01.03.2022

Virnect: Extended-Reality Startup aus Seoul macht Wien zum Europa-Standort

Durch seine attraktive Lage und die Verfügbarkeit von Fachkräften wird Wien zum Europa-Standort des südkoreanischen Jungunternehmens Virnect. Mit einem frischen 30 Mio. USD- Investment und dem neuen Forschungszentrum in Wien möchte das Startup beträchtlich wachsen.
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Virnect Extended Reality
Mit Virnect die Grenzen der Realität erweitern. | © Virnect
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Das in Seoul ansässige Extended-Reality (XR) Unternehmen Virnect hat Österreich zu seinem ersten internationalen Standort gemacht. Das 2016 gegründete Startup setzt seinen Fokus auf die Entwicklung von Applikationen und Lösungen mit Extended-Reality. Durch den Einsatz von Augmented-Reality (AR) und Virtual-Reality (VR) verschmilzt Virnect reale Umgebungen mit der virtuellen Welt und erleichtert somit Abläufe in vielen Anwendungsbereichen. 

Mitte 2020 eröffnete Virnect zusätzlich zu seinem Forschungs-Hub in Südkorea ein Research-Center in Wien. Dabei sei die Nähe zu Expert:innen im Computer-Vision Bereich auch dank TU Wien und TU Graz, die Vielzahl an Hidden Champions sowie innovative Industrieunternehmen ein entscheidender Faktor gewesen, Wien zum Europa-Standort zu machen, sagt der Virnect Business Development Manager, Markus Meirhofer gegenüber dem brutkasten. Das Ziel des koreanischen Jungunternehmens ist es, seine Lösungen auch im europäischen Markt anzubieten und die Forschung und Entwicklung von Wien aus voranzutreiben.

Mit Virnect die Grenzen der Realität erweitern

Im neuen Forschungszentrum wird aktuell auf Hochtouren am ersten österreichischen Projekt TRACK gearbeitet. Die Applikation ermöglicht die Echtzeit-Erkennung und -Verfolgung von Objekten durch den Einsatz von Augmented-Reality. Das zurzeit als Software-Development-Kit (SDK) verfügbare Framework kann Gegenstände jeglicher Art, von Bildern über QR-Codes bis hin zu den mit der TRACK-App gescannten Objekten, erkennen und verfolgen. 

Die Anwendungsfälle dieser Technologie sind vielfältig. Entwickler:innen können mit ihrer Smartphone-Kamera Gegenstände scannen. Die App erkennt dabei das Objekt und umrandet es mit einem Overlay für die Verfolgung. Wenn sich nun das Objekt selbst oder das Smartphone im Raum bewegen, ermöglicht TRACK die genaue Positionsbestimmung aus allen Perspektiven. Somit wird das Überlagern und Augmentieren von realen Objekten mit digitalen Inhalten ermöglicht. So kann zum Beispiel an einem Auto die Farbe des Lackes einfach und in Echtzeit ausgetauscht und in verschiedenen Farben am Smartphone betrachtet werden.

Einsatzmöglichkeiten von Industrie bis Unterhaltung

Von Produktionsbetrieben über Werbung bis hin zu Museen, TRACK kann sowohl in der Industrie als auch in der Unterhaltungsbranche eingesetzt werden. Ob Maschinen, Werkzeuge, Bilder oder Skulpturen, Objekte können mit dieser Applikation digital zum Leben erweckt werden. 

Ein Anwendungsfall ist zum Beispiel das Erkennen von Statuen in Museen. Die Gegenstände werden mit Hilfe von Virnects Technologie mit digitaler Kunst erweitert. Somit kann die Kunst in der realen als auch in der digitalen Welt zur selben Zeit erlebt werden. 

Zudem bietet Virnect die AR-Video-Conferencing-App REMOTE an, welche für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter:innen in der Industrie sorgt. Die Applikation vereinfacht Problembehebungen durch den Einsatz von AR-Features wie eine Zeichenfunktion, einen Pointer sowie Spatial Arrows. “Wenn ein Mitarbeiter an einem anderen Standort vor einer defekten Maschine steht, kann die Expert:in über das entsprechende Endgerät wie Smart Glasses, jene Knöpfe und Schalter im AR-Modus anzeichnen, die für die Problembehebung notwendig sind“, sagt Meirhofer. Durch den Einsatz von REMOTE können Komplikationen in Echtzeit gelöst, Reiseaufwände sowie Kosten erspart und somit Produktionsausfälle reduziert werden. 

Da ein Großteil von Virnects Apps auf AR-Inhalten basiert, hat das Startup auch hierzu Applikationen entwickelt. MAKE ermöglicht die Erstellung von AR-Content mit nur wenigen Klicks. Diese wird schnell und einfach mit Mitarbeiter:innen in anderen Betriebsstandorten geteilt. Die komplementäre VIEW-App dient zur Visualisierung des geteilten AR-Inhaltes. 

Rekord-Investment-Summe für Virnect

Das Jahr 2022 startete für das südkoreanische Startup mit einer erfolgreichen Series-B Runde. Mit seiner zukunftsweisenden Technologie, seinem Wachstumspotential und dem neuen Forschungsstandort Österreich überzeugte Virnect seine Investor:innen. Mit 30 Mio. USD wurde die bisher größte Finanzierungsrunde im koreanischen XR-Sektor abgeschlossen. 

Virnects Fokus liegt zurzeit an der angestrebten Zusammenarbeit mit der TU Wien und der Beteiligung an zukunftsweisenden Forschungsprojekten. “Wir sind gerade in Gesprächen mit Kooperationspartner:innen und sind offen für Interessenten”, sagt Meirhofer.

Südkoreanisches Unternehmen fasst Fuß in Österreich

Aktuell strebt das südkoreanische Jungunternehmen einen starken technologischen Ausbau mit Fokus auf Forschung und Entwicklung in Österreich an. “In den nächten ein bis zwei Jahren werden wir unser Research und Development Team um viele Entwickler:innen, Ingenieur:innen sowie Programmierer:innen im Computer-Vision-Bereich erweitern”, sagt der Business Development Manager. Die Suche nach neuen Talenten sei gestartet und aktuell offene Stellen schon auf LinkedIn ausgeschrieben. Zurzeit werden für Student:innen auch Praktikums-Positionen in Wien angeboten. 

Virnect bietet seinen Mitarbeiter:innen ab Sommer 2022 nicht nur ein neues geräumiges Büro, sondern auch ein kompetitives Gehalt, Öffi-Tickets und tägliche Essenszuschüsse. Das Startup ist zuversichtlich, mit dem innovativen Forschungszentrum auch für den Standort Wien qualifizierte Bewerber:innen anzuziehen. 

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Das Zyglox-Team in Graz, in der Mitte die Gründer Jakob Moder (links) und Erik Gerstl (rechts). © Zyglox

Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.

„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“

Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.

Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“

Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb

Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.

Jeden Tag werden auf der Schiene hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Zyglox will jeden davon nutzbar machen, um zu lernen, zu verbessern und vorherzusagen. Mit herkömmlichen Methoden war das Erfassen dieser Daten bisher zu teuer, zu langsam und zu aufwendig. © Zyglox

Physik aus dem Trafo, Sensoren aus dem Weltraum

Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.

Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel

Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“

Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.

Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt

Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“

Standortvorteil Graz

Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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