17.09.2025
VENTURE BUILDING

whataventure stellt „Company Creation Fund“ mit 15 Mio. Euro auf

Das aus den USA stammende Modell poolt nicht nur Kapital, sondern auch IP und Marktzugänge mehrere Partner für Venture-Building-Projekte. Managing Director des "Company Creation Fund" wird Matthias Hille.
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Vl.: whataventure-Co-Founder und -CEO Philippe Thiltges, Matthias Hille, Managing Director des
Vl.: whataventure-Co-Founder und -CEO Philippe Thiltges, Matthias Hille, Managing Director des "Company Creation Funds" und Stefan Peintner, CEO whataventure | (c) whataventure

Mit mehr als 40 Ventures, in die über 700 Millionen Euro investiert wurden, kann der 2012 gegründete Wiener Venture Builder whataventure bereits eine durchaus beachtliche Statistik vorweisen. Ein neues Modell soll nun weitere Erfolge bringen: „Company Creation Funds“.

Mehrere Corporates mit strategischem Interesse im Fonds

Das Prinzip des in den USA bereits erfolgreich betriebenen Modells: Mehrere Corporates aus einer Branche sowie Finanzinvestoren zahlen gemeinsam in einen Fonds ein, mit dem dann Venture-Building-Projekte umgesetzt werden. Sie steuern dabei nicht nur Kapital sondern auch Assets wie IP, Daten oder Marktzugänge bei.

„Die Partner sind einerseits Unternehmen, die entlang der Wertschöpfungskette in einer Branche angesiedelt sind, aber nicht direkt zueinander in Konkurrenz stehen. Sie haben ein strategisches Interesse und bringen unter anderem Expertise und Zugang zu Kunden ein. Andererseits sind es Finanzinvestoren, deren Netzwerk für Follow-up-Investments besonders wichtig für das Modell ist“, präzisiert Philippe Thiltges Co-Founder und CEO von whataventure.

Den ersten solchen „Company Creation Fund“ über 15 Millionen Euro will whataventure nun bis zum ersten Quartal 2026 aufstellen. Dabei wird das Unternehmen auch selbst Kapital beisteuern. Man sei bereits mit potenziellen Partnern in Gesprächen, sagt Thiltges. Dann sollen mit den Mitteln aus dem Fonds sechs bis zehn neue Ventures gestartet werden.

Eines von drei möglichen Verticals

Abhängig davon, welche Partner für den ersten Fonds gewonnen werden, ist aktuell aber noch offen, mit welcher Branche er angesiedelt sein wird. Drei bereits definierte Verticals seien in der engeren Auswahl, erklärt der CEO: „Sie müssen breit genug sein, damit mehrere Ventures darin parallel funktionieren können und spitz genug, damit die Synergien der Partner und der Ventures untereinander genutzt werden können.“

Eines dieser möglichen Verticals sei der Bereich Mehrparteienhäuser, sagt Thiltges und erläutert das Modell anhand dieses Beispiels: „Es ziehen momentan neue Generationen in die Wohnungen ein, die eine andere Erwartungshaltung und Einstellung mitbringen. Konkret würden wir Ventures in den Bereichen Energieeffizienz und Mehrwerte für Mieter aufbauen. Potenzielle Corporate-Partner wären hier etwa ein Baukonzern, ein Energieversorger, ein Bestandsverwalter und vielleicht ein großer Projektentwickler.“

Überzeugende Studien zu „Company Creation Funds“

Überzeugen will whataventure die potenziellen Partner auch mit Zahlen aus zwei internationalen Studien, in denen das Modell untersucht wurde: Ventures von Company Creation Funds haben demnach eine 30 Prozent höhere Erfolgsrate, sind signifikant schneller am Markt und führen zu doppelt so vielen erfolgreichen Exits im Vergleich zu herkömmlichen Startups. Das Modell verspricht also nicht nur wertvolle Insights für die beteiligten Corporates, sondern auch hohe Renditen für alle Partner.

Und Thiltges erläutert einen weiteren Vorteil des Fokus auf eine einzelne Branche: „Wir bauen uns in dem Modell mit jedem neuen Unternehmen mehr Branchenwissen und eine bessere Kundendatenbank auf. Schon beim zweiten, dritten Venture sind wir viel schneller beim Kunden, weil wir bereits konstant mit der Zielgruppe im Austausch sind.“

Ein Differenzierungsmerkmal zu anderen Modellen in Europa sei dabei auch, dass man das Ownership bei den Projekten länger halte. „Die Ventures werden von Profis und Serial Entrepreneurs soweit gebracht, dass sie attraktiv genug sind, um top-erfahrene Entrepreneurial Manager hereinzuholen“, sagt der whataventure-CEO. Dieser Zeitpunkt sei von Fall zu Fall unterschiedlich, aber ungefähr bei Überschreiten der Eine-Million-Euro-Umsatzgrenze angesiedelt: „Damit ist der Product-Market-Fit-Beweis erbracht. Man weiß dann, dass es funktioniert und sich skalieren lässt“, so Thiltges.

Matthias Hille wird Managing Director

Als Managing Director des „Company Creation Fund“ wird Matthias Hille fungieren. Der promovierte Wirtschaftsinformatiker bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung im Corporate-Venturing-Bereich mit. Beim Kunststoffhersteller Rehau baute er zuletzt das Venture Building von Grund auf und begleitete mehr als zehn Corporate Ventures von der Problemvalidierung bis zum Markteintritt.

„Das Fund-Modell wird im nordamerikanischen Raum bereits besonders erfolgreich angewendet und zeigt dort, dass die Kombination aus finanziellem und strategischem Ansatz für Corporates, Family Offices und strategisch orientierten Investoren deutliche Vorteile mit sich bringt. Ich freue mich, dass wir es jetzt für den mitteleuropäischen Raum zugänglich machen und bereits reges Interesse von mittleren und großen international tätigen Unternehmen erleben“, kommentiert Hille in einer Aussendung zum „Company Creation Fund“.

Weitere „Company Creation Funds“ zu erwarten

Wenn alles gut geht, soll der erste Fonds jedenfalls nicht der einzige bleiben, stellt Philippe Thiltges klar. Auch bei weiteren branchenspezifischen „Company Creation Funds“ werde man beim Volumen in derselben Größenordnung bleiben. „Es geht nicht darum, immer größere Fonds zu raisen, sondern darum, Expertenteams rund um spitze Verticals aufzubauen“, so der CEO.


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Andreas Blumauer, bislang CEO von Semantic Web Company und nun SVP Growth bei Graphwise | (c) Graphwise
Andreas Blumauer | (c) Graphwise

Im Oktober 2024 fusionierte das Wiener Unternehmen Semantic Web Company (2004 von Andreas Blumauer und Martin Kaltenböck gegründet) mit Ontotext aus dem bulgarischen Sofia und wurde zu Graphwise. Blumauer, bis dato CEO von Semantic, wurde SVP Growth, Atanas Kiryakov, davor CEO von Ontotext, wurde Präsident. Details zum Deal wurden damals nicht genannt – brutkasten berichtete.

Nun hat das britische Private-Equity-Haus Oakley Capital die Mehrheit an Graphwise übernommen. Auch hier wurden die Höhe der Summe und der verkauften Anteile nicht aktiv kommuniziert, Gründer Blumauer erklärte dem brutkasten jedoch, dass man sich nun weltweit gesehen in den Top 3 – was die Evaluation von KI-Infrastrukturunternehmen betrifft – befände.

Graphwise: Ein Meilenstein in Bulgariens IT-Historie

„Durch den Merger hat die Firma eine besondere Konstellation mit Standorten bzw. Strukturen in Wien, Sofia und den USA geschaffen“, sagt Blumauer. „Die Bewertung basiert wesentlich auf dem ARR. Das heurige Jahr ist dabei zäher als die Jahre zuvor, dennoch ist es uns gelungen, uns im Markt zu behaupten und einen Multiple über dem 2026er Marktdurchschnitt zu erzielen. Daher liegt die Bewertung im neunstelligen Bereich und ist damit signifikant. Für Bulgarien bedeutet das sogar, dass es sich nun um die dritthöchste Bewertung eines IT-Unternehmens in der Geschichte des Landes handelt.“

Auf die Frage, wie es zu diesem Deal kam, war für Blumauer die Marktdynamik ganz entscheidend. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich KI in Unternehmen zunehmend langsam in den operativen Einsatz entwickelt. Es gibt zwar immer wieder pointierte Erfolgsmeldungen, gleichzeitig besteht weiterhin Unsicherheit darüber, welche LLM-Ansätze sich tatsächlich durchsetzen werden. Gerade bei Multi-Agentic- und autonomen Systemen ist ein breiter Roll-out noch meilenweit entfernt“, erklärt er.

Kontakt über Messen in London

Umso wichtiger seien deswegen Referenzkunden, bei denen sich anhand konkreter Anwendungen demonstrieren lässt, wie KI vertrauenswürdiger und in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden kann. „Das lässt sich auch mit Company Rules verknüpfen: Ein wesentlicher Teil der Story ist die Frage, wie KI in Unternehmen kontrolliert und gleichzeitig hochskalierbar ausgerollt werden kann“, führt er aus. „Das hat auch Oakley erkannt und verstanden. Über Messen in London kam der Kontakt zustande, woraufhin unser Business genauer analysiert und das Potenzial erkannt wurde. Begleitet wurde die Entwicklung unter anderem von Deloitte, EY und Bain, die bestätigen konnten, dass Graphwise eine zentrale Rolle in diesem Umfeld spielen kann.“

Heute wird die Graphwise-Technologie von Banken und großen Pharmakonzernen in Europa eingesetzt, darunter beispielsweise Roche und weitere prominente Unternehmen in Österreich, die nicht genannt werden wollen: „Gleichzeitig gibt es gute Statements und Bewertungen aus dem Markt“, führt Blumauer weiter aus. „Mit der Entwicklung der Sprachmodelle und insbesondere GraphRAG (Anm.: Retrieval-Augmented Generation mit Graphen) stehen nach dem Merger sehr zentrale Komponenten zur Verfügung, um die nächste Entwicklungsstufe von KI in Unternehmen abzubilden. Das zeigt sich auch in unseren operativen Kennzahlen: Der ARR wächst organisch um rund 30 Prozent, bei inzwischen mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Damit verfügen wir über eine relevante Kundenbasis und konkrete Referenzen, die die technologische Positionierung und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells untermauern.“

Gründer bleiben im Management

Für den Founder ist der neue Eigentümer ein Investor mit einem langfristigen und klar auf Wertschöpfung ausgerichteten Ansatz: „Oakley, mit Gründer Peter Dubens, hat unter anderem in die Sigmund Freud Privat-Universität investiert und Dubens selbst war mehrfacher Startup-Gründer. Er hat sich immer wieder gefragt, warum sich klassische VCs teilweise so wenig mit den Gründern selbst auseinandersetzen. Für ihn geht es letztlich darum, Ideen zur Welt zu bringen und Unternehmen langfristig aufzubauen. Martin Kaltenböck und ich verstehen uns weiterhin klar als Gründer. Wir sind nach wie vor im Management-Board aktiv und bringen damit unsere Erfahrung und unsere ursprüngliche Gründerperspektive weiterhin unmittelbar in die Entwicklung des Unternehmens ein. Das ist ausdrücklich so gewünscht und Teil der langfristigen Konstellation.“

Oakley baut auf Graphwise auf

„Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Oakley hat eine herausragende Erfolgsbilanz darin, gründergeführte Software-Unternehmen zu Unicorns zu machen. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Plattform aufzutreten und Unternehmen dabei zu unterstützen, souveräne und vertrauenswürdige KI in großem Maßstab zu implementieren“, sagt Kiryakov.

KI-Souveränität im Fokus

In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend unabhängig von einzelnen großen Tech-Plattformen agieren wollen, gewinnt das Thema „KI-Souveränität“ an Bedeutung. Der Einstieg von Oakley als paneuropäischer Investor sei deswegen ein starkes Signal für den europäischen Technologie-Standort und stärke die Rolle von Graphwise als unabhängige KI-Plattform.

„Der Wert von Künstlicher Intelligenz hängt direkt von der Qualität und Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten ab. Large Language Models (LLMs) sind extrem leistungsfähig bei der Sprachverarbeitung, haben aber entscheidende Schwächen: Sie neigen zu faktischen Fehlern („Halluzinationen“) und können oft nicht nachvollziehbar erklären, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind“, liest man in der Aussendung.

Graphwise mit Rückgrat

Graphwise löst dieses Problem durch den Aufbau eines sogenannten „Semantic Backbone“ (semantisches Rückgrat) in Form eines Knowledge Graphs. Diese Wissensgraphen verknüpfen isolierte Unternehmensdaten, geben ihnen Kontext und stellen großen KI-Modellen eine Faktenbasis zur Verfügung. Das Ergebnis: Die KI soll nicht mehr halluzinieren, Ergebnisse würden revisionssicher und die Token-Kosten drastisch sinken, so der Claim. Dies sei besonders in regulierten und datenintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen (Life Sciences) und im öffentlichen Sektor unverzichtbar.

Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital, dazu: „KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je.“

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