E-Scooter-Anbieter Voi startet Österreich-Rollout in Linz
Der schwedische E-Scooter-Anbieter Voi hat heute, Mittwoch, seinen Österreich-Rollout in Linz gestartet. Fahrer sind laut dem Unternehmen bei jeder Fahrt automatisch durch eine Haftpflichtversicherung der Wiener Städtischen geschützt.
(c) VOI: (v.l.): Claus Unterkircher, General Manager Österreich, Deutschland und Schweiz bei VOI, Günther Erhartmaier, Wiener Städtische Landesdirektor Oberösterreich
Österreich ist mit Voi um einen E-Scooter-Anbieter reicher – genauer gesagt Linz. Der Free-Floating-Service des schwedischen Anbieters startet nämlich vorerst nur in der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Roller-Fans in der Bundeshauptstadt Wien müssen sich noch gedulden. Von Seiten Claus Unterkircher, General Manager für den DACH-Raum bei Voi, heißt es auf Rückfrage des brutkasten, dass Voi den Wiener Markt „am Radar“ hätte. Ein genaues Datum für einen Rollout wurde jedoch noch nicht genannt.
Warum Linz für den österreichischen Markteintritt ausgewählt wurde, sei laut Unterkircher in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sich Voi in Zusammenarbeit mit der Stadt sehr schnell auf die passenden Rahmenbedingungen einigen konnte. Die oberösterreichische Landeshauptstadt ist derzeit die 18. europäische Stadt, in der das Unternehmen aktiv ist.
Fahrer sind während der Fahrt haftpflichtversichert
Der E-Scooter-Markt ist umkämpft. Derzeit liefern sich nun sieben Anbieter ein Wettrennen um die Marktführerschaft in Österreich. Um sich gegenüber den Mitbewerbern abzuheben, bietet Voi in Österreich einen speziellen Service an, nämlich eine im Preis inkludierte Haftpflichtversicherung. Dafür ist der schwedische Anbieter eine Kooperation mit der Wiener Städtischen eingegangen.
In einer Aussendung von Voi heißt es dazu, dass Nutzer bei jeder Fahrt mit dem Roller automatisch durch eine Haftpflichtversicherung der Wiener Städtischen geschützt sind. Die Versicherung deckt dabei, wie beim Autofahren, Ansprüche anderer nach einem Unfall ab. „Wir freuen uns sehr, dass wir das erste Unternehmen sind, das bei jeder Rollerfahrt automatisch einen Versicherungsschutz integriert. Zusammen mit der Stadt Linz und der Wiener Städtischen möchten wir der Bevölkerung ein nachhaltiges und sicheres Mobilitätsangebot machen“, sagt Unterkircher.
Insgesamt stehen 150 E-Scooter in Linz zur Verfügung. Diese sind täglich ab 7 Uhr Früh nutzbar. Um 21 Uhr werden die Roller wieder eingesammelt. Der Grundpreis für jede Fahrt beträgt einen Euro, anschließend kostet die Nutzung 15 Cent pro Minute.
Voi sichert sich 26 Millionen Investment
Wie Anfang März bekannt wurde, konnte das schwedische Unternehmen in einer Finanzierungsrunde 26 Millionen Euro aufstellen (der brutkasten berichtete). Das Kapital soll in die Weiterentwicklung des Produkts und die Erschließung des europäischen Marktes fließen. Laut Voi lege das Unternehmen vor einem Markteintritt besonderen Wert auf ausführliche Gespräche mit den jeweiligen Stadtverwaltungen.
Mehr Spinoffs und weniger Transfer-Personal? ECN warnt vor finanziellen Kürzungen beim Wissenstransfer
530 Startups und Spinoffs haben die Partnerhochschulen des Entrepreneurship Center Network im Vorjahr betreut, um 16 Prozent mehr als 2024. Bei der 6. ECN-Konferenz haben die Hochschulen einen Maßnahmenplan erarbeitet. Im brutkasten-Talk warnen ECN-Gründer Rudolf Dömötör und Sara Matt von der Universität Innsbruck zugleich davor, ausgerechnet jetzt beim Transfer zu kürzen.
Mehr Spinoffs und weniger Transfer-Personal? ECN warnt vor finanziellen Kürzungen beim Wissenstransfer
530 Startups und Spinoffs haben die Partnerhochschulen des Entrepreneurship Center Network im Vorjahr betreut, um 16 Prozent mehr als 2024. Bei der 6. ECN-Konferenz haben die Hochschulen einen Maßnahmenplan erarbeitet. Im brutkasten-Talk warnen ECN-Gründer Rudolf Dömötör und Sara Matt von der Universität Innsbruck zugleich davor, ausgerechnet jetzt beim Transfer zu kürzen.
Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.
Strategiearbeit im Fokus
Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.
(c) Ruiz Cruz
Mehr Role Models?
Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”
Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.
Die Frage des Budgets?
Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”
(c) Ruiz Cruz
Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.
Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.
Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen
Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.
Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.
Verbündete in der Politik?
Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.