12.07.2022

Berliner InsurTech-Unicorn wefox erhält 400 Millionen Dollar Investment

Das in Berlin ansässige InsurTech-Startup wefox hat in einer Series-D Finanzierungsrunde 400 Mio. US-Dollar eingesammelt. Die Post Money-Bewertung liegt bei 4,5 Milliarden US-Dollar.
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Das Wefox-Gründerteam | (c) Wefox

Trotz turbulenter Zeiten für Tech-Unicorns und der Eintrübung des Finanzierungsmarktes konnte wefox in seiner jüngsten Series-D-Finanzierungsrunde ein 400 Millionen US-Dollar Investment abschließen. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Mubadala Investment Company. Zudem beteiligten sich an der Runde auch Eurazeo, LGT, Horizons Ventures und Omers Ventures.

wefox erzielt Post-Money-Bewertung von 4,5 Milliarden US-Dollar

Die letzte Series-C-Runde für das Berliner InsurTech ging im Juni 2021 über die Bühne. Damals sammelte das Unternehmen 650 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von drei Milliarden US-Dollar ein. Mit der soeben abgeschlossenen Finanzierungsrunde konnte das Unternehmen seine Post-Money-Bewertung auf 4,5 Milliarden US-Dollar ausbauen. Laut wefox handelt es sich um die bisher höchste Bewertung für ein privates InsurTech-Unternehmen.

„Mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage sind wir auf unsere Erfolgsbilanz sehr stolz und freuen uns über das Vertrauen unserer Investoren. Wir haben die nötige finanzielle Disziplin bewiesen und beschleunigen mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Finanzierungsrunde nicht nur unsere Expansion, wir erhöhen auch das Tempo auf dem Weg zur Profitabilität“, so Fabian Wesemann, CFO und Co-Founder von wefox.

Verdopplung des Umsatzziels geplant

In den vergangenen sechs Jahren konnte wefox seinen Umsatz kontinuierlich steigern. 2021 erreichte der Digitalversicherer 320 Millionen US-Dollar Umsatz. Für dieses Jahr plant wefox eine erneute Verdopplung mit einem Umsatzziel von 600 Millionen Euro. Die ersten vier Monate 2022 erzielte wefox laut eigenen Angaben bereits einen Umsatz von über 200 Millionen US-Dollar. „wefox hat mehr als zwei Millionen Kunden und wir sind auf dem besten Weg, bis zum Ende dieses Jahres die Marke von drei Millionen Kunden zu überschreiten“, so Julian Teicke, CEO und Co-Founder von wefox.

wefox zählt 1300 Mitarbeiter:innen

wefox hat sein Unternehmen von 550 Mitarbeiter:innen im Jahr 2020 auf heute mehr als 1300 Mitarbeiter:innen ausgebaut. Für dieses Jahr plant das Unicorn weiterhin eine Vielzahl von Stellen an unterschiedlichen Standorten auszuschreiben. Erst Anfang Juni gab wefox die Berufung von Prinz Maximilian von und zu Liechtenstein und der ehemaligen Klarna-Geschäftsführerin Hanna Jacobsson in den Verwaltungsrat bekannt.

Mit dem neuen Investment plant wefox die Expansion in weitere Märkte sowie die Weiterentwicklung der Plattform. Um welche Märkte es sich konkret handelt, ist bis dato noch nicht bekannt. Dazu heißt es von Teicke abschließend: „Mit wachsender Größe erhöhen sich auch die Möglichkeiten, schneller zu skalieren. Schon bald werden wir neue Märkte in Europa erschließen. Im Anschluss planen wir über Europa hinaus zu expandieren und haben die USA und Asien im Fokus. Bis dahin verdoppeln wir die Entwicklungsressourcen für unsere Produktentwicklung.“


Video-Archiv: brutkasten Investors Talk mit Julian Teicke

Im März 2020 war unter anderem Julian Teicke zu Gast im Investors Talk und hat sich damals zur Problematik von Down-Rounds in Zeiten der Coronakrise geäußert.

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Das Gründerteam von vioom: Lucia Studer und Ronny Türtscher | (c) vioom

Wer auf dem Land lebt, kennt das Problem: Der nächste Bus fährt erst in zwei Stunden und ohne eigenes Auto wird selbst der Weg zum Arzt oder zum Einkaufen zur Herausforderung. Diese Erfahrungen hat auch das Gründerteam des Vorarlberger Startups vioom gemacht. Sie kommen aus dem Großen Walsertal, wo öffentliche Verkehrsverbindungen teilweise nur im Zwei-Stunden-Takt angeboten werden.

„Wir haben als Jugendliche immer Autos gestoppt“, erzählt Mitgründer und Co-CEO Ronny Türtscher. Aus Bedarfserhebungen zur Mobilität in der Region, die Türtscher selbst begleitete, entstand schließlich die Idee zu vioom.

Hinter dem Startup steht die im Februar 2026 gegründete VAREO Innovations GmbH mit Sitz in Ludesch. Als CEOs fungieren Ronny Türtscher und Lucia Studer. Das Gründerteam bringt nach eigenen Angaben gemeinsam mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit.

Personen- und Warentransporte gemeinsam organisieren

Vioom setzt auf sogenannte On-Demand-Mobilität: Fahrgäste können über eine App eine Strecke innerhalb eines festgelegten Gebiets buchen. Das System organisiert daraufhin ein verfügbares Shuttle. Anders als bei klassischen Anrufsammeltaxis sollen die Fahrzeuge zusätzlich regionale Waren transportieren. „Wir versuchen, die Ausnutzung so hoch wie möglich zu halten und diese Wege von A nach B mit mehreren Erlösströmen zu gestalten“, sagt Türtscher. So könnte ein Shuttle beispielsweise eine Gemüsekiste bei einem Bauernhof abholen, anschließend einen Fahrgast vom Bahnhof transportieren und die Ware danach bei einem Hotel abliefern.

Ziel ist es, Leerfahrten zu reduzieren und Fahrzeuge auch außerhalb der Stoßzeiten auszulasten. Gleichzeitig soll das Angebot bestehende Bus- und Bahnverbindungen ergänzen und insbesondere die sogenannte „First und Last Mile“, also den Weg zur beziehungsweise von der nächsten Haltestelle, abdecken. Durch die gemeinsame Nutzung der Fahrzeuge und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr sollen zudem CO₂-Emissionen reduziert werden. Die Regionen entscheiden dabei selbst, wann Personen- beziehungsweise Warentransporte angeboten werden. Die Durchführung übernehmen beispielsweise regionale Taxiunternehmen. Vioom selbst stellt keine Fahrzeuge oder Fahrpersonal bereit, sondern liefert die Software und begleitet die Umsetzung.

Wie sich die regionale Mobilität rechnen soll

Mit seinem Geschäftsmodell richtet sich vioom an Gemeinden und Regionen. Diese zahlen je nach Modell eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Plattform. Zusätzlich erhält das Startup eine Vermittlungsprovision für jede gebuchte Fahrt. Die Fahrgäste und Unternehmen bezahlen für die jeweiligen Personen- oder Warentransporte. Diese Einnahmen fließen grundsätzlich an die Regionen selbst. Die Abrechnung erfolgt vollständig automatisiert über die Plattform.

Durch die Kombination von Personenbeförderung und Warenlogistik sollen die Fahrzeuge besser ausgelastet und zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Langfristig will vioom damit die Wirtschaftlichkeit regionaler Mobilitätsangebote verbessern und deren Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen verringern.

Technologiepartnerschaft mit ioki

Für die technische Umsetzung arbeitet vioom mit dem Mobilitätstechnologie-Anbieter ioki zusammen. Das Unternehmen ist ursprünglich aus der Deutschen Bahn hervorgegangen und bietet Software für bedarfsgesteuerte Mobilitätsangebote an. Vioom nutzt Teile dieser Technologie und hat darauf aufbauend ein eigenes Logistikmodul entwickelt.

Die Partnerschaft soll auch die Skalierung erleichtern. Für jede Region wird zwar eine individuelle Mobilitätsanalyse durchgeführt, die anschließende Umsetzung erfolgt jedoch über eine standardisierte, anpassbare Plattform.

Eigenfinanziert und erste Pilotprojekte geplant

Bislang wurde vioom vollständig aus Eigenmitteln der CEOs finanziert, mit einem Stammkapital von 12.000 Euro. An der VAREO Innovations GmbH sind die LOONEY GmbH (gehört unter anderem Lucia Studer) mit 66,67 % und scale.out (gehört Ronny Türtscher) mit 33,33 % beteiligt. Für externe Investoren zeigt sich das Unternehmen grundsätzlich offen.

Die größte Herausforderung besteht laut Türtscher darin, erste Referenzprojekte umzusetzen und nachzuweisen, dass die Kombination aus Personen- und Warentransporten tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bringt. „Viele Kunden fragen: Was habt ihr schon gemacht und was könnt ihr nachweisen?“, erzählt der Gründer.

Der erste Pilotbetrieb ist derzeit in Vorarlberg in Vorbereitung, ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest. Parallel führt vioom Gespräche mit zwei Landkreisen und einer Stadt in Deutschland. Bis Ende 2027 will das Startup drei bis fünf Regionen an die Plattform angebunden haben. Zusätzlich sollen weitere Partnerschaften und Anwendungen, etwa im Tourismus, entstehen.

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