21.01.2020

Pessimismus überwiegt bei zwei Dritteln der österreichischen CEOs

Dem aktuellen Global CEO Survey von PwC zufolge blicken Österreichs CEOs nicht nur deutlich pessimistischer in die nahe Zukunft, als noch vor einem Jahr, sondern sehen die wirtschaftliche Entwicklung auch im internationalen Vergleich düsterer.
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Wirtschaftswachstum - Pessimismus bei Österreichs CEOs laut PwC CEO Survey 2020
(c) Adobe Stock - olly

Die Wirtschaft geht harten Zeiten entgegen. Das legt zumindest die Entwicklung der Zahlen im Global CEO Survey von PwC nahe. Zum 23. Mal wurde die Studie nun durchgeführt – mit 1600 CEOs aus weltweit 83 Ländern, darunter auch Österreich. Dabei sticht ein massiver Umbruch in den vergangen Jahren heraus: Hatten 2018 noch gerade einmal fünf Prozent der befragten österreichischen CEOs mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums im Studien-Jahr gerechnet, waren es 2019 bereits 29 Prozent. 2020 sind es nun ganze 68 Prozent, die ein zumindest abgeflautes Wirtschaftswachstum erwarten.

+++ Die Top-100-Unternehmen Österreichs verzeichnen nach Flaute wieder Umsatzwachstum +++

Allgemeine Konjunkturprognosen drücken auf CEO-Stimmung

Das ist auch im internationalen Vergleich ein hoher Wert – insgesamt rechnen 53 Prozent der Befragten mit einem Rückgang der Wachstumsrate. Demgegenüber stehen global 22 Prozent der CEOs, die dezidiert optimistisch auf das Jahr 2020 blicken – in Österreich sind es gar nur 12 Prozent. Zu begründen ist der allgemeine Pessimismus beim Wirtschaftswachstum freilich mit den schwachen Konjunkturprognosen, wie Christine Catasta, Senior Partner bei PwC Österreich, erklärt. Dabei kann sie dem durchaus etwas positives abgewinnen: „Dies bringt jedoch auch reelle Chancen mit sich. Mit einem fokussierten Blick auf sich ändernde Erwartungen von Interessensgruppen und Erfahrungswerten, können heimische Führungskräfte einen Konjunkturabschwung überstehen und so den Wirtschaftsstandort Österreich weiter ausbauen“.

pwc CEO Survey 2020 - Wirtschaftswachstum global
(c) PwC

PwC: CEO-Wachstumsprognose noch unter IWF-Wert

Nicht ganz korreliert die allgemeine Wachstums-Erwartung der österreichischen CEOs mit jener für das eigene Unternehmen. Immerhin 32 Prozent geben an, „sehr zuversichtlich“ zu sein, was das Umsatzwachstum ihrer Organisation für die nächsten zwölf Monate anbelangt. Weitere 41 Prozent sind „ziemlich zuversichtlich“. Global liegt der erste Wert bei 27 Prozent – ein Rekordtief, wie es seitens PwC heißt. Gerade diese Abfrage habe sich in den vergangenen Jahren als „markanter Indikator“ für die tatsächlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft erwiesen, schreiben die Analysten des Beratungsriesen. Sie errechnen aus den Survey-Daten eine prognostizierte Weltwirtschafts-Wachstumsrate von 2,4 Prozent. Diese würde damit unter jener des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Oktober 2019 mit 3,4 Prozent liegen.

pwc CEO Survey 2020
(c) PwC

Wirtschaftswachstum: Bedrohungen in Zeiten von Donald Trump

Als größte Bedrohungen für das Wachstum sehen die weltweit befragten CEOs (welt-)politische Einflüsse, konkret Protektionismus (26 Prozent), gefolgt von Populismus (24 Prozent) und Handelsbedrohungen (24 Prozent). Unter den weiteren Faktoren sind Cyber-Bedrohungen, Fachkräftemangel, Klimawandel und Umweltzerstörung.

(c) PwC

Christine Catasta resümiert: „In Anbetracht der anhaltenden Ungewissheit in Bezug auf Spannungen im Handel, politischen Fragen und der mangelnden Einigkeit beim Umgang mit dem Klimawandel kommt zwar der Vertrauensverlust im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum nicht überraschend, jedoch schon das Ausmaß des Stimmungsumschwungs. Die Herausforderungen, vor denen die heimische Wirtschaft steht, sind nicht neu – ihr Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit welcher sich manche Themen zuspitzen, haben jedoch zugenommen“.

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Österreich hat Probleme, seine KI-Expert:innen zu halten. | Symbolbild (c) Envato

Ein kürzlich erschienener Report der WU Wien dürfte gemischte Gefühle in Österreichs KI-Branche auslösen. Hierzulande habe man exzellente KI-Fachkräfte, aber zu wenige und obendrein Probleme, diese zu halten. Die Studie basiert auf der Analyse von 2,86 Millionen Beschäftigungsdatensätzen, also Job- bzw. Positionseinträgen, 1,23 Millionen individuellen Biografien und mehr als 123.000 Unternehmen in Österreich. 

Führend in technologischer Spezialisierung

Österreich belegt im europäischen Vergleich unter 38 Ländern Rang drei bei der technologischen Spezialisierung seiner KI-Fachkräfte. Eine Auszeichnung für die Alpenrepublik, schließlich zähle man in diesem Bereich zu den führenden Standorten in Europa. Trotzdem kommen diese Experten seltener in die breite Wirtschaft als in anderen vergleichbaren Ländern. 97 % der heimischen Unternehmen stellen keine KI-Spezialist:innen an.

„Wer ‚KI-Strategie‘ sagt und nicht ‚Menschen‘ meint, hat den Kern verfehlt: Adoption ist ein Personal-, kein IT-Thema“, sagt Can Tihanyi vom Institut für International Business der WU Wien: „Technologie-Adaption scheitert fast nie an der Technologie. Sondern an den Menschen, die fehlen, um sie in die Unternehmen zu tragen.“

Österreich verliert KI-Experten

Die wenigen Spezialist:innen, die es in Österreich gibt, wandern zudem im Laufe ihrer Karriere ab. Rund 17 % der Fachkräfte in Build-Rollen verlassen das Land. In Bereichen wie Generative AI oder Natural Language Processing ist es rund ein Viertel. Zudem stellen die Autoren der Studie fest, dass 44 % aller Abwander:innen bereits nach dem ersten Jahr Österreich den Rücken kehren.

„Wer hochqualifizierte KI-Expert:innen halten will, muss ihnen vom ersten Tag an attraktive Projekte, Entwicklungsperspektiven und fachliche Verantwortung bieten – genau im ersten Jahr entscheidet sich, ob jemand bleibt“, erklärt Andreas Schumacher, Chief Innovation Officer und Vorstandsmitglied der VTU Group. Der Nachwuchs bleibt hingegen aus, denn sechs Prozent der KI-Beschäftigten in Österreich sind Einstiegskräfte. „Österreich verliert nicht die Breite seiner KI-Fachkräfte, sondern seinen Platz im technologischen Spitzenfeld“, ergänzt Schumacher.

Mehr Ausbildungsplätze, Beratung und bessere Infrastruktur

Die Conclusio der Autoren ist klar: Es brauche mehr Ausbildungskapazitäten für KI-Fachkräfte an Universitäten. Unternehmen sollten zudem durch AI-Readiness-Programme unterstützt werden, KI im eigenen Betrieb einzusetzen. Ein Zugang zu geteilter Infrastruktur und Beratung könnte hierbei Abhilfe schaffen. Österreich benötige außerdem Maßnahmen, um KI-Spezialist:innen langfristig zu halten. Dabei brauche nicht jedes Unternehmen eigene KI-Teams, durch Transferzentren könne diese Lücke geschlossen werden.

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