11.05.2026
FINANZIERUNG

Wiener KI-Startup Last Loop erhält sechsstelliges Investment – „Markt wird explodieren“

Das Wiener Startup Last Loop will KMUs und Gründer:innen von „Wasserträger-Aufgaben“ befreien. Durch autonome KI-Agenten, die sich direkt an die bestehende Firmensoftware anbinden, soll eine einzelne Person die Produktivität eines ganzen Teams erreichen. Um auch das eigene Wachstum zu beschleunigen, sicherte sich das Gründerteam nun ein sechsstelliges Investment.
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Das sechsköpfige Gründerteam von Last Loop sitzt am Boden und lächelt in die Kamera (c) Flora Hübl
Das sechsköpfige Gründerteam von Last Loop (c) Flora Hübl

Künstliche Intelligenz ist in der Arbeitswelt längst angekommen – doch meistens agiert sie noch isoliert. „Vor ein paar Jahren kam die KI: Ich stelle eine Frage, ich bekomme eine Antwort und muss diese dann auswerten. Das Ganze ist sehr manuell“, stellt der Last-Loop-Geschäftsführer Clemens Grünberger fest.

Anstatt einer weiteren Chat-Oberfläche entwickelt das sechsköpfige Gründerteam mit Last Loop einen autonomen KI-Agenten. Dieser digitale Assistent verbindet sich mit der bestehenden Unternehmenssoftware (wie etwa ERP-Systemen) und agiert dort selbstständig. Ein Befehl wie „Benachrichtige mich, sobald Kunde X sich meldet“ reicht aus, und die KI erledigt den mechanischen Prozess im Hintergrund völlig autonom.

Erfolgreiches Investment

Last Loop konnte durch ein privates und hohes sechsstelliges Investment bereits das erste Unternehmensjahr absichern. Die ersten Kunden erreichte das Startup innerhalb der Softwarebranche, in der die Gründer bislang tätig waren. „Man spürt die ständig wachsenden Anfragen der Kunden. Ich glaube, der Markt wird in den nächsten ein bis zwei Jahren explodieren“, so der Geschäftsführer. Als Geschäftsmodell verwendet Last Loop ein Usage-Modell, also die KI-Dauer, die jemand bezieht.

Fokus auf Startups und KMUs

Last Loop richtet sich nach eigenen Angaben zunächst an Gründer:innen und KMUs, da „diese flexibler sind und neue Technologien schneller implementieren können“. Es ginge darum, dass eine einzelne Person durch die Unterstützung der KI-Agenten so produktiv arbeiten könne, wie fünf bis zehn Mitarbeiter:innen, was besonders am Anfang der Unternehmensgründung ein Vorteil sei.

Die Vision der Gründer schließt auch größere Firmen ein, aber die anfängliche Konzentration auf kleinere Unternehmen dient der Validierung und um sicherzustellen, dass die begrenzten Kapazitäten effektiv genutzt werden. „Wir wollen nicht alles für alle sein, sondern wir wollen es gerade am Anfang gut machen“, so der Founder.

Geschäftsführer Clemens Grünberger (c) Flora Hübl

KI-Standort Österreich

Grünberger und sein Team möchten mit ihrem Produkt auch den KI-Standort Österreich gegenüber anderen großen Playern wie den USA stärken. „Die Vorreiterrolle, die Amerika hat, braucht man nicht wegdiskutieren. Dort befinden sich die großen Aushängeschilder der KI. Auf der anderen Seite sollte auch Österreich unbedingt versuchen, mit dabei zu sein“.

Last Loop sieht sich dabei in einer Schlüsselrolle, die heimischen Unternehmen schnelleres Wachstum ermöglichen soll. „Es ist eine tolle Chance für europäische Unternehmen und für Unternehmen, die nicht die Kapazitäten haben, um ins Silicon Valley zu fahren. Durch die agentische KI kann ich als Einzelner wirklich zehnmal so produktiv sein“, zeigt sich der Gründer optimistisch.

Der Companion als Arbeitnehmer der Zukunft?

„Es sollte einfach dazu führen, dass man alle Teile des Unternehmens möglichst autonom führen kann. Ich könnte beispielsweise eine ganze Marketing-Kampagne durch den Agenten betreiben“, erklärt der Gründer seine Zukunftsvision. Eine Herausforderung für die Etablierung der KI-Agenten könnte das Finden von klaren Strukturen und Grenzen sein. „Eine zentrale Frage wird sein: Wo will ich als Benutzer die Kontrolle behalten und wo will ich sie abgeben. Das abzugrenzen wird eine Herausforderung werden.“

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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