01.08.2023

Vigilios: „Wir denken Personal Safety neu“

Als App für persönliche Sicherheit wurde Vigilios Mitte Juli gelauncht. Im Herbst plant das Wiener Startup Pilotprojekte mit zwei Buchungsplattformen.
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Ana-Marija Autischer und Stefan Stumpfl setzen beim Thema Personal Safety auf Prävention. Foto: Vigilios
Ana-Marija Autischer und Stefan Stumpfl setzen beim Thema Personal Safety auf Prävention. Foto: Vigilios

Dass es im Bereich Personal Safety Bedarf an innovativen Lösungen gibt, wurde Ana-Marija Autischer erstmals während des Auslandssemesters in Australien bewusst. Auch als sie sich einige Jahre später auf den Jakobsweg vorbereite, fand sie keine zufriedenstellenden Handy-Apps mit sicherheitsrelevanten Informationen. Sie störte sich vor allem an dem Ansatz, den die verfügbaren Safety Apps wählten. Noch heute würden diese in der Regel so funktionieren, dass Nutzer:innen den eigenen Standort teilen, wenn sie in unbehaglichen Situationen Beistand wünschten, erklärt Autischer. „Für eine App in dem Bereich war mir das zu wenig, das kann WhatsApp ja auch.“

Ihre persönlichen Erfahrungen sind allesamt in das Startup eingeflossen, das sie im Jänner 2023 gegründet hat. Ana-Marija Autischer ist die CEO von Vigilios. Zuvor war sie bei Andritz Ventures, der Innovationssparte des Grazer Maschinenbaukonzerns Andritz, tätig. Als Co-Gründer steht der ehemalige LinkedIn-Lead Engineer Stefan Stumpfl an ihrer Seite. Er ist als CTO für die App-Entwicklung zuständig. Außerdem beschäftigt das Jungunternehmen mittlerweile drei weitere Mitarbeiter:innen in Teilzeit, die für den Ausbau der Bereiche Marketing und Content zuständig sind. Finanziert hat sich das Startup bisher vor allem durch Eigenkapital des Gründungsteams. Des weiteren hat Vigilios bereits eine Förderung der Wirtschaftsagentur Wien erhalten.

Unsichere Situationen präventiv verhindern

Vigilios will „Personal Safety Begleiter“ sein, so das aktuelle Firmenmotto. Anders als bei den Apps, die der Gründerin auf ihren Reisen zur Verfügung standen, sollen Vigilios-Nutzer:innen mit der App gar nicht erst in unsichere oder potenziell gefährliche Situationen kommen. „Wir setzten schon davor an und arbeiten beispielsweise mit präventiven Informationen, die wir Usern ausspielen“.

Wer die App öffnet, findet neben einer Liste mit wichtigen Telefonnummern des jeweiligen Standortes eine Karte, die Tipps und Wissen zu einzelnen Orten vermittelt. In Wien sind aktuell etwa der Augarten, einige Bahnhöfe sowie der Stadtpark gelistet. Über die internationale Busstation in Erdberg erfährt man, dass es sich grundsätzlich um eine sichere Gegend handle. Die Polizei sei vor Ort präsent und die Kriminalität gering. Besonders nachts sollten Besucher:innen jedoch Vorsicht walten lassen und auf die Umgebung achten, heißt es weiter.

Dreiklang: Informationen, Empowerment und wichtige Telefonnummern sollen User schützen.

Neben den Telefonnummern und Ortsinformationen bieten die sogenannten „Insights“ Guides zu einzelnen Ländern. Länderguides zu Italien und Mexiko sind bereits online, weitere Länder, etwa Thailand und Südafrika, sollen folgen. Dies ist aktuell der einzige kostenpflichtige Bereich in der App. Zwar sind einige Artikel zugänglich, wer den kompletten Länderguide nutzen möchte, zahlt dafür einmalig 4.99 Euro.

Der Reisesektor ist für die Gründerin nur der erste Anknüpfungspunkt. Sie möchte Vigilios auch in anderen Bereiche an den Start bringen. Informationen zu Gesundheitsfragen oder Umzügen könnten ein weiterer Anwendungsfall für ihr Startup sein. Zur Zielgruppe könnten neben Reisenden dann auch Personen gehören, die remote von einem beliebigen Ort der Welt aus arbeiten und wissen wollen, ob sie vor Ort eine Impfung benötigen.

Woher kommen die Daten?

Doch woher kommen die Informationen und Tipps, welche die App den Usern anzeigt? CEO Ana-Marija Autischer macht aus der Herkunft der Daten kein Geheimnis. Vigilios nutzt drei verschiedene Datenquellen. Zum einen sind das Open Source Daten, etwa OpenStreetMap, und Daten, die öffentliche Regierungen über APIs (Progammmierschnittstellen) zur Verfügung stellen. „Die nutzen wir für alles, was mit Sicherheit zu tun hat,“ sagt Autischer. Etwa Standorte von Polizei, Krankenhäusern und Apotheken oder Trinkwasserstellen. Eine zweite Säule sind lizensierte Daten von professionellen Data-Unternehmen. Laut Autischer sind das vor allem Informationen zu aktuellen Entwicklungen in einzelnen Ländern, etwa Proteste oder Wahlen vor Ort. Als letzte Quelle bindet Vigilios auch User-generated Content ein. Erfahrungen, die Nutzer:innen auf Reisen machen, sollen so auch anderen zugutekommen. User-generated Content würde jedoch vor Veröffentlichung durch das Startup geprüft: „Wir werden nie eine Plattform sein, wo du einfach irgendwas posten kannst,“ ist sich die CEO sicher.

Partnerschaften statt Business-to-Consumer

Das Thema Personal Safety scheint anzukommen. Obwohl das Startup erst gut zwei Wochen am Markt ist, gibt es bereits erste Kooperationspartner. „Im Herbst starten wir zwei Pilotprojekte mit zwei relativ bekannten Buchungsplattformen,“ erklärt CEO Autischer gegenüber brutkasten. Mit wem genau möchte sie aber noch nicht verraten. Diese ersten Kooperationen sind jedoch ein wichtiger Schritt für Vigilios und passen genau zur Strategie. Wachstum will das Jungunternehmen nicht über den Ansatz DTC (Direct-to-Consumer) oder B2C-Marketing generieren. „Wenn du zukünftig eine Reise über eine Buchungsplattform buchst, bekommst du einen personalisierten Vigilios-Zugang“, erklärt CEO Autischer selbstbewusst ihre Vision. Weitere Partnerschaften seien derzeit im Aufbau. Interessant seien zum Beispiel auch Reiseversicherer. „Wenn ein Versicherungsunternehmen den Kunden zusätzlich zur Versicherung Vigilios anbietet, kann es sich auch von anderen Versicherungen differenzieren“, erklärt sie.

Android-Launch erst Anfang 2024

Seit Mitte Juli ist die Vigilios-App im iOS-Appstore verfügbar. Anfang kommenden Jahres soll der Launch auch für Android-Geräte erfolgen. Bis dahin will das Startup aus dem Nutzungsverhalten seiner User lernen, am Product-Market Fit arbeiten und weiter wachsen. CEO Ana-Marija Autischer möchte zukünftig auch Künstliche Intelligenz nutzen, um den unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnissen der Nutzer:innen gerecht zu werden. „Unsere Vision ist es, dass wir durch Datenmengen und maschinellem Lernen, Vigilios weiterentwickeln.“ Zugeschnitten auf die jeweiligen User soll die App zu einem individuellen und intelligenten Smart Safety Companion werden.

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Die DropForce-Gründer Jakub Hamdard und Christian Mühl | (c) DropForce
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Es gibt für sie unzählige Einsatzmöglichkeiten, in den vergangenen Jahren dominieren sie aber vor allem eines: die Kriegsberichterstattung. Drohnen sind nicht nur zum Sinnbild für moderne Kriegsführung geworden, sondern auch zu einer Produktkategorie, die europäischen Scaleups mitunter Milliardeninvestments einbringt. Von dieser Kategorie ist das Wiener Startup DropForce aktuell noch weit entfernt, das Konzept, mit dem es antritt, ist aber durchaus ambitioniert und vor allem neu.

Drohne aus dem 3D-Drucker im Van oder Container

„Alle anderen Drohnen-Anbieter haben eine zentrale Fabrik und brauchen für den Bau einer Drohne meistens viel länger als nötig. Wir haben unsere Drohne so konzipiert, dass man sie von überall aus bauen kann”, sagt Jakub Hamdard. Er hat DropForce gemeinsam mit Christian Mühl gegründet. Beide bringen dabei Berufserfahrung aus dem Aerospace-Bereich mit.

Ein weiterer großer Unterschied zu anderen Anbietern: „Bei anderen Drohnen sind die Teile zusammengelötet. Daraus ergeben sich viele Fehlerquellen. Außerdem sind sie stark auf chinesische Bauteile angewiesen, die oft nicht halten, was sie versprechen”, so Hamdard. Die DropForce-Drohne kommt dagegen ohne Löten aus. Die Strukturteile und Module, etwa Kamera-Aufsätze, kommen aus dem 3D-Drucker; Platinen, Motoren und Propeller werden in Europa produziert und vom Startup als Bausatz dazugeliefert. „Man kann die Teile im 3D-Drucker aktuell in ca. 20 Minuten drucken und braucht dann zehn bis 15 Minuten, um die Drohne zusammenzubauen”, sagt der Gründer.

Und dieser Vorgang soll künftig eben nicht in einer einzelnen Fabrik, sondern in kompakten Einheiten direkt beim Kunden passieren, in einem Van oder Container, so die Vision. Denkt man an den DefenseTech-Bereich, heißt das: direkt an der Front. Die Vans bzw. Container sollen dann verkauft, die Produktion lizenziert werden. „Mit dem Van wäre man komplett mobil. Er kann direkt am Einsatzort innerhalb von Minuten Drohnen produzieren, die dann gleich losstarten können”, skizziert Hamdard.

So ein Einsatzort könnte etwa auch der Schauplatz einer Naturkatastrophe sein. In der Kundenansprache fokussiere man aber aktuell primär auf den Verteidigungsbereich. Dort will man, wenn alles nach Plan läuft, um den Jahreswechsel in die ersten Pilotprojekte starten.

Sechsstelliges Investment von BarnVentures und deutscher LNX GmbH

Bereits im Sommer holte sich DropForce für seine Expansionspläne auch ein Investment. BarnVentures rund um Filip Zganjer und die deutsche LNX GmbH stiegen mit einem sechsstelligen Betrag ein und sicherten sich jeweils 20 Prozent am Unternehmen. „Die Idee von einer dezentralen Massenproduktion im Baukasten-System hat mir so gut gefallen. Eine zentrale Produktionsstätte ist in Zeiten wie diesen gefährlich”, kommentiert Zganjer im Gespräch mit brutkasten. Das Startup unterstütze man nun nicht nur mit Geld, sondern auch durch Beratung.

Das Kapital sei bislang vor allem in die Weiterentwicklung, aber auch in Personalkosten geflossen, sagt Hamdard. Zudem sei man aktuell auch im Prozess der Patentanmeldung. Und auch an weiteren Drohnen-Modellen arbeite man bereits. Denn, so die Vision: „Kunden können sich später dann aus einem Portfolio genau die Drohnen aussuchen, die sie gerade brauchen. Wir haben schon einige Ideen, was man machen kann.”

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