29.09.2025
WEITERES EVENT

WeAreDevelopers expandiert nach Indien

Im brutkasten-Studio-Talk sprach Co-Founder Benjamin Ruschin über die Expansionspläne von WeAreDevelopers und wie es dazu kam.
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WeAreDevelopers-Co-Founder Benjamin Ruschin im brutkasten-Studio | © brutkasten / Dervisevic
WeAreDevelopers-Co-Founder Benjamin Ruschin im brutkasten-Studio | © brutkasten / Dervisevic

Erst im Juli kündigte WeAreDevelopers den Schritt über den Atlantik in die USA inklusive „World Congress North America“ als Großevent an – brutkasten berichtete. Kürzlich machte das auf Entwickler:innen spezialisierte Wiener HR-Unternehmen nun weitere Expansionspläne bekannt: Auch in Banaglore, Indien, ist ein Event geplant. Mit 2.000 bis 3.000 Teilnehmer:innen ist dieses im ersten Durchgang aber deutlich kleiner angesetzt als die beiden „World Congress“-Formate in Berlin und San Jose, Kalifornien – letzteres soll schon bei der ersten Ausgabe 2026 rund 10.000 Personen anziehen.

„Alle unsere Kunden haben Softwareentwickler in Indien“

Das Event in Bangalore soll helfen, den indischen Markt zu erschließen. Der Subkontinent genießt bekanntlich den Ruf, der weltweit größte Pool für IT-Talente zu sein. Nicht umsonst lagern Unternehmen aus der ganzen Welt Entwickler-Tätigkeiten nach Indien aus, wobei die 13-Millionen-Einwohner-Stadt Bangalore als Zentrum der HighTech-Industrie des Landes gilt.

Tricentis-Gründer Wolfgang Platz stieß als neuer WeAreDevelopers-Investor Expansion an

„Alle unsere Kunden haben Softwareentwickler in Indien. Der Markt für Developer und AI-Professionals in Indien ist riesengroß“, sagt Benjamin Ruschin, der vor einigen Monaten als Executive Chairman zurückgekehrte WeAreDevelopers-Co-Founder, im brutkasten-Studio Talk. Angestoßen habe den Expansionsschritt Tricentis-Gründer Wolfgang Platz, der kürzlich als Investor bei WeAreDevelopers eingestiegen ist. Nun erwarte man sich dadurch ein „massives Umsatzwachstum“.

„Haben das Gefühl, dass wir am europäischen Markt ein Plateau erreicht haben“

Und nicht nur dadurch. „Wir haben ein bisschen das Gefühl, dass wir am europäischen Markt ein Plateau erreicht haben. Wir wissen, wie die allgemeine wirtschaftliche Lage aktuell aussieht: Die ist nicht besonders positiv. Und wir möchten dort sein, wo wir auch ein progressives Wachstum sehen, wo wir verstanden werden und wo das, was wir anbieten, so wertgeschätzt wird, wie es auch der Fall sein sollte“, sagt Ruschin. Entsprechend sei auch die Entscheidung für die US-Expansion gefallen, mit der man den eigenen Großkunden auch ein Event vor Ort bieten wolle.

Ruschin resümiert: „Wir haben uns von einer österreichischen Developer-Konferenz zu einem europäischen Unternehmen entwickelt. Jetzt gehen wir in die USA und parallel nach Indien. Das macht einfach Sinn. Es macht uns wertvoller, es macht uns attraktiver und wir können unseren Kunden und den Arbeitgebern, mit denen wir zusammenarbeiten, einen viel größeren Mehrwert bieten, weil wir noch internationaler werden.“


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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group

„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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