19.07.2022

EU gibt grünes Licht für milliardenschwere Wasserstoff-Förderung – diese Projekte aus Österreich profitieren

Die Europäische Kommission genehmigte das erste "wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse" (IPCEI) im Bereich Wasserstoff in Höhe von 14,2 Milliarden Euro. Österreich beteiligt sich mit insgesamt vier Projekten.
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(c) Adobestock

Bereits Anfang Juni kündigte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im Rahmen der Präsentation der österreichischen Wasserstoffstrategie an, dass sich Österreich am „wichtigen Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse“ (IPCEI) im Bereich Wasserstoff beteiligen wird. Das Vorhaben verfolgt das Ziel, eine wettbewerbsfähige, innovative und nachhaltige europäische Wasserstoff-Wertschöpfungskette aufzubauen – angefangen vom Einsatz in der Industrie bis Speicher und Transporttechnologien sowie die Nutzung von Wasserstoff in der Industrie oder schwer zu elektrifizierende Bereiche im Mobilitätssektor. Ein entsprechendes Manifest wurde bereits im Dezember 2022 von 22 Mitgliedstaaten der EU – darunter auch Österreich – sowie Norwegen unterzeichnet.

EU-Kommission gibt grünes Licht für Wasserstoff-Förderung

Die Europäische Kommission gab nun am 15. Juli grünes Licht zur Förderung von Wasserstoff-Großvorhaben in Höhe von 14,2 Milliarden Euro. Am europäischen Gesamtvorhaben des IPCEI Hy2Tech beteiligen sich insgesamt 41 Projekte von 35 Unternehmen aus 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die involvierten Mitgliedstaaten schütten Beihilfen in Höhe von mehr als 5,4 Milliarden Euro aus, die über die nächsten Jahre insgesamt zusätzlich 8,8 Milliarden Euro an privaten Investitionen auslösen sollen.

Vier Projekte aus Österreich

Von österreichischer Seite sind die Unternehmen AVL List, Christof Industries, Robert Bosch und Plastic Omnium New Energies Wels mit insgesamt vier Projekten beteiligt, wie das Klimaschutzministerium (BMK) zu Wochenbeginn bekannt gab. Für alle Projekte im IPCEI Wasserstoff werden Beihilfen in der Höhe von 125 Millionen Euro aus dem Programm zur europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) bis 2026 bereitgestellt.


Die vier Projekte im Detail

AVL entwickelt den weltweit ersten Hochtemperaturelektrolyseur auf Basis metallgestützter Zellen (MSCs) bis zur Serienreife. Dadurch kann erneuerbarer Wasserstoff mit deutlich höherem Wirkungsgrad und somit kosteneffizienter hergestellt werden, als es mit derzeit verfügbaren Technologien möglich ist. Mit der Integration dieses Systems in verschiedenste Industriezweige leistet das Projekt einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energie- und Industriesystems.

Christof Industries industrialisiert den weltweit ersten Hochtemperaturelektrolyseur auf Basis metallgestützter Zellen (MSCs) und leitet diesen in eine Serienproduktion über. Dadurch kann erneuerbarer Wasserstoff deutlich kosteneffizienter und mit höherem Wirkungsgrad hergestellt werden, als es mit derzeit verfügbaren Technologien möglich ist. Mit der Integration dieses Systems in verschiedenste Industriezweige leistet das Projekt einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energie- und Industriesystems.

Bosch entwickelt und fertigt in Österreich Einspritzausrüstungen für Großmotoren. Die weltweiten Anwendungsfelder umfassen dabei Schifffahrt, dezentrale Energieerzeugung, Lokomotiven- und Industrieanwendungen. Um die Unabhängigkeit des Großmotorensektors von fossilen Energieträgern maßgeblich voranzutreiben, entwickelt Bosch im Zuge des Projekts eine neue Generation von Einspritzausrüstung zur Nutzung alternativer Kraftstoffe wie Wasserstoff und Methanol.

Plastic Omnium New Energies Wels wird im Projekt ein Wasserstoff-Brennstoffzellensystem für schwere Nutzfahrzeuganwendungen (Lkw, Bus, etc.) als serienfähiges Produkt und den dafür notwendigen Produktionsprozess entwickeln. Innovationen bei Komponenten, im Prozess und in der Betriebsstrategie der Brennstoffzelle sollen den Wirkungsgrad, die Lebensdauer und die Umweltfreundlichkeit im Lebenszyklus steigern. Durch Anwendung und Übertragung von Fertigungsprozessen aus der Autoindustrie und den Einsatz von modernen Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien sollen sowohl die Herstellkosten als auch die Entwicklungszeit bis zur Alltagstauglichkeit entscheidend verkürzt werden.

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deltaVision beschäftigt heute 125 Mitarbeitende © deltaVision

Das 2022 gegründete Münchner Unternehmen deltaVision hat in seiner ersten Finanzierungsrunde 10,2 Millionen Euro eingesammelt. Wie das Startup mitteilt, wird die Runde von KT Ventures und Valemount Capital angeführt. Zudem beteiligen sich Futury Capital sowie weitere private Investor:innen über ein Investitionsvehikel.

Skalierung im Münchner Werk

Nach eigenen Angaben wirtschaftet deltaVision seit der Gründung profitabel und beschäftigt mittlerweile 125 Mitarbeitende in einem ehemaligen Siemens-Werk in der Münchner Innenstadt. Das frische Kapital soll vor allem in den Kapazitätsausbau fließen, um die Produktion von Ventilen und Antriebskomponenten auf 5.000 Einheiten pro Jahr zu steigern. Parallel dazu will das Unternehmen Technologien für das orbitale Betanken von Raumfahrzeugen weiterentwickeln.

„Wir setzen auf ein offenes und interoperables Ökosystem für In-Orbit-Services, statt auf ein Modell, bei dem am Ende ein einzelner Anbieter den gesamten Markt beherrscht.“, wird CEO und Mitgründer Alex Plebuch in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Ein offenes Ökosystem vergrößere den Gesamtmarkt erheblich, wovon alle Akteure profitierten, heißt es weiters.

Expansion nach Frankreich und in die USA

Neben der Kapazitätserweiterung in Deutschland plant das Startup den Aufbau von Forschung und Produktion in Frankreich über eine neu gegründete Tochtergesellschaft. Kurzfristig soll zudem eine eigene Ventilproduktion in den USA entstehen, um den dortigen Markt direkt zu bedienen.

Das Unternehmen beliefert laut eigenen Angaben mehr als 60 Kund:innen weltweit, darunter die Europäische Weltraumorganisation (ESA) für das Mondlander-Projekt „Argonaut“. Johannes Pichler von Lead-Investor KT Ventures begründet den Einstieg wie folgt: „Wir investieren nicht in ein Versprechen, sondern in ein profitables Geschäftsmodell mit enormem Rückenwind und internationalen Wachstumschancen.“

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