10.03.2026
INTERVIEW

„Wenn du als Tech-Company nicht signifikant KI verwendest, bist du in der Krise“

Speedinvest-General-Partner Markus Lang im großen Interview über KI-Investments und die Auswirkung von KI auf den VC-Bereich.
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Markus Lang | (c) Speedinvest
Markus Lang | (c) Speedinvest

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2026 “Kraftakt” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Während das Risikokapital-Volumen in Österreich 2025 weiter drastisch sank, stach ein Bereich – wenig überraschend – positiv hervor: künstliche Intelligenz (KI). Global flossen im Vorjahr Schätzungen von Crunchbase, CB Insights oder PitchBook zufolge mindestens 50 Prozent des gesamten Risikokapitalvolumens in KI-Unternehmen. Österreichs größter und bekanntester Venture-Capital-Fonds Speedinvest hat ein eigenes Team für KI- und (digitale) Infrastruktur-Investments. Dessen Leiter ist General Partner Markus Lang. Im Interview sprachen wir mit ihm über KI-Startups im weiteren und engeren Sinn, die Gefahr einer Bubble, die österreichische und die europäische Risikokapitallandschaft und den Einsatz von KI bei Speedinvest selbst.


brutkasten: Man hört heute ständig, dass Venture Capital in der Krise steckt – mit Ausnahme von KI und Defense. Unterschreibst du das auch aus Sicht von Speedinvest?

Markus Lang: Nein. Ich bin der festen Überzeugung, dass KI der wesentlichste Plattform-Shift ist, den zumindest ich bis jetzt miterlebt habe. Er steht auf einer Stufe mit Mobile und dem Internet. Ich glaube sogar, dass wir uns das Ausmaß zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen können. KI ist eine Querschnittsmaterie. Das heißt, die Unternehmen, die wir sehen, haben einen anderen Tech-Stack und verwenden KI in den unterschiedlichsten Bereichen. Wir bei Speedinvest sehen KI daher nicht als isoliertes Investment-Vertical, sondern als übergeordneten technologischen Durchbruch, der alle unsere Investment-Verticals – von B2B-Software über Gesundheit und Fintech bis hin zu Deeptech – massiv beeinflusst und verändert.

Wo ich zustimmen würde: Wenn du heute eine Tech-Company bist und nicht signifikant KI verwendest, dann bist du in der Krise. Du wirst es schwer haben, einen effizienten Wachstumskurs fortzusetzen. Aber Venture Capital per se ist nicht in der Krise.

Ihr habt bei Speedinvest eine eigene KI-Unit, die du leitest. Wenn KI überall drinsteckt, was ist dann der Fokus dieses spezifischen Teams?

Man muss sich mit der Frage beschäftigen: Was ist eigentlich eine KI-Company? Für uns gibt es „AI Companies“ im weiteren und im engeren Sinn. Die Unternehmen, über die wir gerade sprachen, sind solche im weiteren Sinn: Sie nutzen KI-Capabilities in der Produktentwicklung, im Marketing oder im Sales. Dann gibt es KI-Companies im engeren Sinn, die tatsächlich das Tooling oder die Infrastruktur für alle anderen Industrien bauen.

Ein Vergleich: Vor zehn Jahren war fast jede Firma eine „Cloud Company“, weil sie auf AWS oder Google Cloud lief. Aber es gab auch Infrastruktur-Player wie Docker, die die Cloud erst ermöglichten. Damit beschäftigt sich unser KI-Team: mit Enabling-Technologien und dem Foundational Layer. Unsere Regel ist aber, dass bei einem Deal immer zwei oder drei Teams involviert sind. Wenn wir eine KI-Lösung im Gesundheitsbereich mit Payment-Logik sehen, schauen sich das Kollegen aus den Health-, Fintech- und KI-Teams gemeinsam an.

Du sprichst die Infrastruktur an. Welche Rolle spielen Unternehmen, die an eigenen Large Language Models (LLMs) arbeiten? Siehst du Chancen für europäische Unternehmen, die eigene Modelle bauen?

Das ist eine hervorragende Frage, die wohl niemand abschließend beantworten kann. Ich glaube, dass für generalistische LLMs der Zugang zu Kapital entscheidend ist – und da haben wir als Europäer nicht den besten Track Record. Man kann argumentieren, dass Firmen wie Mistral europäische Champions werden. Ich kann aber auch der Skepsis etwas abgewinnen: Selbst wenn man ein, zwei Milliarden einsammelt, ist das im Vergleich zu OpenAI, Anthropic oder xAI wenig.

Wir glauben bei Speedinvest, dass es spezialisierte Modelle für hochkomplexe Anwendungsfälle brauchen wird. In diesem Bereich haben wir fünf oder sechs Investments getätigt. Ein gutes Beispiel aus Österreich ist Emmi AI, die ein Modell bauen, um physikalische Simulationen mittels KI zu verbessern. Das ist ein Use Case, der wohl nicht so schnell durch ein allgemeines Modell von OpenAI ersetzt wird.

Wie stellt man als Investor sicher, dass Startups wirkliche Alleinstellungsmerkmale haben, wenn viele Anwendungen auf den großen allgemeinen LLMs aufbauen?

Die Zeit der dünnen „LLM-Wrapper“, wo man 90 Prozent der Funktionalität aus einem Modell nimmt und in drei Wochen eine Website darum baut, ist vorbei. Das mag für kurze Zeit Umsatz bringen, reicht uns als VC aber nicht. Üblicherweise brauchst du einen „Moat“.

Das kann Spitzentechnologie in einer Nische sein, wie bei physikalischen Simulationen. Das zweite Alleinstellungsmerkmal ist proprietärer Zugang zu Daten oder ein tiefes Kundenverständnis. Das fehlt einem generalistischen Modell zwangsläufig. Wir schauen genau darauf: Versteht das Team den idealen Kunden besser als alle anderen? Haben sie „Unique Insights“ und Zugang zu Daten, die niemand sonst hat?

Habt ihr in der Hype-Phase auch mal danebengegriffen?

Natürlich greifen wir auch daneben, das gehört zum Risikokapital dazu. Wir haben zwar nicht in diese dünnen Wrapper investiert, aber wir hatten Fälle, wo Technologien, an denen jahrelang gebaut wurde, über Nacht durch KI obsolet wurden. Wir hatten beispielsweise ein Portfoliounternehmen, das virtuelle Fotostudios mittels komplexen 3D-Modellings gebaut hat. Dann kamen die großen Bildmodelle und plötzlich konnte jeder ein Bild „prompten“ – günstiger, schneller und einfacher. Der Business Case war weg.

Solche Fälle werden wir auch in der KI haben. Aber was ist die Alternative? Nicht zu investieren – während gerade riesige Unternehmen entstehen –, weil wir nicht wissen, was in fünf Jahren passiert? Das ist keine tragfähige Lösung, auch nicht für Europa.

Wie stark hat sich eure eigene Arbeit bei Speedinvest durch generative KI verändert?

Wir müssen glaubwürdig sein. Ich kann nicht von meinen Unternehmen verlangen, KI zu implementieren, und wir selbst lassen alles beim Alten. Wir nutzen Automatisierung in Research, Marketing, Finance und Reporting. Unser Ziel ist es, repetitive Tasks zu automatisieren, um effizienter zu werden und mehr Zeit für die Arbeit mit unseren Gründern zu haben.

Wird KI irgendwann Jobs im VC-Bereich ersetzen?

Das glaube ich nicht – zumindest solange es keine „Ultimate AGI“ gibt. Wir investieren letztlich in Menschen. Wir sind Dienstleister. Es geht darum, Motivationen zu verstehen, Menschen zu vernetzen und in diesem „Rollercoaster“, der zehn Jahre dauern kann, ein vertrauenswürdiger Partner zu sein. Wir nutzen KI für Sourcing oder Market-Research, wo wir früher Stunden verbracht haben. Aber um eine Zusammenarbeit zu vereinbaren, sich die Hände zu schütteln und in guten wie schlechten Zeiten zur Seite zu stehen – dafür wird es den menschlichen Kontakt nur noch mehr brauchen.

In der öffentlichen Diskussion fällt auch regelmäßig der Begriff „Bubble“. Gibt es Parallelen zur Dotcom-Blase? Das Internet hat sich bekanntlich durchgesetzt, aber dennoch haben damals viele Investor:innen Geld verloren …

Ich kann nicht ausschließen, dass es erhebliche Korrekturen gibt und die aktuellen Gewinner nicht die langfristigen Sieger sind. Das kann kurzfristig zu Verwerfungen führen. Aber ich bin sicher, dass wir am Beginn einer unfassbaren Transformation stehen. Das wird in fünf Jahren zehnmal so viele Lebensbereiche betreffen. Sich nicht damit zu beschäftigen, weil es kurzfristig eine Blase sein könnte, wäre ein Fehler.

Ich möchte noch einmal herauszoomen: Siehst du in den aktuellen geopolitischen Verwerfungen Chancen für Europa?

Ich bin ein glühender Europäer. Ich glaube, hier ist der beste Ort zum Leben, wir haben hervorragende Universitäten und sind ein reicher Kontinent. Wir müssen nur in die Gänge kommen. Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Kapitalmarkt und müssen mehr Kapital, das aktuell geparkt ist, in Innovation lenken. Wir müssen Late-Stage-Funding in Europa ermöglichen. In den USA finanzieren Pensionskassen und Stiftungen die Innovation – und die Rendite kommt den amerikanischen Pensionisten zugute. Diesen Kreislauf müssen wir in Europa dringend in Gang kriegen.

Woran hakt es?

Wir haben ein träges, nationalstaatliches System. Aber Wirtschaftswachstum in Europa ist untrennbar mit Technologie verbunden – ob Robotik, KI oder Industrie. Die Startups von heute müssen die Leitbetriebe von morgen werden, um unser Wirtschaftssystem am Laufen zu halten. Neun der zehn größten US-Firmen sind ehemalige Startups. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit solche Firmen auch hier wachsen können: Zugang zu Kapital, Talent, Regulatorik und Exit-Bedingungen.

Wie wirkt sich der durch die aktuelle US-Politik teilweise heraufbeschworene Konflikt zwischen Europa und den USA auf euch aus? Ihr seid als Seed-Investor oft darauf angewiesen, dass US-Fonds in späteren Runden einsteigen.

„Money follows opportunities.“ Wenn die besten Gründer hier starten, werden globale Investoren kommen. Aber wir brauchen auch europäisches Growth Capital, um nicht ab der Series B von amerikanischen Investoren abhängig zu sein. Wenn wir das richtig aufsetzen, macht das nicht nur Investoren reicher, sondern eine ganze Volkswirtschaft.

Speedinvest hat angedeutet, sich selbst stärker in Richtung Growth Capital zu entwickeln. Gibt es da Pläne?

Das ist ein logischer Prozess. Wir sind im Kern ein Seed-Fonds und werden das auch bleiben. Aber wir haben über 15 Jahre gelernt, Top-Companies zu identifizieren. Wir haben begonnen, mit einem dedizierten Vehikel selektiv auch im Growth-Bereich zu investieren – primär ins bestehende Portfolio, aber auch in neue Unternehmen. Das sind Tickets von zehn bis 30 Millionen Euro. Von den Milliarden-Runden im Late-Stage-Bereich sind wir aber weit entfernt.

Kann der geplante österreichische Dachfonds einen signifikanten Beitrag für heimisches Growth Capital leisten?

Er ist ein gutes Mittel, um institutionelles Kapital zu mobilisieren. Wichtig ist aber, dass er wirklich zusätzliches Kapital in die Asset-Klasse bringt und nicht nur vorhandenes Geld umschichtet. Wenn man es schafft, neue institutionelle Anleger zu begeistern und edukativ zu wirken, kann das den Standort voranbringen.

Zuletzt ein kurzer Ausblick: Was ist von Speedinvest 2026 zu erwarten?

Wir werden das tun, was wir die letzten 15 Jahre gemacht haben: die besten Gründerinnen und Gründer Europas dabei unterstützen, große Companies zu bauen. Ich wünsche mir weniger Schlagzeilen über uns als Fonds, sondern viele große Schlagzeilen über die Erfolge unserer Beteiligungen, die Europa digitaler und zukunftsfitter machen.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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