unternehmen investiert. 40 Prozent gehen an europäische Unternehmen. Das ist ein Home Bias, der auch in vergleichbaren Volkswirtschaften nachzuweisen ist.“ Auch Investitionen in europäische Startups würden die Wertschöpfung in Österreich ankurbeln und zwischenstaatliche Beziehungen stärken.

Reichen 500 Millionen Euro aus?

Nun stellt sich die Frage, ob das angesetzte Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro auch wirklich ausreicht, um die gewünschten Effekte – sprich ein Anheben der Later-Stage-Finanzierungen sowie der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes – zu erreichen?

Einige kritische Stimmen aus der Szene fordern das doppelte Volumen – eine Milliarde Euro – als Basis des Dachfonds, befinden sich doch Anschlussfinanzierungen üblicherweise im höheren zweistelligen Millionenbereich. Von Unicorn-Finanzierungen mit Größenordnungen über 200 Millionen Euro ganz zu schweigen.

Staatssekretärin Zehetner meint dazu: „Es wird selbst bei diesem Volumen von 500 Millionen Euro schwierig, das gut zu investieren. Es geht nicht darum, dass wir eine Milliarde haben. Eine Milliarde ist vom Ankerinvestment her relativ unrealistisch.“

„Es geht in erster Linie um das Kommitment“

Ohnehin würde nicht das gesamte Volumen auf einmal investiert: „Es wird nicht gleich alles zu Beginn fällig. Sondern es geht in erster Linie um das Kommitment, zu sagen, XY Millionen Euro werden über eine bestimmte Laufzeit investiert. Wichtig ist, dass wir uns in der Bundesregierung einigen, mit welcher Höhe des Ankerinvestments wir hineingehen. Das wird bis zu einem gewissen Grad auch für die Gesamtgröße des Fonds zielbestimmend sein. Grundsätzlich ist es nicht üblich, dass ein Ankerinvestment größer als 20 Prozent des Gesamtinvestments ist. Die Kritiker sollen sich positiv überraschen lassen.“

EcoAustria-Direktorin Köppl-Turyna zieht einen Größenvergleich zum deutschen „Wachstumsfonds“ (KfW Capital). Dieser verfügt aktuell über ein Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro – Deutschland sei allerdings in jeglichen Faktoren „viel größer“ als Österreich. EcoAustria habe sich mit den beiden genannten Szenarien intensiv auseinandergesetzt und sehe „bestes Potentzial, den gewünschten volkswirtschaftlichen Nutzen mit den berechneten Szenarien zu erreichen“.

Dieser wäre: Eine in Österreich langfristig gesteigerte Wertschöpfung von einer Milliarde Euro. Außerdem soll die Beschäftigung um 0,05 Prozent bzw. 1.500 Personen steigen, ebenso positiv prophezeit man die Entwicklung der Reallöhne, des Konsums und privater Investitionen.

60 Prozent Growth-Stage, 40 Prozent Early-Stage

Auch die öffentliche Hand würde über Mehreinnahmen aus Steuern und Sozialbeiträgen profitieren. Und – nicht zuletzt – erhofft man sich positive Effekte auf die heimische Gründungs- und Unternehmensdynamik. Darüberhinaus sei vorgesehen, dass 60 Prozent der Mindestanteile in Growth-Stage-Investitionen und 40 Prozent in Early-Stage-Investitionen realisiert werden.

Wann wird der Dachfonds wirklich umgesetzt?

Bis wann der Fonds wirklich umgesetzt wird, konnte zum heutigen Zeitpunkt nicht fix gesagt werden. „Ich möchte, dass das natürlich so schnell wie möglich passiert, dass wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns EcoAustria liefert, in das Aufsetzen des Dachfonds einfließen lassen“, so Zehetner. Man habe vor, „bis zum Jahresende“ alles in trockene Tücher zu bringen.

„Erste Investments erst 2026 – und das ist ambitioniert“

Bis Ende 2025 sollen auch Entscheidungen über die Ausschreibung zum Fonds-Management sowie zur finalen Investitionshöhe vorliegen. Die volle Wirkung „wird er natürlich erst nach einem gewissen Zeitraum entfalten“, erklärt Zehetner. „Wir setzen damit erstmals als Bundesregierung das Signal, dass wir das ganz ernsthaft vorhaben. Jetzt geht es darum, das g’scheid zu machen. Und zwar so, dass dieser Fonds auch wirklich seine Wirkung entfalten kann.“

„Die ersten Investitionen werden erst 2026 getätigt – und das ist ambitioniert“, meint die Staatssekretärin. „Aber das, was alleine schon an Signalen an die Startup-Welt gesendet wird – durch das klare Commitment der Bundesregierung – entfaltet jetzt schon zu einem gewissen Grad Wirkung.“

„Einmalige Chance“

In puncto Implementierung zeigt Zehetner einen klare Präferenz zur Qualität, nicht zur schnellstmöglichen Abwicklung: „Ob das jetzt ein Monat früher später der Fall ist, da ist mir die Qualität wichtiger. Das ist die einmalige Chance für unser Startup-Ökosystem in Österreich und ich hätte gerne, dass dieser Fonds zu einer wirklich erfolgreichen Dauereinrichtung wird – und damit Österreich langfristig zu einer der erfolgreichsten Startup-Nationen katapultiert. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir schon vor fünf Jahren damit begonnen hätten, aber ich freue mich. Das ist wirklich ein Meilenstein, dass die Bundesregierung sagt: Wir wollen das auf den Weg bringen.“

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Das Zyglox-Team in Graz, in der Mitte die Gründer Jakob Moder (links) und Erik Gerstl (rechts). © Zyglox

Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.

„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“

Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.

Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“

Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb

Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.

Jeden Tag werden auf der Schiene hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Zyglox will jeden davon nutzbar machen, um zu lernen, zu verbessern und vorherzusagen. Mit herkömmlichen Methoden war das Erfassen dieser Daten bisher zu teuer, zu langsam und zu aufwendig. © Zyglox

Physik aus dem Trafo, Sensoren aus dem Weltraum

Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.

Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel

Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“

Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.

Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt

Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“

Standortvorteil Graz

Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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