01.10.2015

Was haben die Wiener Parteien Startups zu bieten?

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Drei von vier Gründer haben Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden.

Am Mittwoch mussten sich Wiener Politiker einer ungewohnten Herausforderung stellen: Die Junge Industrie Wien bat zu einem „Partei Pitch“ auf dem A1 Startup Campus. Die Politiker hatten gestoppte zwei Minuten Zeit, um ihre Ideen für den Wirtschaftsstandort Wien zu präsentieren. Das Format ließ kaum Zeit für Allgemeinposten, über die weitgehend Einigkeit herrschte: In Wien brauche es mehr Unternehmergeist und überhaupt müsse die Stadt ganz schnell zur Startup-City Nummer eins werden. Wie der Weg dorthin auszusehen hat, darüber waren sich die Parteien allerdings weniger einig. Während sich Markus Ornig von den NEOS und Eduard Schock von der FPÖ für eine dringende Abschaffung der verpflichtenden Kammermitgliedschaft aussprechen, sind ÖVP, SPÖ und Grüne für eine Beibehaltung. Der deutlichen finanziellen Erleichterung stellte Christoph Chorherr von den Grünen entgegen, dass mit der Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft kleine Unternehmen ihre Stimme verlieren würden.

Kritik am status-quo

Auch an Kritik am status-quo wurde nicht gespart. Ornig will, dass es künftig nicht mehr durchschnittlich 20 Tage dauert, um ein Unternehmen zu gründen – im europäischen Vergleich sei das viel zu lange. Alexander Biach von der ÖVP kritisierte die vielen bürokratischen Hürden, die Startups im Alltag zu bewältigen haben und Schock betonte, dass in Wien die Gründerförderung viel niedriger sei, als in allen anderen Bundesländern. Was denn die SPÖ im Umkehrschluss bereits für Startups getan habe, möchte ein Veranstaltungsteilnehmer via Smartphone wissen. Katharina Schinner von der SPÖ verweist auf das Projekt „Mingo“  (Initiative der Wirtschaftsagentur Wien) mit dem leistbare Büroflächen geschaffen wurden. Auch die Förderungen seien erst vor zwei Jahren evaluiert worden und eine weitere Evaluierung stünde an. Chorherr wehrt sich gegen den Vorwurf, die Gebühren seien zu hoch: „Zeig mir eine Stadt, wo die Gebühren niedriger sind“, antwortet er Biach, dem allerdings die Pitch-Stoppuhr gerade keine Antwortzeit einräumte.

Begegnungszonen, Cluster, Startup-Campus

vlnr: Eduard Schock, Alexander Biach, Markus Ornig, Katharina Schinner, Nikolaus Griller (JI), Christoph Chorherr und Heinrich Schmid-Schmidsfelden (JI)
vlnr: Eduard Schock, Alexander Biach, Markus Ornig, Katharina Schinner, Nikolaus Griller (JI), Christoph Chorherr und Heinrich Schmid-Schmidsfelden (JI) (c) JI Wien

Wie man in Wien den Unternehmergeist fördern könnte? Man müsse im Bildungsbereich ansetzen, sind sich die Parteien einig. Ornig wird ein wenig konkreter und schlägt eigene Projektwochen vor. Chorherr glaubt, dass man über Begegnungszonen für Techniker und Kreative Startup-Ideen und deren Umsetzung fördern könnte und Schock spricht sich unbedingt für einen großen Startup-Campus in Wien aus, während Schinner auf bereits geschaffene Cluster wie NeuMarx und Aspern hinweist. Die europäische Vernetzung könnte in Wien noch weiter ausgebaut werden, merkte Schinner an.

Verleihung des „City Angel Awards“

Wer das junge Publikum am meisten überzeugt hat?  Über Smartphones konnten die Parteien bewertet werden und zwar vor und nach dem Pitch und der Diskussionsrunde. Im Anschluss wurden von der Jungen Industrie zwei Awards überreicht: Den „City Angel Award“ für die meisten Publikumsstimmen insgesamt erhielt Alexander Biach von der ÖVP und der Sonderpreis für den größten Zuwachs an Stimmen nach der Diskussionsrunde ging an Katharina Schinner von der SPÖ.

Die wichtigsten Startup-Punkte der Parteivertreter zusammengefasst:

Markus Ornig, NEOS:

Drei Top-Kandidaten der Wiener NEOS sind selbst Unternehmer
Es darf nicht mehr 20 Tage dauern, um ein Unternehmen zu gründen
Crowdfunding muss weiter ausgebaut werden
Gebühren müssen sinken (Arbeiterkammerumlage 2 und U-Bahn-Steuer)
Projektwochen in Schulen
Für eine Abschaffung der Kammermitgliedschaft

Alexander Biach, OVP

Die tagtägliche Verwaltung muss für Startups weniger bürokratisch werden
Unternehmertum muss in den Schulen gefördert werden
Der Rückgang der Industrieflächen muss gestoppt werden
Die Kammermitgliedschaft soll bleiben, aber weiterentwickelt werden
Beteiligungsfreibeträge für Business Angels

Christoph Chorherr, Grüne

Begegnungszone für Techniker und Kreative
Nachhaltiges Wirtschaften
Gegen Abschaffung der Kammermitgliedschaft
Soziale Sicherheit auch bei Startups fördern

Katharina Schinner, SPÖ

Wien hat tolle Cluster wie NeuMarx und Aspern
Wien muss europäisch besser vernetzt werden
Die Kammerpflicht soll bleiben, muss aber angepasst werden
Förderungen gehören wieder evaluiert

Eduard Schock, FPÖ

Die Gründerförderung muss in Wien steigen
Private Gelder müssen mobilisiert werden
Auslandsinvestoren anlocken
Wien braucht einen Startup-Campus
Für eine Abschaffung der verpflichtenden Kammermitgliedschaft

derBrutkasten.com hat nach der Veranstaltung bei den Kandidaten nachgehakt – das Gespräch erscheint in den nächsten Tagen im „Brutkasten“.

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Entrepreneur Of The Year in vier Kategorien

„Beim diesjährigen EY Entrepreneur Of The Year 2026 wollen wir unter dem Motto ‚Shapers of the Future‘ jene Unternehmer:innen in Österreich auszeichnen, die mit Weitblick und Entschlossenheit Veränderungen anstoßen, die langfristigen Erfolg ermöglichen und gleichzeitig positive Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft setzen“, sagt Erich Lehner, Partner bei EY und Verantwortlicher für den Award in Österreich.

Der Unternehmerpreis wurde heuer von der Fachjury in vier Kategorien vergeben: „Innovation & Hightech“, „Handel & Konsumgüter“, „Dienstleistungen“ und „Social Entrepreneur“. Darüber hinaus wurde Johannes Ferner, Gründer von fiskaly und Sieger des EY Scale-up Award 2026, in der Kategorie „Start-ups“ ausgezeichnet.

Fiskaly entwickelt cloudbasierte Lösungen für die steuerliche Compliance von Transaktionen in Europa: Fiskalisierung, E-Invoicing, Archivierung und digitale Belege. Das 2019 in Wien gegründete FinTech unterstützt Unternehmen dabei, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Johannes Ferner verfolgt seit der Gründung die Vision, „Fiskalisierung und steuerliche Compliance in Europa einfacher, effizienter und zukunftssicher“ zu gestalten.

Bogianzidis gewinnt Social Entrepreneur

Mit öKlo-Gründer Niko Bogianzidis wurde eine weitere Persönlichkeit aus der Startup-Szene ausgezeichnet. Der Founder erhielt die Auszeichnung als „Social Entrepreneur“ des Jahres. Sein Startup entwickelt nachhaltige Sanitärlösungen und verfolgt das Ziel, Kreislaufwirtschaft im Sanitärbereich voranzutreiben.

Volker Fuchs von Test-Fuchs indes wurde in der Kategorie „Innovation & Hightech“ prämiert. Das Familienunternehmen hat sich seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg von einem regionalen Betrieb zu einem global agierenden Technologieunternehmen entwickelt und baut hochspezialisierte Testsysteme und technische Lösungen für internationale Industriekunden, insbesondere in der Luftfahrtbranche. Dabei werden Mechanik, Elektronik und Software unter einem Dach entwickelt und gefertigt. Fuchs wurde zudem ausgewählt, Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year Award im Juni 2027 zu vertreten.

Industrieanlagenbauer und Bäckerhandwerk

Die Kategorie „Dienstleistungen“ ging an Roman Zauner und Andreas Beck von der Zaunergroup, einem oberösterreichischen Industrieanlagen- und Rohrleitungsbauer, der auf die großen Industrien der Zukunft setzt. Zu den Meilensteinen zählen der Einstieg ins Data-Center-Geschäft, die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner und internationale Großprojekte, darunter Vorhaben für Google in Norwegen und Österreich.

In der Kategorie „Handel & Konsumgüter“ überzeugte Martin Auer, der mit seinem gleichnamigen Unternehmen traditionelles Bäckerhandwerk mit Gastronomie, Markenerlebnis und hohem Qualitätsanspruch verbindet. Wachstumsimpulse setzt er mit der Expansion nach New York und dem Ausbau des Gastronomie- und Kaffeegeschäfts.

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