09.05.2023

Vier Millionen Euro Investment für Blockchain-Startup mit Wiener Co-Founder

Das Blockchain-Startup Blocktorch ist sich sicher: Dezentrale Technologien werden bald einen großen Bestandteil unseres digitalen Lebens ausmachen. Mit ihrem Observability-Tool wollen sie Unternehmen unterstützen und konnten nun eine Seed-Finanzierung in Millionenhöhe abschließen.
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Das Team von Blocktorch mit den beiden Gründern Gerald Pollak und Amine Afia © Blocktorch
Das Team von Blocktorch mit den beiden Gründern Gerald Pollak und Amine Afia © Blocktorch

„Dezentrale Technologien werden die Art und Weise beeinflussen, wie wir Menschen im Internet agieren“, erklärt Blocktorch-Mitgründer Gerald Pollak im brutkasten-Gespräch. Davon möchte er Teil sein. Das europäische Startup bietet ein sogenanntes Observability-Tool für dezentrale Applikationen an. Was zunächst kompliziert klingt, scheint vor allem Blockchain-affine Investoren überzeugt zu haben. Das im Sommer 2022 in Berlin gegründete Startup konnte nun den Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von vier Millionen Euro verkünden. Mit an Bord sind Ideo CoLab Ventures, Speedinvest, RockawayX, Alchemy Ventures, Remote First Ventures, das Sequoia scout program und weitere Business Angels.

B2B-Applikation für wachsende Blockchain-Branche

Observability-Tools bestehen grundsätzlich aus drei Säulen bzw. drei Datensystemen: Logs, Metrics und Traces. Pollak erklärt die Arbeit seines Startups mit einer Metapher: „Man hat ein Haus mit zwei Wasserleitungen. Eine Leitung führt in das Haus hinein, die andere führt aus dem Haus heraus. Wenn man beobachtet, dass 1.000 Liter Wasser hineinfließen, aber nur 900 Liter wieder hinausfließen, gilt es herauszufinden, was mit den fehlenden 100 Liter passiert ist.“

Überträgt man dieses Beispiel auf die Arbeit von Blocktorch, bedeutet das: Mit den drei Datensystemen kann man solche Anomalien beobachten und deren Ursachen identifizieren. Blocktorch konzentriert sich dabei auf dezentrale Applikationen und richtet sein B2B-Produkt an Developer-Teams, die ein Observability-Tool benötigen. Mit Blick auf die Branchen sind sie allerdings breit aufgestellt. Laut Pollak sei das Blocktorch-Tool sowohl für Startups mit starkem DeFi-Fokus, als auch für größere Unternehmen, die dezentrale Systeme in ihrer Produktarchitektur nutzen, denkbar. Zuletzt hat beispielweise das US-amerikanische Unternehmen Starbucks sein Kundenbindungsprogramm auf der Blockchain Polygon gestartet, was die breiten Anwendungsmöglichkeiten unterstreichen würde.

Betaphase: Produkt schärfen und Team aufbauen

Das frische Kapital soll nun genutzt werden, um möglichst viele Learnings aus der Alpha- und der jüngst gestarteten Betaphase zu ziehen, sodass ein Marktstart mit einem verbesserten Produkt umgesetzt werden kann. Außerdem soll das Team erweitert werden. Nachdem die beiden Co-Founder Amine Afia und Gerald Pollak ihr Startup im August 2022 gründeten, haben sie mittlerweile ein sechsköpfiges, fully-remote-Team aufgebaut. Trotz der schwierigen Lage am Markt habe man sich somit nicht von der Gründung abhalten lassen. „Blockchain-Applikationen sind ein wachsender Bereich“, meint Pollak. Daher war eine Gründung inmitten des Bärenmarkts nicht abwegig.

Bei der Investorensuche hat sich Blocktorch zudem auf langfristige Partnerschaften konzentriert – unabhängig von Kryptohype und Bullrun. Thomas Fanta, Investment Manager bei RockawayX erklärt die Investmententscheidung beispielsweise mit den Worten: „Der Web3-Bereich braucht dringend Entwickler:innen und DevOps-Tools, um sich als Alternative zu Web2 zu etablieren, und Blocktorch’s Plattform bietet dabei einen entscheidender Schritt, um Protokolle schneller wachsen zu lassen und Benutzerfreundlichkeit zu reduzieren.“

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Wolfgang Reisinger und Michael Hurnaus bildeten die Führungsspitze von Tractive und sind nun auch bei Traxit an Bord | (c) Tractive

Erst im August dieses Jahres wurde die Early-Stage-Investment-Firma „Traxit“ vom ehemaligen Tractive-Führungsteam gegründet (brutkasten berichtete). Nun investiert das 19-köpfige Team rund um Wolfgang Reisinger und Michael Hurnaus in 7hauben, einem oberösterreichischen Kochkurs-Startup. Die Finanzierungsrunde liege im mittleren sechsstelligen Bereich.

„Hochwertige Inhalte und ein skalierbares Abo-Geschäftsmodell“

„7hauben hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sich hochwertige digitale Inhalte und ein skalierbares Abo-Geschäftsmodell erfolgreich verbinden lassen. Das starke Wachstum, die konsequente Weiterentwicklung des Produkts und die klare internationale Perspektive haben uns überzeugt. Wir freuen uns, das Team bei der nächsten Wachstumsphase zu begleiten“, sagt Michael Hurnaus, Mitgründer von Tractive und Investor bei Traxit.

Übernahme von Vegan Masterclass

Parallel zu der Investition übernimmt 7hauben die deutsche Vegan Masterclass, eine digitale Kochschule für pflanzenbasierte Küche, sowie das Weiterbildungsangebot der vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik. Mit der Akquisition wachse das Kursangebot auf mehr als 150 Online-Kochkurse.

„Mit Vegan Masterclass übernehmen wir eine starke Marke mit herausragenden Inhalten und einer Community, die für hochwertige pflanzliche Küche begeistert ist. Wir sehen enormes Potenzial, die Plattform mit unserer Erfahrung in Marketing, Technologie und Kursproduktion weiterzuentwickeln“, sagt Johannes Sailer, Geschäftsführer von 7hauben.

Die Zusammenarbeit mit Vegan-Masterclass-Gründer Sebastian Copien werde fortgesetzt und das deutsche Unternehmen als eigenständige Marke weitergeführt. 7hauben plant, das Angebot durch zusätzliche Kursproduktionen, gezieltes Marketing und technologische Weiterentwicklungen auszubauen. Dabei sollen insbesondere Synergien bei der Videoproduktion, Vermarktung und Plattformtechnologie genutzt werden.

Wachstum um „knapp 40 Prozent“

Der Umsatz von 7hauben liege „um knapp 40 Prozent“ über jenem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Bis Jahresende peile man mehr als drei Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) an. Insgesamt sollen bisher mehr als 100.000 zahlende Kund:innen das Angebot von 7hauben genutzt haben. Besonders stark entwickle sich die Neukundengewinnung mit einem Plus von nahezu 70 Prozent. In Zukunft möchte man zunehmend internationaler werden.

„Unser Ziel ist es, hochwertiges Kochwissen weltweit zugänglich zu machen. Wir wollen sowohl durch strategische Übernahmen als auch durch die internationale Expansion die nächsten Wachstumsschritte setzen“, erklärt Sailer.

 

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