16.03.2026
LIQUIDATION

Wiener Energy-Startup Balun stellt Betrieb ein: „Idee nicht wirtschaftlich tragfähig“

Nach etwas mehr als zwei Jahren stellt das Wiener Energy-Startup Balun seinen Geschäftsbetrieb ein. Gegenüber brutkasten erläutert Co-Founder Giovanni Superti-Furga die Hintergründe der Liquidation.
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Das Gründertrio von Balun | (c) Balun

Das Unternehmen wurde 2023 von Giovanni Superti-Furga gemeinsam mit Yury Zhuk und Josef Schenk gegründet. Ziel des Startups war es, eine Forecasting-Lösung für erneuerbare Energien zu entwickeln. Hintergrund ist eine zentrale Herausforderung der Energiewende: Strom aus Quellen wie Solar- und Windenergie unterliegt starken Schwankungen, da die Produktion stark von Wetterbedingungen abhängt. Präzise Prognosen gelten daher als entscheidend, um erneuerbare Energie effizient in das Stromnetz zu integrieren.

Im Jänner 2024 erhielt das Startup für seine Lösung ein sechsstelliges Investment. An der Finanzierungsrunde beteiligten sich die Hans(wo)men Group rund um Business Angel Hansi Hansmann sowie Push Ventures mit den Founding Partnern Lukas Püspök und Laurenz Simbruner (brutkasten berichtete).

Knapp zwei Jahre später endet nun die unternehmerische Reise: Laut Eintrag im Firmenbuch wird Balun liquidiert.

Herausforderungen am Markt

Die Technologie von Balun setzte auf Forecasting-Modelle, die mithilfe von Wetterprognosen und historischen Daten die künftige Stromproduktion vorhersagen sollten. Besonders bei der Modellierung lokaler Gegebenheiten – etwa Windschatteneffekten innerhalb eines Windparks – habe die Lösung laut Superti-Furga tatsächlich Verbesserungen gebracht.

Problematisch erwies sich jedoch der Einsatz im sogenannten Day-Ahead-Markt. “Dort ist die dominante Fehlerquelle meist nicht die lokale Modellierung am Windpark, sondern die Qualität der zugrundeliegenden Wetterprognose. Unsere Verbesserungen bei der lokalen Komponente waren daher zwar real, im Gesamtbild aber oft nicht groß genug, um daraus ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell mit ausreichendem Umsatz zu machen”, erklärt der Co-Founder gegenüber brutkasten.

Hinzu kam ein weiterer struktureller Faktor: Die Erstellung der Prognosen erforderte einen hohen operativen Aufwand. “Dadurch blieb wenig Raum, um parallel ein Produkt zu bauen, das für Trader und kleinere Energieunternehmen wirklich einfach und umfassend nutzbar ist”, so Superti-Furga. Für größere Marktteilnehmer wiederum seien die Setup-Kosten häufig zu hoch gewesen. “In einem bestehenden Markt mit etablierten, günstigeren Alternativen war unser Angebot daher wirtschaftlich schwer genug zu skalieren”, ergänzt er.

Fokus auf ordentliche Abwicklung

Das Startup befindet sich nun im Liquidationsprozess. Nach aktuellem Stand gehe man davon aus, dass die bestehenden Verbindlichkeiten ohne größere unvorhergesehene Entwicklungen bedient werden können, heißt es von Unternehmensseite.

Für die entwickelte Technologie ist derzeit keine gesonderte Weiterverwertung geplant. “Uns war wichtig, den Pilotkunden, mit denen wir gearbeitet haben und die uns in dieser Zeit stark unterstützt haben, möglichst viel von unserem Know-how mitzugeben”, so Superti-Furga. “Unser Fokus liegt jetzt darauf, Balun sauber und ordentlich abzuwickeln und uns bei allen Unterstützern zu bedanken. Wir hatten die Möglichkeit, mit großartigen Investoren, Partnern und Kunden zusammenzuarbeiten, die offen für ein riskantes Deeptech-Projekt waren.“

Energiewende als große Chance

Trotz des Scheiterns sieht Superti-Furga weiterhin große Chancen für Innovationen im europäischen Energiesektor. “Wir haben es leider nicht geschafft, unsere Idee in ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu übersetzen. Viele andere schaffen das sehr wohl, und ich sehe darin weiterhin eine große Chance für Europa. Entscheidend ist, weiter in Innovation zu investieren und auch gescheiterte Versuche als Lernchance zu begreifen”, sagt er.

Die europäische Energiewirtschaft befinde sich in einem historischen Transformationsprozess, in dem sich innerhalb einer Generation ein gesamtes Energiesystem verändere. Dafür brauche es sowohl technologische Innovationskraft als auch erhebliche Investitionen.

Ob die drei Gründer künftig wieder unternehmerisch tätig werden, lässt Superti-Furga zumindest offen: “Ich glaube schon, dass wir Unternehmer genug sind, um bald wieder etwas Neues zu versuchen”.

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fluctus, aws
© fluctus - Anna Kurpierz und Christian Sattlecker von fluctus.

Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.

fluctus mit End-to-End

„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.

Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.

„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“

Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.

Wettbewerb steigern

„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“

Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.

„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“

Zielgruppen von fluctus

Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.

Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.

Hürden überwunden

Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“

© fluctus – Das fluctus-Team.

Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.


Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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