17.09.2025
EXPERTENPAPIER

Wutscher zu Spin-offs: „nicht nur den Input, sondern auch den Output messen“

Werner Wutscher brachte mit New Venture Scouting kürzlich ein Expertenpapier zum heimischen Transfer-Ökosystem heraus. Mit brutkasten sprach er über Probleme, mögliche Lösungen und positive Entwicklungen.
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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

„Österreich ist ein Land der Forscher und Entwickler. Wir investieren massiv in die Wissenschaft und gehören bei den öffentlichen und unternehmerischen F&E-Ausgaben zur europäischen Spitze. Doch wenn es darum geht, diese wissenschaftliche Exzellenz in marktfähige Innovationen, wirtschaftliches Wachstum und neue Arbeitsplätze umzusetzen, hinken wir hinterher.“ – beim Lesen dieser Zeilen hat so mancher wohl ein Déjà-vu.

„In Österreich palavern wir irrsinnig viel ohne konkrete Fakten“

Es handelt sich dabei um den ersten Absatz im Executive Summary des Expertenpapiers „Das Transfer-Ökosystem in Österreich“ von New Venture Scouting rund um Werner Wutscher. Dieses liefert freilich nicht nur die altbekannte Problemanalyse, sondern auch konkrete Vorschläge für Verbesserungen. „In Österreich palavern wir irrsinnig viel ohne konkrete Fakten. Die Diskussion findet ständig auf der Metaebene statt. Das war der Hintergrund für das Papier“, sagt Wutscher gegenüber brutkasten.

Einer dieser Fakten in der Problemanalyse: Bei den öffentlichen F&E-Ausgaben liegt Österreich europaweit auf Platz 2, im EU-Innovationsranking rutschte das Land dagegen zuletzt von Rang 6 auf 8 ab. Für Wutscher ist daher klar: „Wir dürfen nicht nur den Input, sondern müssen auch den Output messen.“

Keine heimische Hochschule bei Gründungszahlen unter Top 10 im DACH-Raum

Hier stechen weitere Fakten heraus: Österreichs Unis und FHs bringen jährlich nur etwa 90 Spin-offs hervor. Nicht eine einzige österreichische Hochschule ist bei den Gründungszahlen unter den Top 10 im DACH-Raum; nur drei österreichische Hochschulen sind unter den Top 25. Wiewohl das Problem der Überführung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft ein gesamteuropäisches sei – im Expertenpapier wird es als „Europäisches Paradoxon“ bezeichnet – steche Österreich also noch einmal negativ hervor.

Finanzierung: „Schlüssel, dass sich die Unis selber auf den Weg machen“

Doch das Expertenpapier bietet eben nicht nur diese – negative – Bestandsaufnahme. Schließlich wurde in Österreich von politischer Seite das Ziel festgelegt, die Zahl der erfolgreichen Spin-offs bis 2030 zu verdoppeln. Ein zentrales Thema im Rahmen der konkreten Vorschläge ist, wie so oft, der Bereich Finanzierung. „Ich will betonen, dass einige Unis sich auf den Weg gemacht haben. Es gibt positive Beispiele“, sagt Wutscher.

Auch im Expertenpapier werden einige davon angeführt, konkret die Medizinische Universität Innsbruck, die Wirtschaftsuniversität Wien und die TU Wien. Alle drei haben Beteiligungsgesellschaften für Spin-off-Investments aufgebaut, die jeweils in eine breitere Förderstrategie eingebettet sind. So hat die TU Wien in Kooperation mit Speedinvest „Noctua Science Ventures“ gestartet, die WU Wien rief „WU Ignite Ventures“, die MedUni Innsbruck das „MedLifeLab“ ins Leben.

„Im Finanzierungsbereich ist es ein Schlüssel, dass sich die Unis selber auf den Weg machen. Das kann man nicht von außen aufpfropfen. In der Vergangenheit wurde hier viel Geld verjubelt“, kommentiert Wutscher. Schließlich wären VCs aufgrund des hohen Risikos und der langen Zyklen meist nicht gewillt, bei Spin-offs in frühen Phasen einzusteigen und auch Business Angels könnten das „nicht stemmen“.

Wenn die Hochschulen selber aktiv werden, brauche es wiederum professionelle Strukturen und Personen. „Sie müssen mit VCs reden können. Derzeit lautet das Credo meist: bloß keine Uni im Cap Table“, so Wutscher. Und zur Finanzierung dieser Uni-Beteiligungsgesellschaften könne wiederum der geplante Dachfonds – von der Regierung zuletzt als „Scaleup Fonds“ tituliert, zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Kooperationen zwischen Hochschulen unerlässlich

Ein weiterer im Expertenpapier hervorgehobener Bereich ist jener der Kooperation zwischen Hochschulen im Aufbau eines attraktiven Spin-off-Ökosystems. „Wenn sich Cluster bilden, wird es auch für Investoren interessanter. Es macht einen Unterschied, ob sporadisch Spin-offs, entstehen oder jährlich drei bis vier in einem Cluster“, erläutert Wutscher. Auch für Unternehmen und Forschungspartner:innen seien solche Agglomerationen interessant, heißt es im Expertenpapier.

Gezieltes Scouting und professionelle Begleitung

Auf Hochschulebene werden im Papier zuletzt neben dem Thema Finanzierung noch weitere notwendige Maßnahmen angeführt: „Erstens gezieltes Scouting und Incentivierung von Gründungsvorhaben, ausgerichtet an den Forschungsschwerpunkten, um die Anzahl an Spin-offs oder Innovationsvorhaben generell zu erhöhen; zweitens die professionelle Begleitung der entstehenden Projekte durch ein kommerziell erfahrenes Team sowie die Bereitstellung von Infrastruktur, um deren positive Entwicklung sicherzustellen.“ Wutscher ergänzt: „Es braucht etwa auch Standards bei der Frage der IP bei der Ausgründung, sodass nicht jedes Mal Einzelverhandlungen notwendig sind.“

„Es nutzt nichts, nur an einzelnen Schrauben zu drehen“

Der Experte resümiert: „Es ist ein ganzes Ökosystem und es nutzt nichts, nur an einzelnen Schrauben zu drehen – ein guter Inkubator reicht nicht. Um etwas zum Positiven zu ändern muss man das gesamte System gut kennen, die Unis müssen unbedingt mit an Bord sein und sie müssen aktiv mittun. Und auf der anderen Seite muss die riesige Finanzierungslücke geschlossen werden.“

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© Screenshot - (v.l.) Infrastrukturminister Peter Hanke, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Georg Kopetz, CEO und Co-Founder TTTECH und Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn.

Ein halbes Jahr nach der Präsentation der „Industriestrategie 2035“ hat die österreichische Bundesregierung – in Form von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Peter Hanke, Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn – gemeinsam mit Georg Kopetz, CEO und Co-Founder TTTECH, eine erste Zwischenbilanz vorgelegt. Demnach sind aktuell 42 der insgesamt 117 definierten Maßnahmen – was rund 35 Prozent entspricht – bereits umgesetzt oder befinden sich in Umsetzung.

Um die Standortbedingungen für heimische Betriebe konkret zu verbessern, liegt der strategische Fokus der Regierung derzeit auf dem Abbau bürokratischer Hürden und der finanziellen Unterstützung beim Aufbau neuer Produktionskapazitäten. Zwei Kernmaßnahmen stehen dabei im Zentrum: das neue Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz und ein frischer Fördercall der Austria Wirtschaftsservice (aws).

Beschleunigungsgesetz für Industrieanlagen

Um die oft langwierigen Genehmigungsverfahren für neue Produktionsanlagen zu straffen, geht mit dem heutigen 16. Juni 2026 der erste Teil des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes in die Begutachtungsphase. Dieser erste Gesetzesabschnitt konzentriert sich spezifisch auf Anlagen im Bereich der Energie- und Umwelttechnologien.

Das in Begutachtung befindliche Gesetz sieht die Etablierung eines Fast-Track-Verfahrens vor: Das Wirtschaftsministerium kann Vorhaben künftig innerhalb einer Frist von 30 Tagen offiziell als „strategisches Projekt“ einstufen. Projekten, die diesen Status erhalten, wird in den behördlichen Genehmigungsverfahren rechtlich ein „überragendes öffentliches Interesse“ beigemessen. Dies soll formelle Hürden abbauen und die Verfahrensdauer signifikant reduzieren. Um die Unternehmen zudem nicht zwischen verschiedenen Zuständigkeiten aufzureiben, wird das Prinzip der „Single Points of Contact“ eingeführt. Bei den neun Bundesländern werden zentrale Kontaktstellen eingerichtet, die den Unternehmen künftig als alleinige Ansprechpartner durch die Genehmigungsverfahren dienen.

18 Millionen Euro für Pilotanlagen und Skalierung

Flankierend zu den administrativen Erleichterungen startet die Förderbank aws ein neues Impulsprogramm unter dem Titel „Industrielle Schlüsseltechnologien – Leitbetriebe 2030„. Der Call öffnete heute um 13:00 Uhr und ist mit einem Gesamtfördervolumen von 18 Millionen Euro dotiert. Das Programm soll Unternehmen in der ressourcenintensiven Phase zwischen technologischer Entwicklung und der tatsächlichen industriellen Produktion mit frischem Kapital unterstützen.

Die Eckdaten der Förderung

  • Zielgruppe: Mittlere und große österreichische Unternehmen, die eine industrielle Skalierungsfähigkeit aufweisen.
  • Ticketgröße: Pro eingereichtem Projekt können bis zu drei Millionen Euro an Förderung beantragt werden.
  • Projektvolumen: Das Gesamtinvestitionsvolumen der Projekte muss zwischen 1 und 50 Millionen Euro betragen.
  • Förderzweck: Gefördert werden Investitionen in neuartige Pilot-Produktionsanlagen mit hohem Innovationsgehalt sowie der Aufbau von wesentlichen Innovationsinfrastrukturen, wie etwa Laborinfrastruktur oder Reinräumen, innerhalb der neun definierten Schlüsseltechnologien.
  • Einreichfrist: Konzepte können bis Ende Oktober bei der aws eingereicht werden.

Neben diesen beiden primären Maßnahmen hob die Regierung in ihrer Halbjahresbilanz weitere Schritte hervor, die Innovationen „Made in Austria“ vorantreiben sollen. Dazu zählen unter anderem die Beschaffung eines KI-optimierten Hochleistungsrechners für die AI Factory Austria mit einem Investitionsvolumen von 53 Millionen Euro sowie eine anstehende Patentrechtsnovelle, die es KMU und Startups künftig ermöglichen soll, selbst genutzte Patente als bilanzierbare Vermögenswerte auszuweisen. Damit soll geistiges Eigentum besser nutzbar gemacht, Innovation gezielt gefördert und der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen verbessert werden.

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