16.09.2020

Witchsy: Gründerinnen erfinden männlichen Founder um Startup leichter aufzubauen

Zwei US-amerikanische Unternehmerinnen haben einen imaginären männlichen Mitbegründer geschaffen, um dem Sexismus, den sie gleich zu Beginn erfahren haben, zu umgehen und die Gründung ihres Unternehmens Witchsy zu erleichtern.
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Witchsy, Dwyer, Gazin, Etsy, male co-founder, invented, Art
(c) Witchsy- Kate Dwyer und Penelope Gazin griffen auf einen männlichen imaginären Co-Founder zurück, um sexistischen Developern zu begegnen.

Es war der Sommer 2017. Penelope Gazin und Kate Dwyer hatten damals ihren Online-Kunstmarkt Witchsy bereits ein Jahr am Laufen. Und Probleme mit Entwicklern gehabt. Jene antworteten herablassend, sprachen die Gründerinnen in Mails mit „ok girl“ an und verhielten sich kalt oder unhöflich. Und insgesamt zu langsam beim Antworten.

Nett, aber…

Auch ihr Vorhaben ein Startup zu gründen, traf auf Skepsis, Unglauben und bestenfalls auf die Antwort „what a cute idea“: „Es war sehr klar, dass uns niemand ernst nahm und alle dachten, wir wären nur Idioten“, so Dwyer weiter in einem anderen Medium.

Ein echter „Mann“ für Witchsy

Irgendwann kam den beiden Frauen die Idee „Keith Mann“ zu erfinden, einen imaginären Mann, der fortan Korrespondenzen unterschreiben sollte.

Die beiden Founderinnen bemerkten rasch einen anderen Umgangston und erhielten schneller Antworten, die von Respekt gekennzeichnet waren.

Plötzlich alles besser

„Vor Keith dauerte es Tage bis ich eine Antwort bekam. Mit ihm ging das bedeutend schneller. Und nicht nur das, er wurde sogar gefragt, ob er noch etwas benötige oder andere Wünsche hätte“, sagte Dwyer in einem Interview.

Keith durfte weitermachen

Statt in Zorn zu versinken, über diese Art von sexistischem Verhalten, entschieden die beiden Founderinnen Keith Mann weiterhin für Witchsy zu nutzen. Dabei fanden sie heraus, dass es sich nicht um eine kleine Anomalie eines Fehlverhaltens einer kleinen Entwickler-Gruppe gehandelt habe. Es hatte System.

Zwei Frauen, die ein Startup gründen wollen, kamen bei den Geschäftspartnern schlechter an, als ihr männlicher erfundener Counterpart.

„Es war nicht so, dass sie offen nach ihm verlangt hätten, aber Antworten und Status Updates kamen schneller an, wenn er nachhakte“, so Gazin bei Quartz. Dies nutzte Das Duo aus.

Hintergrundstory erfunden

Sie gaben ihrem imaginären Co-Founder sogar eine Hintergrundstory: Ein Typ, der im College Football spielte, fünf Jahre verheiratet war und die Geburt seines Kindes erwartete. Ein guter Mann, der die Art von Gazin und Dwyer nie ganz verstehen kann, aber glücklich sei zu helfen, bis die beiden Founderinnen einen Ehemann fänden. So die Story, die die beiden Gründerinnen verbreiteten.

Keine Comic-Brüste auf Etsy

Witchsy ist ein Marktplatz, der entstanden ist, weil Gazin Probleme mit Etsy hatte „ausgefallene“ und provokante Kunst wie Comic-Brustwarzen oder der Andeutung von Schamhaaren in einem Holzkohle-Akt dort zu verkaufen. Und gesperrt wurde.

200.000 US-Dollar Kunst verkauft

Deshalb gründeten die beiden Freundinnen mit 15.000 US-Dollar Kapital Witchsy, einen Marktplatz für „dark and funny-Art“ und verkauften im ersten Jahr Kunstwerke um 200.000 US-Dollar – 80 Prozent gingen davon an die Künstler.

Witchsy-Gründerin: „Bedauerlich, aber…“

Es ist bedauerlich, dass wir Keith erfinden mussten, um Fortschritte zu erzielen, aber niemand wollte an Bord kommen, bis wir ihnen zeigen konnten, was wir können“, so Dwyer, die für Frauen, die gegen Sexismus-Wände rennen einen Rat parat hat.

„Verzweifelt nicht. Tut das, was nötig ist, um weiterzumachen. Akzeptiert die Hürden, die euch in den Weg geworfen werden und überlegt, wie es von dort weitergeht“, sagt sie. Und hofft, dass die Geschichte rund um Keith Mann ein Umdenken in den Köpfen bringt.

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Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Quantencomputing nach wie vor eine Zukunftstechnologie. In der Breite ist diese definitiv noch nicht angekommen. Entsprechend sind auch viele Startups in dem Feld noch die klassische Wette auf die Zukunft, wie sie im Hightech-Bereich üblich ist: massive Forschungsausgaben und noch keine Umsätze. Dass es aber nicht so sein muss, beweist das Innsbrucker Quanten-Scaleup ParityQC.

Dieses legte nun seinen Jahresabschluss für 2025 vor. Als GmbH und „kleine Kapitalgesellschaft“ gelten dabei eingeschränkte Berichtspflichten – so muss etwa die Gewinn- und Verlustrechnung nicht veröffentlicht werden. Aus dem Bericht lässt sich der Gewinn aber (im Gegensatz zum Umsatz) genau ableiten.

1,46 Millionen Euro Gewinn mit nur 27 Mitarbeiter:innen

ParityQC stand demnach 2025 bei einem Bilanzgewinn von knapp über drei Millionen Euro. Abzüglich des Gewinnvortrags ergibt sich ein Jahresüberschuss von etwa 1,46 Millionen Euro – und das mit 27 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jahr 2024 hatte das Scaleup einen Gewinn von rund 1,36 Millionen Euro zu Buche stehen.

Die Umsätze lassen sich dagegen – wie erwähnt – nicht aus dem Bericht ableiten. Bekannt ist, dass ParityQC an mehreren Großaufträgen im Quantenbereich beteiligt ist. Brutkasten berichtete zuletzt Ende Juni über einen 35-Millionen-Euro-Deal mit der deutschen Cyberagentur, der Innovationsabteilung des deutschen Verteidigungsministeriums.

Fast 14 Millionen Euro liquide Mittel

Neben den Gewinnen sind auch die liquiden Mittel, die aus dem Bericht hervorgehen, beachtlich. Diese betrugen mit Abschluss 2025 fast 14 Millionen Euro und damit fast 93 Prozent der Bilanzsumme von rund 15 Millionen Euro. Mit rund 12,6 Millionen Euro Eigenkapital kommt ParityQC zudem auf eine Eigenkapitalquote von 83,7 Prozent. Und schließlich: Kapitalrücklagen von 9,49 Millionen Euro, die schon 2024 zu Buche standen, blieben unangetastet.

Eine logische Ableitung aus all den Zahlen: Das Kapital aus der großen (nicht konkret bezifferten) Finanzierungsrunde 2024 – brutkasten berichtete – wurde kaum bis gar nicht gebraucht. Auch das ist für Scaleups im Hightech-Bereich alles andere als üblich.

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Witchsy: Gründerinnen erfinden männlichen Founder um Startup leichter aufzubauen

  • Entwickler antworteten herablassend, sprachen die Gründerinnen in Mails mit „ok girl“ an und verhielten sich kalt oder unhöflich.
  • Da kam den beiden Witchsy-Gründerinnen die Idee „Keith Mann“ zu erfinden, der sämtlich folgende Korrespondenzen unterschreiben sollte.
  • Die beiden Founderinnen bemerkten rasch einen geänderten Umgangston und erhielten schneller Antworten, die einen respektvollen, und laut den Gründerinnen, einen komfortablen Ton hatten.
  • Sie gaben ihrem imaginären Co-Founder sogar eine Hintergrundstory.

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