06.03.2026
MOBILITY

vionmo entwickelt White-Label-Solution für nachhaltigere Tourismus- und Eventmobilität

Das Mobility-Analytics-Unternehmen vionmo hat eine neue White-Label-Software entwickelt, die Mobilitätsdaten direkt bei der Ticket- oder Urlaubsbuchung erfasst. Die daraus generierten Echtzeit-Dashboards sollen zur Emissionssenkung beitragen.
/artikel/vionmo
(c) Verena Nageler / vionmo

Wer Mobilität im Tourismus dekarbonisieren will, stößt schnell auf ein Daten-Vakuum. Geht es nach dem Mobility-Analytics-Unternehmen vionmo, klafft hier eine nämlich erhebliche Lücke: Analysen des Unternehmens sowie Studien der UNWTO (Weltorganisation für Tourismus) zeigen, dass 75 bis 80 Prozent der touristischen Gesamtemissionen durch die An- und Abreise entstehen. Vionmo-Gründer Michael Jayasekara bezeichnet dies als den „Elefant im Raum“, den bisher niemand akkurat gemessen habe. Die zentrale Marktthese des Unternehmens lautet daher: Bisherige Mobilitätskonzepte basierten mangels geeigneter Werkzeuge oftmals auf ineffizientem Bauchgefühl oder auf kostspieligen, zum Teil veralteten Datensätzen.

Vom Consulting zur skalierbaren Software

Um dieses Problem technologisch zu lösen, vollzog vionmo einen Pivot. Vor rund drei Jahren startete Jayasekara in Wien zunächst mit einem auf Nachhaltigkeit im Tourismus fokussierten Beratungsunternehmen. Aus der Arbeit an den Herausforderungen der Kund:innen entstand schließlich die heutige Software, um Daten niederschwellig zu sammeln und Analysereports zügig bereitzustellen.

Michael Jayasekara und Benedikt Kramer | (c) Verena Nageler / vionmo

Der technologische Kern ist eine White-Label-Solution, die laut Jayasekara im Gegensatz zu anderen Systemen keine bestehenden Sekundärdaten auswertet, sondern eigene Primärdaten erfasst. Die Software wird kundenspezifisch an digitalen Touchpoints eingesetzt – etwa direkt bei der Buchung des Urlaubs oder eines Veranstaltungstickets. Dort wird spielerisch abgefragt, wie, woher, mit wem und warum die Anreise erfolgt.

Proof of Concept und smarte Datenanalyse

Die Ergebnisse fließen in ein Live-Dashboard und lassen sich nach Zielgruppen wie Verkehrsmittelnutzung, Alter oder Herkunft detailliert auswerten. Laut Jayasekara sammeln viele Betriebe zwar bereits Daten, doch oft fehle das Wissen, diese zu interpretieren und konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Hier setzen die Reports an: Sie sollen Argumente für Verhandlungen mit Stakeholder:innen liefern, etwa für eine dichtere ÖV-Taktung oder die bedarfsgerechte Dimensionierung von E-Ladeinfrastruktur. Erste Use Cases zeigen laut Jayasekara Wirkung: Bei einem Großevent konnten durch die datenbasierte Anpassung des Verkehrskonzepts knapp 50 Prozent der mobilitätsbezogenen Emissionen eingespart werden.

Expansion: Neue GmbH und Co-Founder in Tirol

Um das Produkt weiter zu skalieren, hat vionmo Mitte Februar 2026 eine GmbH in Innsbruck eingetragen. Für diesen Schritt kam Benedikt Kramer als neuer Co-Founder an Bord, der zuvor über sechs Jahre für Innsbrucker Beratungsunternehmen in der Förderung von Innovations- und Nachhaltigkeitsprojekten tätig war.

Der neue Standort gilt als strategisch wichtig, um näher an bestehenden Kunden in Salzburg, Kärnten und Vorarlberg zu sein. Zu diesen zählen etwa Tourismusregionen und Kulturinstitutionen. Unter anderem hat das Unternehmen auch namhafte Kunden wie den Vienna City Marathon in Wien oder Airpower in der Steiermark.

Zudem forciert vionmo in Tirol den akademischen Austausch: Es bestehen Kooperationen mit der Universität Innsbruck und eine Projektanbahnung mit dem MCI. Das aktuell zweiköpfige Angestelltenteam soll bis Ende des Jahres verdoppelt werden.

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(c) Ruiz Cruz
(c) Ruiz Cruz

Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.

Strategiearbeit im Fokus

Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.

(c) Ruiz Cruz

Mehr Role Models?

Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”

Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Die Frage des Budgets?

Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”

(c) Ruiz Cruz

Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.

Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.

Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen

Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.

Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.

Verbündete in der Politik?

Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

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