23.04.2026
PERSONALIE

WeAreDevelopers holt Tricentis-Co-Founder Wolfgang Platz ins Advisory Board

Der Wiener, der mit Tricentis eines der bekanntesten österreichischen Software-Unternehmen aufgebaut hat, unterstützt nun nicht nur als Investor, sondern auch als Advisor die globale Expansion der Entwickler-Plattform WeAreDevelopers.
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Ben Ruschin, Co-Founder von WeAreDevelopers und Wolfgang Platz, Investor und Advisor bei WeAreDevelopers. | © brutkasten; Tricentis

Wolfgang Platz ist in der europäischen Tech-Szene kein unbekanntes Gesicht. Das von ihm 2007 in Wien mitgegründete Unternehmen Tricentis wurde 2024 bei einem Investment von 1,33 Milliarden Dollar mit 4,5 Milliarden US-Dollar bewertet und gilt als eines der wenigen österreichischen Unternehmen, denen der Sprung zu globaler Marktrelevanz gelungen ist (brutkasten berichtete).

Vor Kurzem investierte Platz eine unbekannte Summe in WeAreDevelopers und steigt nun auch als Advisor in die Plattform für Developer, KI-Expert:innen und Tech-Entscheider:innen ein. Erst letzten Monat hatte WeAreDevelopers einen Neuzug im Advisory Board verkündet: Strategin Antonella Mei-Pochtler (brutkasten berichtete).

Platz soll operative Erfahrung einbringen

Was Platz für WeAreDevelopers interessant macht, ist nicht nur sein Name, sondern vor allem seine jahrelange Erfahrung. Mit Tricentis hat er gezeigt, wie man ein Enterprise-Software-Unternehmen von Wien aus auf über 20 internationale Standorte skaliert und dabei Kunden wie Toyota, Allianz, BMW und der Deutschen Bank für sich gewinnt (brutkasten berichtete). Heute konzentriert er sich auf Investments und die strategische Beratung wachstumsstarker Technologieunternehmen.

Sead Ahmetovic, CEO von WeAreDevelopers, benennt offen, was er sich von diesem Einstieg erhofft: „Mit ihm als Investor und Advisor gewinnen wir nicht nur strategische Klarheit, sondern vor allem operative Erfahrung in den entscheidenden Bereichen: Enterprise Go-to-Market, internationale Expansion und nachhaltiges, produktgetriebenes Wachstum.“

Platz kommentiert sein Investment wie folgt: „Ich bin überzeugt, dass dieses Team daraus ein marktprägendes Unternehmen formen kann, und freue mich darauf, diesen Weg aktiv zu begleiten.“

Expansion im Gange

2017 gründeten Benjamin Ruschin, Thomas Pamminger und Sead Ahmetovic WeAreDevelopers mit dem Ziel, Unternehmen bei der Suche nach IT-Fachkräften zu unterstützen (brutkasten berichtete). Das Modell setzt auf die Verbindung von Community-Plattform und physischen Events. Flaggschiff dafür ist der jährliche WeAreDevelopers World Congress in Berlin. Für Herbst 2026 ist zudem ein erster World Congress North America in San José, Kalifornien, geplant.

Platz spielt dabei offenbar bereits eine aktive Rolle: Den Expansionsschritt nach Indien soll er bereits angestoßen haben, noch bevor der Deal offiziell kommuniziert wurde, wie Co-Founder Benjamin Ruschin im brutkasten-Talk vor einigen Monate erzählte.

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Diego Szekely programmierte seine Diabetes-App im Alleingang © Hannah Fasching

„Ich war der, der die Waage rausgeholt hat, um meinen Insulinbedarf zu berechnen“, erinnert sich Carbetic-Gründer Diego Szekely an die Zeit nach seiner eigenen Typ-1-Diabetes-Diagnose vor vier Jahren. Bei der Autoimmunerkrankung produziert der Körper überhaupt kein eigenes Insulin mehr, weshalb jede Aufnahme von Kohlenhydraten exakt berechnet und durch externe Insulingaben ausgeglichen werden muss.

Im Austausch mit anderen Betroffenen stellte er jedoch schnell fest, dass die meisten Diabetiker:innen im Alltag ihren Bedarf lediglich abschätzen. Da ungenaue Werte langfristige gesundheitliche Risiken bergen, entwickelte der heute 18-Jährige Carbetic, um eine verlässlichere, unkomplizierte Lösung im Alltag anzubieten. „Ich hab einfach das gebaut, was uns Diabetikern wirklich gefehlt hat“, so der Gründer.

© Carbetic

Räumliche Tiefe als technischer USP

Mittlerweile ist die Anwendung bereits in 41 Sprachen verfügbar, wobei aktuell die USA, dicht gefolgt von Deutschland, den größten Markt darstellen. Das technische Fundament unterscheidet sich laut dem Gründer aus Perchtoldsdorf vor allem in einem Punkt von klassischen Lifestyle-Trackern.

Statt einer simplen 2D-Bildanalyse setzt Carbetic laut eigenen Angaben auf räumliche Tiefe durch drei schnell geschossene Fotos aus unterschiedlichen Winkeln sowie LiDAR-Sensoren moderner Smartphones. „Die drei Fotos sind wahnsinnig wichtig, um die Dimensionen gescheit abzuschätzen“, betont Szekely.

Aus der Kombination dieser Bild- und Raumdaten berechnet ein feinjustiertes KI-Modell schließlich den Kohlenhydratgehalt der einzelnen Komponenten auf dem Teller, der wiederum für die Bestimmung des Insulinbedarfs benötigt wird. Neben der Foto-Analyse wird das Produkt in der Praxis durch eine integrierte Sprachsteuerung sowie die Option ergänzt, Koch-URLs oder abfotografierte, handschriftliche Rezepte automatisch von der KI auslesen zu lassen.

Conversion im SaaS-Modell

Nach nur drei Monaten verzeichnet die App rund 20.000 Downloads. Interessant ist vor allem die Conversion-Rate: „5.000 Nutzer sind aktuell in einem Probeabo oder bezahlten Abo“, erklärt der Gründer. Von den 5.000 „zahlen bereits 4.000“, so Szekely weiter. Das Geschäftsmodell basiert auf einer Software-as-a-Service-Struktur. Das Einstiegs-Abo für bis zu zehn Analysen am Tag kostet 4,49 Euro im Monat, während die unlimitierte Version für 9,99 Euro angeboten wird.

Auf die Frage, wie man ein solches Wachstum erziele, meint der Gründer: „Gute Frage. Und da ich keine gute Antwort habe, ist die Antwort, das Produkt funktioniert.“ Hauptsächlich über Mundpropaganda und Empfehlungen von Ärzt:innen, die Szekely unter anderem auf Ärztekongressen kennenlernte, wachse das Produkt aktuell organisch. „Wenn mir Patient:innen schreiben, dass die App ihnen hilft, den Alltag ein Stück mehr wie ein gesunder Mensch zu leben, macht mich das einfach so stolz“, so der Gründer.

„Mit allen großen Medizintechnik-Firmen in Kontakt“

Einen langfristigen Wettbewerbsvorsprung will sich der Gründer, der für sein Startup Studienplätze am UCL und King’s College in London sausen lässt, künftig über zwei strategische Säulen verschaffen, die über die reine Nutzer:innenbasis hinausgehen. Neben einer umfassenden Datensammlung zur Optimierung der Algorithmen steht ein digitaler Ärztezugang im Fokus. Über diesen können Mediziner:innen nach expliziter Freigabe die Mahlzeiten ihrer Patient:innen analysieren und die Therapie gezielter begleiten.

Während der aktuelle Fokus auf Typ-1-Diabetes-Patient:innen liegt, zeigt sich Szekely zuversichtlich, dass auch Typ-2-Patient:innen über kurz oder lang auf seine Anwendung zugreifen werden: „Alle Apps, die Typ 1 machen, übernehmen irgendwann auch den Typ-2-Markt. Das ist immer so.“ Zudem startet in Kürze eine Genauigkeitsstudie mit der Universität Wien. Auch gegenüber strategischen Partnerschaften und Investments zeigt sich der Solo-Founder offen: „Ich bin mit allen großen Medizintechnik-Firmen im Diabetes-Bereich in Kontakt. Und die sind alle begeistert.“

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