30.06.2025
ENERGIEWENDE

Wettlauf um die Batterie von morgen: Was Österreichs Startups mit Salz, Papierabfall und Sauerstoff vorhaben

In der Technik gilt die Lithium-Ionen-Batterie als unschlagbar. Doch sie hat mehrere Probleme. Forscher:innen und Startups in ganz Österreich tüfteln an Alternativen. Können sie dem Lithium-Akku den Rang ablaufen?
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Ein Pumpspeicherkraftwerk in Kaprun in den Salzburger Tauern. | © Verbund

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Juni 2025 “Neue Welten” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Ohne sie fährt kein E-Auto, läuft kein mobiler Speicher, bleibt Solarenergie in der Nacht ungenutzt: Die Batterie gilt in der Technik als Herzstück der Energiewende. „Ohne Stromspeicher ist die gesamte Energiewende quasi nicht möglich“, sagt Katja Fröhlich, Expertin für Batterietechnologien am Austrian Institute of Technology (AIT). Energie werde dezentral erzeugt und umgewandelt, „und man muss das Ganze natürlich irgendwo speichern“. Konkret heißt das: Sonne scheint auf viele Dächer, Wind weht über viele Felder – an manchen Tagen so stark, dass mehr Energie entsteht, als wir verbrauchen können. Im privaten Bereich kann eine Batterie die eigene Photovoltaikanlage rentabler machen, weil sie Strom für Regentage speichert. Im Stromnetz kann sie helfen, Fluktuationen auszugleichen.

Bei einem hohen Anteil an erneuerbaren Energiequellen wie Solar- oder Windkraft werden stationäre Batteriespeicher immer wichtiger. | © Verbund

Dass ausgerechnet der Lithium-Ionen-Batterie solch ein Siegeszug gelungen ist, hat mehrere Gründe. „Der Lithium-Ionen-Akku hat die Welt maßgeblich beeinflusst. Erst dadurch wurden Smartphones und viele mobile Anwendungen möglich. Sein großer Vorteil gegenüber früheren Akkus ist nicht nur die höhere Energie- und Leistungsdichte, sondern auch die lange Lebensdauer. Außerdem hat der Lithium-Akku keinen Memory-Effekt – das heißt, man kann ihn in jedem Ladezustand anhalten und weiterladen, ohne dass die Kapazität leidet“, erklärt Fröhlich.

Die Krux mit dem Lithium

Keine Batterie kann derzeit mehr Energie in weniger Raum packen als die Lithium-Ionen-Batterie. Doch sie hat mehrere Probleme: Ihre Bestandteile, die Rohstoffe Lithium, Kobalt und Nickel, kommen vor allem aus Ländern wie Chile, Australien, China und der Demokratischen Republik Kongo. Wer sie braucht, macht sich abhängig von komplexen Lieferketten und Regimen. Dass viele um dieselben endlichen Ressourcen kämpfen, verschärft geopolitische Spannungen. Auch die Umwelt leidet: Lithium-Abbau verbraucht große Mengen an Wasser und zerstört zum Teil Ökosysteme. In der Demokratischen Republik Kongo, wo vor allem Kobalt und Kupfer abgebaut werden, hat der Ausbau der Minen zu Vertreibung und Menschenrechtsverletzungen geführt. Das zeigt ein Bericht von Amnesty International.

Aktuell produzieren chinesische Hersteller wie Tesla-Lieferant CATL oder der E-Auto-Produzent BYD mehr als die Hälfte aller Lithium-Ionen-Akkus weltweit. Um es mit den Batteriegiganten in Asien aufzunehmen, müssen Österreich und seine Nachbarländer Jahrzehnte an Erfahrung, Infrastruktur und Tempo wettmachen. „Die Zellproduktion wurde in Europa lange vernachlässigt – erst jetzt wird langsam aufgeholt“, sagt Fröhlich. Genau daran arbeitet die Chemikerin mit ihrem Team am AIT: Sie untersucht, wie die Herstellung von Batteriezellen energieeffizienter und nachhaltiger werden kann. Ihre Gruppe entwickelt und nutzt Sensorik, um zu verstehen, was genau im Inneren einer Batteriezelle passiert. Sie weiß: „Ein großes Sicherheitsproblem bei heutigen Batterien ist der flüssige Elektrolyt, der bei Schäden stark reagieren kann.“ Denn am Ende, wenn die Batterie alt wird, beschädigt oder gar brennt, wird sie zur tickenden Zeitbombe. Und zu Sondermüll.

Katja Fröhlich forscht als Head of Competence Unit Battery Technologies sowohl zur Lithium-Ionen-Batterie als auch zu Alternativen. | © AIT Zinner

Bessere Lithium-Ionen-Batterien oder ihr Recycling allein werden aber nicht reichen, denn ir-
gendwann werden die Rohstoffe knapp. Der Bedarf explodiert: von 185 Gigawattstunden im Jahr 2020 auf 2.000 Gigawattstunden bis 2030, so Statista. Das liegt an der Elektrifizierung: Autos fahren elektrisch, Stromnetze brauchen Speicher, Fabriken wollen CO2-frei produzieren. Die Welt rüstet um. Forscher:innen und Startups in ganz Österreich tüfteln deswegen an Alternativen. Können sie dem Lithium-Akku den Rang ablaufen?

Eine Alternative aus der Küche

Das Wiener Startup Salzstrom setzt auf eine Option, die buchstäblich in jeder Küche steckt: Natrium, ein Bestandteil von Kochsalz. Natrium kommt viel häufiger vor als Lithium und lässt sich günstiger fördern. Ein weiteres Plus: Das Speichermaterial erlaubt umweltfreundlichere Komponenten, etwa Aluminium statt Kupfer oder Kohlenstoff aus Biomasse statt Grafit.

Salzstrom hat diese Technologie bis zur Marktreife gebracht, nur wenige Monate nach seiner Gründung. „Man kann auf viele Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre aufbauen. Deshalb war es möglich, die Technologie so rasch zur Kommerzialisierung zu bringen“, sagt Co-Founder Peter Arnold. Die Natrium-Ionen-Batterie funktioniert ähnlich wie ihr lithiumbasiertes Pendant. Stark vereinfacht gesagt nimmt man das Lithium raus und ersetzt es durch Natrium. „Natürlich muss man die Zellchemie anpassen, aber das Grundprinzip ist sehr ähnlich“, erklärt Arnold.

Ein erstes zertifiziertes 4,5-kWh-Heimspeichermodul haben Arnold und sein Team bereits in den Verkauf geschickt. Besonders in puncto Sicherheit punktet das neue System im Vergleich mit der Lithium-Ionen-Batterie. Zwar ist die Energiedichte etwas geringer, doch für stationäre Speicher etwa im Eigenheim oder der Industrie ist das kein Nachteil. Genau in diesen Bereichen möchte Salzstrom sich etablieren. Erst im April hat das Startup eine siebenstellige Pre-Seed Finanzierungsrunde abgeschlossen.

Nun hat Salzstrom auch die Industrie als Abnehmerin im Blickfeld. Mit dem Launch von Groß- und Kompaktspeichern mit Natrium-Ionen-Technologie dringt das Unternehmen in einen Markt mit großen europäischen Firmen wie VARTA oder Faradion vor. Sie alle arbeiten an industriell skalierbaren Natrium-Ionen-Batterien. Auch die österreichische Firma AccuPower hat vor Kurzem ihren ersten skalierbaren – und mobilen – Natrium-Ionen-Akku vorgestellt. „Wir sehen auf Industrieseite überraschend viel Interesse“, sagt Arnold. „Da hätten wir es gar nicht unbedingt erwartet – weil die Anforderungen an große Speichersysteme natürlich höher sind und sich Preisunterschiede noch stärker auf den Return on Investment auswirken. Das
ist für uns ein sehr positives Signal.“

Das Team von Salzstrom hat den Natrium-Ionen-Speicher bereits auf den Markt gebracht. | © Georg Wilke

Die Produkte sollen in unterschiedlichen Fällen Anwendung finden, zum Beispiel für das Speichern von PV-Strom von großen industriellen Solaranlagen, um ihn später zu nutzen oder zu verkaufen – etwa nachts oder am Wochenende, wenn die Maschinen stillstehen. Für stationäre Anwendungen eignet sich die Natrium-Ionen-Batterie gut. Im mobilen Bereich schwächelt sie allerdings wegen der Energiedichte. Würden Handys mit solchen Batterien ausgestattet werden, hätten wir Mobilfunkgeräte in einer Größe wie vor 15 Jahren: ein Rückschritt. „Damit die Technologie flächendeckend Fuß fassen kann, braucht es alles: mehr Stückzahlen, politische Rahmenbedingungen und stärkere Industriepartnerschaften“, erläutert Arnold. „Technologisch sind wir so weit – die Batterie funktioniert. Jetzt geht es darum, wie schnell wir sie anwenden wollen. In Europa haben wir eine starke Forschung, aber bei der Industrie hinken wir hinterher. Ohne Subventionen wird es schwer, mit den subventionierten asiatischen Märkten mitzuhalten.“

Denn auch in puncto Alternativen dominiert China den Markt: CATL will ab Dezember Natrium-Ionen-Batterien in E-Autos einsetzen, der Batterieriese BYD hat eine eigene Fabrik gebaut, um die Akkus herzustellen. Die Forschung zu alternativen Batterietechnologien konzentriert das Land auf schnell skalierbare Technologien. In Österreich gibt es zwar ein breiteres Spektrum an Alternativen – aber die meisten sind weit entfernt von der Marktreife.

Hat Österreich also überhaupt Chancen in diesem Rennen? „Wenn es wirklich um Zellproduktion oder Fertigung geht – da ist China auf einem ganz anderen Level. Die fliegen uns einfach um die Ohren. Die Chinesen bauen Fabriken für eine Milliarde Dollar in 14 Monaten – wir brauchen oft ein Jahr nur für die Genehmigung eines Standorts“, sagt Arnold. Versuchen müsse man es trotzdem. In Europa an Alternativen zu arbeiten sieht er als strategische Frage: „Wollen wir komplett abhängig sein oder eine eigene Produktion aufbauen?“

Speicher mit Vanilleduft

Auch ein Grazer Startup will der Lithium-Batterie den Kampf ansagen – und zwar mit Vanilleduft. Genauer: mit Vanillin, dem Aromastoff aus dem Pudding. Gewonnen wird er nicht aus der Schote, sondern aus Lignin, einem Abfallprodukt aus der Papierindustrie, das normalerweise in den Müll wandert. Bei Ecolyte wird es zum Stromspeicher – in sogenannten Redox-Flow-Batterien.

„Der grundlegende Unterschied ist, dass wir die Energie in Lösungen speichern“, erklärt Stefan Spirk, CEO von Ecolyte und TU-Professor für Chemie und Technologie von Biomaterialien. Bei Lithium-Ionen-Batterien liegt die Energie in festen Elektrodenmaterialien, bei Redox-Flow-Batterien fließt sie durch die Zelle. Redox-Flow-Batterien speichern Energie in zwei flüssigen Elektrolyten, die in getrennten Tanks zirkulieren und beim Durchfluss durch eine Reaktionszelle chemisch reagieren, um Strom zu erzeugen. Weil die Reaktion im Kreislauf stattfindet und nicht in der Batterie selbst, gilt die Technologie als feuerfest. Und die Speicherkapazität ist skalierbar: je größer der Tank, desto mehr Energie. Dass das Speichermaterial bei Ecolyte aus Papierabfall stammt, macht die Herstellung umweltfreundlicher. Aber auch der Vanillin-Akku erreicht die Energiedichte der Lithium-Batterie nicht.

„Um ein Handy mit der Ecolyte-Technologie zu betreiben, würde man ungefähr zwei Liter Flüssigkeit benötigen. Bei Speichern in Windkraftwerken spielt das aber beispielsweise keine Rolle“, sagt Spirk. Einen „ersten großen Prototyp“ nimmt das Ecolyte-Team gerade in Betrieb. Er wird Teil eines dezentralen, autarken Energiesystems und speichert dort erneuerbare Energie aus Wind- und Solarkraft. Bis die Technologie serienreif ist, dauert es aber noch. Auf einen genauen Zeitrahmen will Spirk sich nicht festlegen. „Wenn wir den Prototyp hinkriegen, steht uns nichts mehr im Weg“, sagt er. Redox-Flow-Systeme benötigen eine komplexere Struktur als andere Batterien, das heißt, sie brauchen mehr Platz – und sind teurer in der Skalierung.

Das Gute ist: Ecolyte, gegründet 2022, kann sich eine lange Entwicklungsphase leisten. Im Jahr 2023 hat das Spin-off der TU Graz 4,6 Millionen Euro Fördergelder von der EU erhalten. Das Kapital fließt aber nicht nur in das Startup selbst, sondern bezahlt auch die Arbeit von all jenen, die die Technologie mitentwickeln. Mehrere Universitäten sind daran beteiligt, auch nationale Förderungen gibt es. Und der Zugang zur Infrastruktur der TU erleichtere die Forschung enorm, sagt Spirk.

Und trotzdem: Um innovative Batterietechnologien skalieren zu können, brauche es in Österreich auch den Willen, in solche Projekte zu investieren. „In Europa fehlt einfach die Kultur des Risikokapitals“, sagt Spirk.

Stefan Spirk, CEO von Ecolyte, arbeitet an einer Batterie, in der Energie in Vanillin gespeichert wird. | © Ecolyte

Aus der Luft gegriffen

Noch kein Spin-off, aber auf einem guten Weg dorthin ist ein Forschungsprojekt der TU Wien. Eine Forschungsgruppe rund um Alexander Opitz setzt dort auf etwas, das auf den ersten Blick wenig aufregend klingt, aber tief im Inneren einer Batterie großes Potenzial entfaltet: Sauerstoff. Seit Kurzem gibt es für die Batterietechnologie ein eigenes Christian-Doppler-Labor – immerhin soll hier etwas komplett Neues entstehen: die Sauerstoff-Ionen-Batterie. Statt Lithium wandern Sauerstoffionen durch keramische Festkörper, während die Zelle bei Temperaturen von 300 bis 500 Grad Celsius arbeitet. Sie wird so zwar heißer als eine Lithium-Ionen-Batterie im Normalbetrieb – enthält aber keine brennbaren oder giftigen Stoffe und läuft auch nicht Gefahr zu explodieren.

Die Idee dahinter ist nicht völlig neu: Ähnliche Materialien werden schon seit Jahrzehnten in Brennstoffzellen verwendet. Die Sauerstoff-Ionen-Batterie selbst ist aber erst 2022 entwickelt worden – zunächst als sehr kleine Dünnfilmzelle. Jetzt wollen die Forschenden gemeinsam mit dem Energiekonzern Verbund diesen Ansatz weiterentwickeln und mit Verfahren wie dem Siebdruck auf größere Batterien übertragen. „Wir haben jetzt noch Modellmaterialien, aber wir können ganze Zellen herstellen“, sagt Forschungsleiter Opitz.

Was fehlt, ist die Reife für den industriellen Einsatz. Noch steckt die Forschung in den Kinderschuhen, doch die Vision ist klar: großskalige Speicheranlagen, zum Beispiel für Solarstrom oder Windparks. Denn gleich wie die Natrium-Ionen-Akkus von Salzstrom oder die Redox-Flow-Batterien von Ecolyte brauchen die Sauerstoff-Ionen-Akkus deutlich mehr Platz als ihr Lithium-Pendant. In Zahlen bedeutet das: Aktuell erreichen sie nur etwa 30 bis 40 Prozent der volumetrischen Ladungsdichte. Auf gleichem Raum speichern sie bislang also deutlich weniger Energie. Doch Opitz und sein Team sehen großes Potenzial in der Technologie. Theoretisch könnten bestimmte Materialkombinationen sogar auf das Niveau von heutigen Lithium-Kathodenmaterialien kommen – oder dieses langfristig übertreffen. Denn je mehr Sauerstoff das Material flexibel aufnehmen und abgeben kann, desto höher ist das Speicherpotenzial der Batterie.

Voraussetzung dafür ist allerdings noch viel Forschungsarbeit. „In den nächsten fünf Jahren wird es für Privathaushalte noch nichts zu kaufen geben. Ob es dann Mitte der 2030er oder erst 2040 so weit ist, wird sich zeigen“, sagt Opitz. Alexander Viernstein, Postdoc in Opitz’ Forschungsgruppe, hat jedenfalls auch den ökonomischen Erfolg des Vorhabens im Blick: „Die Vision ist groß, aber der nächste realistische Schritt in eine wirtschaftliche Richtung ist, dass wir tatsächlich eine Ausgründung machen“, sagt er. Viernstein plant sie für das erste Drittel der Forschungszeit, die aktuell auf sieben Jahre ausgelegt ist.

Postdoc Alexander Viernstein und Laborleiter Alexander Opitz vor einem Teststand zur Charakterisierung von Sauerstoff-Ionen-Batterien. | © TU Wien

Materialien auf Partnersuche

Die Idee für die Sauerstoff-Ionen-Batterie entstand aus einem anderen Bereich – der Forschung an Brennstoffzellen. Was dort in Theorie und Literatur gut aussah, funktionierte auch in der Praxis. Aber nicht aus jedem Material lässt sich so einfach eine Batterie bauen. Es gibt ein paar Regeln, die Innovator:innen befolgen müssen, den Bauplan sozusagen. Er sieht bei allen bekannten Akkusystemen gleich aus.

Um zu funktionieren, braucht eine Batterie eine Anode, eine Kathode und einen Elektrolyten. Die Anode, bei Lithium-Akkus meist aus Grafit oder Silizium, gibt beim Entladen Elektronen ab, die Kathode aus Lithium-Ionen nimmt die Elektronen auf. Der Elektrolyt, der flüssig oder fest sein kann, trägt die Ionen von der Anode zur Kathode – und wieder zurück. Nach diesem Prinzip funktionieren auch andere Batterien, allerdings nutzen sie andere Materialien. Es geht darum, Bestandteile zu finden, die die richtigen Eigenschaften aufweisen, um miteinander zu agieren

„Man schaut sich an, wie groß das Delta zwischen zwei Elektrodenpaaren ist – also die Spannung, die sich daraus ergibt. Dann muss man einen Elektrolyten finden, der in diesem Spannungsfenster stabil ist“, erklärt Batterieforscherin Fröhlich. Die theoretischen Kapazitäten könne man sich ausrechnen, man wisse, wie viele Elektronen abgegeben werden und wie viel Ladung übertragen werden kann. Findet jemand solch ein Material, muss dessen Ursprung geprüft werden. „Man muss sich überlegen, wie verfügbar das Material ist, wie viel es in der Erdkruste gibt, in welchen Verbindungen es vorkommt und ob man es leicht oder schwer abbauen kann“, erklärt Fröhlich. Als weiteres wichtiges Kriterium definiert sie die Produktion: Sind die Verfahren ganz anders als für bisherige Systeme, müsste man erst alles umbauen – und das muss sich auch rentieren.

Mehr als kluge Forschung

Und das ist der springende Punkt – für Startups noch mehr als für die Forschung: Wir brauchen nicht nur Batterietechnologien, die funktionieren, sie müssen auch leistbar sein; leistbar für Endkund:innen, aber auch leistbar für die Umwelt. Dass Alternativen dem Lithium-Akku komplett den Rang ablaufen werden, halten die Forschenden aktuell für unwahrscheinlich. „Das Feld wird sich in Zukunft sicher noch viel stärker diversifizieren. Aber der Lithium-Ionen-Akku wird uns trotzdem noch sehr lange begleiten“, sagt Fröhlich. Das bestätigt auch Opitz von der TU Wien: „Ich glaube nicht, dass man die Lithium-Ionen-Batterie komplett ersetzen wird – oder überhaupt ersetzen muss. Aber es wird viele Anwendungsfälle geben, wobei es idealerweise für jeden Anwendungsfall einen optimalen Batterietyp geben wird.“

Der Inkjet-Druck ist eine der untersuchten Methoden, um keramische Dünnschichten für Sauerstoff-Ionen-Batterien kostengünstig und skalierbar herstellen zu können. | © TU Wien

Fröhlich verweist darauf, dass auch bei Lithium-Ionen-Akkus unterschiedliche Versionen existieren, also unterschiedliche Anoden-, Kathoden- und Elektrolytmaterialien. Dass es auch in diesem Bereich ständig neue Entwicklungen gibt, zeigt, dass die Forschung noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber auch, wenn gerade viel Neues entsteht: Die Möglichkeiten sind begrenzt – immerhin ist das Periodensystem endlich.

Um mit den österreichischen Alternativen auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu sein, braucht es aber mehr als nur kluge Forschung. Die europäischen Unternehmen treten gegen stark subventionierte Märkte in Asien an. Langfristig könnten alternative Batterietechnologien allerdings günstiger werden als Lithium-Ionen-Batterien – vorausgesetzt, sie erreichen ausreichend große Produktionsmengen. So steht es in einer Roadmap des deutschen Fraunhofer Instituts. Politische Rahmenbedingungen und Förderungen könnten daher entscheidend sein, um Technologien aus dem Labor in die industrielle Anwendung zu bringen.

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Liquid Preference, Mofidian
© Armin Hubner/Canva - Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Für viele Gründer:innen sind 40-Stunden-Wochen ein Fremdwort und freie Wochenenden ein ferner Wunsch – sie opfern unzählige Arbeitsstunden und verzichten auf Gehalt, um ihr Startup aufzubauen. Doch am Ende dieses jahrelangen harten Einsatzes bleibt selbst bei einem vermeintlich erfolgreichen Millionen-Exit in manchen Fällen kaum etwas übrig. Der Grund kann in einer unscheinbaren Klausel des Beteiligungsvertrags liegen; einer Sonderregel für die Verteilung des Exit-Erlöses. Räumt man etwa späteren Investoren eine „Liquidation Preference“ ein, bedienen sich diese beim Verkauf zuerst. Die Realität sieht dann wie folgt aus: Während die Branche gratuliert, können die Gründer:innen und frühe Kapitalgeber trotz fließender Millionen fast leer ausgehen.

So ein Fall sorgte jüngst für Aufsehen, als Martin Granig, Gründer der Spar-App monkee.rocks, von einem Bekannten berichtete, der einen 15-Millionen-Exit hingelegt hatte. Der Founder meinte nach Glückwünschen bloß, der Exit hätte massiver sein müssen, „damit sich was ausgeht“ – hier hatte die Liquidation Preference gegriffen.

Was ist eine Liquidationspräferenz?

Die historischen Wurzeln der Liquidationspräferenz reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als US-Eisenbahngesellschaften und Banken Vorzugsaktien nutzten. In den 1950er- bis 1970er-Jahren adaptierte die VC-Branche das Modell und machte es im Silicon Valley zum Standard. Doch obwohl die Klausel omnipräsent ist, sorgt sie bis heute für Missverständnisse.

Der Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian bringt es auf den Punkt: „Eine Liquidationspräferenz ist kein gesetzlich definierter Begriff, sondern eine Klausel in einem Beteiligungsvertrag, die man im Einzelfall auslegen muss, aber häufig einem gewissen spezialisierten Marktstandard entspricht.“ Verankert wird sie in der Praxis meist im sogenannten Shareholders Agreement (kurz SHA, deutsch: Gesellschaftervereinbarung). Es geht dabei nicht um die prozentuelle Beteiligung an einem Startup, sondern um die harte Reihenfolge bei der Verteilung von echten Einnahmen (Proceeds) nach einem bestimmten Trigger-Event – im Normalfall dem Exit.

„Vereinfacht gesagt ist die Liquidationspräferenz eine vertraglich vereinbarte Erlösvorzugs-Regelung. Im Normalfall wird ein Verkaufserlös entsprechend den Beteiligungsquoten (pro rata) verteilt; das entspricht auch der gesetzlichen Grundregel. Für den Exit-Fall soll jedoch eine Sonderregel geschaffen werden; mit mitunter überraschendem Ergebnis: Wer etwa 20 Prozent der Anteile hält, aber 70 Millionen Euro investiert hat, kann bei einem Verkaufserlös von 70 Millionen Euro den gesamten Erlös erhalten – und das dank einer Liquidationspräferenz“, so Mofidian.

„Erst wenn die jeweilige Liquidationspräferenz erfüllt wurde, kommt die nächste liquidationspräferierte Gruppe zum Zug; sind alle Liquidationspräferenzen bedient, wird der Rest pro rata verteilt“, erklärt der Wirtschaftsanwalt das sogenannte „Wasserfallprinzip“. Reicht das Geld bei einem mittelgroßen oder kleinen Exit nicht aus, könnten all jene, die ganz unten im Wasserfall stehen, leer ausgehen.

„Ein Startup durchläuft typischerweise gewisse Phasen“, erläutert Mofidian. „So lassen sich die Investorengruppen ganz gut typisieren: Häufig startet man mit ersten Investoren, Business Angels, Family and Friends, teilweise noch Convertibles. Hier herrscht oft noch eine andere Logik als bei späteren Investmentrunden, wo beispielsweise VC-Fonds einsteigen. In diesen späteren Runden, den ‚Series‘, mit professionelleren neuen Investoren verschieben sich regelmäßig die Kräfteverhältnisse, was zu einer Anpassung der Verträge und der damit verbundenen Rechte führt.“

Das Multiple (X-Faktor) als wichtiger Hebel

Bevor man sich jedoch in rechtliche Details und konkrete Definitionen vertieft, muss man bei Liquidation Preference einen wichtigen Hebel verstehen: das Multiple (oder den X-Faktor). Diese Zahl legt fest, wie viel von seinem ursprünglichen Investment der Geldgeber beim Exit vorrangig – also vor der allgemeinen Verteilung nach Beteiligungsquoten – beanspruchen kann.

Das „1×-Multiple“ findet sich so häufig in den Verträgen, dass man dieses fast schon als Branchenstandard bezeichnen könnte. Das bedeutet: Der Investor holt sich zunächst exakt jene Summe zurück, die er in das Startup gesteckt hat. Komplex wird es, wenn Investoren in schwierigen Marktphasen höhere Multiples durchsetzen. Liegt der Faktor bei 1,5×, 2× oder gar 3×, bedeutet das, dass der Investor vorab – also vor der Verteilung nach Prozenten – ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals fordern kann. „Der Faktor hat mit der Beteiligungsquote nichts zu tun: Auch wer nur ein Prozent hält, kann eine fünffache Liquidationspräferenz vereinbart haben“, erklärt Mofidian. Hat ein VC-Fonds also beispielsweise zehn Millionen Euro bei einem 2×-Multiple investiert, zieht er beim Exit sofort 20 Millionen Euro als Liquidationspräferenz ab, bevor der nächste Gesellschafter auch nur einen Cent sieht. Das schmälert den Erlös für Gründer:innen und frühe Investor:innen – mitunter auch für andere, im Rang nachstehende Investorengruppen – dramatisch.

Participating vs. non-participating

Wenn der Faktor (das Multiple) bzw. damit verbunden die Höhe geklärt ist, regeln weitere Zusätze, wie genau ein Investor am restlichen Erlös beteiligt wird.

So gilt „non-participating“ als die üblichste Variante. Der Investor hat hierbei ein Wahlrecht: Er erhält entweder vorab seine Präferenz, also zum Beispiel sein 1×-Investment, zurück, oder er verzichtet auf diesen Vorabzug und nimmt stattdessen seine reguläre prozentuale Quote am gesamten Erlös. Demgegenüber steht „participating“: Diese investorenfreundliche Variante bezeichnet Mofidian als „Eierlegende Wollmilchsau“ – der Geldgeber bekommt zuerst sein Investment als garantierte Risikoprämie vorab ausbezahlt und partizipiert danach zusätzlich noch entsprechend seiner prozentualen Quote am verbleibenden Erlös-Topf; er wird also faktisch doppelt bedient.

Rangordnung – „Senior“ und „Pari passu“

Aus Sicht eines Investors spielt es zudem eine große Rolle, in welchem Rang seine Liquidationspräferenz eingeordnet wird. „Die Ränge drücken das Rangverhältnis der Liquidationspräferenzen zueinander aus. Nach dem Wasserfallprinzip wird grundsätzlich jeder vorrangige Rang vollständig bedient, bevor Erlöse an den nachfolgenden Rang verteilt werden“, erklärt Mofidian. „Reicht der Erlös auf einem Rang nicht, um alle dort angesiedelten Präferenzansprüche voll zu bedienen, wird typischerweise pro rata verteilt – meist im Verhältnis der jeweiligen Präferenzansprüche. Der genaue Schlüssel ist aber Vertragssache.“

Wird der Liquidationspräferenz eines Investors ein „Senior“-Rang eingeräumt, bedeutet das Vorrang gegenüber den zu diesem Zeitpunkt bestehenden bzw. den vertraglich bezeichneten Liquidationspräferenzen. „‚Senior‘ ist eine relative Rangangabe – man ist immer gegenüber jemandem vorrangig. Soll der oberste Rang gemeint sein, spricht man etwa von ‚most senior‘ oder ‚senior to all other liquidation preferences‘. Maßgeblich ist am Ende ohnehin die Verteilungsreihenfolge der Waterfall-Klausel selbst“, so der Anwalt. Vor später geschaffenen „noch vorrangigeren“ Rängen könne man sich durch einen Zustimmungsvorbehalt schützen; das könne allerdings künftige Finanzierungsrunden erschweren und sei auch unüblich.

Mofidian weiter: „Investor:innen vereinbaren häufig, dass ihre Liquidationspräferenz ‚pari passu‘ mit den Liquidationspräferenzen anderer Investor:innen oder Anteilsklassen rangiert – die betreffenden Präferenzen sind dann gleichrangig, keine wird vor der anderen bedient. Innerhalb derselben Anteilsklasse ist eine ausdrückliche Pari-passu-Regelung häufig nur deklaratorisch, sofern für alle Anteile dieselben Präferenzrechte gelten; sie kann jedoch in einigen Konstellationen auch klarstellende Bedeutung haben. Eine wesentliche Bedeutung entfaltet sie zwischen unterschiedlichen Anteilsklassen oder Finanzierungsrunden: Man kann etwa festlegen, dass die Liquidationspräferenzen einer Series A und einer Series B trotz unterschiedlicher Anteilsklassen auf demselben Rang stehen. ‚Pari passu‘ beschreibt also nicht die Anteilsklasse als solche, sondern das Rangverhältnis der jeweiligen Präferenzen“. Gleichrangigkeit bedeutet dabei nicht zwingend, dass auch die Höhe der Präferenzansprüche, die Multiplikatoren oder die sonstigen Investorenrechte identisch sind.

Die Rangordnung führt in der Praxis oft zu sogenannten Stacked Preferences (gestapelten Präferenzen). Faktisch gesehen kommt es dabei meist zum Prinzip „Last in, first out“: Der späteste Geldgeber (z. B. der Lead-Investor der Series C) sichert sich meist den höchsten Rang und holt sich beim Exit (nach Rückführung von Fremdkapital) als Allererster sein Geld aus dem Topf. Ist seine Präferenz bedient, darf sich die vorherige Series B aus dem verbleibenden Rest bedienen; und so weiter bis hinunter zur Series A. Häufig warten am Ende der Nahrungskette die frühen Seed-Investoren sowie Gründer:innen und Mitarbeiter:innen mit ESOP-Anteilen – ist der Exit-Erlös nicht hoch genug, ist der Topf leer, bevor sie erreicht werden.

„Eine der Schwierigkeiten bei Liquidation Preferences ist die Unschärfe der Begrifflichkeiten“, betont Mofidian an dieser Stelle und erklärt, warum es zu Streitereien unter den Beteiligten kommen könnte. Ein typischer Konfliktherd können Triggerdefinitionen sein: Was ist ein Exit? In einem „frühen“ Vertrag kann ein Exit anders definiert sein als im späteren Beteiligungsvertrag. Dazu kommen Side Letters bzw. in Investitionsdokumenten enthaltene Rechte, bei denen Widersprüche auftreten können. Liquidationspräferenzen können ein sinnvolles Instrument der Risikoverteilung sein – aber es kann zu unangenehmen Überraschungen kommen, weil die Beteiligten nicht jedes Szenario durchdenken und durchrechnen.

Die Schicksalsgemeinschaft der Frühphase

Oliver Holle, CEO des Seed-VCs Speedinvest, sieht die Debatte vor allem für die Frühphase pragmatisch: Dank klarer Standards (1×, non-participating) bilden frühe Kapitalgeber und Gründer:innen hier eine Schicksalsgemeinschaft im Sinne von „engsten Verbündeten“. Dramatisch wird es jedoch bei Wertberichtigungen in späten Runden, wenn sich die Ansprüche durch viel frisches Kapital massiv aufsummieren – die bereits erwähnten Stacked Preferences. Wie das in der Praxis aussieht, veranschaulicht Holle am E-Scooter-Anbieter Tier, dessen Preference-Stack nach mehreren Runden und Mergern auf fast eine Milliarde Euro angewachsen ist: „Das sind sie jetzt doch nicht mehr wert. Das heißt, wir haben das wahrscheinlich schon lange auf null abgeschrieben, und die Gründer auch, weil wir da kein Geld rausholen werden, auch wenn diese Firma für fünf-, sechs- oder siebenhundert Millionen Euro verkauft wird. Das ist also eine Realität, die wir absolut durchlebt haben.“ Und damit ist Speedinvest nicht allein.

Konflikte, Statistiken und eine mögliche Zukunft

Was konkrete Statistiken angeht, gibt es im DACH-Raum kaum belastbare öffentliche Marktdaten. Mofidians subjektiver Praxisbeobachtung nach kommen Liquidationspräferenzen jedoch in fast jedem Deal vor, sind ein von Investoren erwarteter Standard und in ihrer Grundform kaum wegzuverhandeln.

Aufgrund globaler Krisen brauchten viele Startups zuletzt jedoch Bridge-Finanzierungen. Um ihre Bewertungen hochzuhalten („Vanity Valuation“), akzeptierten Gründer:innen oft harte Konditionen. Mofidian kann sich vorstellen, dass es in Zukunft aufgrund dieser Dynamik zu Konflikten kommen könnte: „Aufgrund von Brückenfinanzierungen könnten Liquidationspräferenzen wahrscheinlich jetzt relevanter werden, weil wir jetzt einige Senior-Investoren sehen, die zu sehr guten Terms eingestiegen sind, darunter auch Verkaufsrechte. Wenn du in den letzten Jahren investiert hast, und das zu einer vermeintlich guten Bewertung, mit starken Terms, und dir viele Rechte geholt hast, jetzt aber daran zweifelst, dass eine neue Runde zu einer höheren Bewertung realistisch ist, dann pushst du möglicherweise in den Exit. Und das machst du wahrscheinlich nur, weil du eine Liquidationspräferenz, vielleicht sogar mit einem ‚Über-Eins-Faktor‘, hast“, zeichnet Mofidian eine mögliche Zukunft für die heimische Szene. „Ich kann mir vorstellen, dass die Logik, die Liquidationspräferenzen und anderen damit funktionell verbundenen Terms zugrunde liegt, dazu führt, dass der eine oder andere Investor sagt: ‚Ich nutze jetzt meine vertraglichen Möglichkeiten, dränge auf den Exit und hole mir lieber mein Investment 1,5-fach plus ein bisschen extra vom verbleibenden Erlöstopf. Das macht mehr Sinn, als nur darauf zu hoffen, dass es noch eine Runde zu einer viel höheren Bewertung gibt – und selbst wenn sich das so großartig entwickelt, was nicht sicher ist, steht der nächste Investor vermutlich nach dem Last-in-first-out-Prinzip mit seiner Präferenz wieder vor mir.‘“

Der Anwalt ergänzt: „‚Drängen‘ heißt in diesem Kontext: Wenn dieser Investor – etwa in Kombination mit anderen Investoren – starke Drag-Along-Rechte hat, kann er den Verkauf auch gegen den Willen der Founder rechtlich erzwingen.“ Dies gelte selbst dann, wenn die Founder die Bewertung als zu niedrig empfänden und aufgrund der Liquidation Preference leer ausgingen.

Trotz dieser Konsequenzen betont Mofidian nachdrücklich, dass man das Thema auch aus der Investorenperspektive betrachten muss: Die Liquidationspräferenz sei per se nichts Böses und in der Praxis völlig in Ordnung, wenn man sie korrekt verwendet. „Man muss diese Klauseln verstehen, durchrechnen und verschiedene Szenarien durchspielen, damit böse Überraschungen ausbleiben“, sagt der Jurist.

Secondaries als mögliches Instrument

Für Gründer gilt laut dem Experten eine wichtige Regel: Man sollte sich niemals nur auf eine möglichst hohe Firmenbewertung fixieren, wenn die Vorzugsrechte der Investoren im Gegenzug gefährlich stark ausgeprägt sind. Mofidian rät, das Term-Sheet stets als bewegliches Gesamtsystem zu betrachten.

Anstatt Deals aus reiner Angst vor einem Null-Ausstieg kategorisch platzen zu lassen, empfiehlt der Anwalt, allenfalls ungünstigere Liquidationspräferenzen durch andere Mechanismen auszugleichen. Dazu zählen klug verhandelte Drag-Along- und Tag-Along-Rechte. Wenn der Druck allerdings über die Jahre extrem hoch wird, seien Secondaries ein mögliches Tool: Durch den vorzeitigen Verkauf eines kleinen Teils der eigenen Anteile an spätere Investoren könnten Gründer bereits auf dem Weg zum Exit etwas Geld auf dem Privatkonto sichern.

„Das ist jedoch nicht gern gesehen und auch in Österreich oder im DACH-Raum relativ unüblich, aber es passiert“, sagt Mofidian. „Nach ein paar Jahren Arbeit kann man in so einem Fall sagen: ‚Ich habe eine ordentliche Netto-Summe auf meinem Konto. Das erlaubt mir zumindest, mit freiem Kopf weiter an meiner Vision zu bauen.‘“

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Wettlauf um die Batterie von morgen: Was Österreichs Startups mit Salz, Papierabfall und Sauerstoff vorhaben

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