28.06.2023

Vielfalt statt Männer-Sesselkreis: Warum unser Expert:innen-Netz diverser werden muss

Jede:r kennt sie: Männer-Sesselkreise in Expertenforen. Ob auf Newsbildschirmen, Podien oder im virologischen Quartett: Experten zeigen sich in der Öffentlichkeit häufiger als ihre weiblichen Kolleginnen. Aber warum?
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Hannah Zach ist Co-Founderin der Expertinnen-Datenbank Frauendomäne. (c) SameSameStudio

“Wir konnten leider keine Expertin finden”, lautet die Ausrede für viele Männer-Runden hiesiger Podiumsdiskussionen. all-male panels, also Diskussionsrunden, die vorwiegend oder ausschließlich Experten auf die Bühne holen, sind in Österreich keine Seltenheit – vor allem in medialer Berichterstattung.

Dieser Gender Expert Gap ist aber nicht real. Denn weibliche und weiblich gelesene Expertinnen gibt es, wir sehen sie nur seltener. Ein möglicher Grund: Männer sagen tendenziell eher “Ja” und Frauen werden seltener gefragt, erzählt Hannah Zach, Co-Founderin der Expertinnen-Datenbank “Frauendomäne”. Die Beraterin für Community-Building und Kampagnenkommunikation weiß, warum mehr Männer im Rampenlicht stehen und wie sich das ändern kann und muss.

Expertise in den Medien: Drei Viertel Männer, ein Viertel Frauen

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bestätigt die verzerrte Männer-Frauen-Ratio im hiesigen Expertentum: In einer Studie haben Forscher:innen mehr als 3.500 politische Beiträge österreichischer Medien analysiert. Das Resultat: In nur einem Viertel der Beiträge kommen Frauen mit einer Expertenmeinung oder Einschätzung vor.

Vielerorts heißt es dann: “Wir konnten keine Expertin finden.” Das darf aber keine Ausrede sein, denn es gibt reichlich davon, meint die Co-Founderin der Frauendomäne. Das Problem, das Frauen aus der Öffentlichkeit und Männer in das Rampenlicht drängt, ist vielschichtig. Schuldzuweisungen helfen nicht unbedingt, viel mehr ein analytischer Blick:

Österreich: Ein Männer-Quellen-Netz

“Es beginnt schon damit, wie wir den Begriff Expert:in definieren”, meint Zach. Zur Expert:innen-Definition würden nämlich vor allem Medien beitragen: “Journalismus ist schnelllebig und Expert:innen müssen oft sehr rasch kontaktiert werden. Das Problem dabei: Im österreichischen Journalismus gibt es gewachsene Quellen-Netzwerke, die vorwiegend männlich sind”, beruft sich Zach auf eine Studie der ÖAW.

“Journalistinnen haben lang aufgebaute Expertenkontakte, die ihnen zuverlässige und vor allem schnelle Antworten liefern. Tendenziell greifen sie also auf gewachsene Strukturen zurück, weil ihnen im Tagesgeschäft die Zeit fehlt, um nach anderen und damit auch nach weiblichen Expertinnen zu suchen.”

Nicht all female, sondern ausgeglichen

Ein weiterer Grund für den Gender Expert Gap: Die Geschlechter-Tendenzen zum “Ja”-Sagen. Hannah Zach verweist auf das klassische Recruiting-Szenario: In Bewerbungssituationen gibt es einen Unterschied in der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Männern und Frauen. Männer bewerben sich dabei schneller bei geringerer objektiver Qualifikation. Das leistungsbezogene Selbstkonzept von Frauen und Männern divergiert – darauf verweisen auch Studien.

Denn, wenn Expertinnen für Panel, Veranstaltung oder Nachrichtenshow erst gar nicht angefragt werden, können sie auch nicht “Ja” sagen. Gewachsene Quellen-Netzwerke müssten also durchbrochen und tradierte Geschlechterrollen abgelegt werden. Die Rede ist dabei nicht von all-female panels, sondern von divers konzipierten Podien.

Die Frauendomäne: Das Expertinnen-Kontaktbuch

Eine Lösung des Problems bietet die Frauendomäne, Österreichs erste frei zugängliche Datenbank für Expertinnen: “Wir sind nicht nur da, um Podien mit Frauen zu besetzen und Diskussionsrunden auszugleichen, wir wollen strukturelle Änderungen herbeiführen”, beschreibt Co-Founderin Zach ihre Vision.

Die Frauendomäne will Diversität und Genderbalance im nationalen Expertentum erreichen: “Wir betreiben nicht nur die Datenbank, sondern wir arbeiten unter anderem auch an Sicherheitskonzepten für Veranstaltungen und Codes of Conducts für Organisationen. Wir konzipieren Veranstaltungen und gestalten Workshops, in denen wir den Begriff Expert:in neu definieren.”

Expertentum ist Definitionssache

“Das Konstrukt Expertin ist mehrdimensional. Die Frage ist nur, wie sich jede Frau als Expertin definiert. Das hängt nicht nur von Alter, Berufserfahrung oder Ausbildung ab. Jede Frau kann Expertin auf einem bestimmten Gebiet sein”, erklärt Zach.

“Die Eintragung bei der Frauendomäne funktioniert wie bei einem LinkedIn-Profil. Expertinnen füllen ihr Profil aus und geben uns Infos zu Beruf und Ausbildung”, sagt Zach. Anschließend kommt es zur Verschlagwortung der Expertise: “Sobald eine Registrierende ihre Skills verschlagworten kann, also detailliert in Unterbereiche gliedert, geben wir sie nach kurzem Qualitätscheck als Expertin frei.”

Suchen & finden: Wie die Frauendomäne funktioniert

Suchende können durch unterschiedliche Tags, also Themenbereiche, stöbern: “Wenn sie eine Expertin finden, können sie diese über ein Formular kontaktieren. Die Anfrage kommt zunächst an uns, wir prüfen sie und leiten sie weiter.” Bei der Suche können sowohl das Fachgebiet als auch die bevorzugte Region der Expertin definiert werden.

Antidiskriminierung, KI und Gender hoch im Kurs

Mittlerweile zählt die Frauendomäne über 1.200 Expertinnen im Datenregister. Suchspitzen liegen bei 300 Zugriffen pro Tag. Dies richtet sich nach Nachrichten- und Eventlage, wobei Suchende meist aus dem Journalismus- und Event-Bereich, aber auch aus dem Recruiting kommen. “Aktuell werden vor allem Rechts-, Antidiskriminierungs- und Gender-Expertinnen angefragt, aber auch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sind hoch im Kurs”, erzählt Zach.

Check your Stereotypes

Die Frauendomäne bietet ein Konzept zur Emanzipation im Expert:innentum. Ohne aktive Umsetzung kann dies aber nicht funktionieren, denn nicht nur Journalist:innen und Eventmanager:innen sollten ihre Kontaktbücher von Gender-Stereotypen bereinigen:

“Checkt eure eigenen Gender-Stereotypen“, meint Zach. “Jede und jeder sollte sich die Frage stellen: Sind alle Stimmen präsent, die es für einen ausgeglichenen Diskurs braucht? Wir müssen uns fragen: Was ist eigentlich das Bild, dem wir nacheifern, und welches Rollenbild leben wir jungen Menschen vor?”

Zukunftsplan: Gendergerechte Quellenstruktur

“Unser nächster Schritt ist es, die Datenbank auf ein nächstes Level zu heben. Wir suchen gerade nach Partner:innen, die mit uns und unserem Wissen der letzten fünf Jahre den Prototypen einer Expertinnendatenbank bauen. Ziel ist die Verbesserung der Datenbank-Usability und ein State-of-the-Art-Community-Management. Wir wollen effizient und schneller Suchergebnisse liefern”, erzählt Zach.

Ihr langfristiges Ziel sei es indes, die österreichische Quellenstruktur gendergerecht zu gestalten. Kompetenz-Absprachen sind dabei fehl am Platz, viel eher gehören “die gewachsenen Männer-Netzwerke aufgebrochen, damit nicht immer das gleiche virologische Quartett und auch viel öfter weiblich gelesene Politikwissenschaftlerinnen auf den Bildschirmen erscheinen.”

Die Message von Hannah Zach und der Frauendomäne ist eine klare: Sie wollen eine Gesellschaft, in der Menschen ihre Expertise und Kompetenz nach ihren Stärken und nicht nach ihrem Geschlecht aufbauen. Dabei geht es nicht nur um die Präsenz von Frauen in den Medien, sondern vor allem um den gesamtgesellschaftlichen Sinn von Gleichstellung und Gerechtigkeit.

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Die Pläne der Bundesregierung für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO in Wien stoßen in der heimischen Tech- und Startup-Szene auf unterschiedliche Reaktionen. Während einige darin eine Chance sehen, Österreich als internationalen Standort für KI-Governance und Innovation zu stärken, hinterfragen andere den konkreten Nutzen und kritisieren die politischen Prioritäten. Ein Überblick.
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KI-Rechenzentrum Wien, UNO, UNO-Rechenzentrum
(v.l.o.) Manuel Mofidian, Mic Hirschbrich, Julia Eisner, Alexandra Ciarnau, (v.l.u.) Carina Zehetmaier, Jeanette Gorzala und Clemens Wasner. © Canva/Armin Hubner, zVg/ Women in AI/LinkedIn/paiper.one/Enlite.AI

Am Mittwoch schlug die Bundesregierung ein internationales KI-Zentrum in Wien vor. Es soll unter dem Dach der UNO angesiedelt werden und Staaten, Wissenschaft sowie Wirtschaft zusammenbringen, um das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu erforschen und gemeinsame Standards zu entwickeln – brutkasten berichtete.


Wir haben uns in der heimischen Startup-Szene zu diesem Vorhaben umgehört und gemerkt, dass die Meinungen variieren: Es fallen Begriffe wie „Virtue Signalling“, globale KI-Governance, Antwort auf eine zentrale Machtfrage, Mehrwert und „Capacity-Building“.

Zehetmaier: „KI-Governance global denken“

Als ehemalige Vertreterin Österreichs und der EU bei der UNO in Genf weiß Carina Zehetmaier aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein gemeinsamer Ort für die globale Zusammenarbeit zwischen Staaten sei.

„Die UNO hat mit dem Independent International Scientific Panel on AI und dem Global Dialogue on AI Governance bereits zwei wichtige Mechanismen für die globale KI-Governance geschaffen. Der erste ‚Global Dialogue‘ fand im Juli 2026 in Genf statt, womit die Stadt wichtige Vorarbeit geleistet hat. Wien besitzt nun die besten Voraussetzungen, um diese internationale Zusammenarbeit weiterzuentwickeln“, sagt die Vorsitzende der „Arbeitsgruppe 42“ bei Austrian Standards.

KI-Governance müsse ihr zufolge global gedacht werden – nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Region: „Gerade bei den leistungsfähigsten KI-Modellen brauchen wir internationale Zusammenarbeit, unabhängige Prüfungen und klare Verantwortlichkeiten. Als Gründerin von Humably – einem Startup, das Organisationen bei der verantwortungsvollen Entwicklung sowie beim Einsatz von KI unterstützt und Ausbildungsformate zur Stärkung menschlicher Aufsicht entwickelt – sehe ich sehr deutlich, wie wichtig es ist, Governance von Anfang an mitzudenken.“

Metriken und Evaluierungsmethoden

Dementsprechend bleibe es entscheidend, dass ein solches Zentrum — wie in Wien angedacht — nicht nur den globalen Dialog ermögliche, sondern konkrete Wirkung entfalte: durch unabhängige Prüfungen leistungsfähiger KI-Modelle sowie die systematische Erfassung und Untersuchung schwerwiegender Vorfälle, betont Zehetmaier.

„Darüber hinaus sollten wir international vergleichbare Metriken und Evaluierungsmethoden entwickeln, um auch die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI systematisch zu untersuchen – etwa auf Grundrechte, Chancengerechtigkeit, Diskriminierung, Umwelt, Arbeitsmarkt und demokratische Prozesse. Denn wir müssen nicht nur wissen, ob ein KI-Modell sicher funktioniert, sondern auch, welche Folgen sein Einsatz für Menschen und Gesellschaften hat.“

Für Österreich sieht sie in einem solchen Zentrum einen enormen Gewinn – volkswirtschaftlich, für den Innovationsstandort und für die internationale Rolle der Republik. „Es könnte hochqualifizierte Talente aus aller Welt nach Wien bringen, internationale Expertise bündeln und Österreich als Standort für die Gestaltung globaler KI-Governance stärken“, meint die KI-Expertin.

Wien als vielfältiges Ökosystem

Die Hauptstadt hätte dafür bereits ein vielfältiges Ökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen: Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) oder das IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers).

Dazu kämen Forschungsprojekte wie FAIR-AI, Vereine wie Women in AI Austria und AI Austria und politisch gestützte Initiativen wie ShegoesAI, die Diversität und gesellschaftliche Teilhabe in der KI vorantrieben: „Wir haben somit ein Ökosystem, in dem Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Standardisierung und Zivilgesellschaft bereits heute an der verantwortungsvollen Gestaltung von KI arbeiten.“

Digitaler Humanismus

Was Wien darüber hinaus besonders auszeichne, sei seine Tradition des Digitalen Humanismus.

„Ein Beispiel dafür ist das von Prof. Sarah Spiekermann-Hoff an der WU Wien entwickelte ‚Value-based Engineering‘, welches Werte systematisch in die Technologieentwicklung integriert. Damit existiert hierzulande ein starkes Fundament, um technologische Innovation mit Grundrechten und demokratischen Werten zusammenzudenken. Genau diese Perspektive sollte auch in der globalen KI-Governance eine zentrale Rolle spielen“, sagt Zehetmaier.

Wasner: „Schlechtes Timing“

Eine abweichende Meinung zu diesem Thema hat Clemens Wasner, Gründer von enlite.ai. Er sieht diesen Vorschlag als „typisch österreichisches Virtue Signalling“, also das öffentliche Zurschaustellen moralischer Werte.

„Im ersten Moment dachte ich, es handelt sich dabei um eine Tagespresse-Meldung“, sagt er. „Man hat das Gefühl, dass das Land den Bedeutungsverlust seit der Ära Kreisky nie ganz verwunden hat und deshalb immer wieder nach internationaler Bühne sucht. Wie schon beim Sitz im UN-Sicherheitsrat oder den täglichen Erasmus-Meldungen aus dem Außenministerium zeigt sich, dass die Regierung Schwierigkeiten hat, ihre Prioritäten richtig zu setzen. Dabei liegen diese auf der Hand: Budget und Wirtschaft fixen, ‚Ease of Doing Business‘ verbessern, Forschung und Innovation fördern. ‚Virtue Signalling‘ ist keine Standortpolitik. Ein UN-Kooperationszentrum bringt weder Investitionen noch Rechenkapazität noch Gründungen ins Land.“

Wasner sieht zudem vor allem das Timing dieses Vorschlags als „besonders unglücklich“ an: „Nur eine Woche nach der Ankündigung drastischer Kürzungen bei den Universitätsbudgets wirkt das ziemlich realitätsfern. Man fragt sich, ob die Regierung die richtigen Berater hat, wenn sie sich ausgerechnet bei jener Community Pluspunkte holen will, die sie künftig unterfinanzieren wird. Die Zeit wäre besser investiert in Themen, für die die Menschen diese Regierung tatsächlich gewählt haben. Die Niederlande haben gestern angekündigt mithilfe von KI 25.000 Beamte einzusparen zu wollen, Österreich will Brownie-Points (Anm.: zynischer Ausdruck, um sich bei Autoritäten einzuschmeicheln) sammeln.“

Gorzala: „Strategische Antwort auf zentrale Machtfrage unserer Zeit“

CEO und Founderin von Act AI Now und stellvertretende Vorsitzende des KI-Beirats der österreichischen Bundesregierung Jeannette Gorzala meint, dass die Skalierung exponentieller Technologien schlicht nach einer neuen geopolitischen Architektur verlange.

„Der Vorstoß, ein UN-Zentrum für KI-Kooperation in Wien anzusiedeln, ist eine strategische Antwort auf die zentrale Machtfrage unserer Zeit: Wie sichern wir Kontrolle, wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit unsere Institutionen längst herausfordert?“

Wien bringe hierzu entscheidende Assets mit: „Etwa die etablierte multilaterale Infrastruktur eines UN-Sitzes, diplomatische Reichweite und die Tradition des digitalen Humanismus. Das Fundament ist da. Jetzt geht es darum, daraus einen globalen Hub für KI-Sicherheit und verantwortungsvolle Innovation zu formen“, sagt sie.

Diplomatie dürfe jedoch nicht zum Synonym für Langsamkeit werden. „Im Zeitalter immer leistungsfähigerer KI-Modelle ist ein institutioneller Debattierclub ohne operative Wirkung keine Lösung. Die Zukunft von KI-Technologie ist global. Ihre Sicherheit auch. Wien kann der Ort sein, an dem aus globaler Konkurrenz gemeinsame Verantwortung wird.“

Women in AI: „Mehrwert in internationaler Koordination“

Alexandra Ciarnau, Präsidentin, und Julia Eisner, Vizepräsidentin Women in AI, stehen dem Vorschlag der Regierung grundsätzlich positiv gegenüber. „Wenn es ein KI-Zentrum unter dem Dach der UNO wird, könnte der Mehrwert vor allem in internationaler Koordination, wissenschaftlicher Zusammenarbeit, Governance und ‚Capacity Building‘ liegen“, sagen sie. „Ein reines KI-Rechenzentrum wäre zu wenig und da stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage. Das beginnt beim Infrastruktur-Ausbau und geht bis hin zu höheren Energiepreisen für Haushalte.“

Österreichs Pläne für ein internationales KI-Zentrum sollten ihrer Ansicht nach nicht allein als technische Sicherheitsfrage gesehen werden. Ebenso wichtig sei der Blick auf vertrauenswürdige und verantwortungsvolle KI.

„Außerdem ist fraglich, welche Aufgaben, Ressourcen und Entscheidungsbefugnisse das Zentrum tatsächlich erhalten soll. Wichtig wäre, dass es bestehende internationale Initiativen sinnvoll ergänzt und nicht lediglich eine zusätzliche institutionelle Ebene schafft“, sagen sie. „Ebenso braucht es transparente Entscheidungsprozesse, wissenschaftliche Unabhängigkeit und eine breite Beteiligung unterschiedlicher Akteur:innen.“

„Zivilgesellschaft einbinden“

Dabei müsse Österreich nicht bei null beginnen. Das Land verfüge über eine vielfältige Forschungslandschaft, europäisch vernetzte KI-Infrastrukturen und Initiativen wie die AI Factory Austria.

Diese Strukturen sollten der Women-in-AI-Führung nach von Anfang an strategisch eingebunden werden. Ein internationales Zentrum müsste dabei auf vorhandenen Stärken aufbauen und sie miteinander verbinden, raten sie.

„KI-Governance darf nicht ausschließlich von Regierungen, großen Technologieunternehmen und technischen Expert:innen geprägt werden“, so ihr Appell. „Auch die Zivilgesellschaft, unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und insbesondere bisher unterrepräsentierte Gruppen müssen eingebunden werden. Diversität ist dabei nicht nur eine Frage der Repräsentation, sondern auch der Qualität von Entscheidungen: Unterschiedliche Perspektiven helfen, gesellschaftliche Risiken, Diskriminierung und ungleiche Auswirkungen von KI frühzeitig zu erkennen.“

Hirschbrich: „Verankerung im diplomatischen Gefüge“

Mic Hirschbrich, Co-Founder von Apollo.ai sieht in diesem Vorhaben den Vorteil zusätzlicher Sichtbarkeit und eines breiteren Zugangs zu einem zentralen Thema unserer Zeit. „Es ist eine weitere Absicherung der Verankerung unseres Landes im diplomatischen Gefüge“, sagt er.

„Dazu werden wir im KI-Bereich die kommenden Jahre sehr viel Anstrengung brauchen. Ein Grundset globaler Spielregeln scheint mir fast noch bedeutender zu sein, als nationale oder kontinentale Alleingänge bei der KI-Regulierung. Als Land haben wir nach IAEO und Co. sicher die notwendige Glaubwürdigkeit und hätten damit dauerhaft wichtige KI-Player im Land, was sich auch auf den Standort positiv auswirken wird.“

Mofidian: „Einfluss nehmen“

Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian glaubt, dass Wien für die Entwicklung neuer Ansätze globaler KI-Governance eine „außergewöhnlich gute Ausgangsposition“ hat.

„Wir sind einer von vier großen Amtssitzen der Vereinten Nationen weltweit und der einzige innerhalb der Europäischen Union“, sagt er. „Hier treffen internationale Diplomatie, jahrzehntelange europäische Erfahrung mit Supranationalität und die österreichische Tradition der Neutralität aufeinander. Dazu kommt, dass Wien bereits ein international anerkannter Standort für die Bewältigung globaler technologischer Risiken ist. Denken wir nur an die Internationale Atomenergie-Organisation, die IAEA, die hier internationale Standards für nukleare Sicherheit entwickelt. Österreich hat bereits bewiesen, dass es durch Diplomatie, internationale Institutionen und politische Initiative weit über seine Größe hinaus Einfluss nehmen kann.“

Neutralität als Stärke für Glaubwürdigkeit

Auch sollte man Österreichs Neutralität wieder stärker als außenpolitische Stärke begreifen.

„Wenn die Neutralität, derzeit teils heiß diskutiert, weiterhin dem politischen Willen der österreichischen Bevölkerung entspricht, sollten wir sie nicht als eine Art politisches Sorglos-Paket verstehen, das uns vor den Konflikten der Welt bewahrt“, sagt er. Vielmehr könne sie dem Land bei globalen Herausforderungen helfen, als glaubwürdiger Initiator und Vermittler ernst genommen zu werden.

„Gerade bei Künstlicher Intelligenz sehe ich hier eine große Chance. Wir sprechen über ein potenziell wesentlich umfassenderes globales Risikofeld als etwa in der internationalen Luftfahrt. KI kann praktisch sämtliche digitalisierten Bereiche unserer Gesellschaft betreffen“, mahnt Mofidian.

Und er ergänzt: „Gleichzeitig zeigen uns die vergangenen Jahre, wie schnell klassische internationale Kooperationsmechanismen an ihre Grenzen stoßen, wenn fundamentale nationale Interessen aufeinanderprallen. Mein Ansatz wäre deshalb, die globale Erfahrung und den Kooperationsanspruch der Vereinten Nationen mit der europäischen Erfahrung aus der Supranationalität zu verbinden.“

Die EU habe seiner Ansicht nach über Jahrzehnte gezeigt, wie souveräne Staaten bestimmte Kompetenzen gemeinsam ausüben und verbindliche überstaatliche Entscheidungen ermöglichen können. „Warum sollten wir diese Erfahrung nicht nutzen, um für ausgewählte, besonders wichtige Fragen der globalen KI-Governance neue institutionelle Modelle zu entwickeln?“

Keine Weltregierung

Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um eine Weltregierung oder um Überregulierung, sondern um verhältnismäßige Regeln und wirksame gemeinsame Strukturen zur Bewältigung globaler Risiken. „Vielleicht bietet uns Künstliche Intelligenz die Gelegenheit, an Österreichs internationale Tradition anzuknüpfen und Wien zu einem Ort zu machen, an dem nicht nur über globale KI-Herausforderungen gesprochen, sondern auch an neuen Modellen verbindlicher internationaler KI-Zusammenarbeit gearbeitet wird.“

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AI Summaries

Vielfalt statt Männer-Sesselkreis: Warum unser Expert:innen-Netz diverser werden muss

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der Inhalt des Artikels zeigt auf, dass es in den Medien eine verzerrte Darstellung von Expertinnen gibt und Männer häufiger in den Fokus gerückt werden. Dies hat gesellschaftspolitische Auswirkungen, da es die Wahrnehmung und Repräsentation von Frauen in der Öffentlichkeit beeinflusst. Es führt zu einer Verstärkung von Stereotypen und Geschlechterrollen, in denen Männer als kompetenter und sachkundiger angesehen werden. Dies kann negative Auswirkungen auf die Gleichstellung und Gerechtigkeit in der Gesellschaft haben, da Frauen in vielen Bereichen unterrepräsentiert sind und ihre Stimmen und Perspektiven weniger gehört werden. Indem die Frauendomäne und ähnliche Initiativen darauf abzielen, die Präsenz und Sichtbarkeit von Expertinnen zu erhöhen, wird eine vielfältigere und ausgewogenere öffentliche Debatte gefördert und die Chancen für Frauen verbessert, als Expertinnen anerkannt zu werden.

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Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Die verzerrte Darstellung von Expertinnen in den Medien, wie in dem Artikel beschrieben, hat wirtschaftliche Auswirkungen auf mehreren Ebenen. Erstens führt die Unterrepräsentation von Frauen dazu, dass deren Fachkompetenz und Expertise nicht ausreichend genutzt wird. Dadurch bleibt ein erheblicher Pool an talentierten Fachkräften ungenutzt, was eine Verschwendung von Potenzial bedeutet. Zweitens führt die einseitige Präsenz von männlichen Experten zu einer Verzerrung der öffentlichen Meinung und beeinflusst die Art und Weise, wie bestimmte Themen behandelt und diskutiert werden. Dies kann zu einseitigen Entscheidungen führen und die Qualität der Diskurse beeinflussen. Eine diversere Darstellung von Experten würde daher nicht nur zur Chancengleichheit beitragen, sondern auch zu einer breiteren und ausgewogeneren Berichterstattung führen, was letztendlich positiv für die Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes ist.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Als Innovationsmanager:in ist es wichtig, eine breite Vielfalt an Perspektiven und Erfahrungen einzubeziehen, um innovative Lösungen zu entwickeln. Dieser Artikel spricht über die verzerrte Geschlechterverteilung in Expert:innen-Netzwerken und wie dies zu einer einseitigen Berichterstattung und Wissensvermittlung führt. Indem Sie sicherstellen, dass Sie diverse Expert:innen und Meinungen einbeziehen, können Sie sicherstellen, dass Ihre Innovationsprozesse breit gefächert und inklusiv sind. Es ist wichtig, bewusst nach Expertinnen zu suchen und bestehende Stereotypen und Netzwerke aufzubrechen, um eine gerechtere und ausgewogenere Innovationslandschaft zu schaffen.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Der Inhalt dieses Artikels ist für Sie als Investor:in relevant, da er auf einen Gender Expert Gap in der Expert:innendefinition und -auswahl hinweist. Die mangelnde Vielfalt in den Panels und Diskussionsrunden kann zu einer einseitigen Perspektive und einem Verlust an verschiedenartigen Meinungen und Expertisen führen. Als Investor:in ist es wichtig, Zugang zu einer breiten Palette von Expert:innen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen zu haben, um umfassende und fundierte Entscheidungen treffen zu können.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Der Inhalt dieses Artikels ist für Sie als Politiker:in relevant, da er auf die verzerrte Geschlechterverteilung in Expertenrunden und Medien hinweist. Es wird betont, dass es viele weibliche Expertinnen gibt, die jedoch seltener in der Öffentlichkeit präsent sind. Als Politiker:in sollten Sie sich für eine gerechtere Repräsentation von Frauen und Diversität einsetzen, um eine ausgewogene und vielfältige Diskussionskultur zu fördern. Dies kann dazu beitragen, dass unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in politischen Entscheidungsprozessen angemessen berücksichtigt werden.

Vielfalt statt Männer-Sesselkreis: Warum unser Expert:innen-Netz diverser werden muss

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Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Der Artikel betont die Bedeutung von Vielfalt und Geschlechtergleichstellung in Expert:innen-Netzwerken und thematisiert das Problem der dominanten Präsenz männlicher Experten in den Medien. Er zeigt auf, dass es nicht mangelnde weibliche Expertise, sondern strukturelle Hindernisse gibt, die Frauen daran hindern, sichtbar zu werden. Die Frauendomäne wird als Lösungsansatz vorgestellt, um Diversität und Genderbalance im nationalen Expertentum zu erreichen. Das übergeordnete Ziel ist eine Gesellschaft, in der Expertise und Kompetenz nicht vom Geschlecht abhängig sind, sondern nach individuellen Stärken bewertet werden. Dieser Artikel unterstreicht somit den gesamtgesellschaftlichen Sinn von Gleichstellung und Gerechtigkeit.

Vielfalt statt Männer-Sesselkreis: Warum unser Expert:innen-Netz diverser werden muss

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Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Die relevantesten Personen in diesem Artikel sind:
  • Hannah Zach (Co-Founderin der Expertinnen-Datenbank „Frauendomäne“)

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Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

  • Frauendomäne
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

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