17.06.2025
HALBJAHRESSTATISTIK

Weiterer Anstieg bei Firmeninsolvenzen – 38 Prozent können sich Verfahren nicht leisten

Der Kreditschutzverband KSV1870 veröffentlichte seine Halbjahresstatistik. Die Zahl der Insolvenzen stieg zuletzt weiter an. Es gibt aber auch positive Entwicklungen.
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Firmeninsolvenzen - Pixelrunner - Ein Bild zeigt das Wort
Symbolbild Insolvenz (c) Adobe Stock / Pixel-Shot

Schon in den vergangenen zwei Jahren war die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich jeweils gestiegen. Die nun veröffentlichte Halbjahresstatistik des Kreditschutzverbands KSV1870 weist abermals einen Anstieg aus. Rund 3.500 Unternehmen mussten laut Hochrechnung im ersten Halbjahr 2025 Insolvenz anmelden – das entspricht einem Plus von 6,1 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024.

Noch stärker stieg dabei die Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Verfahren an, nämlich um 10,5 Prozent auf 1.325 Fälle. Das bedeutet, rund 38 Prozent der Unternehmen fehlten sogar die 4.000 Euro zur Deckung der Gerichtskosten – oftmals zum Nachteil ihrer Gläubiger:innen.

„Hohes Insolvenzaufkommen, wie wir es in Österreich zuletzt im Jahr 2005 zu verzeichnen hatten“

„Die Unternehmen kommen in Zeiten einer internationalen Omnikrise aktuell kaum zur Ruhe. Die unausweichliche Folge ist ein hohes Insolvenzaufkommen, wie wir es in Österreich zuletzt im Jahr 2005 zu verzeichnen hatten. Zudem deutet aktuell vieles darauf hin, dass uns diese Situation noch einige Zeit begleiten wird“, kommentiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Der Kreditschutzverband geht in seiner Prognose von noch einmal so vielen Insolvenzen im zweiten Halbjahr, also einer Gesamtzahl von rund 7.000 aus.

Auch positive Entwicklungen in der Insolvenzstatistik

Zumindest in der Statistik gibt es aber auch gute Nachrichten: Das Gesamtvolumen der Passiva ging zuletzt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 um 56,8 Prozent auf insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro zurück. Auch die Anzahl der betroffenen Arbeitnehmer:innen sank um 20,5 Prozent auf etwa 10.500, jene der betroffenen Gläubiger:innen um 23,4 Prozent auf rund 20.000.

Signa dominiert weiterhin die Top-Liste

Der Grund für diese positiven Entwicklungen ist ein massiver Rückgang bei den Mega-Insolvenzen. Im Vergleichshalbjahr 2024 hatte es fünf Insolvenzen mit mehr als 500 Millionen Euro, teilweise sogar mehr als einer Milliarde Euro Passiva gegeben – vier davon waren der Signa-Gruppe zuzuordnen. In der aktuellen ersten Jahreshälfte gab es nur einen so großen Insolvenzfall: die Herkules Holding GmbH mit 710 Millionen Euro Passiva, die ebenfalls zur Signa-Gruppe zählt. Auch die Plätze 2, 3, 4 und 6 der größten Insolvenzen im ersten Halbjahr 2025 kommen aus der Signa-Gruppe.

Wien ganz oben in der Bundesländer-Insolvenzstatistik

Generell ist aktuell besonders der Immobilienbereich von großen Insolvenzen mit mehr als zehn Millionen Euro Passiva betroffen. „Rund die Hälfte aller Großinsolvenzen betreffen Unternehmen aus dem Grundstücks- und Wohnungswesen. Diese haben zuletzt recht häufig mit hohen Passiva zu kämpfen und sind traditionell vor allem in Wien angesiedelt. Das führt dazu, dass sich das Handelsgericht Wien aktuell besonders häufig mit Großinsolvenzen befassen muss“, erklärt Götze. Etwa 30 von 40 Insolvenzen über zehn Millionen Euro Passiva wurden demnach in der Bundeshauptstadt angemeldet. Auch insgesamt steht Wien mit 1.366 von 3.500 Fällen, also rund 39 Prozent, ganz oben in der Bundesländer-Insolvenzstatistik.

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© invest.austria

Am 4. November 2026 lädt der Branchenverband invest.austria in den Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn. Unter dem Motto „Postcard or Powerhouse: The European Imperative“ versammelt das Event mehr als 500 Gäste, darunter Business Angels, Venture-Capital- und Private-Equity-Investor:innen sowie Family Offices aus Österreich, der DACH-Region und CEE.

Vor dem Hintergrund aktueller makroökonomischer Herausforderungen soll ein Weckruf an das Ökosystem formuliert werden: „Europa steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Wir können nicht länger nur die malerische Postkarten-Kulisse der Welt sein, wir müssen zu einem echten wirtschaftlichen Powerhouse werden“, so Niki Futter, Präsident von invest.austria.

Europa soll seine Industriestärke ausspielen

Inhaltlich gliedert sich die Konferenz in drei Schwerpunkte: die Nutzung industrieller Kernkompetenzen, eine klare geopolitische und technologische Positionierung sowie die Beschleunigung von Kapitalflüssen. Im Fokus stehen neben Robotik und industrieller KI auch Investitionen in Souveränitäts- und Verteidigungstechnologien.

Wie sich universitäre Forschung zu einem marktführenden Deep-Tech-Unternehmen entwickeln lässt, skizziert Georg Kopetz, Co-Gründer und CEO von TTTech, in seiner Keynote. Kopetz forderte im brutkasten-Interview bereits eine stärkere Vernetzung europäischer Börsenplätze, um heimischen Tech-Akteuren bessere Wachstumsbedingungen zu bieten.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz ist prominent besetzt: Mit Dennis Just spricht ein Vertreter des europäischen KI-Unternehmens Mistral. Just sorgte im Frühjahr für Schlagzeilen: Mistral übernahm das von ihm mitgegründete Linzer Startup Emmi AI (brutkasten berichtete).

„Unser Ziel ist es, Österreich und die CEE-Region noch stärker als attraktiven Investitions- und Innovationsstandort zu positionieren“, beschreibt Daniela Haunstein, Geschäftsführerin von invest.austria, die Mission der Konferenz.

Wo das Wachstumskapital herkommen soll

Neben der technologischen Ausrichtung steht die Mobilisierung von Wachstumskapital im Vordergrund. Dabei wird konkret die Rolle des geplanten österreichischen „Startup & Scale-Up Fund“ diskutiert. Ein eigenes Panel thematisiert, inwiefern Dachfonds als Brückenbauer die Finanzierungslücke zwischen Tech-Unternehmen und institutionellem Kapital schließen können.

Valentin Krenkel, stellvertretender Geschäftsführer von invest.austria, betont: „Ein leistungsfähiger Kapitalmarkt braucht mehr als nur die Finanzierung junger Startups. Von der ersten Wachstumsphase über die internationale Skalierung bis hin zu Unternehmensnachfolgen und erfolgreichen Exits spielt privates Kapital eine entscheidende Rolle. Genau diese Bandbreite wollen wir auf der invest.austria conference sichtbar machen.“

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